German Edition
Literature
Die Hermannsschlacht
German BooksWhale Edition by Heinrich von Kleist
Kleists Drama über Arminius, römische Macht, Aufstand, List, Kriegssprache und nationale Mobilisierung.
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Book introduction
Die Hermannsschlacht
Die Hermannsschlacht gestaltet den Kampf gegen die Römer als politisches und sprachliches Kriegsdrama. Kleist zeigt Bündnisse, Täuschung, Grausamkeit, Propaganda und Freiheitsrhetorik in einer zugespitzten Darstellung von Macht, Gewalt und kollektiver Erregung.
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Heinrich von Kleist starb 1811, und Die Hermannsschlacht wurde 1821 postum veröffentlicht. Diese Daten stützen die gemeinfreie Grundlage des deutschen Originaltexts.
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Die Hermannsschlacht
Heinrich von Kleist
Heinrich von Kleist: Die Hermannsschlacht
Heinrich von Kleist
Die Hermannsschlacht
Ein Drama
Personen
Hermann , Fürst der Cherusker
Thusnelda , seine Gemahlin
Rinold und Adelhart , seine Knaben
Eginhardt , sein Rat
Luitgar , Astolf und Winfried , dessen Söhne, seine Hauptleute
Egbert , ein andrer cheruskischer Anführer
Gertrud und Bertha , Frauen der Thusnelda
Marbod , Fürst der Sueven, Verbündeter des Hermann
Attarin , sein Rat
Komar , ein suevischer Hauptmann, Wolf , Fürst der Katten, Thuiskomar , Fürst der Sicambrier, Dagobert , Fürst der Marsen, und Selgar , Fürst der Brukterer, Mißvergnügte
Fust , Fürst der Cimbern, Gueltar , Fürst der Nervier, und Aristan , Fürst der Ubier, Verbündete des Varus
Quintilius Varus , römischer Feldherr
Ventidius , Legat von Rom
Scäpio , sein Geheimschreiber
Septimius und Crassus , römische Anführer
Teuthold , ein Waffenschmied
Childerich , ein Zwingerwärter
Eine Alraune
Zwei Ältesten von Teutoburg
Drei cheruskische Hauptleute
Drei cheruskische Boten
Feldherrn. Hauptleute. Krieger. Volk.
Die Hermannsschlacht
Ein Drama
Personen
Hermann , Fürst der Cherusker
Thusnelda , seine Gemahlin
Rinold und Adelhart , seine Knaben
Eginhardt , sein Rat
Luitgar , Astolf und Winfried , dessen Söhne, seine Hauptleute
Egbert , ein andrer cheruskischer Anführer
Gertrud und Bertha , Frauen der Thusnelda
Marbod , Fürst der Sueven, Verbündeter des Hermann
Attarin , sein Rat
Komar , ein suevischer Hauptmann, Wolf , Fürst der Katten, Thuiskomar , Fürst der Sicambrier, Dagobert , Fürst der Marsen, und Selgar , Fürst der Brukterer, Mißvergnügte
Fust , Fürst der Cimbern, Gueltar , Fürst der Nervier, und Aristan , Fürst der Ubier, Verbündete des Varus
Quintilius Varus , römischer Feldherr
Ventidius , Legat von Rom
Scäpio , sein Geheimschreiber
Septimius und Crassus , römische Anführer
Teuthold , ein Waffenschmied
Childerich , ein Zwingerwärter
Eine Alraune
Zwei Ältesten von Teutoburg
Drei cheruskische Hauptleute
Drei cheruskische Boten
Feldherrn. Hauptleute. Krieger. Volk.
Heinrich von Kleist: Die Hermannsschlacht
Erster Auftritt
Erster Akt
Szene: Gegend im Wald, mit einer Jagdhütte.
Wolf, Fürst der Katten, Thuiskomar, Fürst der Sicambrier, Dagobert, Fürst der Marsen, Selgar, Fürst der Brukterer, und andere treten, mit Pfeil und Bogen, auf.
