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Deutsch Ausgabe

Literatur

Der Parasit

BooksWhale-Ausgabe auf Deutsch von Friedrich Schiller

Eine scharfe Komödie über Opportunismus in einer eitlen politischen Hierarchie.

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Bucheinführung

Der Parasit

Schiller zeigt, wie ein gewandter Emporkömmling bürokratische Eitelkeit, verletzte Autorität und den Hunger nach Einfluss ausnutzt.

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Friedrich Schiller died in 1805; Der Parasit was first published or performed in 1803. This entry uses the original German text.

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Der Parasit

Friedrich Schiller

Der Parasit

oder die Kunst, sein Glück zu machen.

Ein Lustspiel nach dem Französischen [des Picard]

VorschaukapitelPersonen.Vorschau

Narbonne, Minister.

Madame Belmont, seine Mutter.

Charlotte, seine Tochter.

Selicour, La Roche und Firmin, Subalternen des Ministers.

Karl Firmin, des Letztern Sohn, Lieutenant.

Michel, Kammerdiener des Ministers.

Robineau, ein junger Bauer, Selicours Vetter.

Die Scene ist zu Paris in einem Vorgemach des Ministers.

Erster Aufzug.

Erster Auftritt.

Firmin, der Vater und Karl Firmin.

Karl. Welch glücklicher Zufall!—Denken Sie doch, Vater!

Firmin. Was ist's?

Karl. Ich habe sie wieder gefunden.

Firmin. Wen?

Karl. Charlotten. Seitdem ich in Paris bin, suchte ich sie an allen

öffentlichen Plätzen vergebens—und das erste Mal, daß ich zu Ihnen

aufs Bureau komme, führt mein Glücksstern sie mir entgegen.

Firmin. Aber wie denn?

Karl. Denken Sie doch nur! Dieses herrliche Mädchen, das ich zu

Colmar im Haus ihrer Tante besuchte—diese Charlotte, die ich liebe

und ewig lieben werde—sie ist die Tochter!—

Firmin. Wessen?

Karl. Ihres Principals, des neuen Ministers.—Ich kannte sie immer

nur unter dem Namen Charlotte.

Firmin. Sie ist die Tochter?

Karl. Des Herrn von Narbonne.

Firmin. Und du liebst sie noch?

Karl. Mehr als jemals, mein Vater!—Sie hat mich nicht erkannt,

glaub' ich; ich wollte ihr eben meine Verbeugung machen, als Sie

herein traten.—Und gut, daß Sie mich störten! Denn was hätte ich

ihr sagen können! Meine Verwirrung mußte ihr sichtbar werden und

meine Gefühle verrathen!—Ich beherrsche mich nicht mehr. Seit den

sechs Monaten, daß ich von ihr getrennt bin, ist sie mein einziger

Gedanke—sie ist der Inhalt, die Seele meiner Gedichte—der Beifall,

den man mir gezollt, ihr allein gebührt er; denn meine Liebe ist der

Gott, der mich begeistert.

Firmin. Ein Poet und ein Verliebter überredet sich Vieles, wenn er

zwanzig Jahre alt ist.—Auch ich habe in deinen Jahren meine Verse

und meine Zeit verloren.—Schade, daß über dem schönen Wahn des

Lebens beste Hälfte dahin geht.—Und wenn doch nur wenigstens einige

Hoffnung bei dieser Liebe wäre!—Aber nach etwas zu streben, was man

niemals erreichen kann!—Charlotte Narbonne ist eines reichen und

vornehmen Mannes Tochter—Unser ganzer Reichthum ist meine Stelle

und deine Lieutenantsgage.

Karl. Aber ist das nicht ein wenig Ihre eigene Schuld, mein Vater?

Verzeihen Sie! Mit Ihren Fähigkeiten, wornach könnten Sie nicht

streben! Wollten Sie Ihren Werth geltend machen, Sie wären

vielleicht selbst Minister, anstatt sein Commis zu sein, und Ihr Sohn

dürfte ungescheut seine Ansprüche zu Charlotten erheben.

Firmin. Dein Vater ist das größte Genie, wenn man dich hört! Laß

gut sein, mein Sohn, ich weiß besser, was ich werth bin! Ich habe

einige Uebung und bin zu brauchen—Aber wie viele ganz andere Männer,

als ich bin, bleiben im Dunkeln und sehen sich von unverschämten

Glückspilzen verdrängt—Nein, mein Sohn! Laß uns nicht zu hoch

hinaus wollen!

Karl. Aber auch nicht zu wenig auf uns halten! Wie? Sollten Sie

nicht unendlich mehr werth sein, als dieser Selicour, Ihr

Vorgesetzter—dieser ausgeblasene Hohlkopf, der unter dem vorigen

Minister Alles machte, der sich durch Niederträchtigkeiten in seine

Gunst einschmeichelte, Stellen vergab, Pensionen erschlich, und der

jetzt auch schon bei dem neuen Minister Alles gilt, wie ich höre?

Firmin. Was hast du gegen diesen Selicour? Wird sein Geschäft nicht

gethan, wie es sein soll?

Karl. Ja, weil Sie ihm helfen.—Sie können nicht leugnen, daß Sie

drei Viertheile seiner Arbeit verrichten.

Firmin. Man muß einander wechselseitig zu Gefallen sein. Versehe

ich seine Stelle, so versieht er auch oft die meinige.

Karl. Ganz recht! Darum sollten Sie an seinem Platze stehen, und er

an dem Ihren.

Firmin. Ich will keinen Andern aus seinem Platze verdrängen und bin

gern da, wo ich stehe, in der Dunkelheit.

Karl. Sie sollten so hoch streben, als Sie reichen können.—Daß Sie

unter dem vorigen Minister sich in der Entfernung hielten, machte

Ihrer Denkungsart Ehre, und ich bewunderte Sie darum nur desto mehr.

Inhaltsverzeichnis

In dieser Ausgabe

  1. 01Full text
  2. 02Personen.

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