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Letteratura

Märchen-Almanach auf das Jahr 1826

Edizione BooksWhale in tedesco di Wilhelm Hauff

Hauffs Almanach verbindet kunstvolle Märchenerzählung mit orientalischen Schauplätzen, Verwandlungen und moralischen Prüfungen.

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Märchen-Almanach auf das Jahr 1826

Der Almanach von 1826 gehört zu Hauffs eigenständigen Märchenbüchern und enthält Erzählungen, die später oft separat gelesen wurden. In der ursprünglichen Sammlung entfalten Rahmenerzählung, exotische Schauplätze und überraschende Wendungen eine zusammenhängende literarische Welt.

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1826 erschienen; Wilhelm Hauff starb 1827. Der deutsche Originaltext ist nach den Fristen der wichtigsten Zielmärkte gemeinfrei. Die Vorlage sollte ohne spätere Bearbeitungen oder geschützte Illustrationen gewählt werden.

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Märchen-Almanach auf das Jahr 1826

Capitolo in anteprimaMärchen als AlmanachAnteprima

Wilhelm Hauff

In einem schönen, fernen Reiche, von welchem die Sage lebt, daß die

Sonne in seinen ewig grünen Gärten niemals untergehe, herrschte von

Anfang an bis heute die Königin Phantasie. Mit vollen Händen spendete

diese seit vielen Jahrhunderten die Fülle des Segens über die Ihrigen

und war geliebt, verehrt von allen, die sie kannten. Das Herz der

Königin war aber zu groß, als daß sie mit ihren Wohltaten bei ihrem

Lande stehen geblieben wäre; sie selbst, im königlichen Schmuck ihrer

ewigen Jugend und Schönheit, stieg herab auf die Erde; denn sie hatte

gehört, daß dort Menschen wohnen, die ihr Leben in traurigem Ernst,

unter Mühe und Arbeit hinbringen. Diesen hatte sie die schönsten Gaben

aus ihrem Reiche mitgebracht, und seit die schöne Königin durch die

Fluren der Erde gegangen war, waren die Menschen fröhlich bei der

Arbeit, heiter in ihrem Ernst.

Auch ihre Kinder, nicht minder schön und lieblich als die königliche

Mutter, sandte sie aus, um die Menschen zu beglücken. Einst kam

Märchen, die älteste Tochter der Königin, von der Erde zurück. Die

Mutter bemerkte, daß Märchen traurig sei, ja, hier und da wollte ihr

bedünken, als ob sie verweinte Augen hätte.

„Was hast du, liebes Märchen“, sprach die Königin zu ihr, „du bist seit

deiner Reise so traurig und niedergeschlagen, willst du deiner Mutter

nicht anvertrauen, was dir fehlt?“

„Ach, liebe Mutter“, antwortete Märchen, „ich hätte gewiß nicht so

lange geschwiegen, wenn ich nicht wüßte, daß mein Kummer auch der

deinige ist.“

„Sprich immer, meine Tochter“, bat die schöne Königin, „der Gram ist

ein Stein, der den einzelnen niederdrückt, aber zwei tragen ihn leicht

aus dem Wege.“

„Du willst es“, antwortete Märchen, „so höre: Du weißt, wie gerne ich

mit den Menschen umgehe, wie ich freudig auch bei dem Ärmsten vor

seiner Hütte sitze, um nach der Arbeit ein Stündchen mit ihm zu

verplaudern; sie boten mir auch sonst gleich freundlich die Hand zum

Gruß, wenn ich kam, und sahen mir lächelnd und zufrieden nach, wenn ich

weiterging; aber in diesen Tagen ist es gar nicht mehr so!“

„Armes Märchen!“ sprach die Königin und streichelte ihr die Wange, die

von einer Träne feucht war, „aber du bildest dir vielleicht dies alles

nur ein?“

„Glaube mir, ich fühle es nur zu gut“, entgegnete Märchen, „sie lieben

mich nicht mehr. Überall, wo ich hinkomme, begegnen mir kalte Blicke;

nirgends bin ich mehr gern gesehen; selbst die Kinder, die ich doch

immer so lieb hatte, lachen über mich und wenden mir altklug den Rücken

zu.“

Die Königin stützte die Stirne in die Hand und schwieg sinnend.

