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Die Chronik der Sperlingsgasse

ドイツ語 BooksWhale エディション · Wilhelm Raabe

Ein poetischer realistischer Roman über Erinnerung, Nachbarschaft und Berliner Alltagsleben.

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本の紹介

Die Chronik der Sperlingsgasse

Die Chronik der Sperlingsgasse blickt aus einer kleinen Straße auf Lebenswege, Verluste, Familiengeschichten und stille Veränderungen. Raabes frühes Werk verbindet Milieubeobachtung mit melancholischer Erinnerungskunst.

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Wilhelm Raabe starb 1910; Die Chronik der Sperlingsgasse erschien 1856. Diese Daten stützen die Gemeinfreiheit dieser deutschen Originalausgabe.

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Die Chronik der Sperlingsgasse

Wilhelm Raabe

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or

Illustrator: Ernst Bosch

Grote'sche Sammlung von

Werken zeitgenössischer Schriftsteller

Neunter Band

Wilhelm Raabe, Die Chronik der Sperlingsgasse

Die Chronik der

Sperlingsgasse von

Wilhelm Raabe

Neue Ausgabe

Mit Illustrationen von _Ernst Bosch_ und einem Bildnis des Dichters von _Hanns Fechner_.

155. Auflage

G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung

Berlin 1922

Alle Rechte, besonders das der Übersetzung in fremde

Sprachen, vorbehalten.

Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.

Die

Chronik der Sperlingsgasse

^Pro domo^

Vorrede zur dritten Auflage

Wenn es gewittert, verkriechen sich die Vögel unter dem Busch. Das wäre fast als ein gutes und warnendes Beispiel auch für dieses kleine Buch zu nehmen; es will sich aber nicht warnen lassen, und vielleicht darf es auch nicht.

Als vor zehn Jahren hinten in der Türkei die Völker aufeinanderschlugen, da regte es zum ersten Male seine Flügel und flatterte unbesorgt aus, wie finster auch der Himmel sein mochte. Mancherlei Wechsel der Zeit erfuhr es, und es wäre kein Wunder, wenn so viele fallende Trümmer es längst mit tausend Genossen unter berghohem Schutt begraben hätten; aber es fand seinen Weg, kam zu vielen Leuten, und sie nahmen es gut auf mit allen seinen Fehlern und Wunderlichkeiten.

Wenn es aber auch nur unter _einem_ Dach eine trübe Stunde verscheucht, eine schwere Stunde sanfter gemacht hätte, wie Herr Hartmann von der Aue sagt; wenn es nur ein Lächeln, nur eine Träne hervorgerufen hätte, so wäre sein Wirken und Sein nicht vergeblich gewesen.

Nun hängen wieder die Wolken drohend herab; der Krieg schlägt mit gewappneter Faust dröhnend an die Pforten unseres eigenen Volkes, und es ist niemand, so hoch oder niedrig ihn das Leben gestellt habe, der sagen kann, welch ein Schicksal ihm die nächste Stunde bringen werde. Es steht zu keiner Zeit ein Glück so fest, daß es nicht von einem Windhauch oder dem Hauch eines Kindes umgestürzt werden könnte; wieviel weniger jetzt!

In solcher Zeit ständen die Menschen am liebsten mit leeren, müßigen

Händen, horchend und wartend; aber das ist nicht das Rechte. Es soll niemand sein Handwerksgerät, die Waffen, mit welchen er das Leben bezwingt, in dumpfer Betäubung fallen lassen. Ein Geschlecht gebe seine

Arbeit an das folgende ab, und, gottlob, jener Epochen, in welchen die

Menschheit ihre Mühen ganz von neuem aufnehmen mußte, weil die Sturmflut alles vorige fortgespült hatte, sind wenige.

Auch in diesem Sinne ist nichts zu hoch und nichts zu gering, und in diesem Sinne finden auch diese Blätter die Berechtigung, ihren Flug durch die stürmische Welt abermals vertrauensvoll zu beginnen. Mögen sie neue Freunde zu den alten gewonnen haben, wenn wieder zehn Jahre ihres flüchtigen Daseins dahingegangen sind!

