
German Edition
Literature
Das Käthchen von Heilbronn
German BooksWhale Edition by Heinrich von Kleist
Ein romantisches Ritterschauspiel über Traum, Treue, Stand, Geheimnis und leidenschaftliche Hingabe.
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Book introduction
Das Käthchen von Heilbronn
Das Käthchen von Heilbronn verbindet Ritterdrama, romantisches Geheimnis, Traumvisionen und gesellschaftliche Spannung. Kleist stellt Liebe, Gehorsam, Standesordnung und innere Gewissheit in eine theatralische Handlung von großer Wirkungskraft.
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Heinrich von Kleist starb 1811, und Das Käthchen von Heilbronn wurde 1810 veröffentlicht. Diese Daten begründen die Gemeinfreiheit des deutschen Originaltextes dieser Ausgabe.
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Das Käthchen von Heilbronn
Heinrich von Kleist
Das Käthchen von Heilbronn (oder die Feuerprobe)
Heinrich von Kleist
Ein großes historisches Ritterschauspiel
Personen:
Der Kaiser
Gebhardt, Erzbischof von Worms
Friedrich Wetter, Graf vom Strahl
Gräfin Helena, seine Mutter
Eleonore, ihre Nichte
Ritter Flammberg, des Grafen Vasall
Gottschalk, sein Knecht
Brigitte, Haushälterin im gräflichen Schloß
Kunigunde von Thurneck
Rosalie, ihre Kammerzofe
Sybille, deren Stiefmutter
Theobald Friedeborn, Waffenschmied aus Heilbronn
Käthchen, seine Tochter
Gottfried Friedeborn, ihr Bräutigam
Maximilian, Burggraf von Freiburg
Georg von Waldstätten, sein Freund
Ritter Schauermann und Ritter Wetzlaf, seine Vasallen
Der Rheingraf vom Stein, Verlobter Kunigundens
Friedrich von Herrnstadt und Eginhardt von der Wart, seine Freunde
Graf Otto von der Flühe, Wenzel von Nachtheim und Hans von Bärenklau, Räte des Kaisers und Richter des heimlichen Gerichts
Jakob Pech, ein Gastwirt
Drei Herren von Thurneck
Kunigundens alte Tanten
Ein Köhlerjunge
Ein Nachtwächter
Mehrere Ritter
Ein Herold, zwei Köhler, Bedienten, Boten, Häscher, Knechte und Volk
Die Handlung spielt in Schwaben
Preview chapterErster AktPreview
Szene: Eine unterirdische Höhle, mit den Insignien des Vehmgerichts, von einer Lampe erleuchtet.
Erster Auftritt
Graf Otto von der Flühe als Vorsitzer, Wenzel von Nachtheim, Hans von
Bärenklau als Beisassen, mehrere Grafen, Ritter und Herren, sämtlich
vermummt, Häscher mit Fackeln usw.--Theobald Friedeborn, Bürger aus
Heilbronn, als Kläger, Graf Wetter vom Strahl als Beklagter, stehen
vor den Schranken.
Graf Otto (steht auf). Wir, Richter des hohen, heimlichen Gerichts,
die wir, die irdischen Schergen Gottes, Vorläufer der geflügelten
Heere, die er in seinen Wolken mustert, den Frevel aufsuchen, da, wo
er, in der Höhle der Brust, gleich einem Molche verkrochen, vom Arm
weltlicher Gerechtigkeit nicht aufgefunden werden kann: wir rufen
dich, Theobald Friedeborn, ehrsamer und vielbekannter Waffenschmied
aus Heilbronn auf, deine Klage anzubringen gegen Friedrich, Graf
Wetter vom Strahle; denn dort, auf den ersten Ruf der heiligen Vehme,
von des Vehmherolds Hand dreimal, mit dem Griff des Gerichtsschwerts,
an die Tore seiner Burg, deinem Gesuch gemäß, ist er erschienen, und
fragt, was du willst? (Er setzt sich.)
Theobald Friedeborn. Ihr hohen, heiligen und geheimnisvollen Herren!
