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German Edition

Literature

Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik

German BooksWhale Edition by Heinrich von Kleist

Eine rätselhafte Kleist-Novelle über Musik, religiöse Erfahrung, Fanatismus und unerklärliche Verwandlung.

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Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik

Die heilige Cäcilie erzählt von einem geplanten Bildersturm, der durch Musik in ein unbegreifliches Ereignis umschlägt. Kleist verbindet Legende, Aktenbericht, religiöse Deutung und psychologische Unsicherheit, sodass die Macht der Kunst zugleich Wunder und Rätsel bleibt.

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This edition is based on a public domain text and has been prepared for digital reading by BooksWhale.

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Heinrich von Kleist died in 1811, and Die heilige Cäcilie was published in the early nineteenth century. These dates support the public-domain basis for the German source text used in this edition.

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Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik

Die heilige Cäcilie

oder

die Gewalt der Musik

(Eine Legende)

Um das Ende des sechzehnten Jahrhunderts, als die Bilderstürmerei in

den Niederlanden wütete, trafen drei Brüder, junge in Wittenberg

studierende Leute, mit einem vierten, der in Antwerpen als Prädikant

angestellt war, in der Stadt Aachen zusammen. Sie wollten daselbst

eine Erbschaft erheben, die ihnen von Seiten eines alten, ihnen allen

unbekannten Oheims zugefallen war, und kehrten, weil niemand in dem

Ort war, an den sie sich hätten wenden können, in einem Gasthof ein.

Nach Verlauf einiger Tage, die sie damit zugebracht hatten, den

Prädikanten über die merkwürdigen Auftritte, die in den Niederlanden

vorgefallen waren, anzuhören, traf es sich, daß von den Nonnen im

Kloster der heiligen Cäcilie, das damals vor den Toren dieser Stadt

lag, der Fronleichnamstag festlich begangen werden sollte; dergestalt,

daß die vier Brüder, von Schwärmerei, Jugend und dem Beispiel der

Niederländer erhitzt, beschlossen, auch der Stadt Aachen das

Schauspiel einer Bilderstürmerei zu geben. Der Prädikant, der

dergleichen Unternehmungen mehr als einmal schon geleitet hatte,

versammelte, am Abend zuvor, eine Anzahl junger, der neuen Lehre

ergebener Kaufmannssöhne und Studenten, welche, in dem Gasthofe, bei

Wein und Speisen, unter Verwünschungen des Papsttums, die Nacht

zubrachten; und, da der Tag über die Zinnen der Stadt aufgegangen,

versahen sie sich mit Äxten und Zerstörungswerkzeugen aller Art, um

ihr ausgelassenes Geschäft zu beginnen. Sie verabredeten frohlockend

ein Zeichen, auf welches sie damit anfangen wollten, die

Fensterscheiben, mit biblischen Geschichten bemalt, einzuwerfen; und

eines großen Anhangs, den sie unter dem Volk finden würden, gewiß,

verfügten sie sich, entschlossen keinen Stein auf dem andern zu

lassen, in der Stunde, da die Glocken läuteten, in den Dom. Die

Äbtissin, die, schon beim Anbruch des Tages, durch einen Freund von

der Gefahr, in welcher das Kloster schwebte, benachrichtigt worden

war, schickte vergebens, zu wiederholten Malen, zu dem kaiserlichen

Offizier, der in der Stadt kommandierte, und bat sich, zum Schutz des

Klosters, eine Wache aus; der Offizier, der selbst ein Feind des

Papsttums, und als solcher, wenigstens unter der Hand, der neuen

Lehre zugetan war, wußte ihr unter dem staatsklugen Vorgeben, daß sie

Geister sähe, und für ihr Kloster auch nicht der Schatten einer

Gefahr vorhanden sei, die Wache zu verweigern. Inzwischen brach die

Stunde an, da die Feierlichkeiten beginnen sollten, und die Nonnen

schickten sich, unter Angst und Beten, und jammervoller Erwartung der

Dinge, die da kommen sollten, zur Messe an. Niemand beschützte sie,

als ein alter, siebenzigjähriger Klostervogt, der sich, mit einigen

bewaffneten Troßknechten, am Eingang der Kirche aufstellte. In den

Nonnenklöstern führen, auf das Spiel jeder Art der Instrumente geübt,

die Nonnen, wie bekannt, ihre Musiken selber auf; oft mit einer

Präzision, einem Verstand und einer Empfindung, die man in männlichen

Orchestern (vielleicht wegen der weiblichen Geschlechtsart dieser

geheimnisvollen Kunst) vermißt. Nun fügte es sich, zur Verdoppelung

der Bedrängnis, daß die Kapellmeisterin, Schwester Antonia, welche

die Musik auf dem Orchester zu dirigieren pflegte, wenige Tage zuvor,

an einem Nervenfieber heftig erkrankte; dergestalt, daß abgesehen von

den vier gotteslästerlichen Brüdern, die man bereits, in Mänteln

gehüllt, unter den Pfeilern der Kirche erblickte, das Kloster auch,

wegen Aufführung eines schicklichen Musikwerks, in der lebhaftesten

Verlegenheit war. Die Äbtissin, die am Abend des vorhergehenden

Tages befohlen hatte, daß eine uralte von einem unbekannten Meister

herrührende, italienische Messe aufgeführt werden möchte, mit welcher

die Kapelle mehrmals schon, einer besondern Heiligkeit und

Herrlichkeit wegen, mit welcher sie gedichtet war, die größesten

Wirkungen hervorgebracht hatte, schickte, mehr als jemals auf ihren

Willen beharrend, noch einmal zur Schwester Antonia herab, um zu

hören, wie sich dieselbe befinde; die Nonne aber, die dies Geschäft

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