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German Edition

Literature

Franz Sternbalds Wanderungen

German BooksWhale Edition by Ludwig Tieck

Ein gemeinfreier Klassiker über Künstlerleben, Wanderschaft, Romantik, Kunst, Sehnsucht und Italienbild.

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Franz Sternbalds Wanderungen

Franz Sternbalds Wanderungen von Ludwig Tieck gehört zu den wichtigen deutschsprachigen Werken für Leserinnen und Leser mit Interesse an Künstlerleben, Wanderschaft, Romantik, Kunst, Sehnsucht und Italienbild. Diese deutsche Ausgabe bietet den gemeinfreien Originaltext in einer klaren BooksWhale-Fassung für Online-Lektüre, EPUB und PDF.

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Franz Sternbalds Wanderungen erschien erstmals 1798. Diese Ausgabe verwendet den gemeinfreien deutschen Originaltext; Veröffentlichungsjahr und Schutzfrist sprechen für die Gemeinfreiheit.

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Franz Sternbalds Wanderungen

Ludwig Tieck

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Franz Sternbalds Wanderungen.

Erſtes Buch.

A

Erſtes Kapitel.

S

o ſind wir denn nun endlich aus den Thoren der Stadt, ſagte Sebaſtian, in dem er ſtille ſtand und ſich freier umſah.

Endlich? antwortete ſeufzend Franz Sternbald ſein Freund. — Endlich? Ach nur zu früh, allzufrüh.

Die beiden Menſchen ſahen ſich bei die¬ ſen Worten lange an, und Sebaſtian legte ſeinem Freunde zärtlich die Hand an die Stirne und fühlte, daß ſie heiß ſei. — Dich ſchmerzt der Kopf ſagte er beſorgt, und Franz antwortete: Nein, das iſt es nicht, aber daß wir uns nun bald trennen müſſen.

Noch nicht! rief Sebaſtian mit einem weh¬ mühtigen Erzürnen aus, ſo weit ſind wir noch lange nicht, ich will dich wenigſtens eine Meile begleiten.

Sie gaben ſich die Hände und giengen ſtillſchweigend auf einem ſchmalen Wege ne¬ beneinander.

Jetzt ſchlug es in Nürnberg vier Uhr und ſie zählten aufmerkſam die Schläge, obgleich beide recht gut wußten, daß es keine andere Stunde ſeyn konnte; indem warf das Morgenroth ſeine Flammen immer höher und es giengen ſchon undeutliche Schatten neben ihnen und die Gegend trat rund umher aus der ungewiſſen Dämmerung heraus.

Wie alles noch ſo ſtill und feierlich iſt, ſagte Franz und bald werden ſich dieſe gu¬ ten Stunden in Saus und Braus, in Ge¬ tümmel und tauſend Abwechſelungen verlie¬ ren. Unſer Meiſter ſchläft wohl noch und arbeitet an ſeinen Träumen, ſeine Gemählde ſtehen aber auf der Staffelei und warten ſchon auf ihn. Es thut mir doch leid, daß ich ihm dem Petrus nicht habe können aus¬ mahlen helfen.

Gefällt er dir? fragte Sebaſtian.

Ueber die maßen, rief Franz aus, es ſol¬ te mir faſt bedünken, als könnte der gute Apoſtel der es ſo ehrlich meinte, der mit ſeinem Degen ſo raſch bei der Hand war und nachher doch aus Lebensfurcht das Verläugnen nicht laſſen konnte, und ſich von einem Hahn müſte eine Buß- und Gedächtnißpredigt hal¬ ten laſſen, als wenn ein ſolcher beherzter und furchtſamer, ſtarrer und gutmüthiger Apoſtel nicht anders habe ausſehn können als ihn Meiſter Dürer ſo vor uns hinge¬ ſtellt hat. Wenn er Dich zu dem Bilde läßt, lieber Sebaſtian, ſo wende ja allen deinen Fleiß darauf und denke nicht, daß es für ein ſchlechtes Gemälde gut genug ſei. Willſt du mir das verſprechen?

Er nahm ohne eine Antwort zu erwar¬ ten ſeines Freundes Hand und drückte ſie ſtark, Sebaſtian ſagte: Deinen Johannes will ich recht aufheben und ihn behalten, wenn man mir auch viel Geld dafür böte.

Mit dieſen Reden waren ſie an einen Fußſteig gekommen, der einen nähern Weg durchs Korn führte. Rothe Lichter zitterten an den Spitzen der Halme und der Mor¬ genwind rührte ſich darin und machte Wel¬ len. Die beiden jungen Mahler unterhiel¬ ten ſich noch von ihren Werken und von ihren Planen für die Zukunft, Franz ver¬ ließ jezt Nürnberg ſeine vaterländiſche Stadt, um in der Fremde ſeine Kenntniß zu erweitern und nach einer mühſeligen Wanderſchaft dann als ein vollendeter Mei¬ ſter zurückzukehren. Sebaſtian blieb noch bei den wohlverdienten Albrecht Dürer deſ¬ ſen Name im ganzen Lande ausgebreitet war. Die Sonne gieng nun in aller Maje¬ ſtät hervor und Sebaſtian und Franz ſahen abwechſelnd nach den Thürmen von Nürn¬ berg zurück, deren Kuppeln und Fenſter blendend im Schein der Sonne glänzten.

Die jungen Freunde fühlten ſtillſchwei¬ gend den Druck des Abſchieds, der ihrer wartete, ſie ſahen jedem kommenden Augen¬ blicke mit Furcht entgegen, ſie wußten, daß ſie ſich trennen mußten und konnten es doch immer noch nicht glauben.

