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Deutsch Ausgabe

Literatur

Des Knaben Wunderhorn

BooksWhale-Ausgabe auf Deutsch von Achim von Arnim; Clemens Brentano

Volkslied, Liebesklage, Soldatenlied und Naturbild begegnen sich in einer prägenden Sammlung romantischer Lyrik.

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Bucheinführung

Des Knaben Wunderhorn

Arnim und Brentano versammeln und bearbeiten Lieder aus unterschiedlichen Zeiten und Lebenswelten. Die Sammlung reicht von zarten Liebesliedern bis zu rauen Soldaten- und Wanderliedern und prägte die romantische Vorstellung einer lebendigen, gemeinschaftlich überlieferten Poesie.

BooksWhale-Ausgabe

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Die drei Bände erschienen 1805–1808. Achim von Arnim starb 1831, Clemens Brentano 1842; die historische Gedichtsammlung ist gemeinfrei. Moderne Einleitungen und Kommentare nicht übernehmen.

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Des Knaben Wunderhorn

.

Alte deutsche Lieder

gesammelt von

L. A. v.

Arnim

und

Clemens Brentano

.

Des Knaben Wunderhorn

Alte deutsche Lieder

L. Achim v. Arnim. Clemens Brentano.

Heidelberg,

beÿ

Mohr u. Zimmer. Frankfurt beÿ J. C. B. Mohr

.

Sr

.

Excellenz des Herrn Geheimerath von Göthe

.

„

A

uf dem Reichstage zu Augsburg geschah ein guter „Schwank von Gruͤnenwald, Singer an des Herzogs „Wilhelmen von Muͤnchen Hof. Er war ein guter Mu- „sikus und Zechbruder, nahm nicht fuͤr gut was ihm an „seines gnaͤdigen Fuͤrsten und Herren Tisch aufgetragen „ward, sunder sucht sich anderswo gute Gesellschaft, so „seines Gefallens und Kopfs waͤre, mit ihm tapfer daͤmpf- „ten und zechten, kam so weit hinein, daß alle Geschenke „in der Schenken fuͤr nasse Waar und gute Bislein da- „hin gingen; nach mußt die Maus bas getauft werden, „er macht dem Wirth bey acht Gulden an die Wand. „Als der Wirth erfuhr, daß der Herzog von Muͤnchen „sammt andern Fuͤrsten-Herren aufbrechen wollte, so kam „er zu dem guten Gruͤnenwald, fodret seine angeschriebene „Schuld. Lieber Wirth, sagt Gruͤnenwald, ich bitt euch „von wegen guter und freundlicher Gesellschaft, so wir „nun lang zusammen gehabt, lassen die Sach also auf „diesmal beruhen, bis ich gen Muͤnchen komm, denn ich „bin jetzt zumal nicht verfaßt, wir haben doch nicht so „gar weit zusammen, ich kanns euch alle Tag schicken, denn „ich hab noch Kleinod und Geld zu Muͤnchen, das mir „die Schuld fuͤr bezahlen moͤcht. Das gunn dir Gott, „sagt der Wirth, mir ist aber damit nicht geholfen, so „woelln sich meine Glaͤubiger nicht bezahlen lassen mit „Worten, nemlich die, von denen ich Brod, Wein, „Fleisch, Salz, Schmalz, und andere Speisen kaufe; „komm ich auf den Fischmarkt, sehen die Fischer bald, ob „ich um baar Geld oder auf Borg kaufen woͤll; nimm „ichs auf Borg, muß ichs doppelt bezahlen. Ihr Gesellen „aber setzt euch zum Tisch, der Wirth kann euch nicht „genug auftragen, wenn ihr gleichwohl nicht ein Pfenning „in der Taschen habt. Drum merk mich eben, was ich „auf diesmal gesinnet bin. Willt du mich zahlen mit „Heil, wo nicht, will ich mich dem naͤchsten zu meins „gnaͤdigen Fuͤrsten und Herrn von Muͤnchen Secretarien „verfuͤgen, derselbig wird mir wohl Weg und Steg an- „zeigen, damit ich zahlt werd.“

„Dem guten Gruͤnenwald war der Spieß an Bauch „gesetzt, wußt nicht wo aus oder wo an, dann der Wirth „so auch mit dem Teufel zur Schulen gangen, war ihm „zu scharf. Er fing an die allersuͤßesten und glatte- „sten Wort zu geben, so er sein Tag je studieren und „erdenken mocht, aber alles umsonst war. Der Wirth „wollt aber keineswegs schweigen, und sagt: ich mach „nicht viel Umstaͤnd, glattgeschliffen ist bald gewetzt, du „hast Tag und Nacht wollen voll sein, den besten Wein, „so ich in meinem Keller gehabt, hab ich dir muͤssen „auftragen, drum such nur nicht viel Maͤus, hast du „nicht Geld, so gib mir deinen Mantel, dann so will ich „dir wohl eine Zeitlang borgen. Wo du aber in bestimm- „ter Zeit nicht kommst, werd ich deinen Mantel auf der „Gant verkaufen lassen, dieß ist der Bescheid mit einander. „Wohlan sagte Gruͤnenwald, ich will der Sache bald Rath „finden. Er saß nieder, nahm sein Schreibzeug, Papier, „Feder und Dinten, und dichtet nachfolgends Liedlein:

„Ich stund auf an eim Morgen,

„Und wollt gen Muͤnchen gehn,

„Und war in großen Sorgen,

„Ach Gott waͤr ich davon,

„Mein Wirth, dem war ich schuldig viel,

„Ich wollt ihn gern bezahlen,

„Doch auf ein ander Ziel.

