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Letteratura

Der abenteuerliche Simplicissimus

Edizione BooksWhale in tedesco di Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Ein barocker Roman über Krieg, Überleben, Täuschung und eine Welt im Umbruch.

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Der abenteuerliche Simplicissimus

Der abenteuerliche Simplicissimus führt durch die Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges und verbindet Satire, Abenteuer, religiöse Reflexion und Gesellschaftskritik. Diese deutsche Ausgabe bietet den Klassiker in einer klaren Lesefassung.

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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen died in 1676, and Der abenteuerliche Simplicissimus was first published in 1668. These dates support the public-domain basis for the German source text used in this edition.

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Der abenteuerliche Simplicissimus

Das ist Beschreibung des Lebens eines seltsamen Vaganten

Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen

Capitolo in anteprimaDas erste BuchAnteprima

Das erste Buch

Capitolo in anteprimaDas erste KapitelAnteprima

Diese unsere Zeit, von der man meint, sie sei der Welt Ende, hat all- und jedermann mit einer sonderbaren Sucht geschlagen. Wer nur soviel zusammengeraspelt und erschachert hat, daß ihm etliche Heller im Beutel kützeln, muß sich im Narrenkleid auf die neue Mode tragen, und wen ein Glücksfall als mannhaft und ehrlich erwiesen, der glaubt rittermäßig, gleich einer Adelsperson aufziehen zu müssen.

Solchem Narrenvolk mag ich mich nicht gleichstellen, obzwar meine Abkunft und Auferziehung sich mit der eines Fürsten wohl vergleichen läßt. Etliche Unterschiede sollen billig vor gering angeschlagen sein.

Mein Knän (dann also nennet man die Väter im Spessart) hatte seinen Palast sowohl als ein anderer, ja, kein König vermöchte ihn mit eigenen Händen besser zu bauen. Der war mit Lehm gemalet und anstatt des unfruchtbaren Schiefers, kalten Bleies und roten Kupfers mit Stroh bedeckt, darauf das edel Getreid wächst. Des Schlosses Mauern ließ mein Knän nicht mit gemeinem Feldstein und liederlich gebackenen Ziegeln aufbauen, sondern aus festem, hundertjährigem Eichenholz, auf dem -- so man der Eichelmast gedenkt -- Bratwürst und fette Schunken wachsen. Wo ist ein Monarch, der ihm dergleichen nachtut! Zimmer, Säl und Gemächer hatte er vom Rauch ganz erschwarzen lassen, nur weil das die beständigste Farbe der Welt ist und solche Tünche auch mehr Zeit braucht, als ein Maler zu seinen trefflichsten Kunststücken erheischet. Die Tapezereien bestunden in dem zärtesten Gewebe, das auf dem Erdboden gesponnen wird, unzählig kleine Weberinnen hatten sie mit ihren zierlichen Beinen gewirkt. Dem Sankt Nit-Glas waren die Fenster geweiht, und edler als das beste und durchsichtigste Glas von Murano verhüllete sie Leinwand, an der des Baurn und der Weiber redliche Mühsal hängt. Seinem Adel nach beliebet es meinem Knän zu glauben, daß alles was durch viel Müh zuweg gebracht würde, auch schätzbar und desto köstlicher sei, was aber köstlich, das wäre dem Adel am anständigsten. Pagen, Lakaien und Stallknecht stellten Schaf, Böck und Säu und jedes ging fein ordentlich in seiner natürlichen Livrei. Sie warteten mir täglich auf, bis ich sie von der Weid heimtrieb. Rüst- und Harnischkammer war mit Pflügen, Kärsten, Äxten, Hauen, Schaufeln, Mist- und Heugabeln genugsam versehen und mein Vater übte sich täglich in den Waffen. Ochsenanspannen war sein hauptmannschaftliches Kommando, Mistausführen sein Fortifikationswesen, Ackern sein Feldzug, Stallausmisten seine adelige Kurzweil und sein Turnierspiel. Damit rannte er die ganze Weltkugel, soweit er immer reichen konnte, an und jagte ihr zu allen Erntezeiten eine gute Beute ab. Dieses alles setze ich hintan und überhebe mich dessen gar nicht, damit niemand Ursache habe, mich mit den andern neuen Nobilisten auszulachen. Um geliebter Kürze willen aber dozier ich vor diesmal nichts Ausführliches von meines Vaters Geschlecht, Stamm und Namen. Meines Knäns Schloß stand an einem sehr lustigen Ort im Spessart erbaut, allwo die Wölfe einander gute Nacht geben.

