
ドイツ語 エディション
文学
Die Nachtwachen des Bonaventura
ドイツ語 BooksWhale エディション · Anonymous
Ein namenloser Nachtwächter streift durch eine groteske Welt, in der religiöse Gewissheiten, bürgerliche Ordnung und menschliche Vernunft ihre Masken verlieren.
- プレビュー
- 準備済みテキストからの抜粋
- 形式
- オンラインリーダー, EPUB, PDF
- アクセス
- ライブラリ claim
本の紹介
Die Nachtwachen des Bonaventura
Die Nachtwachen des Bonaventura führt durch die nächtlichen Beobachtungen eines Nachtwächters, der seine Stadt und ihre Bewohner mit schwarzem Humor betrachtet. Traum, Wahnsinn, Blasphemie und scharfe Gesellschaftskritik wechseln einander ab; die fragmentarische Form lässt die Stimme des Erzählers selbst unsicher werden. Das anonym überlieferte Werk gehört zu den eigenwilligsten dunklen Texten der deutschen Romantik.
BooksWhale エディション
このエディションの準備
このエディションはパブリックドメイン本文に基づき、BooksWhale がデジタル読書向けに準備しました。
パブリックドメイン根拠
このエディションを共有できる理由
Die Nachtwachen des Bonaventura is a premodern public-domain work; the original German text is public domain.
プレビューを読む
準備済みテキストからの抜粋
準備済み読書テキストから選んだプレビューです。
プレビュー章Full textプレビューを読む
Die Nachtwachen des Bonaventura
Anonymous
プレビュー章August Klingemann Die Nachtwachen des Bonaventuraプレビュー
Die Nachtstunde schlug; ich hüllte mich in meine abenteuerliche Vermummung, nahm die Pike und das Horn zur Hand, ging in die Finsterniß hinaus und rief die Stunde ab, nachdem ich mich durch ein Kreuz gegen die bösen Geister geschützt hatte.
Es war eine von jenen unheimlichen Nächten, wo Licht und Finsterniß schnell und seltsam mit einander abwechselten. Am Himmel flogen die Wolken, vom Winde getrieben, wie wunderliche Riesenbilder vorüber, und der Mond erschien und verschwand im raschen Wechsel. Unten in den Straßen herrschte Todtenstille, nur hoch oben in der Luft hauste der Sturm, wie ein unsichtbarer Geist.
Es war mir schon recht, und ich freute mich über meinen einsam wiederhallenden Fußtritt, denn ich kam mir unter den vielen Schläfern vor wie der Prinz im Mährchen in der bezauberten Stadt, wo eine böse Macht jedes lebende Wesen in Stein verwandelt hatte; oder wie ein einzig Übriggebliebener nach einer allgemeinen Pest oder Sündfluth.
Der letzte Vergleich machte mich schaudern, und ich war froh ein einzelnes mattes Lämpchen noch hoch oben über der Stadt auf einem freien Dachkämmerchen brennen zu sehen.
Ich wußte wohl, wer da so hoch in den Lüften regierte; es war ein verunglückter Poet, der nur in der Nacht wachte, weil dann seine Gläubiger schliefen, und die Musen allein nicht zu den letzten gehörten.
Ich konnte mich nicht entbrechen folgende Standrede an ihn zu halten:
»O du, der du da oben dich herumtreibst, ich verstehe dich wohl, denn ich war einst deinesgleichen! Aber ich habe diese Beschäftigung aufgegeben gegen ein ehrliches Handwerk, das seinen Mann ernährt, und das für denjenigen, der sie darin aufzufinden weiß, doch keinesweges ganz ohne Poesie ist. Ich bin dir gleichsam wie ein satirischer Stentor in den Weg gestellt und unterbreche deine Träume von Unsterblichkeit, die du da oben in der Luft träumst, hier unten auf der Erde regelmäßig durch die Erinnerung an die Zeit und Vergänglichkeit. Nachtwächter sind wir zwar beide; schade nur daß dir deine Nachtwachen in dieser kalt prosaischen Zeit nichts einbringen, indeß die meinigen doch immer ein Übriges abwerfen. Als ich noch in der Nacht poesirte, wie du, mußte ich hungern, wie du, und sang tauben Ohren; das letzte thue ich zwar noch jetzt, aber man bezahlt mich dafür. O Freund Poet, wer jezt leben will, der darf nicht dichten! Ist dir aber das Singen angebohren, und kannst du es durchaus nicht unterlassen, nun so werde Nachtwächter, wie ich, das ist noch der einzige solide Posten wo es bezahlt wird, und man dich nicht dabei verhungern läßt. – Gute Nacht, Bruder Poet.«
Ich stieß ins Horn, rief ihm laut die Zeit zu, und ging meiner Wege. –
Halt! dort wacht ein Kranker – auch in Träumen, wie der Poet, in wahren Fieberträumen!
Der Mann war ein Freigeist von jeher, und er hält sich stark in seiner letzten Stunde, wie Voltaire. Da sehe ich ihn durch den Einschnitt im Fensterladen; er schaut blaß und ruhig in das leere Nichts, wohin er nach einer Stunde einzugehen gedenkt, um den traumlosen Schlaf auf immer zu schlafen. Die Rosen des Lebens sind von seinen Wangen abgefallen, aber sie blühen rund um ihn auf den Gesichtern dreier holder Knaben. Der jüngste droht ihm kindlich unwissend in das blasse starre Antlitz, weil es nicht mehr lächeln will, wie sonst. Die andern beiden stehen ernst betrachtend, sie können sich den Tod noch nicht denken in ihrem frischen Leben.
