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Venus im Pelz

德语 BooksWhale 版本 · Leopold von Sacher-Masoch

Eine deutsche Novelle über Begehren, Macht, Rollen, Kunst, Obsession und psychologische Abhängigkeit.

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图书简介

Venus im Pelz

Venus im Pelz ist Leopold von Sacher-Masochs bekanntestes Werk und verbindet erotische Fantasie, Machtspiel, ästhetische Selbstinszenierung und psychologische Spannung. Diese deutsche Originalausgabe eignet sich für Leser klassischer Novellen, Dekadenzliteratur und Kulturgeschichte.

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Leopold von Sacher-Masoch starb 1895, und Venus im Pelz erschien erstmals 1870. Diese Daten stützen die Gemeinfreiheit dieser deutschen Originalausgabe.

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Venus im Pelz

Leopold von Sacher-Masoch

Venus im Pelz

Novelle von Sacher-Masoch

Mit Illustrationen von Fritz Buchholz

Leipzig Georg H. Wigand’sche Verlagsbuchhandlung

Alle Rechte vom Verleger vorbehalten.

Vorwort

Vorliegende Erzählung ist ein Teil eines großen, aber niemals von dem Dichter vollendeten Novellenzyklus, „Das Vermächtnis Kains“, der nach Sacher-Masochs eigenem Ausspruche „eine bilderreiche Naturgeschichte des Menschen sein sollte“. Das Ganze sollte in sechs Unterabteilungen zu je sechs Novellen zerfallen, für welche die Obertitel „Die Liebe“, „Das Eigentum“, „Das Geld“, „Der Staat“, „Der Krieg“ und „Der Tod“ vorgesehen waren. Sacher-Masoch hatte sich somit ein sehr hohes Ziel gesteckt, er wollte in diesen geplanten Erzählungen alles Menschenleid und -schicksal in seinen verschiedensten Möglichkeiten und Ausdrucksformen schildern und zugleich in der Schlußnovelle eines jeden Teiles die Antwort auf die behandelte Frage und deren Lösung geben.

Von dem gesamten Werke liegen nur die beiden ersten Teile „Die Liebe“ und „Das Eigentum“ abgeschlossen vor. Von den andern existieren nur Bruchstücke. Die „Venus im Pelz“ gehört als fünfte der Novellen zu dem Zyklus „Die Liebe“.

Der Dichter schildert hierin die Erlebnisse eines Idealisten und Phantasten zugleich, den sein Unstern in den Bannkreis eines herzlosen und brutalen Weibes treibt.

Zur Zeit, als Sacher-Masoch diese seine berühmteste Novelle verfaßte, stand er ganz im Banne eines Schopenhauerschen Pessimismus. Was seine Lebensumstände anbetrifft, so ist zu bemerken, daß er damals als Privatdozent an der Universität Graz habilitiert war.

Sofort beim Erscheinen der „Venus im Pelz“ spalteten sich die Leser in zwei Parteien. Die einen verwarfen sie wegen der bis dahin unerhörten Kühnheit der Schilderungen und fühlten sich zugleich durch das Motiv abgestoßen. Die anderen dagegen, und gerade die besten Männer deutscher Wissenschaft und Literatur, säumten nicht, anzuerkennen, hier liege ein einzigartiges ~document humain~ vor, und es zeuge zudem von ungewöhnlicher Genialität des Verfassers.

In rascher Folge entstanden weitere Schöpfungen, und eine wie die andere waren vollwertiges Gold.

Um so peinlicher überrascht fühlten sich daher alle Freunde des Dichters, als plötzlich höchst oberflächliche und zum Teil direkt minderwertige Produkte seiner Feder auf dem Markt erschienen.

Verwundert und verstimmt fragte man sich, wie es möglich sei, daß ein Poet, der die Klassizität gestreift, sein eigenes Renommee in solcher Weise verderben könne. Nach Sacher-Masochs Tode ist dies Rätsel gelöst.

Die Not, die bitterste äußere Not zwang ihn dazu, dem Gott in sich selbst Gewalt anzutun, um Brot für sich und die Seinen um jeden Preis zu schaffen. In jener Zeit entstanden die vielberufenen „Messalinen Wiens“, „Falscher Hermelin“ usw. Aber seltsam, gerade diese seichten Arbeiten hatten bei dem Publikum ungeahnten Erfolg. Es brauchte dabei nicht zu denken, wohl aber fühlte es sich seltsam erregt durch das eigenartige, ihnen entströmende Gemisch von Stall- und Boudoirparfüm.

