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Hymnen an die Nacht cover

Deutsch Ausgabe

Literatur

Hymnen an die Nacht

BooksWhale-Ausgabe auf Deutsch von Novalis

Ein Haupttext der Frühromantik über Nacht, Liebe, Tod, Sehnsucht, Offenbarung und geistige Verwandlung.

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Bucheinführung

Hymnen an die Nacht

Hymnen an die Nacht verbindet Prosa und Gedicht zu einer visionären Folge über Trauer, Liebe, Tod und Transzendenz. Novalis verwandelt persönliche Verlusterfahrung in romantische Symbolik, in der Nacht nicht bloß Dunkelheit, sondern Zugang zu innerer Wahrheit, Erlösung und unendlicher Sehnsucht wird.

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Novalis starb 1801; Hymnen an die Nacht erschien 1800. Diese Daten stützen die Gemeinfreiheit dieser deutschen Originalausgabe.

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Hymnen an die Nacht

Welcher Lebendige, Sinnbegabte, liebt nicht vor allen

Wundererscheinungen des verbreiteten Raums um ihn, das allerfreuliche

Licht -- mit seinen Farben, seinen Strahlen und Wogen; seiner milden

Allgegenwart, als weckender Tag. Wie des Lebens innerste Seele atmet

es der rastlosen Gestirne Riesenwelt, und schwimmt tanzend in seiner

blauen Flut -- atmet es der funkelnde, ewigruhende Stein, die sinnige,

saugende Pflanze, und das wilde, brennende, vielgestaltete Tier --

vor allen aber der herrliche Fremdling mit den sinnvollen Augen, dem

schwebenden Gange, und den zartgeschlossenen, tonreichen Lippen.

Wie ein König der irdischen Natur ruft es jede Kraft zu zahllosen

Verwandlungen, knüpft und löst unendliche Bündnisse, hängt sein

himmlisches Bild jedem irdischen Wesen um. -- Seine Gegenwart allein

offenbart die Wunderherrlichkeit der Reiche der Welt.

Abwärts wend' ich mich zu der heiligen, unaussprechlichen,

geheimnisvollen Nacht. Fernab liegt die Welt -- in eine tiefe Gruft

versenkt -- wüst und einsam ist ihre Stelle. In den Saiten der Brust

weht tiefe Wehmut. In Tautropfen will ich hinuntersinken und mit der

Asche mich vermischen. -- Fernen der Erinnerung, Wünsche der Jugend,

der Kindheit Träume, des ganzen langen Lebens kurze Freuden und

vergebliche Hoffnungen kommen in grauen Kleidern, wie Abendnebel nach

der Sonne Untergang. In andern Räumen schlug die lustigen Gezelte das

Licht auf. Sollte es nie zu seinen Kindern wiederkommen, die mit der

Unschuld Glauben seiner harren?

Was quillt auf einmal so ahndungsvoll unterm Herzen, und verschluckt der

Wehmut weiche Luft? Hast auch du ein Gefallen an uns, dunkle Nacht? Was

hältst du unter deinem Mantel, das mir unsichtbar kräftig an die Seele

geht? Köstlicher Balsam träuft aus deiner Hand, aus dem Bündel Mohn. Die

schweren Flügel des Gemüts hebst du empor. Dunkel und unaussprechlich

fühlen wir uns bewegt -- ein ernstes Antlitz seh' ich froh erschrocken,

das sanft und andachtsvoll sich zu mir neigt, und unter unendlich

verschlungenen Locken der Mutter liebe Jugend zeigt. Wie arm und

kindisch dünkt mir das Licht nun -- wie erfreulich und gesegnet des

Tages Abschied -- Also nur darum, weil die Nacht dir abwendig macht die

Dienenden, säetest du in des Raumes Weiten die leuchtenden Kugeln, zu

verkünden deine Allmacht -- deine Wiederkehr -- in den Zeiten deiner

Entfernung. Himmlischer, als jene blitzenden Sterne, dünken uns die

unendlichen Augen, die die Nacht in uns geöffnet. Weiter sehn sie, als

die blässesten jener zahllosen Heere -- unbedürftig des Lichts

durchschaun sie die Tiefen eines liebenden Gemüts -- was einen höhern

Raum mit unsäglicher Wollust füllt. Preis der Weltkönigin, der hohen

Verkündigerin heiliger Welten, der Pflegerin seliger Liebe -- sie sendet

mir dich -- zarte Geliebte -- liebliche Sonne der Nacht, -- nun wach'

ich -- denn ich bin Dein und Mein -- du hast die Nacht mir zum Leben

verkündet -- mich zum Menschen gemacht -- zehre mit Geisterglut meinen

Leib, daß ich lustig mit dir inniger mich mische und dann ewig die

Brautnacht währt.

Muß immer der Morgen wiederkommen? Endet nie des Irdischen Gewalt?

unselige Geschäftigkeit verzehrt den himmlischen Anflug der Nacht. Wird

nie der Liebe geheimes Opfer ewig brennen? Zugemessen ward dem Lichte

seine Zeit; aber zeitlos und raumlos ist der Nacht Herrschaft. -- Ewig

ist die Dauer des Schlafs. Heiliger Schlaf -- beglücke zu selten nicht

der Nacht Geweihte in diesem irdischen Tagewerk. Nur die Toren verkennen

dich und wissen von keinem Schlafe, als dem Schatten, den du in jener

Dämmerung der wahrhaften Nacht mitleidig auf uns wirfst. Sie fühlen dich

nicht in der goldnen Flut der Trauben -- in des Mandelbaums Wunderöl,

und dem braunen Safte des Mohns. Sie wissen nicht, daß du es bist, der

des zarten Mädchens Busen umschwebt und zum Himmel den Schoß macht --

ahnden nicht, daß aus alten Geschichten du himmelöffnend entgegentrittst

und den Schlüssel trägst zu den Wohnungen der Seligen, unendlicher

Geheimnisse schweigender Bote.

Einst da ich bittre Tränen vergoß, da in Schmerz aufgelöst meine

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  1. 01Full text

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