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Die Cultur der Renaissance in Italien

ドイツ語 BooksWhale エディション · Jacob Burckhardt

Burckhardt beschreibt Staat, Persönlichkeit, Bildung und Gesellschaft der italienischen Renaissance und verbindet politische Geschichte mit Kunst und kulturellem Alltag.

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本の紹介

Die Cultur der Renaissance in Italien

Jacob Burckhardt entwirft ein Bild der italienischen Renaissance, das politische Macht, individuelle Lebensformen und geistige Interessen miteinander verbindet. Die sechs Teile behandeln den Staat, die Entwicklung des Individuums, die Wiederbelebung der Antike, neue Weltkenntnis, Gesellschaft sowie Sitte und Religion. Beispiele aus Städten, Höfen und Literatur zeigen, wie er die kulturellen Veränderungen Italiens deutet und historische Lebenswelten vergleichend beschreibt.

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Jacob Burckhardt starb 1897; das Werk erschien erstmals 1860. Diese Ausgabe verwendet den gemeinfreien deutschen Reintext des Deutschen Textarchivs ohne digitale Annotationen oder Bilddigitalisate.

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Die Cultur der Renaissance in Italien

プレビュー章Erſter Abſchnitt. Der Staat als Kunſtwerk.プレビュー

Im wahren Sinne des Wortes führt dieſe Schrift den Titel eines bloßen Verſuches, und der Verfaſſer iſt ſich deutlich genug bewußt, daß er mit ſehr mäßigen Mitteln und Kräften ſich einer überaus großen Aufgabe unterzogen hat. Aber auch wenn er mit ſtärkerer Zuverſicht auf ſeine Forſchung hinblicken könnte, ſo wäre ihm der Beifall der Kenner kaum ſicherer. Die geiſtigen Umriſſe einer Culturepoche geben vielleicht für jedes Auge ein verſchiedenes Bild, und wenn es ſich vollends um eine Civiliſation handelt, welche als nächſte Mutter der unſrigen noch jetzt fortwirkt, ſo muß ſich das ſubjektive Urtheilen und Empfinden jeden Augenblick beim Darſteller wie beim Leſer einmiſchen. Auf dem weiten Meere in welches wir uns hinauswagen, ſind der möglichen Wege und Richtungen viele, und leicht könnten dieſelben Studien, welche für dieſe Arbeit gemacht wurden, unter den Händen eines Andern nicht nur eine ganz andere Benützung und Behandlung erfahren, ſondern auch zu weſentlich verſchiedenen Schlüſſen Anlaß geben. Der Gegenſtand an ſich wäre wichtig genug, um noch viele Bearbeitungen wünſchbar zu machen, Forſcher der verſchiedenſten Standpuncte zum Reden aufzufordern. Einſtweilen ſind wir zufrieden, wenn uns ein geduldiges Gehör gewährt und dieſes Buch als ein Ganzes aufgefaßt wird. Es iſt die weſentlichſte Schwierigkeit der Culturgeſchichte, daß ſie ein großes geiſtiges Continuum in einzelne ſcheinbar oft willkürliche Categorien zerlegen muß, um es nur irgendwie zur Darſtellung zu bringen. — Der größten Lücke des Buches gedenken wir in einiger Zeit durch ein beſonderes Werk über „die Kunſt der Renaiſſance“ abzuhelfen.