Preview chapterTeil 2Preview

ls Sebaſtian nach der Stadt zurückkehrte und Franz ſich nun allein ſah, ließ er ſeinen Thränen ihren Lauf. Lebe wohl, tauſend¬ mahl wohl, ſagte er immer ſtill vor ſich hin, wenn ich dich nur erſt wieder ſähe!

Die Arbeiter auf den Feldern waren nun in Bewegung, alles war thätig und rührte ſich; Bauern fuhren vor ihm vorüber, in den Dörfern war Getümmel, in den Scheu¬ ren wurde gearbeitet. Wie viel Menſchen ſind mir heut ſchon begegnet, dachte Franz bei ſich und unter allen dieſen weiß vielleicht kein einziger von dem großen Albrecht Dü¬ rer, der mit ſeinen Werken meinen ganzen Kopf einnimmt, den zu erreichen mein einzi¬ ges Trachten iſt; ſie wißen vielleicht alle kaum, daß es eine Mahlerey giebt und doch fühlen ſie ſich nicht unglücklich. Ich weiß es nicht und kann nicht einſehn, wie man ſo leben könnte, ſo einſam und verlaſ¬ ſen und doch treibt jeder ämſig ſein Ge¬ ſchäft, und es iſt gut, daß es ſo iſt und ſo ſeyn muß.

Die Sonne war indeß hoch geſtiegen und brannte heiß herunter, die Schatten der Bäume waren kurz, die Arbeiter giengen zum Mittagseſſen nach ihren Häuſern. Franz dachte daran, wie ſich nun Sebaſtian dem Albrecht Dürer gegen über zu Tiſche ſezte, wie man von ihm ſpreche. Er be¬ ſchloß auch im nächſten Gehölze ſtill zu lie¬ gen, und ſeinen mitgenommenen Vorrath hervorzuholen. Wie erquickend war der kühle Duft, der ihm aus den grünen Blät¬ tern entgegen wehte, als er in das Wäld¬ chen hineintrat! Alles war ſtill und nur das Rauſchen der Bäume ſchallte manchmal durch die liebliche Einſamkeit und ein ferner Bach, der durchs Gehöltz floß. Franz ſezte ſich auf den weichen Raſen und zog ſeine Schreibtafel heraus, um den Tag ſeiner Auswanderung anzumerken, dann hohlte er friſchen Athem, und ihm war leicht und wohl, er war jezt über die Abweſenheit ſei¬ nes Freundes getröſtet, er fand alles gut, ſo wie es war. Er breitete ſeine Tafel aus und aß mit Wohlbehagen von ſeinem mit¬ genommenen Vorrathe, er fühlte jezt nur die ſchöne ruhige Gegenwart, die ihn um¬ gab.

Indem kam ein Wandersmann die Straſ¬ ſe gegangen und grüßte Franzen ſehr freund¬ lich es war ein junger rothbakkiger Bur¬ ſche, er ſchien müde und Franz bat ihn da¬ her, ſich neben ihn niederzuſetzen und mit ihm vorlieb zu nehmen. Der junge Reiſen¬ de nahm ſogleich dieſen Vorſchlag an, und beide verzehrten gutes Muths ihre Mittags¬ mahlzeit und tranken den Wein, den Franz aus Nürnberg mitgenommen hatte. Der Fremde erzählte hierauf unſerm Freunde, daß er ein Schmiedegeſelle ſei und eben auf der Wanderſchaft begriffen, er gehe nun, die hochberühmte Stadt Nürnberg in Augen¬ ſchein zu nehmen und da etwas Rechtes für ſein Handwerk bei den kunſtreichen Meiſtern zu lernen.

Und was treibt ihr für ein Gewerbe? fragte er, indem er ſeine Erzählung geen¬ digt hatte.

Ich bin ein Mahler ſagte Franz, und bin heute Morgen aus Nürnberg ausge¬ wandert.

Ein Mahler? rief jener aus, ſo einer von denen, die für die Kirchen und Klöſter die Bilder verfertigen.

Recht, antwortete Franz, mein Meiſter O, ſagte der Schmidt, was ich mir ſchon oft gewünſcht habe, einen ſolchen Mann bei ſeiner Arbeit zu ſehn, denn ich kann es mir gar nicht vorſtellen. Ich habe immer geglaubt, daß die Gemählde in den Kirchen ſchon ſehr alt wären, und daß jezt gar keine Leute lebten, die dergleichen ma¬ chen könnten.

Grade umgekehrt, ſagte Franz, die Kunſt iſt jezt höher geſtiegen, als ſie nur jemals war, ich darf Euch ſagen, daß man jezt ſo mahlt, wie es die frühern Meiſter nie ver¬ mocht haben, die Manier iſt jetzt edler, die Zeichnung richtiger und die Ausarbeitung bei weitem fleißiger, ſo daß die jetzigen Bilder den wirklichen Menſchen ungleich ähnlicher ſehn, als die vormaligen.

Table of contents

Inside this edition

  1. 01Full text
  2. 02Teil 1
  3. 03Teil 2
  4. 04Teil 3
  5. 05Teil 4
  6. 06Teil 5
  7. 07Teil 6
  8. 08Teil 7
  9. 09Teil 8
  10. 10Teil 9
  11. 11Teil 10
  12. 12Teil 11
  13. 13Teil 12
  14. 14Teil 13
  15. 15Teil 14
  16. 16Teil 15
  17. 17Teil 16

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