_Stuttgart_, im Februar 1864.

#Der Verfasser.#

Am 15. November.

Es ist eigentlich eine böse Zeit! Das Lachen ist teuer geworden in der

Welt, Stirnrunzeln und Seufzen gar wohlfeil. Auf der Ferne liegen blutig dunkel die Donnerwolken des Krieges, und über die Nähe haben Krankheit,

Hunger und Not ihren unheimlichen Schleier gelegt; -- es ist eine böse

Zeit! Dazu ist's Herbst, trauriger, melancholischer Herbst, und ein feiner kalter Vorwinterregen rieselt schon wochenlang herab auf die große Stadt; es ist eine böse Zeit! Die Menschen haben lange Gesichter und schwere Herzen, und wenn sich zwei Bekannte begegnen, zucken sie die

Achsel und eilen fast ohne Gruß aneinander vorüber; -- es ist eine böse

Zeit! -- Mißmutig hatte ich die Zeitung weggeworfen, eine frische Pfeife gestopft und ein Buch herabgenommen und aufgeschlagen. Es war ein einfaches altes Buch, in welches Meister Daniel Chodowiecki gar hübsche

Bilder gezeichnet hatte: ^Asmus omnia sua secum portans^, der prächtige

プレビュー章^P. P. C.^プレビュー

Aus dem offenen Fenster aber beugt sich -- Herrn Polizeikommissarius

Stulpnases ehrwürdiges Vollmondgesicht, und seine weißbehandschuhten

Hände sind bemüht, den Zettel abzunehmen.

Ich überliefere schnell die verwunderte Lise der alten Martha und steige

die Treppen zu der Wohnung des Doktors hinauf, welches sehr langsam geht, denn vor mir her schiebt sich eine unbeschreibliche, wunderbare

Masse von Kleidungsstücken ächzend und stöhnend den engen Weg langsam, langsam hinauf.

Das war die dicke Madame Pimpernell, welche das Ereignis seit langen

Jahren zum erstenmal wieder in die obern Räume ihres Hauses trieb.

Das Zimmer beschrieb ich neulich bei meinem Besuch des Zeichners Strobel und brauchte daher jetzt nur zu sagen, daß der Nachlaß des Doktors in einem zerspaltenen Stiefelknecht, einer leeren Zigarrenkiste ^Fumadores regalia^, und -- einem Exemplar der Flodoardine bestand.

Stulpnase saß da auf einem Stuhl, schaute das leere Nest wehmütig-grimmig an und ächzte:

»Ausgewiesen! Nun gar ausgekniffen! Donnerwetter -- ohne erst für seinen

Deppe gesessen zu haben.«

»Jotte, einer armen Witfrau ihren besten Mieter abzutreiben, is das in der Ordnung, Herr Kumzarius? Habe ich darum Ihrer Frau die Butter immer um nen Dreier billiger gelassen?« greint die dicke Madame Pimpernell, die ebenfalls dem Beamten gegenüber auf einen Stuhl gesunken ist.

»Halte Sie das Maul, Frau!« schnauzt Stulpnase, worauf die Dicke ein

Gesicht macht, wie es einst jenes brave korinthische Weib geschnitten haben muß, als es das Wort des Apostel Paulus hörte: ^Mulier taceat in ecclesia^.

Nach einer feierlichen Stille von einigen Minuten stößt Stulpnase ein dumpfes Geheul aus und seufzt in sich: »Deppe.« Plötzlich aber, mit Wut auf seine Brusttasche schlagend, schreit er: »Und hier hab' ich den

Verhaftsbefehl: Beleidigung eines Beamten im Dienst, und --

ausgekniffen!«

Ich wage es nicht, den aufgebrachten Leuen durch Lachen noch mehr zu

reizen, verschwinde und platze erst auf der Treppe los, die beiden

Würdigen einander gegenüber sitzen lassend.

In der Gasse steckt mir Marquart ein Billet zu und flüstert

geheimnisvoll, nach dem Fenster des Doktors deutend:

»Das hat _er_ zurückgelassen für Sie, Herr Wachholder!«

Der Zettel lautet:

»_Liebster Freund_!

