
German Edition
Politics
Das Maschinenzeitalter
German BooksWhale Edition by Bertha von Suttner
Ein gemeinfreier Klassiker über Technik, Fortschritt, Militarismus, Frieden, Moderne und politische Verantwortung.
- Preview
- A sample from the prepared text
- Formats
- Online reader, EPUB, PDF
- Access
- Library claim
Book introduction
Das Maschinenzeitalter
Das Maschinenzeitalter von Bertha von Suttner gehört zu den wichtigen deutschsprachigen Werken für Leserinnen und Leser mit Interesse an Technik, Fortschritt, Militarismus, Frieden, Moderne und politische Verantwortung. Diese deutsche Ausgabe bietet den gemeinfreien Originaltext in einer klaren BooksWhale-Fassung für Online-Lektüre, EPUB und PDF.
BooksWhale edition
How this edition was prepared
This edition is based on a public domain text and has been prepared for digital reading by BooksWhale.
Public domain basis
Why this edition can be shared
Das Maschinenzeitalter erschien erstmals 1889. Diese Ausgabe verwendet den gemeinfreien deutschen Originaltext; Veröffentlichungsjahr und Schutzfrist sprechen für die Gemeinfreiheit.
Read preview
A sample from the prepared text
Preview selected from the prepared reader text.
Preview chapterFull textRead preview
Das Maschinenzeitalter
Bertha von Suttner
Preview chapterTeil 1Preview
Teil 1
Wenn ich diesmal anonym vor das Publikum trete, ſo geſchieht es, weil mein Name, wenn genannt, gerade ſolche Kreiſe meinem Buche verſchließen könnte, für die es haupt⸗ ſächlich beſtimmt iſt.
differenzierte Raſſe erkennen, die ſich im Gegenſatz zu den „wilden“ die „ziviliſierte“ nannte.
Daß in geiſtiger Hinſicht dieſer Gegenſatz durchaus nicht fo ſchroff war, wie in materieller, werden die folgenden Ab ſchnitte darzuthun verſuchen, in welchen wir die verſchiedenen Erſcheinungen des intellektuellen und ſozialen Lebens jener Epoche eine nach der andern kritiſch unterſuchen wollen.
Dem Europologen unſerer Tage iſt es eine bekannte Thatſache, daß der Erdteil, deſſen Kultur er ſtudiert, von zahl⸗ reichen unter einander ſehr verſchiedenen Völkerſchaften bewohnt war. Deutſche, Franzoſen, Spanier, Ruſſen, Engländer und noch viele andere, deren Aufzählung gar zu weitläufig wäre, bildeten ſelbſtändige Reiche und ſprachen ihr eigenes Idiom. Dennoch hatten alle ſo viele Züge aufzuweiſen, die ihnen ge— meinſam waren: — dieſelbe Tracht, dieſelbe Induſtrie, die— ſelben Lebensgewohnheiten —, daß die Phyſiognomie des Ge⸗ ſamteuropa, auf die Entfernung der Jahrhunderte geſehen, genug einheitlich erſcheint, um im allgemeinen betrachtet zu werden. Will man ſchon mit größerer Gründlichkeit vorgehen und die Volksſtämme jondern, jo iſt es beſſer, die Nationen namen bei Seite zu laſſen, welche in ſo großer Anzahl die Bewohner aller kleinen Staaten und Provinzen von einander unterſchieden, nämlich weder von „Ungarn“ noch „Portugieſen“ und dergleichen zu reden, ſondern nur eine Einteilung in drei Hauptraſſen vorzunehmen: Lateiner, Germanen und Slaven.