Wolf (indem. er sich auf dem Boden wirft) . Es ist umsonst, Thuskar, wir sind verloren! Rom, dieser Riese, der, das Mittelmeer beschreitend, Gleich dem Koloß von Rhodus, trotzig, Den Fuß auf Ost und Westen setzet, Des Parthers mutgen Nacken hier, Und dort den tapfern Gallier niedertretend: Er wirft auch jetzt uns Deutsche in den Staub. Gueltar, der Nervier, und Fust, der Fürst der Cimbern, Erlagen dem Augustus schon; Holm auch, der Friese, wehrt sich nur noch sterbend; Aristan hat, der Ubier, Der ungroßmütigste von allen deutschen Fürsten, In Varus' Arme treulos sich geworfen; Und Hermann, der Cherusker, endlich, Zu dem wir als dem letzten Pfeiler, uns,
Im allgemeinen Sturz Germanias, geflüchtet, Ihr seht es, Freunde, wie er uns verhöhnt: Statt die Legionen mutig aufzusuchen, In seine Forsten spielend führt er uns, Und läßt den Hirsch uns und den Ur besiegen.
Thuiskomar (zu Dagobert und Selgar, die im Hintergrund auf und nieder gehen) . Er muß hier diese Briefe lesen! – Ich bitt euch, meine Freunde, wanket nicht, Bis die Verräterei des Varus ihm eröffnet. Ein förmlicher Vertrag ward jüngst, Geschlossen zwischen mir und ihm: Wenn ich dem Fürsten mich der Friesen nicht verbände, So solle dem August mein Erbland heilig sein; Und hier, seht diesen Brief, ihr Herrn, Mein Erbland ist von Römern überflutet. Der Krieg, so schreibt der falsche Schelm, In welchem er mit Holm, dem Friesen, liege, Erfordere, daß ihm Sicambrien sich öffne: Und meine Freundschaft für Augustus laß ihn hoffen, Ich werd ihm diesen dreisten Schritt, Den Not ihm dringend abgepreßt, verzeihn.
Laßt Hermann, wenn er kömmt, den Gaunerstreich uns melden: So kommt gewiß, Freund Dagobert, Freund Selgar, noch der Bund zustande, Um dessenthalb wir hier bei ihm versammelt sind.
Dagobert . Freund Thuiskomar! Ob ich dem Bündnis mich, Das diese Fremdlinge aus Deutschland soll verjagen, Anschließen werd, ob nicht: darüber, weißt du, Entscheidet hier ein Wort aus Selgars Munde! Augustus trägt, Roms Kaiser, mir, Wenn ich mich seiner Sache will vermählen, Das ganze, jüngst dem Ariovist entrißne, Reich der Narisker an –
Preview chapterPart 2Preview
Varus führt die Legionen mir ins Land, Und gleich, als wär ich Augusts Feind, Wird es jedwedem Greul des Krieges preisgegeben.
Hermann . Ich hab davon gehört, Thuiskar. Ich sprach den Boten, der die Nachricht Dir eben aus Sicambrien gebracht.
Thuiskomar . Was nun – was wird für dich davon die Folge sein? Marbod, der herrschensgierge Suevenfürst, Der, fern von den Sudeten kommend, Die Oder rechts und links die Donau überschwemmt, Und seinem Szepter (so erklärt er) Ganz Deutschland siegreich unterwerfen will: Am Weserstrom, im Osten deiner Staaten, Mit einem Heere steht er da, Und den Tribut hat er dir abgefordert. Du weißt, wie oft dir Varus schon Zu Hülfe schelmisch die Kohorten bot. Nur allzuklar ließ er die Absicht sehn, Den Adler auch im Land Cheruskas aufzupflanzen; Den schlausten Wendungen der Staatskunst nur Gelang es, bis auf diesen Tag, Dir den bösartgen Gast entfernt zu halten.
Nun ist er bis zur Lippe vorgerückt; Nun steht er, mit drei Legionen, In deines Landes Westen drohend da; Nun mußt du, wenn er es in Augusts Namen fordert, Ihm deiner Plätze Tore öffnen: Du hast nicht mehr die Macht, es ihm zu wehren.
Hermann . Gewiß. Da siehst du richtig. Meine Lage Ist in der Tat bedrängter als jemals.
Thuiskomar . Beim Himmel, wenn du schnell nicht hilfst, Die Lage eines ganz Verlornen! – Daß ich , mein wackrer Freund, dich in dies Irrsal stürzte, Durch Schritte, wenig klug und überlegt, Gewiß, ich fühls mit Schmerz, im Innersten der Brust. Ich hätte nimmer, fühl ich, Frieden Mit diesen Kindern des Betruges schließen, Und diesen Varus, gleich dem Wolf der Wüste, In einem ewgen Streit, bekriegen sollen. – Das aber ist geschehn, und wenig frommt, du weißt, In das Vergangene sich reuig zu versenken. Was wirst du, fragt sich, nun darauf beschließen?
