Deutsch Ausgabe
Philosophie
Zur Genealogie der Moral
BooksWhale-Ausgabe auf Deutsch von Friedrich Nietzsche
Eine scharfe Untersuchung über Moral, Schuld, Gewissen, Askese und Wertsetzung.
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Bucheinführung
Zur Genealogie der Moral
Zur Genealogie der Moral fragt nach der Herkunft moralischer Werte und analysiert Ressentiment, Schuld, Strafe und asketische Ideale mit Nietzsches typischer Radikalität.
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Friedrich Nietzsche starb 1900, und Zur Genealogie der Moral erschien 1887; diese Daten stützen die Gemeinfreiheit dieser deutschen Ausgabe.
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Zur Genealogie der Moral
Friedrich Nietzsche
VorschaukapitelVORREDEVorschau
Wir sind uns unbekannt, wir Erkennenden, wir selbst uns selbst: das hat seinen guten Grund. Wir haben nie nach uns gesucht, — wie sollte es geschehn, dass wir eines Tags uns fänden? Mit Recht hat man gesagt: „wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz"; unser Schatz ist, wo die Bienenkörbe unsrer Erkenntniss stehn. Wir sind immer dazu unterwegs, als geborne Flügelthiere und Honigsammler des Geistes, wir kümmern uns von Herzen eigentlich nur um Eins — Etwas „heimzubringen". Was das Leben sonst, die sogenannten „Erlebnisse" angeht, — wer von uns hat dafür auch nur Ernst genug? Oder Zeit genug? Bei solchen Sachen waren wir, fürchte ich, nie recht „bei der Sache" : wir haben eben unser Herz nicht dort — und nicht einmal unser Ohr! Vielmehr wie ein GöttlichZerstreuter und In - sich -Versenkter , dem die Glocke eben mit aller Macht ihre zwölf Schläge des Mittags in's Ohr gedröhnt hat, mit einem Male aufwacht und sich fragt „was hat es da eigentlich geschlagen?" so reiben auch wir uns mitunter hinterdrein die Ohren und fragen, ganz erstaunt, ganz betreten „was haben wir da eigentlich erlebt? mehr noch: wer sind wir eigentlich?" und zählen nach, hinterdrein, wie gesagt, alle die zitternden zwölf Glockenschläge unsres Erlebnisses, unsres Lebens, unsres Seins — ach! und verzählen uns dabei . . . Wir bleiben uns eben nothwendig fremd, wir verstehn uns nicht , wir müssen uns verwechseln, für uns heisst der Satz in alle Ewigkeit „Jeder ist sich selbst der Fernste", — für uns sind wir keine „Erkennenden" . . .
Vorschaukapitel2.Vorschau
— Meine Gedanken über die Herkunft unserer moralischen Vorurtheile — denn um sie handelt es sich in dieser Streitschrift — haben ihren ersten, sparsamen und vorläufigen Ausdruck in jener Aphorismen -Sammlung erhalten, die den Titel trägt „Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister", und deren Niederschrift in Sorrent begonnen wurde, während eines Winters, welcher es mir erlaubte, Halt zu machen wie ein Wandrer Halt macht und das weite und gefährliche Land zu überschauen, durch das mein Geist bis dahin gewandert war. Dies geschah im Winter 1876 — 77; die Gedanken selbst sind älter. Es waren in der Hauptsache schon die gleichen Gedanken, die ich in den vorliegenden Abhandlungen wieder aufnehme: — hoffen wir, dass die lange Zwischenzeit ihnen gut gethan hat, dass sie reifer, heller, stärker, vollkommner geworden sind! Dass ich aber heute noch an ihnen festhalte, dass sie sich selber inzwischen immer fester an einander gehalten haben, ja in einander gewachsen und verwachsen sind, das stärkt in mir die frohe Zuversichtlichkeit, sie möchten von Anfang an in mir nicht einzeln, nicht beliebig, nicht sporadisch entstanden sein, sondern aus einer gemeinsamen Wurzel heraus, aus einem in der Tiefe gebietenden, immer bestimmter redenden, immer Bestimmteres verlangenden Grundwillen der Erkenntniss. So allein nämlich geziemt es sich bei einem Philosophen. Wir haben kein Recht darauf, irgend worin einzeln zu sein: wir dürfen weder einzeln irren, noch einzeln die Wahrheit treffen. Vielmehr mit der Noth wendigkeit , mit der ein Baum seine Früchte trägt, wachsen aus uns unsre Gedanken, unsre Werthe, unsre Ja's und Nein's und Wenn's und Ob's — verwandt und bezüglich allesammt unter einander und Zeugnisse Eines Willens, Einer Gesundheit, Eines Erdreichs, Einer Sonne. — Ob sie euch schmecken, diese unsre Früchte ? — Aber was geht das die Bäume an ! Was geht das uns an, uns Philosophen! . . .
Inhaltsverzeichnis
In dieser Ausgabe
- 01Full text
- 02VORREDE
- 032.
- 043.
- 054.
- 065.
- 076.
- 087.
- 098.
- 10Erste Abhandlung
- 11Gut und Böse, Gut und Schlecht.
- 12I.
- 132.
- 143.
- 154.
- 165.
- 176.
- 187.
- 198.
- 209.
- 2110.
- 2214.
- 2316.
- 2417.
- 25Zweite Abhandlung
- 26Schuld, schlechtes Gewissen und Verwandtes.
- 272.
- 283.
- 294.
- 305.
- 316.
- 327.
- 338.
- 349.
- 3510.
- 3612.
- 3714.
- 3816.
- 3918.
- 4019.
- 4121.
- 4222.
- 4323.
- 4424.
- 4525.
- 46Dritte Abhandlung
- 47Was bedeuten asketische Ideale?
- 48I.
- 492.
- 503.
- 514.
- 525.
- 536.
- 547.
- 558.
- 569.
- 5710.
- 5812.
- 5913.
- 6014.
- 6115.
- 6216.
- 6317.
- 6418.
- 6519.
- 6620.
- 6721.
- 6822.
- 6923.
- 7024.
- 7125.
- 7226.
- 7327.
- 7428.
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