Deutsch Ausgabe
Literatur
Buddenbrooks
BooksWhale-Ausgabe auf Deutsch von Thomas Mann
Ein großer Familienroman über Aufstieg, Verfall, Bürgertum, Kunst und Pflicht.
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Bucheinführung
Buddenbrooks
Buddenbrooks erzählt den Niedergang einer Lübecker Kaufmannsfamilie über mehrere Generationen. Thomas Mann verbindet Gesellschaftsbeobachtung, Familiengeschichte und psychologische Genauigkeit zu einem Schlüsselroman der deutschen Moderne.
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Thomas Mann starb 1955, und Buddenbrooks erschien 1901; diese Daten stützen die Gemeinfreiheit dieser deutschen Ausgabe.
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Buddenbrooks: Verfall einer Familie
Thomas Mann
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Erster Teil
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»Was ist das. -- Was -- ist das ...«
»Je, den Düwel ook, c'est la question, ma très chère demoiselle!«
Die Konsulin Buddenbrook, neben ihrer Schwiegermutter auf dem geradlinigen, weiß lackierten und mit einem goldenen Löwenkopf verzierten Sofa, dessen Polster hellgelb überzogen waren, warf einen Blick auf ihren Gatten, der in einem Armsessel bei ihr saß, und kam ihrer kleinen Tochter zu Hilfe, die der Großvater am Fenster auf den Knien hielt.
»Tony!« sagte sie, »ich glaube, daß mich Gott --«
Und die kleine Antonie, achtjährig und zartgebaut, in einem Kleidchen aus ganz leichter changierender Seide, den hübschen Blondkopf ein wenig vom Gesichte des Großvaters abgewandt, blickte aus ihren graublauen Augen angestrengt nachdenkend und ohne etwas zu sehen ins Zimmer hinein, wiederholte noch einmal: »Was ist das«, sprach darauf langsam: »Ich glaube, daß mich Gott«, fügte, während ihr Gesicht sich aufklärte, rasch hinzu: »-- geschaffen hat samt allen Kreaturen«, war plötzlich auf glatte Bahn geraten und schnurrte nun, glückstrahlend und unaufhaltsam, den ganzen Artikel daher, getreu nach dem Katechismus, wie er soeben, anno 1835, unter Genehmigung eines hohen und wohlweisen Senates, neu revidiert herausgegeben war. Wenn man im Gange war, dachte sie, war es ein Gefühl, wie wenn man im Winter auf dem kleinen Handschlitten mit den Brüdern den »Jerusalemsberg« hinunterfuhr: es vergingen einem geradezu die Gedanken dabei, und man konnte nicht einhalten, wenn man auch wollte.
»Dazu Kleider und Schuhe«, sprach sie, »Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker und Vieh ...« Bei diesen Worten aber brach der alte M. Johann Buddenbrook einfach in Gelächter aus, in sein helles, verkniffenes Kichern, das er heimlich in Bereitschaft gehalten hatte. Er lachte vor Vergnügen, sich über den Katechismus mokieren zu können, und hatte wahrscheinlich nur zu diesem Zwecke das kleine Examen vorgenommen. Er erkundigte sich nach Tonys Acker und Vieh, fragte, wieviel sie für den Sack Weizen nähme und erbot sich, Geschäfte mit ihr zu machen. Sein rundes, rosig überhauchtes und wohlmeinendes Gesicht, dem er beim besten Willen keinen Ausdruck von Bosheit zu geben vermochte, wurde von schneeweiß gepudertem Haar eingerahmt, und etwas wie ein ganz leise angedeutetes Zöpflein fiel auf den breiten Kragen seines mausgrauen Rockes hinab. Er war, mit seinen siebenzig Jahren, der Mode seiner Jugend nicht untreu geworden; nur auf den Tressenbesatz zwischen den Knöpfen und den großen Taschen hatte er verzichtet, aber niemals im Leben hatte er lange Beinkleider getragen. Sein Kinn ruhte breit, doppelt und mit einem Ausdruck von Behaglichkeit auf dem weißen Spitzen-Jabot.
Alle hatten in sein Lachen eingestimmt, hauptsächlich aus Ehrerbietung gegen das Familienoberhaupt. Mme. Antoinette Buddenbrook, geborene Duchamps, kicherte in genau derselben Weise wie ihr Gatte. Sie war eine korpulente Dame mit dicken, weißen Locken über den Ohren, einem schwarz und hellgrau gestreiften Kleide ohne Schmuck, das Einfachheit und Bescheidenheit verriet, und mit noch immer schönen und weißen Händen, in denen sie einen kleinen, sammetnen Pompadour auf dem Schoße hielt. Ihre Gesichtszüge waren im Laufe der Jahre auf wunderliche Weise denjenigen ihres Gatten ähnlich geworden. Nur der Schnitt und die lebhafte Dunkelheit ihrer Augen redeten ein wenig von ihrer halb romanischen Herkunft; sie stammte großväterlicherseits aus einer französisch-schweizerischen Familie und war eine geborene Hamburgerin.