Hermann . Ja! Freund! Davon kann kaum die Red noch sein. Nach allem, was geschehn, find ich Läuft nun mein Vorteil ziemlich mit des Varus, Und wenn er noch darauf besteht, So nehm ich ihn in meinen Grenzen auf.
Thuiskomar (erstaunt) . Du nimmst ihn – was?
Dagobert . In deines Landes Grenze? –
Selgar . Wenn Varus drauf besteht, du nimmst ihn auf?
Thuiskomar . Du Rasender! Hast du auch überlegt? –
Dagobert . Warum?
Selgar . Weshalb, sag an?
Dagobert . Zu welchem Zweck?
Hermann . – Mich gegen Marbod zu beschützen, Der den Tribut mir trotzig abgefordert.
Thuiskomar . Dich gegen Marbod zu beschützen! Und du weißt nicht, Unseliger, daß er Den Marbod schelmisch gegen dich erregt, Daß er mit Geld und Waffen heimlich Ihn unterstützt, ja, daß er Feldherrn Ihm zugesandt, die in der Kunst ihn tückisch, Dich aus dem Feld zu schlagen, unterrichten?
Hermann . Ihr Freund, ich bitt euch, kümmert euch Um meine Wohlfahrt nicht! Bei Wodan, meinem hohen Herrn! So weit im Kreise mir der Welt Das Heer der munteren Gedanken reichet, Erstreb ich und bezweck ich nichts, Als jenem Römerkaiser zu erliegen. Das aber möcht ich gern mit Ruhm, ihr Brüder, Wies einem deutschen Fürsten ziemt: Und daß ich das vermög, im ganzen vollen Maße, Wie sichs die freie Seele glorreich denkt – Will ich allein stehn, und mit euch mich – – Die manch ein andrer Wunsch zur Seite lockend zieht, – In dieser wichtgen Sache nicht verbinden.
Dagobert . Nun, bei den Nornen! Wenn du sonst nichts willst, Als dem August erliegen –?! (Er lacht.)
Selgar . – Man kann nicht sagen, Daß hoch Arminius das Ziel sich stecket!
Hermann . So! – Ihr würdet beide euren Witz vergebens Zusammenlegen, dieses Ziel, Das vor der Stirn euch dünket, zu erreichen. Denn setzt einmal, ihr Herrn, ihr stündet (Wohin ihr es im Lauf der Ewigkeit nicht bringt) Dem Varus kampfverbunden gegenüber; Im Grund morastger Täler er, Auf Gipfeln waldbekränzter Felsen ihr: So dürft er dir nur, Dagobert, Selgar, dein Lippgestad verbindlich schenken: Bei den fuchshaarigen Alraunen, seht, Den Römer laßt ihr beid im Stich, Und fallt euch, wie zwei Spinnen, selber an.
Preview chapterPart 3Preview
Die ganze Kunst des Kriegs entfaltend, In den vier Himmelsstrichen ausgelernt? Nein, Freunde, so gewiß der Bär dem schlanken Löwen Im Kampf erliegt, so sicherlich Erliegt ihr, in der Feldschlacht, diesen Römern.
Wolf . Es scheint, du hältst dies Volk des fruchtumblühten Latiens Für ein Geschlecht von höhrer Art, Bestimmt, uns roh're Kauze zu beherrschen?
Hermann . Hm! In gewissem Sinne sag ich: ja. Ich glaub, der Deutsch' erfreut sich einer größern Anlage, der Italier doch hat seine mindre In diesem Augenblicke mehr entwickelt. Wenn sich der Barden Lied erfüllt, Und, unter einem Königsszepter, Jemals die ganze Menschheit sich vereint, So läßt, daß es ein Deutscher führt, sich denken, Ein Britt', ein Gallier, oder wer ihr wollt; Doch nimmer jener Latier, beim Himmel! Der keine andre Volksnatur Verstehen kann und ehren, als nur seine. Dazu am Schluß der Ding auch kommt es noch; Doch bis die Völker sich, die diese Erd umwogen,
Noch jetzt vom Sturm der Zeit gepeitscht, Gleich einer See, ins Gleichgewicht gestellt, Kann es leicht sein, der Habicht rupft Die Brut des Aars, die, noch nicht flügg, Im stillen Wipfel einer Eiche ruht.