„Herr Gast ich hab vernommen,

„Du woͤllest von hinnen schier,

„Ich laß dich nicht weg kommen,

„Die Zehrung zahl vor mir,

„Oder setz mir den Mantel ein,

„Demnach will ich gern warten,

„Auf die Bezahlung dein.

„Die Red ging mir zu Herzen,

VorschaukapitelIVorschau

ch kam vor einer Frau Wirthin Haus,

Man fragt mich, wer ich waͤre,

Ich bin ein armer Schwartenhals,

Ich eß und trink so gerne.

Man fuͤhrt mich in die Stuben ein,

Da bot man mir zu trinken,

Die Augen ließ ich umher gehn,

Den Becher ließ ich sinken.

Man setzt mich oben an den Tisch,

Als ich ein Kaufherr waͤre,

Und da es an ein Zahlen ging,

Mein Saͤckel stand mir leere.

Da ich des Nachts wollt schlafen gahn,

Man wieß mich in die Scheuer,

Da ward mir armen Schwartenhals,

Mein Lachen viel zu theuer.

Und da ich in die Scheuer kam,

Da hub ich an zu nisteln,

Da stachen mich die Hagendorn,

Dazu die rauhen Disteln.

Da ich zu Morgens fruͤh aufstand,

Der Reif lag auf dem Dache,

Da mußt ich armer Schwartenhals

Meins Ungluͤcks selber lachen.

Ich nahm mein Schwerd wohl in die Hand,

Und guͤrt es an die Seiten,

Ich armer mußt zu Fuße gehn,

Weil ich nicht hatt' zu reiten.

Ich hob mich auf und ging davon

Und macht mich auf die Straßen,

Mir kam ein reicher Kaufmanns-Sohn,

Sein Tasch mußt er mir lassen.

Der Tod und das Maͤdchen im Blumen

-

garten

.

Fliegendes Blat aus Coͤlln.

E

s ging ein Maͤgdlein zarte

Fruͤh in der Morgenstund

In einen Blumengarten,

Frisch, froͤhlich und gesund,

Der Bluͤmlein es viel brechen wollt,

Daraus ein Kranz zu machen,

Von Silber und von Gold.

Da kam herzu geschlichen

Ein gar erschrecklich Mann,

Die Farb war ihm verblichen,

Kein' Kleider hatt' er an,

Er hatt' kein Fleisch, kein Blut, kein Haar,

Es war an ihm verdorret

Sein Haut, und Flechsen gar.

Gar haͤßlich thaͤt er sehen,

Scheußlich war sein Gesicht,

Er weiset seine Zaͤhne

Und that noch einen Schritt,

Wohl zu dem Maͤgdlein zart,

Das schier fuͤr großen Aengsten,

Des grimmen Todes ward.

„Nun schick dich Maͤgdlein, schick dich,

„Du must mit mir an Tanz!

„Ich will dir bald aufsetzen,

„Ein wunderschoͤnen Kranz,

„Der wird dir nicht gebunden sein

„Von wohlriechenden Kraͤutern,

„Und zarten Bluͤmelein.

„Der Kranz, den ich aufsetze,

„Der heißt die Sterblichkeit;

„Du wirst nicht seyn die letzte,

„Die ihn traͤgt auf dem Haupt;

„Wie viel allhie gebohren seyn,

„Die muͤssen mit mir tanzen

„Wohl um das Kraͤnzelein.

„Der Wuͤrmer in der Erde

„Ist eine große Zahl,

„Die werden dir verzehren

„Dein Schoͤnheit allzumahl,

„Sie werden deine Bluͤmlein seyn,

„Das Gold, und auch die Perlen,

„Silber und Edelstein.

„Willst du mich gerne kennen

„Und wissen, wer ich sey?

„So hoͤr mein Nahmen nennen,

„Will dir ihn sagen frey:

„Der grimme Tod werd ich genannt,

„Und bin in allen Landen,

„Gar weit und breit bekannt.

„Die Sense ist mein Wappen,

„Das ich mit Rechte fuͤhr,

„Damit thu ich anklopfen

„Jedem an seine Thuͤr,

„Und wenn sein Zeit ist kommen schon,

„Spaͤt, fruͤh, und in der Mitten,

„'S hilft nichts, er muß davon!“

Das Maͤgdlein voller Schmerzen,

Voll bittrer Angst und Noth,

Bekuͤmmert tief im Herzen,

Bat: „Ach du lieber Todt,

„Wollst eilen nicht so sehr mit mir,

„Mich armes Maͤgdlein zarte

„Laß laͤnger leben hier!

