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German Edition

Literature

Der Runenberg

German BooksWhale Edition by Ludwig Tieck

Tiecks Kunstmärchen führt einen Wanderer zwischen Naturidylle, Bergzauber, Begierde und romantischer Entfremdung.

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Der Runenberg

Der Runenberg erzählt von Christian, der dem bürgerlichen Leben entgleitet und von einer unheimlichen Bergwelt angezogen wird. Ludwig Tieck verbindet Märchenform, Naturmystik, Wahnsinn und romantische Sehnsucht zu einer dichten Erzählung.

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Ludwig Tieck starb 1853; das Werk erschien um 1804. Diese Daten stützen die gemeinfreie Grundlage dieser deutschen Originalausgabe.

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Der Runenberg

Ludwig Tieck's Schriften.

Vierter Band.

Phantasus

Erster Theil.

Berlin, bei G. Reimer,

1828.

An den Dr. und Prof. Schleiermacher in Berlin.

Gern erinnere ich mich der Jugendzeit, als wir uns nahe waren und uns oft bei gemeinschaftlichen Freunden trafen. Mögen Sie in ernsten Forschungen und Geschäften vertieft nicht diese luftigen Gaben der Phantasie verschmähen, sondern sich noch eben so gern, wie ehemals, durch sie erheitern.

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Inhalt (hinzugefügt):

Einleitung Phantasus Der blonde Eckbert Der getreue Eckart Der Runenberg Liebeszauber Die schöne Magelone Die Elfen Der Pokal

Weitere Anmerkungen zur Transkription am Ende des Buches.

Phantasus.

Erster Theil.

An A. W. Schlegel. (Anstatt einer Vorrede.)

Es war eine schöne Zeit meines Lebens, als ich Dich und Deinen Bruder Friedrich zuerst kennen lernte; eine noch schönere, als wir und Novalis für Kunst und Wissenschaft vereinigt lebten, und uns in mannichfaltigen Bestrebungen begegneten. Jezt hat uns das Schicksal schon seit vielen Jahren getrennt. Ich verfehlte Dich in Rom, und eben so später in Wien und München, und fortdauernde Krankheit hielt mich ab, Dich an dem Orte Deines Aufenthaltes aufzusuchen; ich konnte nur im Geist und in der Erinnerung mit Dir leben.

Von verschiedenen Seiten aufgefordert, war ich schon seit einiger Zeit entschlossen, meine jugendlichen Versuche, die sich zerstreut haben, zu sammeln, diejenigen hinzuzufügen, welche bis jezt noch ungedruckt waren, und andre zu vollenden und auszuarbeiten, die ich schon vor Jahren angefangen, oder entworfen hatte. Diese Mährchen, Schauspiele und Erzählungen, welche alle eine frühere Periode meines Lebens charakterisiren, vereinigt durch mannichfaltige Gespräche gleichgesinnter Freunde über Kunst und Literatur, machen den Inhalt dieses Buches. Manches, was ich in diesen Dialogen nur flüchtig berühren konnte, werde ich an andern Orten bestimmter darzustellen und auszuführen suchen. Diejenigen Dichtungen, welche schon bekannt gemacht waren, erscheinen hier mit Verbesserungen, und in der Summe der sieben verschiedenen Abtheilungen wird man eben so viele neue, als in den Volksmährchen, oder anderswo schon abgedruckte, antreffen. Die größeren Werke, wie der Zerbino oder die Genoveva schließen sich von dieser Sammlung aus.

Es war meine Absicht, meinen Freunden diese Spiele der Phantasie, die sie früher schon gütig aufgenommen haben, in einer annehmlichern Gestalt vorzulegen. Du warst unter diesen einer der ersten, die mein Talent erhoben und ermunterten, Dein männlich heiterer Sinn findet auch im Scherze den Ernst, so wie er Gelehrsamkeit und gründliche Forschung durch Anmuth belebt: Du wirst gütig diese Blätter aufnehmen, die das Bild voriger Zeit und Deines Freundes in dir erneuern.

Einleitung.

1811.