Eine hohe Polizei weiß, was Deppe heißt, obgleich es nicht im

Konversationslexikon steht. Ein Freund hat mich gewarnt; -- ich verschwinde! -- In den böhmischen Wäldern sehen wir uns wieder!

Dr. _Wimmer_.

^P. S.^ Der Redaktionspudel begleitet mich!«

»Onkel, was soll denn das alles bedeuten, wo ist denn der Onkel Doktor?« fragt die kleine Lise, welche, obgleich schon im Nachtzeug, nicht vom

Fenster weggekommen ist.

Ich schreibe: ^pour prendre congé^ auf einen Zettel, und Lischen, die

jetzt schon eine kleine Gelehrte ist, hat mit Hilfe eines Diktionärs noch vor dem Schlafengehen heraus:

»Um -- nehmen -- Abschied.«

»Der Onkel Wimmer muß eine kleine Reise machen, Schatz!«

Damit geht Elise getröstet zu Bette und verschläft und verträumt sanft ihren ersten Schmerz. In diesem Alter genügt noch _eine Nacht_, ihn zu begraben.

Am 12. Januar.

Ich hab's mir wohl gedacht, als ich diese Bogen falzte, und ich hab's

auch wohl mit aufgeschrieben, daß ihr Inhalt nicht viel Zusammenhang haben würde. Ich weile in der Minute und springe über Jahre fort; ich male Bilder und bringe keine Handlung; ich breche ab, ohne den alten Ton ausklingen zu lassen: ich will nicht lehren, sondern ich will vergessen, ich -- schreibe keinen Roman!

Heute werfe ich zum erstenmal einen prüfenden Blick zurück und muß selber lächeln. Alter Kopf, was machst du? Was werden die vernünftigen

Leute sagen, wenn diese Blätter einmal das Unglück haben sollten, hinauszugeraten unter sie?

Doch -- einerlei! Laß sie sprechen, was sie wollen: ich segne doch die

Stunde, wo ich den Entschluß faßte, diese Blätter zu bekritzeln, mit einem Fuß in der Gegenwart und Wirklichkeit, mit dem andern im Traum und in der Vergangenheit! -- Wie viel trübe, einsame Stunden sind mir dadurch nicht vorüber geschlüpft sonnig und hell, ein Bild das andere nachziehend, dieses festgehalten, jenes entgleitend: ein buntes freundliches Wechselspiel! So schreibe ich weiter.

プレビュー章N.プレビュー

^P. Scr.^ Nannette ist fort! Meine lieben Freunde, ich bin sehr glücklich und fidel! Ich hoffe auf baldige Nachrichten von Euch allen.

Gruß und Brüderschaft!

Euer

_H. Wimmer._«

Welchen Jubel hatte einst dieser Doppelbrief mit seinen Postskripten in der Sperlingsgasse erregt! Wie tanzte an jenem Augustnachmittag im Jahre

1841, als er ankam, der Lehrer Roder mit der kleinen Elise im Zimmer herum! Heute, wo ich ihn wieder hervorsuchte, ist weder Roder bei mir,

-- sie haben ihn im Jahr Achtzehnhundertundneunundvierzig nach Amerika gejagt, _sie fürchteten_ sich gewaltig vor ihm -- noch guckt das kleine

Lischen, auf einem Stuhl stehend, mir über die Schulter. Aber allein bin ich doch nicht beim Wiederlesen; trotz dem Regen hat sich der Zeichner

Strobel herausgewagt und ist, da das Glück dem Kühnen lächelt, wohlbehalten, wenn auch etwas durchnäßt, bei mir angekommen.

»Es ist ein prächtiges Ehepaar geworden,« sagte er lächelnd, indem er mir die Nadel einfädelte, mit welcher ich das Dokument der Chronik anheften wollte. »Seit der Doktor den bösen politischen Husten, der ihn sonst plagte, losgeworden ist, hat er einen Umfang gewonnen, dem nur das

Embonpoint der kleinen fidelen Frau Doktorin Nannerl nahe kommt. Und diese kleinen fetten Wimmerleins: Hansl, Fritzl und Eliserl, »das jüngste Wurm«, wie der Doktor sagt! -- Und diese Nachkommenschaft des edeln Rezensent! -- Für jedes Wimmerlein ein Pudel, einer immer schwärzer und schnurrbärtiger als der andere. Wie heißen sie doch?

