BooksWhaleBooksWhale
Der Büttnerbauer cover

German Edition

Literature

Der Büttnerbauer

German BooksWhale Edition by Wilhelm von Polenz

Ein gemeinfreier Klassiker über Bauerntum, soziale Frage, Verschuldung, Dorfleben und realistischer Gesellschaftsroman.

Preview
A sample from the prepared text
Formats
Online reader, EPUB, PDF
Access
Library claim

Book introduction

Der Büttnerbauer

Der Büttnerbauer von Wilhelm von Polenz gehört zu den wichtigen deutschsprachigen Werken für Leserinnen und Leser mit Interesse an Bauerntum, soziale Frage, Verschuldung, Dorfleben und realistischer Gesellschaftsroman. Diese deutsche Ausgabe bietet den gemeinfreien Originaltext in einer klaren BooksWhale-Fassung für Online-Lektüre, EPUB und PDF.

BooksWhale edition

How this edition was prepared

This edition is based on a public domain text and has been prepared for digital reading by BooksWhale.

Public domain basis

Why this edition can be shared

Der Büttnerbauer erschien erstmals 1895. Diese Ausgabe verwendet den gemeinfreien deutschen Originaltext; Veröffentlichungsjahr und Schutzfrist sprechen für die Gemeinfreiheit.

Read preview

A sample from the prepared text

Preview selected from the prepared reader text.

Preview chapterFull textRead preview

Der Büttnerbauer

Wilhelm von Polenz

Preview chapterTeil 1Preview

Bewegung. Dafür war das auch der nämliche Rock, in welchem der Büttnerbauer vor mehr als dreißig Jahren getraut worden war. Daß der Rock inzwiſchen etwas knapp geworden in den Schultern und über die Bruſt, ſtörte den Alten nicht, im Gegenteil! dieſe Gebundenheit und enge Verſchnürung des Leibes ſtimmte ſo recht zu der Weihe und feierlichen Gemeſſenheit, die nun einmal zum Sonntagmorgen gehört. — Auf dem langen ſtraffen Haar trug er einen Cylinder, den das Alter nicht glatter, ſondern recht wider¬ haarig gemacht hatte.

Der Bauer ſchritt zwiſchen ſeinen beiden Söhnen: Karl und Guſtav.

W

. v . Polenz , Der Büttnerbauer. 1 Karl, der ältere, war in gleicher Größe mit dem Vater, aber beleibter und fleiſchiger, als dieſer. Auch er raſierte ſich, nach guter Bauernweiſe, den ganzen Bart. Seine großen, etwas verſchlafenen Augen und die vollen roten Wangen gaben ihm das Ausſehen eines großen gutgearteten Jungen. Aber, wer ſich die Fäuſte des Mannes näher betrachtete, dem verging wohl die Luſt, mit ſolchem Burſchen anzubinden. Heute trug er, wie der Alte, ein dickleibiges Geſangbuch in der Hand. Auch er war in einen langſchößigen Kirchenrock gekleidet, und trug einen breitkrämpigen Cylinder auf dem runden Kopfe. Im ganzen war Karl Büttner die wohlgenährtere und um dreißig Jahre jüngere Ausgabe von Traugott Büttner.

Verſchieden von den beiden zeigte ſich der jüngere Sohn, Guſtav, Unteroffizier in einem Küraſſierregiment. Vielleicht war es die ſchmucke Uniform, die ſeine Figur hob, ihm etwas Gewandtes und Nettes gab, daß er ſich von den beiden plumpen Bauerngeſtalten vorteilhaft abhob. Er war etwas kleiner, als Vater und Bruder, ſehnig, gut gewachſen, mit offenem ein¬ nehmendem Geſichtsausdruck. Guſtav wiegte ſeinen ſchlanken Oberkörper erſichtlich in dem Bewußtſein, ein hübſcher Kerl zu ſein, auf den heute die Augen der geſamten Kirchfahrt von Halbenau gerichtet waren. Nicht ſelten fuhr ſeine behand¬ ſchuhte Rechte nach dem blonden Schnurrbart, wie um ſich zu vergewiſſern, daß dieſe wichtigſte aller Manneszierden noch an ihrem Platze ſei. Im Heimatdorfe hatte man ihn noch nicht mit den Treffen geſehen. Zum heurigen Oſterurlaub zeigte er ſich der Gemeinde zum erſtenmale in der Unteroffiziers¬ würde.