So wurde Sacher-Masoch in den Augen vieler zu einem oberflächlichen und frivolen Skribenten erniedrigt, und es konnte leider nicht anders sein, denn die Welt urteilt stets nach den Resultaten, aber nicht nach den Motiven.

Selbst in der Spätzeit, als der Dichter sich wieder großen und bedeutenden Aufgaben zuwandte, vermochte er die alten peinlichen Erinnerungen nicht wieder zu verwischen. Und -- es ist traurig zu sagen -- auch das große Publikum wollte nichts Gehaltvolles mehr von ihm, sondern verlangte von ihm geradezu Mindergut.

Nur eine verhältnismäßig kleine Gemeinde wirklicher Verehrer blieb ihm dauernd treu, jener, die das Unvergängliche, was er geschaffen, seinem vollen Werte nach zu schätzen wußten und trotz seiner späteren Mängel niemals an dem genialen Meister irre wurden.

Den Wünschen dieser zu entsprechen -- da die älteren Ausgaben vollständig vergriffen sind --, entschlossen wir uns, einige seiner besten Arbeiten in Neudrucken auf den Markt zu bringen. Darunter auch die Novellen „Die Liebe des Plato“ und die „Venus im Pelz“.

Obwohl diese beiden Werke seit über 50 Jahren der Literatur angehören und in allen Literaturgeschichten gewürdigt sind, ist es ihnen -- und namentlich der „Venus im Pelz“ -- nicht erspart geblieben, neuerdings seitens der Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften verschiedensten Titels beanstandet zu werden.

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Aber genug, so wie das Bild jetzt ist, erscheint es uns als die pikanteste Satire auf unsere Liebe. Venus, die im abstrakten Norden, in der eisigen christlichen Welt in einen großen schweren Pelz schlüpfen muß, um sich nicht zu erkälten. --“

Severin lachte und zündete eine neue Zigarette an.

Eben ging die Türe auf und eine hübsche volle Blondine mit klugen freundlichen Augen, in einer schwarzen Seidenrobe, kam herein und brachte uns kaltes Fleisch und Eier zum Tee. Severin nahm eines der letzteren und schlug es mit dem Messer auf. „Habe ich dir nicht gesagt, daß ich sie weich gekocht haben will?“ rief er mit einer Heftigkeit, welche die junge Frau zittern machte.

„Aber lieber Sewtschu --“ sprach sie ängstlich.

„Was Sewtschu,“ schrie er, „gehorchen sollst du, gehorchen, verstehst du,“ und er riß den Kantschuk[1], welcher neben seinen Waffen hing, vom Nagel.

Die hübsche Frau floh wie ein Reh rasch und furchtsam aus dem Gemache.

„Warte nur, ich erwische dich noch,“ rief er ihr nach.

„Aber Severin,“ sagte ich, meine Hand auf seinen Arm legend, „wie kannst du die hübsche kleine Frau so traktieren!“

„Sieh dir das Weib nur an,“ erwiderte er, indem er humoristisch mit den Augen zwinkerte, „hätte ich ihr geschmeichelt, so hätte sie mir die Schlinge um den Hals geworfen, so aber, weil ich sie mit dem Kantschuk erziehe, betet sie mich an.“

„Geh mir!“

„Geh du mir, so muß man die Weiber dressieren.“

„Leb’ meinetwegen wie ein Pascha in deinem Harem, aber stelle mir nicht Theorien auf --“

„Warum nicht,“ rief er lebhaft, „nirgends paßt Goethes ‚Du mußt Hammer oder Ambos sein‘ so vortrefflich hin wie auf das Verhältnis von Mann und Weib, das hat dir beiläufig Frau Venus im Traume auch eingeräumt.

