
German Edition
Literature
Die Journalisten
German BooksWhale Edition by Gustav Freytag
Eine pointierte Komödie über Presse, Öffentlichkeit, Politik und Liebesintrigen im bürgerlichen Deutschland.
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Book introduction
Die Journalisten
Die Journalisten zeigt Gustav Freytags Talent für Dialog, soziale Beobachtung und politische Satire. Das Stück verbindet Zeitungskultur, Wahlkampf, bürgerliche Moral und komische Verwicklungen.
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Gustav Freytag starb 1895; das Werk erschien 1854. Diese Daten stützen die Gemeinfreiheit dieser Ausgabe.
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Die Journalisten
Gustav Freytag
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Oberst a. D. Berg.
Ida, seine Tochter.
Adelheid Runeck.
Senden, Gutsbesitzer.
Professor Oldendorf, Redacteur der Zeitung »Union«.
Konrad Bolz, Redacteur der Zeitung »Union«.
Bellmaus, Kämpe und Körner, Mitarbeiter der Zeitung »Union«.
Buchdrucker Henning, Eigenthümer der Zeitung »Union«.
Müller, Factotum.
Blumenberg, Redacteur der Zeitung »Coriolan«.
Schmock, Mitarbeiter der Zeitung »Coriolan«.
Piepenbrink, Weinhändler und Wahlmann.
Lotte, seine Frau.
Bertha, ihre Tochter.
Kleinmichel, Bürger und Wahlmann.
Fritz, sein Sohn.
Justizrat Schwarz.
Eine fremde Tänzerin.
Korb, Schreiber vom Gute Adelheids.
Karl, Bedienter des Obersten.
Ein Kellner.
Ressourcengäste. Deputationen der Bürgerschaft.
Ort der Handlung: die Hauptstadt einer Provinz.
Gartensaal im Hause des Obersten. Reiche Decoration. In der Mitte der Hinterwand eine offene Thür, dahinter eine Veranda und der Garten, an den Seiten der Hinterwand große Fenster. Rechts und links Thüren, rechts ganz im Vordergrunde ein Fenster. – Tische, Stühle, ein kleines Sopha.
Ida sitzt im Vordergrunde rechts, in einem Buche lesend; Oberst tritt zur Mittelthür herein, in der Hand eine offene Schachtel, in welcher Georginen liegen.
Oberst. Hier, Ida, sind die neuen Sorten der Georginen, welche unser Gärtner gezogen hat, du sollst Namen für sie erfinden, denke darüber nach. Uebermorgen ist Sitzung des Vereins für Gartenbau, da will ich unsere neuen Sorten vorzeigen und die Namen angeben.
Ida. Hier die helle soll »Adelheid« heißen.
Oberst. »Adelheid Runeck«, das versteht sich! – Dein eigner Name ist nicht zu brauchen, denn du bist als kleine Georgine schon lange im Blumenhandel.
Ida. Eine soll heißen wie Ihr Lieblingsdichter »Boz«.
Oberst. Vortrefflich, und das muß eine recht prächtige sein, hier die gelbe mit violetten Spitzen. – Und die dritte, wie taufen wir die?
Ida(bittend ihre Hand dem Vater hinhaltend). »Eduard Oldendorf«.
Oberst. Was? der Professor? der Redacteur? Nein, das ist nichts! – Es war schon arg genug, daß er die Zeitung übernahm; daß er sich aber jetzt von seiner Partei hat verleiten lassen, als Wahlcandidat für die Kammern aufzutreten, das kann ich ihm gar nicht verzeihen.
Ida. Da kommt er selbst!
Oberst(für sich). Sonst war mir's eine Freude, seinen Fußtritt zu hören; jetzt muß ich an mich halten, daß ich nicht unhöflich werde, so oft ich ihn sehe.
Oldendorf.
Oldendorf. Guten Morgen, Herr Oberst!
Ida(ihm freundlich entgegen). Guten Morgen, Oldendorf. – Helfen Sie mir die neuen Georginen bewundern, die der Vater gezogen hat.
Oberst. Bemühe doch den Professor nicht, solcher Tand ist nichts mehr für ihn, er hat Größeres im Kopfe.
Oldendorf. Jedenfalls bin ich nicht unfähig geworden, mich über das zu freuen, was Ihnen Freude macht.
Oberst(brummend, für sich). Das haben Sie mir nicht gerade bewiesen, ich fürchte, Sie finden ein Vergnügen darin, zu thun, was mich ärgert. – Sie haben wohl jetzt viel zu thun mit Ihrer Wahl, Herr Abgeordneter in Hoffnung?
Oldendorf. Sie wissen, Herr Oberst, daß ich selbst am wenigsten dabei zu thun habe.
Oberst. Ich denke doch. Es ist ja sonst Brauch bei solchen Wahlen, daß man einflußreichen Personen den Hof macht und den Wählern die Hand drückt, Reden hält, Versprechungen um sich streut und wie die Teufeleien alle heißen.
Oldendorf. Sie glauben selbst nicht, Herr Oberst, daß ich etwas Unwürdiges thun werde.
Oberst. Nicht? – Ich bin nicht sicher, Oldendorf. Seit Sie Journalist geworden sind, Ihre Union redigieren und dem Staat alle Tage vorhalten, wie mangelhaft er eingerichtet ist, seit der Zeit sind Sie nicht mehr der Alte.
Oldendorf(der sich bis dahin mit Ida über die Blumen unterhalten, sich zum Oberst wendend). Steht das, was ich jetzt sage oder schreibe, in Widerspruch mit meinen früheren Ansichten? Sie werden mir das schwerlich nachweisen können. Und noch weniger werden Sie in meinem Gefühl und Benehmen Ihnen gegenüber eine Aenderung bemerkt haben.
Oberst(verstockt). Nun, das wäre ja recht schön. – Ich will mir den Morgen nicht durch Streit verderben, Ida mag zusehen, ob sie besser mit Ihnen zurechtkommt. Ich gehe zu meinen Blumen. (Nimmt die Schachtel, ab nach dem Garten).
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