Wolf . Mithin ergibst du wirklich völlig dich In das Verhängnis – beugst den Nacken Dem Joch, das dieser Römer bringt, Ohn auch ein Glied nur sträubend zu bewegen?
Hermann . Behüte Wodan mich! Ergeben! Seid ihr toll? Mein Alles, Haus und Hof, die gänzliche Gesamtheit des, was mein sonst war, Als ein verlornes Gut in meiner Hand noch ist, Das, Freunde, setz ich dran, im Tod nur, Wie König Porus, glorreich es zu lassen! Ergeben! – Einen Krieg, bei Mana! will ich Entflammen, der in Deutschland rasselnd, Gleich einem dürren Walde, um sich greifen, Und auf zum Himmel lodernd schlagen soll!
Thuiskomar . Und gleichwohl – unbegreiflich bist du, Vetter! Gleichwohl nährst keine Hoffnung du, In solchem tüchtgen Völkerstreit zu siegen?
Hermann . Wahrhaftig, nicht die mindeste, Ihr Freunde. Meine ganze Sorge soll Nur sein, wie ich, nach meinen Zwecken, Geschlagen werd. – Welch ein wahnsinnger Tor Müßt ich doch sein, wollt ich mir und der Heeresschar, Die ich ins Feld des Todes führ, erlauben, Das Aug, von dieser finstern Wahrheit ab, Buntfarbgen Siegesbildern zuzuwenden, Und gleichwohl dann gezwungen sein, In dem gefährlichen Momente der Entscheidung, Die ungeheure Wahrheit anzuschaun? Nein! Schritt vor Schritt will ich das Land der großen Väter Verlieren – über jeden Waldstrom schon im voraus, Mir eine goldne Brücke baun, In jeder Mordschlacht denken, wie ich in Den letzten Winkel nur mich des Cheruskerlands
Zurückezieh: und triumphieren, Wie nimmer Marius und Sylla triumphierten, Wenn ich – nach einer runden Zahl von Jahren, Versteht sich – im Schatten einer Wodanseiche, Auf einem Grenzstein, mit den letzten Freunden, Den schönen Tod der Helden sterben kann.
Dagobert . Nun denn, beim Styxfluß –!
Selgar . Das gestehst du, Vetter, Auf diesem Weg nicht kömmst du eben weit.
Dagobert . Gleich einem Löwen grimmig steht er auf, Warum? Um, wie ein Krebs, zurückzugehn.
Hermann . Nicht weit? Hm! – Seht, das möcht ich just nicht sagen. Nach Rom – ihr Herren, Dagobert und Selgar! Wenn mir das Glück ein wenig günstig ist. Und wenn nicht ich, wie ich fast zweifeln muß, Der Enkel einer doch, wag ich zu hoffen, Die hier in diesem Paar der Lenden ruhn!
Wolf (umarmt ihn) . Du Lieber, Wackrer, Göttlicher –! Wahrhaftig, du gefällst mir. – Kommt, stoßt an! Hermann soll, der Befreier Deutschlands, leben!
Hermann (sich losmachend) . Kurz, wollt ihr, wie ich schon einmal euch sagte, Zusammenraffen Weib und Kind, Und auf der Weser rechtes Ufer bringen, Geschirre, goldn' und silberne, die ihr Besitzet, schmelzen, Perlen und Juwelen Verkaufen oder sie verpfänden, Verheeren eure Fluren, eure Herden Erschlagen, eure Plätze niederbrennen, So bin ich euer Mann
Wolf . Wie? Was?
Hermann . Wo nicht –?
Thuiskomar . Die eignen Fluren sollen wir verheeren –?
Table of contents
Inside this edition
- 01Part 1
- 02Part 2
- 03Part 3
- 04Part 4
- 05Part 5
- 06Part 6
- 07Part 7
- 08Part 8
- 09Part 9
- 10Part 10
- 11Part 11
- 12Part 12
- 13Part 13
- 14Part 14
- 15Part 15
- 16Part 16
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