Hätte er, auf den ich klage, sich bei mir ausrüsten lassen--setzet
in Silber, von Kopf bis zu Fuß, oder in schwarzen Stahl, Schienen,
Schnallen und Ringe von Gold; und hätte nachher, wenn ich gesprochen:
Herr, bezahlt mich! geantwortet: Theobald! Was willst du? Ich bin
dir nichts schuldig; oder wäre er vor die Schranken meiner Obrigkeit
getreten, und hätte meine Ehre, mit der Zunge der Schlangen--oder
wäre er aus dem Dunkel mitternächtlicher Wälder herausgebrochen und
hätte mein Leben, mit Schwert und Dolch, angegriffen: so wahr mir
Gott helfe! ich glaube, ich hätte nicht vor euch geklagt. Ich erlitt,
in drei und funfzig Jahren, da ich lebe, so viel Unrecht, daß meiner
Seele Gefühl nun gegen seinen Stachel wie gepanzert ist; und während
ich Waffen schmiede, für andere, die die Mücken stechen, sag ich
selbst zum Skorpion: fort mit dir! und laß ihn fahren. Friedrich,
Graf Wetter vom Strahl, hat mir mein Kind verführt, meine Katharine.
Nehmt ihn, ihr irdischen Schergen Gottes, und überliefert ihn allen
geharnischten Scharen, die an den Pforten der Hölle stehen und ihre
glutroten Spieße schwenken: ich klage ihn schändlicher Zauberei,
aller Künste der schwarzen Nacht und der Verbrüderung mit dem Satan
an!
Graf Otto. Meister Theobald von Heilbronn! Erwäge wohl, was du
sagst. Du bringst vor, der Graf vom Strahl, uns vielfältig und von
guter Hand bekannt, habe dir dein Kind verführt. Du klagst ihn, hoff
ich, der Zauberei nicht an, weil er deines Kindes Herz von dir
abwendig gemacht? Weil er ein Mädchen, voll rascher Einbildungen,
mit einer Frage, wer sie sei? oder wohl gar mit dem bloßen Schein
seiner roten Wangen, unter dem Helmsturz hervorglühend, oder mit
irgend einer andern Kunst des hellen Mittags ausgeübt auf jedem
Jahrmarkt, für sich gewonnen hat?
Theobald. Es ist wahr, ihr Herren, ich sah ihn nicht zur Nachtzeit,
an Mooren und schilfreichen Gestaden, oder wo sonst des Menschen Fuß
selten erscheint, umherwandeln und mit den Irrlichtern Verkehr
treiben. Ich fand ihn nicht auf den Spitzen der Gebirge, den
Zauberstab in der Hand, das unsichtbare Reich der Luft abmessen, oder
in unterirdischen Höhlen, die kein Strahl erhellt,
Beschwörungsformeln aus dem Staub heraufmurmeln. Ich sah den Satan
und die Scharen, deren Verbrüderten ich ihn nannte, mit Hörnern,
Schwänzen und Klauen, wie sie zu Heilbronn, über dem Altar abgebildet
sind, an seiner Seite nicht. Wenn ihr mich gleichwohl reden lassen
wollt, so denke ich es durch eine schlichte Erzählung dessen, was
sich zugetragen, dahin zu bringen, daß ihr aufbrecht, und ruft:
unsrer sind dreizehn und der vierzehnte ist der Teufel! zu den Türen
rennt und den Wald, der diese Höhle umgibt, auf dreihundert Schritte
Preview chapterZweiter AktPreview
Szene: Wald vor der Höhle des heimlichen Gerichts.