Geſprochen wurde ſo gut wie nichts während des Kirch¬ ganges. Hin und wieder grüßte mal ein Bekannter durch Kopfnicken. Zum Oſterſonntage war ganz Halbenau auf den Beinen. In den kleinen Vorgärten rechts und links der Dorfſtraße blühten die erſten Primeln, Narziſſen und Leber¬ blümchen.

In der Kirche nahm der Büttnerbauer mit den Söhnen die der Familie angeſtammten Kirchenplätze ein, auf der erſten Empore, nahe der Kanzel. Die Büttners gehörten zu der alteingeſeſſenen Bauernſchaft von Halbenau.

Guſtav ſah ſich während des Geſanges, der mit ſeinem ausgiebigen Zwiſchenſpiel der Beſchaulichkeit reichlichen Spiel¬ raum gab, in der kleinen Kirche um. Die Geſichter waren ihm alle bekannt. Hie und da vermißte er unter den älteren Leuten einen oder den anderen, den der Tod wohl abgerufen haben mochte.

Sein Blick ſchweifte auch gelegentlich nach dem Schiffe hinab, wo die Frauen ſaßen. Die bunten Kopftücher, Hauben und Hüte erſchwerten es, das einzelne Geſicht ſofort heraus¬ zuerkennen. Unter den Mädchen und jungen Frauen war manch eine, mit der er zur Schule gegangen, andere kannte er vom Tanzboden her.

Guſtav Büttner hatte es bisher gefliſſentlich vermieden, nach einer beſtimmten Stelle im Schiffe zu blicken. Er wußte, daß dort eine ſaß, die, wenn ſie überhaupt in der Kirche war, ihn jetzt ganz ſicher beobachtete. Und er wollte ſich doch um keinen Preis den Anſchein geben, als kümmere ihn das nur im geringſten. — Wenn er dorthin blicken wollte, wo ſie ihren Kirchenſtand hatte, mußte er den Kopf ſcharf nach links wenden, denn ſie ſaß ſeitlings von ihm, beinahe unter der Empore. Bis zum Kanzelvers that er ſich Zwang an, dann aber hielt er es doch nicht länger aus, er mußte wiſſen, ob Katſchners Pauline da ſei.

Preview chapterTeil 2Preview

Sie waren unter ſolchen Geſprächen an den Wald gelangt. Hier lief die Flur in eine ſumpfige Wieſe aus, die in un¬ ordentlichen Niederwald überging. Dahinter erhoben ſich einzelne Kiefern, untermengt mit Wachholderſträuchern, Ginſter und Brombeergeſtrüpp. Der Boden, durch die jährliche Streu¬ nutzung völlig entwertet, war nicht mehr imſtande, einen ge¬ ſunden Baumwuchs hervorzubringen. Der Büttnerbauer war, wie die meiſten ſeines Standes, ein ſchlechter Waldheger.

Der alte Mann wollte nunmehr umkehren. Aber Guſtav verlangte noch das „Büſchelgewände“ zu ſehen, da ſie einmal ſoweit draußen ſeien. Dieſe Parzelle hatte der Vater des jetzigen Beſitzers angekauft und dem Gute einverleibt.

Der Bauer zeigte wenig Luſt, den Sohn dieſes Stück ſehen zu laſſen, und mit gutem Grunde. Das Stück lag brach, allerhand Unkraut machte ſich darauf breit. Der Bauer ſchämte ſich deſſen.

„Was habt Ihr denn dort ſtehen heuer?“ fragte Guſtav völlig arglos.

„Ne viel Geſcheits! Dar Buſch dämmt's Feld zu ſihre, und a Zeter-Rehe ſan och allendchen druffe; da kann duch niſcht ne gruß warn.“

Er verſchwieg dabei, daß dieſes Gewände ſeit anderthalb Jahren nicht Pflug und nicht Egge geſehen hatte.