In der Leidenschaft des Mannes ruht die Macht des Weibes, und es versteht sie zu benützen, wenn der Mann sich nicht vorsieht. Er hat nur die Wahl, der Tyrann oder der Sklave des Weibes zu sein. Wie er sich hingibt, hat er auch schon den Kopf im Joche und wird die Peitsche fühlen.“

„Seltsame Maximen!“

„Keine Maximen, sondern Erfahrungen,“ entgegnete er mit dem Kopfe nickend, „+ich bin im Ernste gepeitscht worden+, ich bin kuriert, willst du lesen wie?“

Er erhob sich und holte aus seinem massiven Schreibtisch eine kleine Handschrift, welche er vor mich auf den Tisch legte.

„Du hast früher nach jenem Bilde gefragt. Ich bin dir lange schon eine Erklärung schuldig. Da -- lies!“

Severin setzte sich zum Kamin, den Rücken gegen mich, und schien mit offenen Augen zu träumen. Wieder war es still geworden, und wieder sang das Feuer im Kamin und der Samowar und das Heimchen im alten Gemäuer und ich schlug die Handschrift auf und las:

„+Bekenntnisse eines Übersinnlichen+,“ an dem Rande des Manuskriptes standen als Motto die bekannten Verse aus dem Faust variiert:

„Du übersinnlicher sinnlicher Freier, Ein Weib nasführet dich!“

Mephistopheles.

Ich schlug das Titelblatt um und las: „Das Folgende habe ich aus meinem damaligen Tagebuche zusammengestellt, weil man seine Vergangenheit nie unbefangen darstellen kann, so aber hat alles seine frischen Farben, die Farben der Gegenwart.“

Gogol, der russische Molière, sagt -- ja wo? -- nun irgendwo -- „die echte komische Muse ist jene, welcher unter der lachenden Larve die Tränen herabrinnen.“

Ein wunderbarer Ausspruch!

So ist es mir recht seltsam zumute, während ich dies niederschreibe.

Die Luft scheint mir mit einem aufregenden Blumenduft gefüllt, der mich betäubt und mir Kopfweh macht, der Rauch des Kamines kräuselt und ballt sich mir zu Gestalten, kleinen graubärtigen Kobolden zusammen, die spöttisch mit dem Finger auf mich deuten, pausbackige Amoretten reiten auf den Lehnen meines Stuhles und auf meinen Knien, und ich muß unwillkürlich lächeln, ja laut lachen, indem ich meine Abenteuer niederschreibe, und doch schreibe ich nicht mit gewöhnlicher Tinte, sondern mit dem roten Blute, das aus meinem Herzen träufelt, denn alle seine längst vernarbten Wunden haben sich geöffnet und es zuckt und schmerzt, und hie und da fällt eine Träne auf das Papier.

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„Sie haben sich heute Nacht vor mir gefürchtet.“

„Eigentlich -- allerdings -- aber wollen Sie sich nicht setzen?“

Sie nahm Platz und weidete sich an meiner Angst -- denn ich fürchtete mich jetzt, bei hellem Tageslichte, noch mehr vor ihr -- ein reizender Hohn zuckte um ihre Oberlippe.

„Sie sehen die Liebe und vor allem das Weib,“ begann sie, „als etwas Feindseliges an, etwas, wogegen Sie sich, wenn auch vergebens, wehren, dessen Gewalt Sie aber als eine süße Qual, eine prickelnde Grausamkeit fühlen; eine echt moderne Anschauung.“

„Sie teilen sie nicht.“

„Ich teile sie nicht,“ sprach sie rasch und entschieden und schüttelte den Kopf, daß ihre Locken wie rote Flammen emporschlugen.

„Mir ist die heitere Sinnlichkeit der Hellenen -- Freude ohne Schmerz -- ein Ideal, das ich in meinem Leben zu verwirklichen strebe. Denn an jene Liebe, welche das Christentum, welche die Modernen, die Ritter vom Geiste predigen, glaube ich nicht. Ja, sehen Sie mich nur an, ich bin weit schlimmer als eine Ketzerin, ich bin eine Heidin.

„Glaubst du, es habe sich lange die Göttin der Liebe besonnen, Als im Idäischen Hain einst ihr Anchises gefiel?“

Diese Verse aus Goethes römischer Elegie haben mich stets sehr entzückt.

In der Natur liegt nur jene Liebe der heroischen Zeit, „da Götter und Göttinnen liebten“. Damals

„folgte Begierde dem Blick, folgte Genuß der Begier“.

