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Der grüne Heinrich

Edição BooksWhale em alemão por Gottfried Keller

Ein gemeinfreier Klassiker über Bildung, Kunst, Scheitern, Herkunft und Selbstsuche, in einer klaren Leseausgabe.

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Der grüne Heinrich

Der grüne Heinrich von Gottfried Keller ist ein gemeinfreier Klassiker über Bildung, Kunst, Scheitern, Herkunft und Selbstsuche. Diese deutsche Ausgabe bietet den Text in einer sauberen, gut lesbaren Fassung.

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Gottfried Keller starb 1890, und Der grüne Heinrich erschien erstmals um 1854. Diese Daten stützen die gemeinfreie Grundlage des für diese Ausgabe verwendeten Textes.

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Der grüne Heinrich

Gottfried Keller

Capítulo de préviaErster TeilPrévia

Erster Teil

Capítulo de prévia1 Lob des HerkommensPrévia

Mein Vater war ein Bauernsohn aus einem uralten Dorfe, welches seinen Namen von dem Alemannen erhalten hat, der zur Zeit der Landteilung seinen Spieß dort in die Erde steckte und einen Hof baute. Nachdem im Verlauf der Jahrhunderte das namengebende Geschlecht im Volke verschwunden, machte ein Lehensmann den Dorfnamen zu seinem Titel und baute ein Schloß, von dem niemand mehr weiß, wo es gestanden hat; ebensowenig ist bekannt, wann der letzte »Edle« jenes Stammes gestorben ist. Aber das Dorf steht noch da, seelenreich und belebter denn je, während ein paar Dutzend Zunamen unverändert geblieben und für die zahlreichen, weitläufigen Geschlechter fort und fort ausreichen müssen. Der kleine Gottesacker, welcher sich rings an die trotz ihres Alters immer weiß geputzte Kirche legt und niemals erweitert worden ist, besteht in seiner Erde buchstäblich aus den aufgelösten Gebeinen der vorübergegangenen Geschlechter; es ist unmöglich, daß bis zur Tiefe von zehn Fuß ein Körnlein sei, welches nicht seine Wanderung durch den menschlichen Organismus gemacht und einst die übrige Erde mit umgraben geholfen hat. Doch ich übertreibe und vergesse die vier Tannenbretter, welche jedesmal mit in die Erde kommen und den ebenso alten Riesengeschlechtern auf den grünen Bergen rings entstammen; ich vergesse ferner die derbe ehrliche Leinwand der Grabhemden, welche auf diesen Fluren wuchs, gesponnen und gebleicht wurde und also so gut zur Familie gehört wie jene Tannenbretter und nicht hindert, daß die Erde unseres Kirchhofes so schön kühl und schwarz sei als irgendeine. Es wächst auch das grünste Gras darauf, und die Rosen nebst dem Jasmin wuchern in göttlicher Unordnung und Überfülle, so daß nicht einzelne Stäudlein auf ein frisches Grab gesetzt, sondern das Grab muß in den Blumenwald hineingehauen werden, und nur der Totengräber kennt genau die Grenze in diesem Wirrsal, wo das frisch umzugrabende Gebiet anfängt.

Das Dorf zählt kaum zweitausend Bewohner, von welchen je ein paar hundert den gleichen Namen führen; aber höchstens zwanzig bis dreißig von diesen pflegen sich Vetter zu nennen, weil die Erinnerungen selten bis zum Urgroßvater hinaufsteigen. Aus der unergründlichen Tiefe der Zeiten an das Tageslicht gestiegen, sonnen sich diese Menschen darin, so gut es gehen will, rühren sich und wehren sich ihrer Haut, um wohl oder wehe wieder in der Dunkelheit zu verschwinden, wenn ihre Zeit gekommen ist. Wenn sie ihre Nasen in die Hand nehmen, so sind sie sattsam überzeugt, daß sie eine ununterbrochene Reihe von zweiunddreißig Ahnen besitzen müssen, und anstatt dem natürlichen Zusammenhange derselben nachzuspüren, sind sie vielmehr bemüht, die Kette ihrerseits nicht ausgehen zu lassen. So kommt es, daß sie alle möglichen Sagen und wunderlichen Geschichten ihrer Gegend mit der größten Genauigkeit erzählen können, ohne zu wissen, wie es zugegangen ist, daß der Großvater die Großmutter nahm. Alle Tugenden glaubt jeder selbst zu besitzen, wenigstens diejenigen, welche nach seiner Lebensweise für ihn wirkliche Tugenden sind, und was die Missetaten betrifft, so hat der Bauer so gut Ursache wie der Herr, die seiner Väter in Vergessenheit begraben zu wünschen; denn er ist zuweilen trotz seines Hochmutes auch nur ein Mensch.