Erster Auftritt
Der Graf vom Strahl (tritt auf, mit verbundenen Augen, geführt von
zwei Häschern, die ihm die Augen aufbinden, und alsdann in die Höhle
zurückkehren--Er wirft sich auf den Boden nieder und weint). Nun
will ich hier, wie ein Schäfer liegen und klagen. Die Sonne scheint
noch rötlich durch die Stämme, auf welchen die Wipfel des Waldes ruhn;
und wenn ich, nach einer kurzen Viertelstunde, sobald sie hinter den
Hügel gesunken ist, aufsitze, und mich im Blachfelde, wo der Weg eben
ist, ein wenig daran halte, so komme ich noch nach Schloß
Wetterstrahl, ehe die Lichter darin erloschen sind. Ich will mir
einbilden, meine Pferde dort unten, wo die Quelle rieselt, wären
Schafe und Ziegen, die an dem Felsen kletterten, und an Gräsern und
bittern Gesträuchen rissen; ein leichtes weißes linnenes Zeug
bedeckte mich, mit roten Bändern zusammengebunden, und um mich her
flatterte eine Schar muntrer Winde, um die Seufzer, die meiner, von
Gram sehr gepreßten, Brust entquillen, gradaus zu der guten Götter
Ohr empor zu tragen. Wirklich und wahrhaftig! Ich will meine
Muttersprache durchblättern, und das ganze, reiche Kapitel, das diese
Überschrift führt: Empfindung, dergestalt plündern, daß kein
Reimschmied mehr, auf eine neue Art, soll sagen können: ich bin
betrübt. Alles, was die Wehmut Rührendes hat, will ich aufbieten,
Lust und in den Tod gehende Betrübnis sollen sich abwechseln, und
meine Stimme, wie einen schönen Tänzer, durch alle Beugungen hindurch
führen, die die Seele bezaubern; und wenn die Bäume nicht in der Tat
bewegt werden, und ihren milden Tau, als ob es geregnet hätte,
herabträufeln lassen, so sind sie von Holz, und alles, was uns die
Dichter von ihnen sagen, ein bloßes liebliches Märchen. O du--wie
nenn ich dich? Käthchen! Warum kann ich dich nicht mein nennen?
Käthchen, Mädchen, Käthchen! Warum kann ich dich nicht mein nennen?
Warum kann ich dich nicht aufheben, und in das duftende Himmelbett
tragen, das mir die Mutter, daheim im Prunkgemach, aufgerichtet hat?
Käthchen, Käthchen, Käthchen! Du, deren junge Seele, als sie heut
nackt vor mir stand, von wollüstiger Schönheit gänzlich triefte, wie
die mit Ölen gesalbte Braut eines Perserkönigs, wenn sie, auf alle
Teppiche niederregnend, in sein Gemach geführt wird! Käthchen,
Mädchen, Käthchen! Warum kann ich es nicht? Du Schönere, als ich
singen kann, ich will eine eigene Kunst erfinden, und dich weinen.
Alle Phiolen der Empfindung, himmlische und irdische, will ich
eröffnen, und eine solche Mischung von Tränen, einen Erguß so
eigentümlicher Art, so heilig zugleich und üppig, zusammenschütten,
daß jeder Mensch gleich, an dessen Hals ich sie weine, sagen soll:
sie fließen dem Käthchen von Heilbronn!--Ihr grauen, bärtigen Alten,
was wollt ihr? Warum verlaßt ihr eure goldnen Rahmen, ihr Bilder
meiner geharnischten Väter, die meinen Rüstsaal bevölkern, und tretet,
in unruhiger Versammlung, hier um mich herum, eure ehrwürdigen
Locken schüttelnd? Nein, nein, nein! Zum Weibe, wenn ich sie gleich
liebe, begehr ich sie nicht; eurem stolzen Reigen will ich mich
anschließen: das war beschloßne Sache, noch ehe ihr kamt. Dich aber,
Winfried, der ihn führt, du Erster meines Namens, Göttlicher mit der
Scheitel des Zeus, dich frag ich, ob die Mutter meines Geschlechts
war, wie diese: von jeder frommen Tugend strahlender, makelloser an
Leib und Seele, mit jedem Liebreiz geschmückter, als sie? O Winfried!
Grauer Alter! Ich küsse dir die Hand, und danke dir, daß ich bin;
doch hättest du sie an die stählerne Brust gedrückt, du hättest ein
Geschlecht von Königen erzeugt, und Wetter vom Strahl hieße jedes
Table of contents
Inside this edition
- 01Full text
- 02Erster Akt
- 03Zweiter Akt
- 04Dritter Akt
- 05Vierter Akt
- 06Fünfter Akt
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