Richtig: Stulpnas (gewöhnlich Stulp abgekürzt), Tinte und Quirl. Es ist ein Schauspiel für Götter, die Familie spazieren gehen zu sehen. Voran schreitet der Doktor mit dem alten Großvater Pümpel, dann folgen Tinte und Quirl, die den Korbwagen ziehen, in welchem das »Kroop« Elise liegt.

Neben ihnen trabt Stulp mit des Doktors Hut und Stock, und zuletzt kommt die Nannerl, an der Rechten den Hans, an der Linken den Fritz. Von Zeit zu Zeit treibt sie mit dem Sonnenschirm das Paar der Zugtiere an oder ruft dem Doktor zu:

»Wimmer, Du wirst gleich Dein Taschentuch verlieren!«

oder:

»Wimmer, renne nicht so mit dem Vater. Wir kommen halt nicht mit!«

oder:

»Wimmer, Stulp hat nur noch Deinen Stock!«

Dann dreht sich der Doktor gravitätisch um, wirft einen Feldherrnblick über den langsam daher ziehenden Heereszug, pustet und fächelt, knöpft die Weste auf, bindet das Halstuch ab, oder zieht wohl gar den Rock aus und sagt:

»Schatz, das Spazierengehen müssen wir aufstecken. Beim Zeus! es wird zu angreifend für unsereinen! -- Stulp, Schlingel, hol' meinen Hut -- dort

^allons^!«

Während nun der Zug so lange hält, bis Stulp mit dem Verlorenen zurückkommt, sagt der Alte wohl:

»Heinerich, paß auf, das neue Komplimentierbuch geht nicht!«

»Weshalb nicht, Papa?«

»Wir sind hier zu Lande nicht recht daran gewöhnt!« lautete die Antwort.

»Das weiß ich schon aus den Nibelungen und dem Parcival,« sagt der

Doktor, eine gewaltige Rauchwolke auspuffend. »Es soll aber schon gehen, Onkel und Schwiegerpapa Pümpel! Das Ungewohnte und

Ungewöhnliche macht am meisten Glück. Fritzl, laß den Frosch in Ruhe, setz' ihn wieder ins Gras, sonst kriegst Du ihn gebraten zum Abendessen, was keinem jungen Bayern angenehm sein kann! -- Vorwärts! ^Yankee doodle doodle dandy^!« Damit setzt sich das Haus Pümpel & Komp. wieder in

Marsch.

Ich lachte herzlich über diese Schilderung. »Es wachse, blühe und grüne

das Haus Pümpel & Kompagnie wie -- wie -- --«

»Hopfen! -- Vivat hoch!« schrie der Zeichner, nahm den Hut und trabte wieder davon. Wo er gesessen hatte, stand ein kleiner Sumpf Regenwasser:

einen Schirm brauchte ich ihm also nicht anzubieten.

Abends 11 Uhr.

Wie traurig hat dieser Tag geendet! Ich wollte die Geschichte der armen

Tänzerin über mir, die wir einst auf den Weihnachtsmarkt begleiteten, nicht erzählen aus Furcht, diesem Bilderbuch eine dunkle Seite mehr zu schaffen, aber die unsichtbare Hand, welche die gewaltigen Blätter des

目次

このエディションの内容

  1. 01Full text
  2. 02^P. P. C.^
  3. 03N.
  4. 04[S. 17]:
  5. 05[S. 17]:
  6. 06[S. 25]:
  7. 07[S. 58]:
  8. 08[S. 96]:
  9. 09[S. 103]:
  10. 10[S. 103]:
  11. 11[S. 104]:
  12. 12[S. 110]:
  13. 13[S. 144]:
  14. 14[S. 144]:
  15. 15[S. 192]:
  16. 16[S. 216]:

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