Der Kampf zwiſchen den Päpſten und den Hohenſtaufen hinterließ zuletzt Italien in einem politiſchen Zuſtande, welcher von dem des übrigen Abendlandes in den weſentlichſten Dingen abwich. Wenn in Frankreich, Spanien, England das Lehnsſyſtem ſo geartet war, daß es nach Ablauf ſeiner Lebenszeit dem monarchiſchen Einheitsſtaat in die Arme fallen mußte, wenn es in Deutſchland wenigſtens die Einheit des Reiches äußerlich feſthalten half, ſo hatte Italien ſich ihm faſt völlig entzogen. Die Kaiſer des XIV. Jahrhunderts wurden im günſtigſten Falle nicht mehr als Oberlehnsherrn, ſondern als mögliche Häupter und Verſtärkungen ſchon vorhandener Mächte empfangen und geachtet; das Papſtthum aber mit ſeinen Creaturen und Stützpunkten war gerade ſtark genug, jede künftige Einheit zu verhindern ohne doch ſelbſt eine ſchaffen zu können. Zwiſchen den beiden waren eine Menge politiſcher Geſtaltungen — Städte und Gewaltherrſcher — theils ſchon vorhanden theils neu emporgekommen, deren Daſein rein thatſächlicher Art war. In ihnen erſcheint der moderne europäiſche Staatsgeiſt zum erſtenmal frei ſeinen eigenen Antrieben hingegeben; ſie zeigen oft genug die feſſelloſe Selbſtſucht in ihren furchtbarſten Zügen, jedes Recht verhöhnend, jede geſunde Bildung im Keim erſtickend; aber wo dieſe Richtung überwunden oder irgendwie aufgewogen wird, da tritt ein neues Lebendiges in die Geſchichte: Der Staat als berechnete, bewußte Schöpfung, als Kunſtwerk. In den Stadtrepubliken wie in den Tyrannenſtaaten prägt ſich dieß Leben hundertfältig aus, und beſtimmt ihre innere Geſtalt ſowohl als ihre Politik nach außen. Wir begnügen uns mit der Betrachtung des vollſtändigern, deutlicher ausgeſprochenen Typus deſſelben in den Tyrannenſtaaten.

Der innere Zuſtand der von Gewaltherrſchern regierten Territorien hatte ein berühmtes Vorbild an dem Normannenreiche von Unteritalien und Sicilien, wie Kaiſer Friedrich II. es umgeſtaltet hatte. Aufgewachſen unter Verrath und Gefahr in der Nähe von Saracenen, hatte er ſich frühe gewöhnt an eine völlig objective Beurtheilung und Behandlung der Dinge, der erſte moderne Menſch auf dem Throne. Dazu kam eine nahe, vertraute Kenntniß von dem Innern der ſaraceniſchen Staaten und ihrer Verwaltung, und jener Exiſtenzkrieg mit den Päpſten, welcher beide Parteien nöthigte, alle denkbaren Kräfte und Mittel auf den Kampfplatz zu führen. Friedrichs Verordnungen (beſonders ſeit 1231) laufen auf die völlige Zernichtung des Lehnſtaates, auf die Verwandlung des Volkes in eine willenloſe, unbewaffnete, im höchſten Grade ſteuerfähige Maſſe hinaus. Er centraliſirte die ganze richterliche Gewalt und die Verwaltung in einer bisher für das Abendland unerhörten Weiſe; kein Amt mehr durfte durch Volkswahl beſetzt werden, bei Strafe der Verwüſtung des betreffenden Ortes und Degradation der Bürger zu Hörigen. Die Steuern, beruhend auf einem umfaſſenden Kataſter und auf mohammedaniſcher Routine, wurden beigetrieben mit jener quäleriſchen und grauſamen Art, ohne welche man dem Orientalen freilich kein Geld aus den Händen bringt. Hier iſt kein Volk mehr, ſondern ein controlirbarer Haufe von Unterthanen, die z. B. ohne beſondere Erlaubniß nicht auswärts heirathen und unbedingt nicht auswärts ſtudiren durften; — die Univerſität Neapel übte den frühſten bekannten Studienzwang, während der Orient ſeine Leute wenigſtens in dieſen Dingen frei ließ. Echt mohammedaniſch dagegen war es wiederum, daß Friedrich nach dem ganzen Mittelmeer eigenen Handel trieb, viele Gegenſtände ſich vorbehielt und den Handel der Unterthanen hemmte. Die fatimidiſchen Khalifen mit ihrer Geheimlehre des Unglaubens waren (wenigſtens Anfangs) tolerant geweſen gegen die Religionen ihrer Unterthanen; Friedrich dagegen krönt ſein Regierungsſyſtem durch eine Ketzerinquiſition, die nur um ſo ſchuldvoller erſcheint, wenn man annimmt, er habe in den Ketzern die Vertreter freiſinnigen ſtädtiſchen Lebens verfolgt. Als Polizeimannſchaft im Innern und als Kern der Armee nach außen dienten ihm endlich jene aus Sicilien nach Luceria und nach Nocera übergeſiedelten Saracenen, welche gegen allen Jammer taub und gegen den kirchlichen Bann gleichgültig waren. Die Unterthanen, der Waffen entwöhnt, ließen ſpäter den Sturz Manfreds und die Beſitznahme des Anjou leicht und willenlos über ſich ergehen; letzterer aber erbte dieſen Regierungsmechanismus und benützte ihn weiter.