Aber ſogar unter dieſen ſind — auf unſere Zeitentfernung hin — die trennenden Merkmale weniger wahrnehmbar als die gemeinſamen. Einige kleine Verſchiedenheiten im Charakter, im Geſichtstypus u. ſ. w. laſſen ſich wohl noch konſtatieren;
Ehe ich in meinen Vorträgen fortfahre, muß ich noch die Gründe betonen, die mich bewogen haben, die bezeichnete Epoche zum Gegenſtande unſeres Studiums zu wählen. Ich weiß ganz gut, daß Sie mir den Vorwurf machen können, ich hätte mir da eine ereignisloſe und — man könnte faſt ſagen — charakterloſe Zeit ausgeſucht, welche weder kulturelle Um— wälzungen, noch irgendwelche beſonders markierte Züge auf— zuweiſen hat. Entweder hätte ich weiter zurückgreifen ſollen, — zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts z. B., wo in der großen franzöſiſchen Revolution eine alte Geſellſchaftsform zu⸗ ſammenbrach; oder aber weiter vorwärts, in eine Zeit, wo jene großartigen Ereigniſſe — die ich hier nicht näher be⸗ zeichnen darf — dasjenige erfüllt hatten, was damals erſt als Furcht und Hoffnung vereinzelten Geiſtern vorſchwebte, und wo die damals ſchon überlebten, aber noch exiſtierenden Zu⸗ ſtände ſchon endgiltig verſchwunden waren. Aber ich gehe von der Anſicht aus, daß es lehrreicher und intereſſanter iſt, die ſogenannten „übergangsperioden“ zu ſtudieren, in welchen ſich die künftigen Ereigniſſe langſam, aber doch fühlbar vorbereiten — lehrreicher, als das raſche Abſpielen dieſer Ereigniſſe ſelber zum Gegenſtand dramatiſch bewegter Schilderungen zu machen. Und für uns, die wir wiſſen, welchen Verlauf die nachherigen Kämpfe genommen haben, und wiſſen, wie bald und vollſtändig
Was dem Bewußtſein einer Zeit als ſittlich gilt, erſcheint in einer ſpäteren als barbariſch; was in der einen das höchſte religiöſe Ideal vorſtellt, wird in einer nächſten als Wahn⸗ glaube verworfen. Da nun die Erkenntnis von der Wirklich⸗ keit der Dinge, von deren urſächlichem und notwendigem Zu⸗ ſammenhang — mit einem Worte: die Wiſſenſchaft — die einzige Quelle aller fortſchreitenden Geſittung und aller ſich Geltung ſchaffenden politiſchen und moraliſchen Syſteme iſt, ſo folgt, daß die Wiſſenſchaft ganz freigegeben werden muß, wenn man will, daß die junge Generation ungehindert vorwärts⸗ ſchreite, oder aber ganz geknebelt, wenn das überkommene Syſtem in jeder Richtung aufrechterhalten werden ſoll. Das erſte Ideal war zu jener Zeit noch lange nicht erreicht, das zweite ſchon lange nicht mehr vorherrſchend. Alte und moderne Weltanſchauung — was man damals eben „modern“ nannte und uns heute jo primitiv erſcheint — lagen auf allen Ge— bieten im Kampfe, nirgends heftiger, als auf dem Gebiete der Erziehung, denn dieſe iſt es, welche über dasjenige entſcheidet, was jedem Einzelweſen wie jedem Gemeinweſen das wichtigſte Gut iſt: — der Beſtand in der Zukunft.
Preview chapterTeil 2Preview
Teil 2
Ich hatte mir vorbehalten, anläßlich der geſellſchaftlichen
Zuſtände jener Zeit einiges über die Entwicklungsſtufe zu ſagen, auf welcher die Sozialwiſſenſchaft damals ſtand.
Im Vergleich zu ihrer heutigen aufgeblühten Form be⸗ fand fie ſich — in embryonalem Zuſtande. Der Grundriß war gegeben; die Stoffe, aus welchen ſie ſich ihre Organe bilden ſollte, waren vorhanden, aber geboren war ſie noch nicht. Die wenigſten Leute wußten etwas von dieſer bevor⸗ ſtehenden Geburt, und unter denen, die von der Exiſtenz des Embryos benachrichtigt waren, gab es viele, die davon nur eine Fehl⸗ und Mißgeburt erwarteten.
Ohne Bild zu ſprechen: es gab noch keine Soziologie; erſt die Einſicht war vorhanden, daß es eine geben ſolle; und dieſe Einſicht war von wenigen geteilt, von vielen beſtritten, von den meiſten ignoriert.
Das bedeutendſte Werk über dieſen Gegenſtand, welches damals verfaßt worden, nannte ſich nicht „Soziologie“ ſchlecht⸗ weg, ſondern „Einleitung in das Studium“ derſelben. Deſſen Urheber, der große Herbert Spencer, legte in dieſem Werke die Schwierigkeiten dar, welche zu ſeiner Zeit gegen Er— langung ſoziologiſcher Wahrheiten ſich thürmten, indem er alle herrſchenden Vorurteile nannte — das nationale, das theo⸗ logiſche, das politiſche, das Klaſſen-Vorurteil —, welche da
früher die Einſicht von den beſtehenden Übeln eintritt, als deren Aufhebung. Eine Eichel braucht lange, um ſchattige Eiche zu werden, aber noch viel länger braucht die Idee, um ſich als Inſtitution zu erheben. Faſt alle die Grundſätze — d. h. die erkannten wiſſenſchaftlichen Wahrheiten —, auf welchen unſere heutigen öffentlichen Einrichtungen ruhen, ſie finden fi in dem beſagten Werke ſchon angeführt, und doch ſehen wir zu Lebzeiten des Autors nicht eines ſeiner Prinzipien zur Direktive politiſcher Handlungsweiſe angenommen.