Und rittermäßig wie das ganze Hauswesen war meine Auferziehung. Mit zehn Lebensjahren hatte ich die Prinzipien in obgemeldeten adeligen Übungen vollauf begriffen. Mein Knän war vielleicht eines viel zu hohen Geistes und folgte dahero dem gewöhnlichen Brauch, darnach, wer vornehm ist, sich billig um Schulpossen nicht viel bekümmert, weil er seine Leute hat, die derlei Plackschmeißerei abwarten. Ich konnte nicht über fünf zählen, solches aber gar wohl. Sonst war ich ein trefflicher Musikus auf der Sackpfeifen. Und was Gottesgelahrtheit anlangt, glich keiner mir in der ganzen Christenwelt: ich kannte weder Gott noch Menschen, weder Himmel noch Hölle, nicht Engel noch Teufel, wußte nichts von Gutem und Bösem, wie unsere ersten Eltern im Paradies, die in ihrer Unschuld nichts von Krankheit, Tod und Sterben, desto weniger von der Auferstehung gewußt haben. Also auch ich. Und gleichermaßen war ich wohlbewandert in Medizin, Juristerei und sonst den Künsten und Wissenschaften allen. Ich war vollkommen, dann mir war unmüglich zu wissen, daß ich so gar nichts wußte. O wahrhaft edeles Leben!

Indice

In questa edizione

  1. 01Full text
  2. 02Das erste Buch
  3. 03Das erste Kapitel
  4. 04Das ander Kapitel
  5. 05Das dritte Kapitel
  6. 06Das vierte Kapitel
  7. 07Das fünfte Kapitel
  8. 08Das sechste Kapitel
  9. 09Das siebente Kapitel
  10. 10Das achte Kapitel
  11. 11Das neunte Kapitel
  12. 12Das zehent Kapitel
  13. 13Das andere Buch
  14. 14Das erste Kapitel
  15. 15Das ander Kapitel
  16. 16Das dritte Kapitel
  17. 17Das vierte Kapitel
  18. 18Das fünfte Kapitel
  19. 19Das sechste Kapitel
  20. 20Das siebente Kapitel
  21. 21Das achte Kapitel
  22. 22Das neunte Kapitel
  23. 23Das zehent Kapitel
  24. 24Das dritte Buch
  25. 25Das erste Kapitel
  26. 26Das ander Kapitel
  27. 27Das dritte Kapitel
  28. 28Das vierte Kapitel
  29. 29Das fünfte Kapitel
  30. 30Das sechste Kapitel
  31. 31Das siebente Kapitel
  32. 32Das achte Kapitel
  33. 33Das neunte Kapitel
  34. 34Das zehent Kapitel
  35. 35Das vierte Buch
  36. 36Das erste Kapitel
  37. 37Das ander Kapitel
  38. 38Das dritte Kapitel
  39. 39Das vierte Kapitel
  40. 40Das fünfte Kapitel
  41. 41Das sechste Kapitel
  42. 42Das siebente Kapitel
  43. 43Das achte Kapitel
  44. 44Das neunte Kapitel
  45. 45Das zehent Kapitel
  46. 46Das fünfte Buch
  47. 47Das erste Kapitel
  48. 48Das ander Kapitel
  49. 49Das dritte Kapitel
  50. 50Das vierte Kapitel
  51. 51Das fünfte Kapitel
  52. 52Das sechste Kapitel
  53. 53Das siebente Kapitel
  54. 54Das achte Kapitel
  55. 55Das neunte Kapitel
  56. 56Das zehent Kapitel

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