Alles andere ist gemacht, affektiert, erlogen. Durch das Christentum -dessen grausames Emblem -- das Kreuz -- etwas Entsetzliches für mich hat -- wurde erst etwas Fremdes, Feindliches in die Natur und ihre unschuldigen Triebe hineingetragen.

Der Kampf des Geistes mit der sinnlichen Welt ist das Evangelium der Modernen. Ich will keinen Teil daran.“

„Ja, Ihr Platz wäre im Olymp, Madame,“ entgegnete ich, „aber wir Modernen ertragen einmal die antike Heiterkeit nicht, am wenigsten in der Liebe; die Idee, ein Weib, und wäre es auch eine Aspasia, mit anderen zu teilen, empört uns, wir sind eifersüchtig wie unser Gott.

So ist der Name der herrlichen Phryne bei uns zu einem Schimpfworte geworden.

Wir ziehen eine dürftige, blasse, Holbeinsche Jungfrau, welche uns allein gehört, einer antiken Venus vor, wenn sie noch so göttlich schön ist, aber heute den Anchises, morgen den Paris, übermorgen den Adonis liebt, und wenn die Natur in uns triumphiert, wenn wir uns in glühender Leidenschaft einem solchen Weibe hingeben, erscheint uns dessen heitere Lebenslust als Dämonie, als Grausamkeit, und wir sehen in unserer Seligkeit eine Sünde, die wir büßen müssen.“

„Also auch Sie schwärmen für die moderne Frau, für jene armen, hysterischen Weiblein, welche im somnambulen Jagen nach einem erträumten, männlichen Ideal den besten Mann nicht zu schätzen verstehen und unter Tränen und Krämpfen täglich ihre christlichen Pflichten verletzen, betrügend und betrogen, immer wieder suchen und wählen und verwerfen, nie glücklich sind, nie glücklich machen und das Schicksal anklagen, statt ruhig zu gestehen, ich will lieben und leben, wie Helena und Aspasia gelebt haben. Die Natur kennt keine Dauer in dem Verhältnis von Mann und Weib.“

„Gnädige Frau --“

„Lassen Sie mich ausreden. Es ist nur der Egoismus des Mannes, der das Weib wie einen Schatz vergraben will. Alle Versuche, durch heilige Zeremonien, Eide und Verträge Dauer in das Wandelbarste im wandelbaren menschlichen Dasein, in die Liebe hineinzutragen, sind gescheitert.

Können Sie leugnen, daß unsere christliche Welt in Fäulnis übergegangen ist?“

„Aber --“

„Aber der Einzelne, der sich gegen die Einrichtungen der Gesellschaft empört, wird ausgestoßen, gebrandmarkt, gesteinigt, wollen Sie sagen.

Nun gut. Ich wage es, meine Grundsätze sind recht heidnisch, ich will mein Dasein ausleben. Ich verzichte auf euren heuchlerischen Respekt, ich ziehe es vor, glücklich zu sein. Die Erfinder der christlichen Ehe haben gut daran getan, auch gleich dazu die Unsterblichkeit zu erfinden. Ich denke jedoch nicht daran, ewig zu leben, und wenn mit dem letzten Atemzuge hier für mich als Wanda von Dunajew alles zu Ende ist, was habe ich davon, ob mein reiner Geist in den Chören der Engel mitsingt oder ob mein Staub zu neuen Wesen zusammenquillt? Sobald ich aber, so wie ich bin, nicht fortlebe, aus welcher Rücksicht soll ich dann entsagen? Einem Manne angehören, den ich nicht liebe, bloß deshalb, weil ich ihn einmal geliebt habe? Nein, ich entsage nicht, ich liebe jeden, der mir gefällt, und mache jeden glücklich, der mich liebt. Ist das häßlich? Nein, es ist mindestens weit schöner, als wenn ich mich grausam der Qualen freue, die meine Reize erregen, und mich tugendhaft von dem Armen abkehre, der um mich verschmachtet. Ich bin jung, reich und schön, und so, wie ich bin, lebe ich heiter dem Vergnügen, dem Genuß.“

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本版本内容

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  2. 02Part 2
  3. 03Part 3
  4. 04Part 4
  5. 05Part 5
  6. 06Part 6
  7. 07Part 7
  8. 08Part 8
  9. 09Part 9
  10. 10Part 10
  11. 11Part 11
  12. 12Part 12
  13. 13Part 13
  14. 14Part 14

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