プレビュー章Zweiter Abſchnitt. Entwicklung des Individuums.プレビュー

In der Beſchaffenheit dieſer Staaten, Republiken wie Tyrannien liegt nun zwar nicht der einzige aber der mächtigſte Grund der frühzeitigen Ausbildung des Italieners zum modernen Menſchen. Daß er der Erſtgeborne unter den Söhnen des jetzigen Europas werden mußte, hängt an dieſem Punkte.

Im Mittelalter lagen die beiden Seiten des Bewußtſeins — nach der Welt hin und nach dem Innern des Menſchen ſelbſt — wie unter einem gemeinſamen Schleier träumend oder halbwach. Der Schleier war gewoben aus Glauben, Kindesbefangenheit und Wahn; durch ihn hindurchgeſehen erſchienen Welt und Geſchichte wunderſam gefärbt, der Menſch aber erkannte ſich nur als Race, Volk, Partei, Corporation, Familie oder ſonſt in irgend einer Form des Allgemeinen. In Italien zuerſt verweht dieſer Schleier in die Lüfte; es erwacht eine objective Betrachtung und Behandlung des Staates und der ſämmtlichen Dinge dieſer Welt überhaupt; daneben aber erhebt ſich mit voller Macht das Subjective; der Menſch wird geiſtiges Individuum und erkennt ſich als ſolches. So hatte ſich einſt erhoben der Grieche gegenüber den Barbaren, der individuelle Araber gegenüber den andern Aſiaten als Racenmenſchen. Es wird nicht ſchwer ſein nachzuweiſen, daß die politiſchen Verhältniſſe hieran den ſtärkſten Antheil gehabt haben.

Schon in viel frühern Zeiten giebt ſich ſtellenweiſe eine Entwicklung der auf ſich ſelbſt geſtellten Perſönlichkeit zu erkennen, wie ſie gleichzeitig im Norden nicht ſo vorkömmt oder ſich nicht ſo enthüllt. Der Kreis kräftiger Frevler des X. Jahrhunderts, welchen Liutprand ſchildert, einige Zeitgenoſſen Gregors VII. (man leſe Benzo von Alba), einige Gegner der erſten Hohenſtaufen zeigen Phyſiognomien dieſer Art. Mit Ausgang des XIII. Jahrhunderts aber beginnt Italien plötzlich von Perſönlichkeiten zu wimmeln; der Bann, welcher auf dem Individualismus gelegen, iſt hier völlig gebrochen; ſchrankenlos ſpecialiſiren ſich tauſend einzelne Geſichter. Dante's große Dichtung wäre in jedem andern Lande ſchon deßhalb unmöglich geweſen, weil das übrige Europa noch unter jenem Banne der Race lag; für Italien iſt der hehre Dichter ſchon durch die Fülle des Individuellen der nationalſte Herold ſeiner Zeit geworden. Doch die Darſtellung des Menſchenreichthums in Literatur und Kunſt, die vielartig ſchildernde Characteriſtik wird in beſondern Abſchnitten zu beſprechen ſein; hier handelt es ſich nur um die pſychologiſche Thatſache ſelbſt. Mit voller Ganzheit und Entſchiedenheit tritt ſie in die Geſchichte ein; Italien weiß im XIV. Jahrhundert wenig von falſcher Beſcheidenheit und von Heuchelei überhaupt; kein Menſch ſcheut ſich davor, aufzufallen, anders zu ſein und zu ſcheinen als die andern.