Das junge Weib dagegen mit aufgelößtem Haar und offner schöner Brust, blickt verzweifelnd in die schwarze Gruft, und wischt nur dann und wann den Schweiß, wie mechanisch von der kalten Stirn des Sterbenden.
Vergebens! der Kranke bleibt stumm und starr, er sieht mit einer fürchterlichen Ruhe ein Blatt nach dem andern abfallen, und fühlt wie sich die kalte Eisrinde des Todes höher und höher zum Herzen hinaufzieht.
プレビュー章Nachtwache 1プレビュー
Er verschwur jezt nacheinander in zehn Karaktern aus den neuesten Dramen und Tragödien seine Seele, wenn er jemals treulos; zulezt redete er gar noch in der Manier des Don Juan, dem er diesen Abend beigewohnt hatte, und schloß mit den bedeutenden Worten: »dieser Stein soll als furchtbarer Gast erscheinen bei unserm nächtlichen Mahle, meine ich's nicht redlich.«
Ich merkte mir's und hörte nun noch wie sie ihm das Haus beschrieb, und eine geheime Feder an der Thür, wodurch er diese öffnen könne, zugleich auch die Mitternachtstunde zum Gastmale festsezte.
Ich war eine halbe Stunde früher auf dem Plaze, fand das Haus, die Thür, nebst der geheimen Feder, und schlich leise mehrere Hintertreppen hinauf bis zu einem Saale, auf dem es dämmerte. Das Licht fiel durch zwei Glasthüren; ich nahete mich der einen, und erblickte ein Wesen in einem Schlafrocke am Arbeitstische, von dem ich anfangs zweifelhaft blieb, ob es ein Mensch oder eine mechanische Figur sey, so sehr war alles Menschliche an ihm verwischt, und nur bloß der Ausdruck von Arbeit geblieben. Das Wesen schrieb, in Aktenstöße vergraben, wie ein lebendig eingescharrter Lapländer. Es kam mir vor als wollte es das Treiben und Hausen unter der Erde schon im Voraus, über ihr, kosten, denn alles Leidenschaftliche und Theilnehmende war auf der kalten hölzernen Stirne ausgelöscht, und die Marionette saß, leblos aufgerichtet, in dem Aktensarge voll Bücherwürmer. Jezt wurde der unsichtbare Drath gezogen, da klapperten die Finger, ergriffen die Feder und unterzeichneten drei Papiere nach einander; ich blickte schärfer hin – es waren Todesurtheile. Auf dem Tische lagen der Justinian und die Halsordnung, gleichsam die personifizirte Seele der Marionette.
Tadeln konnte ich's nicht; aber der kalte Gerechte kam mir vor wie die mechanische Todesmaschine, die willenlos niederfällt; sein Arbeitstisch wie die Gerichtsstäte, auf der er in einer Minute mit drei Federzügen drei Todesurtheile vollstreckt hatte. Beim Himmel hätte ich die Wahl zwischen beiden, lieber wäre ich der lebende Sünder, als dieser todte Gerechte.
Noch mehr ergriff es mich, als ich sein wohlgetroffenes in Wachs bossirtes Konterfei ihm unbeweglich gegenüber sitzen sah, als wäre es an einem leblosen Exemplare nicht genug, und eine Doublette nöthig, um die todte Seltenheit von zwei verschiedenen Seiten zu zeigen.
Das Gespräch war zu Ende, und er ging, indem er sich den Schweiß von der Stirn trocknete. Ich beschloß in dem Augenblicke teuflisch genug, ihm noch, wo möglich, diese Nacht seine Frau in die hochnothpeinliche Halsgerichtsordnung auszuliefern, damit er Macht über sie erhielte.
Es währte nun auch gar nicht lange, als mein Mars zu seiner Venus schlich. Mir fehlte zum Vulkan, da ich von Natur hinkte, und nicht zum Besten aussah, eben wenig mehr, als das goldne Nez, indeß beschloß ich, in Ermangelung dessen, einige goldene Wahrheiten und Sittensprüchlein anzuwenden. Anfänglich ging es ganz leidlich zu; mein Bursche sündigte blos an der Poesie durch eine zu materielle Tendenz seiner Schilderungen; er malte einen Himmel voll Nymphen und sich neckender Liebesgötter an den Betthimmel unter dem er zu ruhen gedachte, den Weg dahin bestreute er mit Vexirrosen, die er zahlreich in zierlichen Redefloskeln von sich warf, und die Dornen die ihm dann und wann die Füße verwunden wollten, umging er durch leichte frivole Wendungen.
Als der Sünder sich nun aber so in ein poetisches Element versezt, und die Moral völlig, dem Geiste der neuesten Theorien gemäß, abgewiesen hatte, der grünseidne Vorhang vor der Glasthür herabrollte, und das Ganze ein Gardinenstück zu werden begann, wandte ich rasch mein antipoeticum an, und stieß gellend in das Nachtwächterhorn, worauf ich mich auf ein leeres Piedestal, das für die Statue der Gerechtigkeit, die bis jezt noch in der Arbeit, bestimmt war, schwang, und still und unbeweglich stehen blieb.
Der furchtbare Ton hatte die beiden aus der Poesie, und den Ehemann aus dem Schlafe geschreckt, und alle drei eilten plözlich zu gleicher Zeit aus zwei verschiedenen Thüren.
目次
このエディションの内容
- 01Full text
- 02August Klingemann Die Nachtwachen des Bonaventura
- 03Nachtwache 1
- 04Nachtwache 2
- 05Nachtwache 3
- 06Nachtwache 4
- 07Nachtwache 5
- 08Nachtwache 6
- 09Nachtwache 7