Laſſen Sie uns das Chaos der damaligen Politik ein wenig unterſuchen. Das meiſte darin wird uns nach gegen wärtigen Begriffen ſchauderhaft oder lächerlich erſcheinen, und obwohl wir wiſſen, daß die richtige Erkenntnis niemals ſchau⸗ dern und niemals lächeln ſoll — ſondern verſtehen; ſo wird uns die Abſcheulichkeit und die Komik gewiſſer Zuſtände doch unwillkürlich in die Augen fallen. Was jagen Sie z. B. dazu? Für die eingetriebenen Steuern ward dem Bürger allerlei geboten, was er brauchte und was er nicht brauchte: Verkehrs⸗ wege, Straßenreinigung, Sicherheitswache, Theater, Kirchen, Zollämter, Gefängniſſe und noch vieles mehr. Das Eine aber, was aus den Steuereinnahmen nicht beſtritten wurde, was jeder Einzelne, wenn er es brauchte, erſt extra zahlen mußte, das war das Recht. Dasjenige, was doch eigentlich die Haupt⸗ errungenſchaft ſtaatlichen Zuſammenhaltens ift, nämlich der Schutz gegen Unterdrückung und Übervorteilung, den leiſtete der Staat nicht unentgeltlich, den mußte der Unterdrückte und Übervorteilte — falls er das Geld hierzu hatte — ſich erſt ſelber erkaufen. Das Endurteil in Streitigkeiten, welches zu wilden Zeiten von der Fauſtkraft der Streitenden, in ſpäteren, Epochen von Gottesgerichten abhing, zu dem konnte man im Maſchinenalter nur durch Geldausgaben gelangen. Der Richter wurde zwar nicht erkauft, aber die Prozeßführung W ſchwere Koſten und wer neben erlittenem Unrecht Geldmangel litt, der mußte auf die j von vornherein verzichten. Der Geb gegenſeitigem Schutz und zu a
Was uns vom heutigen Standpunkt aus intereſſiert, wenn wir das religiöſe Leben des Maſchinenalters ſtudieren, iſt weniger der Inhalt der offiziellen Bekenntniſſe als vielmehr das Erwachen des Humanitätsbegriffes, der damals, ſofern er als Loſung des Freidenkertums auftrat, als der Gegenſatz von. Religion angeſehen wurde, obſchon er dazu beſtimmt war, ſelber zur welterobernden Religion zu werden. Ferner intereſſiert uns das Verhältnis, in welchem die beiden Weltanſchauungen — die alte, erbgeſeſſene, mit allem Apparat der Ehrwürdigkeit umgebene, und die neue, langjam um ſich greifende, mit Miß— trauen und Verachtung behandelte — zu einander ſtanden. In dem Kampfe des Freigedankens mit dem Glauben, wie er im Maſchinenalter ſich abzuſpielen begann, könnte man einige derſelben Phaſen wiederfinden, welche die Hiſtoriker jener Zeit aus dem achtzehnhundert Jahre früher ſtattgehabten Kampfe von Chriſtenund Heidentum aufgezeichnet hatten. Nicht als ob das Freidenkertum, im Sinne religiöſen Zmeifel geiſtes, erſt im Maſchinenalter ſich zu entfalten begonnen hätte; derſelbe war vielmehr im achtzehnten Jahrhundert viel auf— fälliger aufgetreten als im neunzehnten und war überhaupt, ſeitdem es poſitive Religionen gab, immer neben denſelben ein— hergegangen, wie ſchon aus dem Verhalten der griechiſchen Philoſophie zu der griechiſchen Götterlehre hervorgeht. Was
Table of contents
Inside this edition
- 01Full text
- 02Teil 1
- 03Teil 2
- 04Teil 3
- 05Teil 4
- 06Teil 5
- 07Teil 6
- 08Teil 7
- 09Teil 8
Language availability
Other languages
Additional language editions are not published yet. This section will link to other BooksWhale editions when they become available.
Request another language