
German Edition
Literature
Amphitryon
German BooksWhale Edition by Heinrich von Kleist
Kleists Komödie über Identität, Täuschung, Liebe und göttliches Spiel.
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Book introduction
Amphitryon
Amphitryon verwandelt den antiken Stoff in ein deutsches Drama über Ich-Gewissheit, Ehe, Verführung und die Unsicherheit der Wahrnehmung. Diese Ausgabe ist für Leser von Kleist, klassischem Theater und philosophischer Komödie gedacht.
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Heinrich von Kleist starb 1811, und Amphitryon wurde 1807 erstmals veröffentlicht. Diese Daten begründen die Gemeinfreiheit des deutschen Originaltexts.
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Amphitryon
Heinrich von Kleist
Heinrich von Kleist Amphitryon Ein Lustspiel nach Molière Personen Personen. Jupiter, in der Gestalt des Amphitryon. Merkur, in der Gestalt des Sosias. Amphitryon, Feldherr der Thebaner. Sosias, sein Diener. Alkmene, Gemahlin des Amphitryon. Charis, Gemahlin des Sosias. Feldherren.
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1. Akt
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Erste Szene tritt mit einer Laterne auf. Heda! Wer schleicht da? Holla! – Wenn der Tag Anbräche, wär mir's lieb; die Nacht ist – Was? Gut Freund, ihr Herrn! Wir gehen eine Straße – Ihr habt den ehrlichsten Geselln getroffen, Bei meiner Treu, auf den die Sonne scheint – Vielmehr der Mond jetzt, wollt ich sagen – Spitzbuben sind's entweder, feige Schufte, Die nicht das Herz, mich anzugreifen, haben: Oder der Wind hat durch das Laub gerasselt. Jedweder Schall hier heult in dem Gebirge. – Vorsichtig! Langsam! – Aber wenn ich jetzt Nicht bald mit meinem Hut an Theben stoße So will ich in den finstern Orkus fahren. Ei, hol's der Henker! ob ich mutig bin, Ein Mann von Herz; das hätte mein Gebieter Auf anderm Wege auch erproben können. Ruhm krönt ihn, spricht die ganze Welt, und Ehre, Doch in der Mitternacht mich fortzuschicken, Ist nicht viel besser, als ein schlechter Streich. Ein wenig Rücksicht wär, und Nächstenliebe, So lieb mir, als der Keil von Tugenden, Mit welchem er des Feindes Reihen sprengt. Sosias, sprach er, rüste dich mein Diener, Du sollst in Theben meinen Sieg verkünden Und meine zärtliche Gebieterin Von meiner nahen Ankunft unterrichten. Doch hätte das nicht Zeit gehabt bis morgen, Will ich ein Pferd sein, ein gesatteltes! Doch sieh! Da zeigt sich, denk ich, unser Haus! Triumph, du bist nunmehr am Ziel, Sosias, Und allen Feinden soll vergeben sein. Jetzt, Freund, mußt du an deinen Auftrag denken; Man wird dich feierlich zur Fürstin führen, Alkmen', und den Bericht bist du ihr dann, Vollständig und mit Rednerkunst gesetzt Des Treffens schuldig, das Amphitryon Siegreich fürs Vaterland geschlagen hat. – Doch wie zum Teufel mach ich das, da ich Dabei nicht war? Verwünscht. Ich wollt: ich hätte Zuweilen aus dem Zelt geguckt, Als beide Heer im Handgemenge waren. Ei was! Vom Hauen sprech ich dreist und Schießen, Und werde schlechter nicht bestehn, als andre, Die auch den Pfeil noch pfeifen nicht gehört. – Doch wär es gut, wenn du die Rolle übtest? Gut! Gut bemerkt, Sosias! Prüfe dich. Hier soll der Audienzsaal sein, und diese Latern Alkmene, die mich auf dem Thron erwartet. Er setzt die Laterne auf den Boden. Durchlauchtigste! mich schickt Amphitryon, Mein hoher Herr und Euer edler Gatte, Von seinem Siege über die Athener Die frohe Zeitung Euch zu überbringen. – Ein guter Anfang! – »Ach, wahrhaftig, liebster Sosias, meine Freude mäßg' ich nicht, Da ich dich wiedersehe.« – Diese Güte, Vortreffliche, beschämt mich, wenn sie stolz gleich Gewiß jedweden andern machen würde. – Sieh! das ist auch nicht übel! – »Und dem teuren Geliebten meiner Seel Amphitryon, Wie geht's ihm?« – Gnäd'ge Frau, das faß ich kurz: Wie einem Mann von Herzen auf dem Feld des Ruhms. – Ein Blitzkerl! Seht die Suade! – »Wann denn kommt er?« Gewiß nicht später, als sein Amt verstattet, Wenngleich vielleicht so früh nicht, als er wünscht. – Potz, alle Welt! – »Und hat er sonst dir nichts Für mich gesagt, Sosias?« – Er sagt wenig, Tut viel, und es erbebt die Welt vor seinem Namen. – Daß mich die Pest! Wo kömmt der Witz mir her? »Sie weichen also, sagst du, die Athener?« – Sie weichen, tot ist Labdakus, ihr Führer, Erstürmt Pharissa, und wo Berge sind, Da hallen sie von unserm Siegsgeschrei. – »O teuerster Sosias! Sieh, das mußt du Umständlich mir, auf jeden Zug, erzählen.« – Ich bin zu Euern Diensten, gnäd'ge Frau. Denn in der Tat kann ich von diesem Siege Vollständ'ge Auskunft, schmeichl ich mir, erteilen: Stellt Euch, wenn Ihr die Güte haben wollt, Auf dieser Seite hier – Er bezeichnet die Örter auf seiner Hand –. Pharissa vor – Was eine Stadt ist, wie Ihr wissen werdet, So groß im Umfang, praeter propter, Um nicht zu übertreiben, wenn nicht größer, Als Theben. Hier geht der Fluß. Die Unsrigen In Schlachtordnung auf einem Hügel hier; Und dort im Tale haufenweis der Feind. Nachdem er ein Gelübd zum Himmel jetzt gesendet, Daß Euch der Wolkenkreis erzitterte, Stürzt, die Befehle treffend rings gegeben, Er gleich den Strömen brausend auf uns ein. Wir aber, minder tapfer nicht, wir zeigten Den Rückweg ihm, – und Ihr sollt gleich sehn, wie? Zuerst begegnet' er dem Vortrab hier; Der wich. Dann stieß er auf die Bogenschützen dort; Die zogen sich zurück. Jetzt dreist gemacht, rückt er Den Schleudrern auf den Leib; die räumten ihm das Feld Und als verwegen jetzt dem Hauptkorps er sich nahte, Stürzt dies – halt! Mit dem Hauptkorps ist's nicht richtig. Ich höre ein Geräusch dort, wie mir deucht.
Table of contents
Inside this edition
- 01Full text
- 021. Akt
- 031. Szene
- 042. Szene
- 053. Szene
- 064. Szene
- 075. Szene
- 082. Akt
- 091. Szene
- 102. Szene
- 113. Szene
- 124. Szene
- 135. Szene
- 146. Szene
- 153. Akt
- 161. Szene
- 172. Szene
- 183. Szene
- 194. Szene
- 205. Szene
- 216. Szene
- 227. Szene
- 238. Szene
- 249. Szene
- 2510. Szene
- 2611. Szene
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