„Und woher soll es denn“, fragte die Königin, „kommen, Märchen, daß

sich die Leute da unten so geändert haben?“

„Sieh, die Menschen haben kluge Wächter aufgestellt, die alles, was aus

deinem Reich kommt, o Königin Phantasie, mit scharfem Blicke mustern

und prüfen. Wenn nun einer kommt, der nicht nach ihrem Sinne ist, so

erheben sie ein großes Geschrei, schlagen ihn tot oder verleumden ihn

doch so sehr bei den Menschen, die ihnen aufs Wort glauben, daß man gar

keine Liebe, kein Fünkchen Zutrauen mehr findet. Ach, wie gut haben es

meine Brüder, die Träume, fröhlich und leicht hüpfen sie auf die Erde

hinab, fragen nichts nach jenen klugen Männern, besuchen die

schlummernden Menschen und weben und malen ihnen, was das Herz beglückt

und das Auge erfreut!“

„Deine Brüder sind Leichtfüße“, sagte die Königin, „und du, mein

Liebling, hast keine Ursache, sie zu beneiden. Jene Grenzwächter kenne

ich übrigens wohl; die Menschen haben so unrecht nicht, sie

aufzustellen; es kam so mancher windige Geselle und tat, als ob er

Capitolo in anteprimaDie KarawaneAnteprima

Wilhelm Hauff

Es zog einmal eine große Karawane durch die Wüste. Auf der ungeheuren

Ebene, wo man nichts als Sand und Himmel sieht, hörte man schon in

weiter Ferne die Glocken der Kamele und die silbernen Röllchen der

Pferde, eine dichte Staubwolke, die ihr vorherging, verkündete ihre

Nähe, und wenn ein Luftzug die Wolke teilte, blendeten funkelnde Waffen

und helleuchtende Gewänder das Auge. So stellte sich die Karawane einem

Manne dar, welcher von der Seite her auf sie zuritt. Er ritt ein

schönes arabisches Pferd, mit einer Tigerdecke behängt, an dem

hochroten Riemenwerk hingen silberne Glöckchen, und auf dem Kopf des

Pferdes wehte ein schöner Reiherbusch. Der Reiter sah stattlich aus,

und sein Anzug entsprach der Pracht seines Rosses; ein weißer Turban,

reich mit Gold bestickt, bedeckte das Haupt; der Rock und die weiten

Beinkleider waren von brennendem Rot, ein gekrümmtes Schwert mit

reichem Griff an seiner Seite. Er hatte den Turban tief ins Gesicht

gedrückt; dies und die schwarzen Augen, die unter buschigen Brauen

hervorblitzten, der lange Bart, der unter der gebogenen Nase herabhing,

gaben ihm ein wildes, kühnes Aussehen.

Als der Reiter ungefähr auf fünfzig Schritt dem Vortrab der Karawane

nahe war, spornte er sein Pferd an und war in wenigen Augenblicken an

der Spitze des Zuges angelangt. Es war ein so ungewöhnliches Ereignis,

einen einzelnen Reiter durch die Wüste ziehen zu sehen, daß die Wächter

des Zuges, einen Überfall befürchtend, ihm ihre Lanzen

entgegenstreckten.

„Was wollt ihr“, rief der Reiter, als er sich so kriegerisch empfangen

sah, „glaubt ihr, ein einzelner Mann werde eure Karawane angreifen?“

Beschämt schwangen die Wächter ihre Lanzen wieder auf, ihr Anführer

aber ritt an den Fremden heran und fragte nach seinem Begehr.

„Wer ist der Herr der Karawane?“ fragte der Reiter.

„Sie gehört nicht einem Herrn“, antwortete der Gefragte, „sondern es

sind mehrere Kaufleute, die von Mekka in ihre Heimat ziehen und die wir

durch die Wüste geleiten, weil oft allerlei Gesindel die Reisenden

beunruhigt.“

„So führt mich zu den Kaufleuten“, begehrte der Fremde.

„Das kann jetzt nicht geschehen“, antwortete der Führer, „weil wir ohne

Aufenthalt weiterziehen müssen und die Kaufleute wenigstens eine

Viertelstunde weiter hinten sind; wollt Ihr aber mit mir weiterreiten,

bis wir lagern, um Mittagsruhe zu halten, so werde ich Eurem Wunsch

willfahren.“

Der Fremde sagte hierauf nichts; er zog eine lange Pfeife, die er am

Sattel festgebunden hatte, hervor und fing an in großen Zügen zu

rauchen, indem er neben dem Anführer des Vortrabs weiterritt. Dieser

wußte nicht, was er aus dem Fremden machen sollte; er wagte es nicht,

ihn geradezu nach seinem Namen zu fragen, und so künstlich er auch ein

Gespräch anzuknüpfen suchte, der Fremde hatte auf das: „Ihr raucht da

einen guten Tabak“, oder: „Euer Rapp’ hat einen braven Schritt“, immer

nur mit einem kurzen „Ja, ja!“ geantwortet.

Endlich waren sie auf dem Platz angekommen, wo man Mittagsruhe halten

wollte. Der Anführer hatte seine Leute als Wachen aufgestellt; er

selbst hielt mit dem Fremden, um die Karawane herankommen zu lassen.

Dreißig Kamele, schwer beladen, zogen vorüber, von bewaffneten Führern

geleitet. Nach diesen kamen auf schönen Pferden die fünf Kaufleute,

denen die Karawane gehörte. Es waren meistens Männer von vorgerücktem

Alter, ernst und gesetzt aussehend, nur einer schien viel jünger als

die übrigen, wie auch froher und lebhafter. Eine große Anzahl Kamele

und Packpferde schloß den Zug.

Man hatte Zelte aufgeschlagen und die Kamele und Pferde rings

umhergestellt. In der Mitte war ein großes Zelt von blauem Seidenzeug.

Dorthin führte der Anführer der Wache den Fremden. Als sie durch den

Vorhang des Zeltes getreten waren, sahen sie die fünf Kaufleute auf

goldgewirkten Polstern sitzen; schwarze Sklaven reichten ihnen Speise

Indice

In questa edizione

  1. 01Full text
  2. 02Märchen als Almanach
  3. 03Die Karawane
  4. 04Die Geschichte von dem Gespensterschiff
  5. 05Die Geschichte von der abgehauenen Hand
  6. 06Die Errettung Fatmes
  7. 07Die Geschichte von dem kleinen Muck
  8. 08Das Märchen vom falschen Prinzen

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Märchen-Almanach auf das Jahr 1826

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