„Ich will dich reich begaben,

„Mein Vater hat viel Gold,

„Und was du nur willst haben

„Das all du nehmen sollt!

„Nur lasse du, das Leben mir,

„Mein allerbeste Schaͤtze,

„Die will ich geben dir!“

„Kein Schatz sollt du mir geben,

„Kein Gold noch Edelstein!

„Ich nehm dir nur das Leben,

„Du zartes Maͤgdelein,

„Du must mit mir an meinen Tanz,

„Daran noch kommt manch Tausend,

„Bis daß der Reihn wird ganz.“

„O Tod, laß mich beim Leben,

„Nimm all mein Hausgesind!

„Mein Vater wird dirs geben,

„Wenn er mich lebend findt,

„Ich bin sein einzigs Toͤchterlein,

VorschaukapitelIIIVorschau

. T. S. 89.

H

ier sind wir arme Narrn

Auf Plaͤtzen und auf Gassen,

Und thun die ganze Nacht

Mit unsrer Musick passen.

Es giebt uns keine Ruhe

Die starke Liebes-Macht,

Wir stehen mit dem Bogen

Erfroren auf der Wacht;

Sobald der helle Tag

Sich nur beginnt zu neigen,

Gleich stimmen wir die Laut,

Die Harfen und die Geigen.

Mit diesen laufen wir

Zu mancher Schoͤnen Hauß,

Und legen unsern Kram,

Papier und Noten aus.

Der erste gibt den Tackt,

Der andre blaͤßt die Floͤten,

Der dritte schlaͤgt die Pauck',

Der viert stoͤßt die Trompeten.

Ein andrer aber spielt

Theorb und Galischan

Mit gar besonderm Fleiß,

So gut er immer kann.

Wir pflegen auch so lang

An einem Eck zu hocken,

Bis wir ein schoͤn Gespenst

Hin an das Fenster locken;

Da faͤngt man alsbald an

Vor der Geliebten Thuͤr

Verliebte Arien

Mit Pausen und Suspir.

Und sollten vor der Wacht

Wir endlich weichen muͤssen,

So macht man statt der Haͤnd',

Die Laͤufe mit den Fuͤßen.

Und also treiben wirs

Oft durch die lange Nacht,

Daß selbst die ganze Welt

Ob unsrer Narrheit lacht.

Ach schoͤnste Phillis hoͤr

Doch unser Musiciren,

Und laß uns eine Nacht

In deinem Schoos pausiren.

Die widerspenstige Braut

.

Bei Elwert. S. 17.

Inhaltsverzeichnis

In dieser Ausgabe

  1. 01Full text
  2. 02I
  3. 03III
  4. 04I
  5. 05II
  6. 06IV
  7. 07I
  8. 08I
  9. 09I
  10. 10I
  11. 11V
  12. 12I
  13. 13I
  14. 14I
  15. 15I
  16. 16I
  17. 17I
  18. 18I
  19. 19I
  20. 20I
  21. 21I
  22. 22V
  23. 23I
  24. 24I
  25. 25V
  26. 26V
  27. 27I
  28. 28V
  29. 29I
  30. 30II
  31. 31I
  32. 32I
  33. 33II
  34. 34I
  35. 35I
  36. 36I
  37. 37II
  38. 38I
  39. 39III
  40. 40I
  41. 41II. XXV.
  42. 42I
  43. 43I
  44. 44V
  45. 45V
  46. 462. Band. 1.
  47. 47V
  48. 482 Band. 2.
  49. 49I
  50. 50I
  51. 512. Band. 3.
  52. 52I
  53. 53I
  54. 542. Band. 4.
  55. 55I
  56. 56I
  57. 57I
  58. 58I
  59. 59V
  60. 60I
  61. 61I
  62. 62I
  63. 63V
  64. 642. Band. 17.
  65. 65I
  66. 662. Band. 18.
  67. 67I
  68. 682. Band. 19.
  69. 69I
  70. 70II
  71. 712 Band. 20.
  72. 722. Band. 21.
  73. 73I
  74. 74I
  75. 752. Band. 27
  76. 762. Band. 28.
  77. 773. Band. 1.
  78. 78I
  79. 79I
  80. 80I
  81. 81I
  82. 82I
  83. 83I
  84. 84I
  85. 85I
  86. 86I
  87. 87I
  88. 88I
  89. 89I
  90. 90I
  91. 91I
  92. 92I
  93. 93I
  94. 94I
  95. 95I
  96. 96I
  97. 97V
  98. 98I
  99. 99I
  100. 100I
  101. 101I
  102. 102I
  103. 103I
  104. 104I
  105. 105V
  106. 106I
  107. 107I
  108. 108I

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Weitere Sprachausgaben sind noch nicht veröffentlicht. Sobald verfügbar, werden sie hier verlinkt.

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