Ein großes rundes Gebiet von Feld und Wald bildet ein reiches unverwüstliches Vermögen der Bewohner. Dieser Reichtum blieb sich von jeher so ziemlich gleich; wenn auch hie und da eine Braut einen Teil verschleppt, so unternehmen die jungen Burschen dafür häufige Raubzüge bis auf acht Stunden weit und sorgen für hinlänglichen Ersatz, sowie dafür, daß die Gemütsanlagen und körperlichen Physiognomien der Gemeinde die gehörige Mannigfaltigkeit bewahren, und sie entwickeln hierin eine tiefere und gelehrtere Einsicht für ein frisches Fortgedeihen als manche reiche Patrizier- oder Handelsstadt und als die europäischen Fürstengeschlechter.

Die Einteilung des Besitzes aber verändert sich von Jahr zu Jahr ein wenig und mit jedem halben Jahrhundert fast bis zur Unkenntlichkeit. Die Kinder der gestrigen Bettler sind heute die Reichen im Dorfe, und die Nachkommen dieser treiben sich morgen mühsam in der Mittelklasse umher, um entweder ganz zu verarmen oder sich wieder aufzuschwingen.

Sumário

Nesta edição

  1. 01Full text
  2. 02Erster Teil
  3. 031 Lob des Herkommens
  4. 042 Vater und Mutter
  5. 053 Kindheit / Erste Theologie / Schulbänklein
  6. 064 Lob Gottes und der Mutter / Vom Beten
  7. 075 Das Meretlein
  8. 086 Weiteres vom lieben Gott / Frau Margret und ihre Leute
  9. 097 Fortsetzung der Frau Margret
  10. 108 Kinderverbrechen
  11. 119 Schuldämmerung
  12. 1210 Das spielende Kind
  13. 1311 Theatergeschichten / Gretchen und die Meerkatze
  14. 1412 Die Leserfamilie / Lügenzeit
  15. 1513 Waffenfrühling / Frühes Verschulden
  16. 1614 Prahler, Schulden, Philister unter den Kindern
  17. 1715 Frieden in der Stille / Der erste Widersacher und sein Untergang
  18. 1816 Ungeschickte Lehrer, schlimme Schüler
  19. 1917 Flucht zur Mutter Natur
  20. 2018 Die Sippschaft
  21. 2119 Neues Leben
  22. 2220 Berufsahnungen
  23. 2321 Sonntagsidylle / Der Schulmeister und sein Kind
  24. 24Zweiter Teil
  25. 251 Berufswahl / Die Mutter und die Ratgeber
  26. 262 Judith und Anna
  27. 273 Bohnenromanze
  28. 284 Totentanz
  29. 295 Beginn der Arbeit / Habersaat und seine Schule
  30. 306 Schwindelhaber
  31. 317 Fortsetzung des Schwindelhabers
  32. 328 Wiederum Frühling
  33. 339 Der Philosophen- und Mädchenkrieg
  34. 3410 Das Gericht in der Laube
  35. 3511 Die Glaubensmühen
  36. 3612 Das Konfirmationsfest
  37. 3713 Das Fastnachtsspiel
  38. 3814 Der Tell
  39. 3915 Tischgespräche
  40. 4016 Abendlandschaft / Berta von Bruneck
  41. 4117 Die barmherzigen Brüder
  42. 4218 Judith
  43. 43Dritter Teil
  44. 441 Arbeit und Beschaulichkeit
  45. 452 Ein Wunder und ein wirklicher Meister
  46. 463 Anna
  47. 474 Judith
  48. 485 Torheit des Meisters und des Schülers
  49. 496 Leiden und Leben
  50. 507 Annas Tod und Begräbnis
  51. 518 Auch Judith geht
  52. 529 Das Pergamentlein
  53. 5310 Der Schädel
  54. 5411 Die Maler
  55. 5512 Fremde Liebeshändel
  56. 5613 Wiederum Fastnacht
  57. 5714 Das Narrengefecht
  58. 5815 Der Grillenfang
  59. 59Vierter Teil
  60. 601 Der Borghesische Fechter
  61. 612 Vom freien Willen
  62. 623 Lebensarten
  63. 634 Das Flötenwunder
  64. 645 Die Geheimnisse der Arbeit
  65. 656 Heimatsträume
  66. 667 Weiterträumen
  67. 678 Der wandernde Schädel
  68. 689 Das Grafenschloß
  69. 6910 Glückswandel
  70. 7011 Dortchen Schönfund
  71. 7112 Der gefrorne Christ
  72. 7213 Das eiserne Bild
  73. 7314 Die Rückkehr und ein Ave Cäsar
  74. 7415 Der Lauf der Welt
  75. 7516 Der Tisch Gottes

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