German Edition
Literature
Ausgewählte Gedichte
German BooksWhale Edition by Rainer Maria Rilke
Eine Auswahl deutscher Gedichte über Dingwelt, Innerlichkeit, Liebe, Tod und Verwandlung.
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Book introduction
Ausgewählte Gedichte
Ausgewählte Gedichte bietet eine deutsche Originalauswahl aus Rilkes gemeinfreien Gedichten. Die Texte verbinden genaue Anschauung, Innerlichkeit, religiöse Spannung und moderne Formkraft.
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Rainer Maria Rilke starb 1926; seine frühen Gedichtsammlungen erschienen vor 1926. Diese Daten stützen die Gemeinfreiheit der deutschen Originaltexte in dieser Auswahl.
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Rainer Maria Rilkes Gedichte
Preview chapterDas Stunden-BuchPreview
Enthaltend die drei Bücher:
Vom mönchischen Leben
Von der Pilgerschaft
Von der Armut und vom Tode
Gelegt in die Hände von Lou
Preview chapterErstes Buch – Das Buch vom mönchischen LebenPreview
Da neigt sich die Stunde und rührt mich an
mit klarem, metallenem Schlag:
mir zittern die Sinne. Ich fühle: ich kann –
und ich fasse den plastischen Tag.
Nichts war noch vollendet, eh ich es erschaut,
ein jedes Werden stand still.
Meine Blicke sind reif, und wie eine Braut
kommt jedem das Ding, das er will.
Nichts ist mir zu klein und ich lieb es trotzdem
und mal es auf Goldgrund und groß,
und halte es hoch, und ich weiß nicht wem
löst es die Seele los ...
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.
Ich habe viele Brüder in Sutanen
im Süden, wo in Klöstern Lorbeer steht.
Ich weiß, wie menschlich sie Madonnen planen,
und träume oft von jungen Tizianen,
durch die der Gott in Gluten geht.
Doch wie ich mich auch in mich selber neige:
Mein Gott ist dunkel und wie ein Gewebe
von hundert Wurzeln, welche schweigsam trinken.
Nur, dass ich mich aus seiner Wärme hebe,
mehr weiß ich nicht, weil alle meine Zweige
tief unten ruhn und nur im Winde winken.
Wir dürfen dich nicht eigenmächtig malen,
du Dämmernde, aus der der Morgen stieg.
Wir holen aus den alten Farbenschalen
die gleichen Striche und die gleichen Strahlen,
mit denen dich der Heilige verschwieg.
Wir bauen Bilder vor dir auf wie Wände;
so dass schon tausend Mauern um dich stehn.
Denn dich verhüllen unsre frommen Hände,
sooft dich unsre Herzen offen sehn.
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.
Aus ihnen kommt mir Wissen, dass ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
Und manchmal bin ich wie der Baum,
der, reif und rauschend, über einem Grabe
den Traum erfüllt, den der vergangne Knabe
(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)
verlor in Traurigkeiten und Gesängen.
Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manches Mal
in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, –
so ist's, weil ich dich selten atmen höre
und weiß: Du bist allein im Saal.
Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da,
um deinem Tasten einen Trank zu reichen:
Ich horche immer. Gib ein kleines Zeichen.
Ich bin ganz nah.
Nur eine schmale Wand ist zwischen uns,
durch Zufall; denn es könnte sein:
ein Rufen deines oder meines Munds –
und sie bricht ein
ganz ohne Lärm und Laut.
Aus deinen Bildern ist sie aufgebaut.
Und deine Bilder stehn vor dir wie Namen.
Und wenn einmal das Licht in mir entbrennt,
mit welchem meine Tiefe dich erkennt,
vergeudet sich's als Glanz auf ihren Rahmen.
Und meine Sinne, welche schnell erlahmen,
sind ohne Heimat und von dir getrennt.
Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen –:
Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.
Ich lebe grad, da das Jahrhundert geht.
Man fühlt den Wind von einem großen Blatt,
das Gott und du und ich beschrieben hat
und das sich hoch in fremden Händen dreht.
Man fühlt den Glanz von einer neuen Seite,
auf der noch Alles werden kann.
Die stillen Kräfte prüfen ihre Breite
und sehn einander dunkel an.
Ich lese es heraus aus deinem Wort,
aus der Geschichte der Gebärden,
Table of contents
Inside this edition
- 01Full text
- 02Das Stunden-Buch
- 03Erstes Buch – Das Buch vom mönchischen Leben
- 04Zweites Buch – Das Buch von der Pilgerschaft
- 05Drittes Buch – Das Buch von der Armut und vom Tode
- 06Das Buch der Bilder
- 07Des ersten Buches Erster Teil
- 08Mondnacht
- 09Ritter
- 101.
- 11Des ersten Buches Zweiter Teil
- 12Des zweiten Buches Erster Teil
- 13Könige in Legenden
- 141.
- 152.
- 164.
- 175.
- 186.
- 19Des zweiten Buches Zweiter Teil
- 20Titelblatt
- 21Das Lied des Bettlers
- 22Das Lied des Blinden
- 23Das Lied des Trinkers
- 24Das Lied des Selbstmörders
- 25Das Lied der Witwe
- 26Das Lied des Idioten
- 27Das Lied der Waise
- 28Das Lied des Zwerges
- 29Das Lied des Aussätzigen
- 30Titelblatt
- 31Der Fremde:
- 32Die Blinde:
- 33Der Fremde:
- 34Die Blinde:
- 35Der Fremde:
- 36Die Blinde:
- 37Der Fremde:
- 38Die Blinde:
- 39Der Fremde:
- 40Die Blinde:
- 41Der Fremde leise:
- 42Neue Gedichte
- 43Im Jardin des Plantes, Paris
- 442.
- 45Béguinage Sainte-Elisabeth, Brügge
- 461.
- 471.
- 48Der neuen Gedichte anderer Teil
- 491.
- 504.
- 516.
- 521.
- 53Requiem
- 54Für eine Freundin
- 55Für Wolf Graf von Kalckreuth
- 56Das Marien-Leben
- 57(Drei Stücke)
- 581.
- 59Duineser Elegien
- 60»Subrisio Saltat.«.
- 61Die Sonette an Orpheus
- 62Erster Teil
- 631.
- 642.
- 654.
- 666.
- 678.
- 689.
- 6910.
- 7011.
- 7112.
- 7213.
- 7314.
- 7416.
- 7517.
- 7618.
- 7719.
- 7821.
- 7922.
- 8023.
- 8124.
- 8225.
- 8326.
- 84Zweiter Teil
- 851.
- 864.
- 876.
- 888.
- 899.
- 9010.
- 9111.
- 92Toten ist eine Gestalt unseres wandernden Trauerns ...
- 9312.
- 9413.
- 9514.
- 9616.
- 9717.
- 9818.
- 9919.
- 10021.
- 10122.
- 10224.
- 10325.
- 10426.
- 10527.
- 10628.
- 10729.
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