Dieses romantische Gebirge, sagte Ernst, erinnert mich lebhaft an einen der schönsten Tage meines Lebens. In der heitersten Sommerszeit hatte ich die Fahrt über den Lago maggiore gemacht und die Borromäischen Inseln besucht; von einem kleinen Flecken am See ritt ich dann mit dem frühsten Morgen nach Belinzona, das mit seinen Zinnen und Thürmen auf Hügeln und im engen Thal ganz alterthümlich sich darstellt, und uns alte Sagen und Geschichten wunderlich vergegenwärtigt, und von dort reisete ich am Nachmittage ab, um am folgenden Tage den Weg über den Sankt Gotthard anzutreten. Am Fuße dieses Berges liegt äußerst anmuthig Giarnito, und einige Stunden vorher führt dich der Weg durch das reizendste Thal, in welchem Weingebirge und Wald auf das mannigfaltigste wechselt, und von allen Bergen große und kleine Wasserfälle klingend und wie musizirend niedertanzen; immer enger rücken die Felsen zusammen, je mehr du dich dem Orte näherst, und endlich ziehn sich Weinlauben über dir hinweg von Berg zu Berg, und verdecken von Zeit zu Zeit den Anblick des Himmels. Es wurde Abend, eh ich die Herberge erreichte, beim Sternenglanz, den mir die grünen Lauben oft verhüllten, rauschten näher und vertraulicher die Wasserfälle, die sich in mannigfachen Krümmungen Wege durch das frische Thal suchten; die Lichter des Ortes waren bald nahe, bald fern, bald wieder verschwunden, und das Echo, das unsere Reden und den Hufschlag der Pferde wiederholte, das Flüstern der Lauben, das Rauschen der Bäume, das Brausen und Tönen der Wasser, die wie in Freundschaft und Zorn abwechselnd näher und ferner schwazten und zankten, vom Bellen wachsamer Hunde aus verschiedenen Richtungen unterbrochen, machten diesen Abend, indem noch die grünenden Borromäischen Inseln in meiner Phantasie schwammen, zu einem der wundervollsten meines Lebens, dessen Musik sich oft wachend und träumend in mir wiederholt. Und -- wie ich sagte -- dieses romantische Gebirge hier erinnert mich lebhaft an den Genuß jener schönen Tage.

Preview chapterIm röthlichen Glanze Entflieh ich mit ihr, Es schützt uns die Lanze, Der Stahlharnisch hier.Preview

Kommt, liebe Waffenstücke, Zum Scherz oft angethan, Beschirmet jezt mein Glücke Auf dieser neuen Bahn.

Ich werfe mich rasch in die Wogen, Ich grüße den herrlichen Lauf, Schon mancher ward nieder gezogen, Der tapfere Schwimmer bleibt oben auf.

Ha! Lust zu vergeuden Das edele Blut! Zu schützen die Freuden, Mein köstliches Gut! Nicht Hohn zu erleiden, Wem fehlt es an Muth?

Senke die Zügel, Glückliche Nacht! Spanne die Flügel, Daß über ferne Hügel Uns schon der Morgen lacht!

10.

Wie Magelone mit ihrem Ritter entfloh.

Die Nacht war gekommen. Magelone schlich mit einigen Kostbarkeiten durch den Garten; der Himmel war mit Wolken bedeckt, und ein sparsames Mondlicht drang durch die Finsterniß. Sie ging mit wehmüthigen Empfindungen ihren lieben Blumen vorüber, die sie nun auf immer verlassen wollte. Ein feuchter Wind wehte durch den Garten und ihr war, als wenn die Gesträuche winselten und klagten, und ihr ein zärtliches Lebewohl nachriefen.

Vor der Pforte hielt Peter mit drei Pferden, darunter war ein Zelter von einem leichten und bequemen Gange für das Fräulein; auf einem andern Pferde waren Lebensmittel, damit sie auf der Flucht nicht nöthig hätten in Herbergen einzukehren. Peter hob das Fräulein auf den Zelter, und so flohen sie heimlicherweise und unter dem Schutze der Nacht davon.

Die Amme vermißte am Morgen die Prinzessin, und so fand sich auch bald, daß der Ritter in der Nacht abgereiset sei; der König merkte daraus, daß er seine Tochter entführt habe. Er schickte daher viele Leute aus, um sie aufzusuchen; diese forschten fleißig nach, aber alle kamen nach verschiedenen Tagen unverrichteter Sache zurück.