„Will denn der Graf immer noch unſern Wald kofen?“ fragte Guſtav.

Der Büttnerbauer bekam einen roten Kopf bei dieſer Frage.

„Ich ſullte an Buuſch verkofen!“ rief er. „Ne, bei meinen Labzeiten wird ſuwas ne! 's Gutt bleibt zuſommde!“ Die Zornader war ihm geſchwollen, er ſprach heiſer.

„Ich meente ock, Vater!“ ſagte Guſtav beſchwichtigend. „Uns nutzt der Buſch doch nich viel.“

Der Büttnerbauer machte Halt und wandte ſich nach dem Walde zu. „Ich verkofe och nich an Fußbreit von Gutte, ich ne! Macht Ihr hernachen, wos der wullt, wenn'ch war tud ſein. Vun mir kriegt dar Graf dan Buuſch ne! Und wenn er mir nuch ſu vill läßt bietan. Meenen Buuſch kriegt ar ne!“ Der Alte ballte die Fäuſte, ſpuckte aus und wandte dem Walde den Rücken zu.

Guſtav ſchwieg wohlweislich. Er hatte den Vater da an einer wunden Stelle berührt. Der Beſitzer der benachbarten Herrſchaft hatte dem alten Bauer bereits mehr als einmal nahe legen laſſen, ihm ſeinen Wald zu verkaufen. Solche Ankäufe waren in Halbenau und Umgegend nichts Seltenes. Die Herrſchaft Saland, die größte weit und breit, urſprünglich nur ein Rittergut, war durch die Regulierung und die Ge¬ meinheitsteilung und ſpäter durch Ankauf von Bauerland zu ihrer jetzigen Größe angewachſen. Das Büttnerſche Bauerngut lag bereits von drei Seiten umklammert von herrſchaftlichem Beſitz. Der Büttnerbauer ſah mit wachſender Beſorgnis dem immer weiteren Vordringen des mächtigen Nachbars zu. Seine Ohnmacht hatte allmählich eine grimmige Wut in ihm erzeugt gegen alles, was mit der Herrſchaft Saland in Zuſammen¬ hang ſtand. Verſchärft war ſeine Gehäſſigkeit noch worden, ſeit er bei einem Konflikte, den er mit der Herrſchaft wegen Übertritts des Dammwildes auf ſeine Felder gehabt, in der Wildſchadenerſatzklage abſchlägig beſchieden worden war.

Man ſchritt den Wieſenpfad hinab, am Bache entlang. Von rechts und links, von den höher gelegenen Feldſtücken, drückte das Waſſer nach der Bachmulde zu. Das dunkle, allzu üppige Grün verriet die Feuchtigkeit einzelner Flecken. Es gab Stellen, wo der Boden unter dem Tritt des Fußes erzitterte und nachzugeben ſchien. Der ganze Wieſengrund war verſumpft.

Guſtav meinte, daß hier Drainage angezeigt ſei.

„Wu ſullt ak daderzut 's Geld rauskumma, un de Zeit!“ rief der Büttnerbauer. „Mir warn a ſu och ſchunſten ne fertg! Unſerens kann'ch mit ſu was duch ne abgahn. Drainir¬ chen, das is ganz ſcheen und ganz gutt for an Ritterguts¬ beſitzer, oder anen Ökonomen; aber a Pauer . . . .“

Table of contents

Inside this edition

  1. 01Full text
  2. 02Teil 1
  3. 03Teil 2
  4. 04Teil 3
  5. 05Teil 4
  6. 06Teil 5
  7. 07Teil 6
  8. 08Teil 7
  9. 09Teil 8
  10. 10Teil 9
  11. 11Teil 10
  12. 12Teil 11
  13. 13Teil 12
  14. 14Teil 13
  15. 15Teil 14
  16. 16Teil 15
  17. 17Teil 16
  18. 18Teil 17
  19. 19Teil 18
  20. 20Teil 19
  21. 21Teil 20

Language availability

Other languages

Additional language editions are not published yet. This section will link to other BooksWhale editions when they become available.

Request another language

Der Büttnerbauer

Membership $9.99 / year · claim access

PreviewJoin