Zunächſt entwickelt die Gewaltherrſchaft, wie wir ſahen, im höchſten Grade die Individualität des Tyrannen, des Condottiere ſelbſt, ſodann diejenige des vom ihm protegirten aber auch rückſichtslos ausgenützten Talentes, des Geheimſchreibers, Beamten, Dichters, Geſellſchafters. Der Geiſt dieſer Leute lernt nothgedrungen alle ſeine innern Hülfsquellen kennen, die dauernden wie die des Augenblickes; auch ihr Lebensgenuß wird ein durch geiſtige Mittel erhöhter und concentrirter, um einer vielleicht nur kurzen Zeit der Macht und des Einfluſſes einen größtmöglichen Werth zu verleihen.

Aber auch die Beherrſchten gingen nicht völlig ohne einen derartigen Antrieb aus. Wir wollen diejenigen ganz außer Berechnung laſſen, welche ihr Leben in geheimem Widerſtreben, in Verſchwörungen verzehrten, und bloß derer gedenken, die ſich darein fügten, reine Privatleute zu bleiben etwa wie die meiſten Städtebewohner des byzantiniſchen Reiches und der mohammedaniſchen Staaten. Gewiß wurde es z. B. den Unterthanen der Visconti oft ſchwer genug gemacht, die Würde des Hauſes und der Perſon zu behaupten, und Unzählige mögen durch die Knechtſchaft am ſittlichen Character Einbuße erlitten haben. Nicht ſo an dem, was man individuellen Character nennt, denn gerade innerhalb der allgemeinen politiſchen Machtloſigkeit gediehen wohl die verſchiedenen Richtungen und Beſtrebungen des Privatlebens um ſo ſtärker und vielſeitiger. Reichthum und Bildung, ſo weit ſie ſich zeigen und wetteifern durften, in Verbindung mit einer noch immer großen municipalen Freiheit und mit dem Daſein einer Kirche, die nicht, wie in Byzanz und in der islamitiſchen Welt, mit dem Staat identiſch war — alle dieſe Elemente zuſammen begünſtigten ohne Zweifel das Aufkommen individueller Denkweiſen, und gerade die Abweſenheit des Parteikampfes fügte hier die nöthige Muße hinzu. Der politiſch indifferente Privatmenſch mit ſeinen theils ernſten theils dilettantiſchen Beſchäftigungen möchte wohl in dieſen Gewaltſtaaten des XIV. Jahrhunderts zuerſt vollkommen ausgebildet aufgetreten ſein. Urkundliche Ausſagen hierüber ſind freilich nicht zu verlangen; die Novelliſten, von welchen man Winke erwarten könnte, ſchildern zwar manchen bizarren Menſchen, aber immer nur in einſeitiger Abſicht und nur ſo weit dergleichen die zu erzählende Geſchichte berührt; auch ſpielt ihre Scene vorwiegend in republicaniſchen Städten.

目次

このエディションの内容

  1. 01Full text
  2. 02Erſter Abſchnitt. Der Staat als Kunſtwerk.
  3. 03Zweiter Abſchnitt. Entwicklung des Individuums.
  4. 04Dritter Abſchnitt. Die Wiedererweckung des Alterthums.
  5. 05Vierter Abſchnitt. Die Entdeckung der Welt und des Menſchen.
  6. 06Fünfter Abſchnitt. Die Geſelligkeit und die Feſte.
  7. 07Sechster Abſchnitt. Sitte und Religion.

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