Peter hatte die Vorsicht gebraucht, daß er nach den Wäldern zugeritten war, die in der Nähe des Meeres lagen; dort waren die Wege am einsamsten und fast gar nicht besucht, hier floh er mit seiner Geliebten sicher unter dem dichten Schutze der Nacht hinweg. Der Tritt von den Pferden hallte im Forste weit hinab, die Wipfel der Bäume rauschten furchtbar in der Dunkelheit, aber Magelonens Herz war frei und fröhlich, denn sie hatte immer ihren Geliebten neben sich. Sie weidete sich an seinem Antlitze, wenn sie über einen freien Platz trabten; sie fragte ihn mancherlei von seinen Eltern und seiner Heimath, und so verging ihnen unter banger Erwartung, Gespräch und schönen Hoffnungen die langwierige Nacht.

Beim Anbruch des Morgens zogen dichte weiße Nebel durch den Wald, wie Gottes Segen, der seine Reise antrat und durch unwegsame Büsche den Saatfeldern zueilte, wo er als Thau niederregnete. Sie zogen durch den Flug des Nebels weiter, und durch den Morgenwind, der die ganze Natur aus ihrem tiefen Schlafe wach schüttelte. Magelone klagte über keine Beschwer, denn sie empfand keine.

Jezt brach die liebliche Sonne hervor, und äugelte mit glühendem Funkeln durch den dichten Wald; das grüne Gras schien am Boden zu brennen, und der wankende Thau erbebte mit tausend blendenden Strahlen. Die Rosse wieherten, die Vögel erwachten und sprangen mit ihren Liedern von Zweig zu Zweig, gelbbeschwingte badeten sich im Thau der Wiesen und flatterten im Glanz des jungen Lichtes dicht über dem Boden hinweg; durch den blauen Himmel zogen goldene Streifen herauf und bahnten der aufgegangenen Sonne den Weg; Gesänge ertönten aus allen Büschen, die muntern Lerchen flogen empor und sangen von oben in die rothdämmernde Welt hinein.

Auch Peter stimmte ein fröhliches Lied an, und der schönen Magelone ging darüber das Herz vor Freuden auf. Seine Stimme zitterte durch alle Bäume hinab, und ein ferner Wiederhall sang ihm nach. Die beiden Reisenden sahen in der Gluth des Himmels, im Glanz des frischen Waldes nur einen Wiederschein ihrer Liebe; jeder Ton rief ihr Herz an, und erfüllte es mit wehmüthiger Freude.

Die Sonne stieg höher hinauf, und gegen Mittag fühlte Magelone eine große Müdigkeit; beide stiegen daher an einer schönen kühlen Stelle des Waldes von ihren Pferden. Weiches Gras und Moos war auf einer kleinen Anhöhe zart empor geschossen; hier setzte sich Peter nieder und breitete seinen Mantel aus, auf diesen lagerte sich Magelone und ihr Haupt ruhte in dem Schooße des Ritters. Sie blickten sich beide mit zärtlichen Augen an, und Magelone sagte: Wie wohl ist mir hier, mein Geliebter, wie sicher ruht sichs hier unter dem Schirmdach dieses grünen Baums, der mit allen seinen Blättern, wie mit eben so vielen Zungen, ein liebliches Geschwätze macht, dem ich gerne zuhöre; aus dem dichten Walde schallt Vogelgesang herauf, und vermischt sich mit den rieselnden Quellen; es ist hier so einsam und tönt so wunderbar aus den Thälern unter uns, als wenn sich mancherlei Geister durch die Einsamkeit zuriefen und Antwort gäben; wenn ich dir ins Auge sehe, ergreift mich ein freudiges Erschrecken, daß wir nun hier sind; von den Menschen fern und einer dem andern ganz eigen. Laß noch deine süße Stimme durch dieses harmonische Gewirr ertönen, damit die schöne Musik vollständig sei, ich will versuchen ein wenig zu schlafen; aber wecke mich ja zur rechten Zeit, damit wir bald bei deinen lieben Eltern anlangen können.

Table of contents

Inside this edition

  1. 01Full text
  2. 02L. Tieck.
  3. 03Im röthlichen Glanze Entflieh ich mit ihr, Es schützt uns die Lanze, Der Stahlharnisch hier.

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