Ihre Schwiegertochter, die Konsulin Elisabeth Buddenbrook, eine geborene Kröger, lachte das Krögersche Lachen, das mit einem pruschenden Lippenlaut begann, und bei dem sie das Kinn auf die Brust drückte. Sie war, wie alle Krögers, eine äußerst elegante Erscheinung, und war sie auch keine Schönheit zu nennen, so gab sie doch mit ihrer hellen und besonnenen Stimme, ihren ruhigen, sicheren und sanften Bewegungen aller Welt ein Gefühl von Klarheit und Vertrauen. Ihrem rötlichen Haar, das auf der Höhe des Kopfes zu einer kleinen Krone gewunden und in breiten künstlichen Locken über die Ohren frisiert war, entsprach ein außerordentlich zartweißer Teint mit vereinzelten kleinen Sommersprossen. Das Charakteristische an ihrem Gesicht mit der etwas zu langen Nase und dem kleinen Munde war, daß zwischen Unterlippe und Kinn sich durchaus keine Vertiefung befand. Ihr kurzes Mieder mit hochgepufften Ärmeln, an das sich ein enger Rock aus duftiger, hellgeblümter Seide schloß, ließ einen Hals von vollendeter Schönheit frei, geschmückt mit einem Atlasband, an dem eine Komposition von großen Brillanten flimmerte.
Inhaltsverzeichnis
In dieser Ausgabe
- 01Full text
- 02Erster Teil
- 03Erstes Kapitel
- 04Zweites Kapitel
- 05Drittes Kapitel
- 06Viertes Kapitel
- 07Fünftes Kapitel
- 08Sechstes Kapitel
- 09Siebentes Kapitel
- 10Achtes Kapitel
- 11Neuntes Kapitel
- 12Zehntes Kapitel
- 13Zweiter Teil
- 14Erstes Kapitel
- 15Zweites Kapitel
- 16Drittes Kapitel
- 17Viertes Kapitel
- 18Fünftes Kapitel
- 19Sechstes Kapitel
- 20Siebentes Kapitel
- 21Dritter Teil
- 22Erstes Kapitel
- 23Zweites Kapitel
- 24Drittes Kapitel
- 25Viertes Kapitel
- 26Fünftes Kapitel
- 27Sechstes Kapitel
- 28Siebentes Kapitel
- 29Achtes Kapitel
- 30Neuntes Kapitel
- 31Zehntes Kapitel
- 32Elftes Kapitel
- 33Zwölftes Kapitel
- 34Dreizehntes Kapitel
- 35Vierzehntes Kapitel
- 36Fünfzehntes Kapitel
- 37Vierter Teil
- 38Erstes Kapitel
- 39Zweites Kapitel
- 40Drittes Kapitel
- 41Viertes Kapitel
- 42Fünftes Kapitel
- 43Sechstes Kapitel
- 44Siebentes Kapitel
- 45Achtes Kapitel
- 46Neuntes Kapitel
- 47Zehntes Kapitel
- 48Elftes Kapitel
- 49Fünfter Teil
- 50Erstes Kapitel
- 51Zweites Kapitel
- 52Drittes Kapitel
- 53Viertes Kapitel
- 54Fünftes Kapitel
- 55Sechstes Kapitel
- 56Siebentes Kapitel
- 57Achtes Kapitel
- 58Neuntes Kapitel
- 59Sechster Teil
- 60Erstes Kapitel
- 61Zweites Kapitel
- 62Drittes Kapitel
- 63Viertes Kapitel
- 64Fünftes Kapitel
- 65Sechstes Kapitel
- 66Siebentes Kapitel
- 67Achtes Kapitel
- 68Neuntes Kapitel
- 69Zehntes Kapitel
- 70Elftes Kapitel
- 71Siebenter Teil
- 72Erstes Kapitel
- 73Zweites Kapitel
- 74Drittes Kapitel
- 75Viertes Kapitel
- 76Fünftes Kapitel
- 77Sechstes Kapitel
- 78Siebentes Kapitel
- 79Achtes Kapitel
- 80Achter Teil
- 81Erstes Kapitel
- 82Zweites Kapitel
- 83Drittes Kapitel
- 84Viertes Kapitel
- 85Fünftes Kapitel
- 86Sechstes Kapitel
- 87Siebentes Kapitel
- 88Achtes Kapitel
- 89Neuntes Kapitel
- 90Neunter Teil
- 91Erstes Kapitel
- 92Zweites Kapitel
- 93Drittes Kapitel
- 94Viertes Kapitel
- 95Zehnter Teil
- 96Erstes Kapitel
- 97Zweites Kapitel
- 98Drittes Kapitel
- 99Viertes Kapitel
- 100Fünftes Kapitel
- 101Sechstes Kapitel
- 102Siebentes Kapitel
- 103Achtes Kapitel
- 104Neuntes Kapitel
- 105Elfter Teil
- 106Erstes Kapitel
- 107Zweites Kapitel
- 108Drittes Kapitel
- 109Viertes Kapitel
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