
German Edition
History
Geschichte Alexanders des Großen
German BooksWhale Edition by Johann Gustav Droysen
Droysen schildert Alexanders Feldzüge, Herrschaft und politische Welt zwischen dem makedonischen Königtum und den Reichen des östlichen Mittelmeerraums.
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Book introduction
Geschichte Alexanders des Großen
Johann Gustav Droysen verfolgt Alexanders Aufstieg von der makedonischen Ausgangslage bis zu den letzten Feldzügen und seinem Tod. Vier Bücher mit vierzehn Kapiteln verbinden die Erzählung militärischer Unternehmungen mit Fragen von Herrschaft, Verwaltung und kultureller Begegnung. Die griechische Staatenwelt, das persische Reich und die Bewegung nach Indien bestimmen den Horizont. Der deutsche Originaltext lässt zugleich erkennen, wie Droysen die politische Bedeutung von Alexanders Unternehmen deutet.
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Johann Gustav Droysen starb 1884. Das Werk erschien zuerst 1833. Diese Ausgabe verwendet den gemeinfreien deutschen Originaltext.
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Τάδε μὲν λεύσσεις, φαίδιμ' Ἀχιλλεῦ
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Die Aufgabe — Der Gang der griechischen Entwicklung — König Philipp und dessen Politik — Der Korinthische Bund von 338 — Das Perserreich bis Darius III.
Der Name Alexander bezeichnet das Ende einer Weltepoche, den Anfang einer neuen.
Die zweihundertjährigen Kämpfe der Hellenen mit den Persern, das erste große Ringen des Abendlandes mit dem Morgenlande, von dem die Geschichte weiß, schließt Alexander mit der Vernichtung des Perserreiches, mit der Eroberung bis zur afrikanischen Wüste und über den Jaxartes, den Indus hinaus, mit der Verbreitung griechischer Herrschaft und Bildung über die Völker ausgelebter Kulturen, mit dem Anfang des Hellenismus.
Die Geschichte kennt kein zweites Ereignis so erstaunlicher Art; nie vorher und nachher hat ein so kleines Volk so rasch und völlig die Übermacht eines so riesenhaften Reiches niederzuwerfen und an Stelle des zertrümmerten Baues neue Formen des Staaten- und Völkerlebens zu begründen vermocht.
Woher hat die kleine Griechenwelt die Kühnheit zu solchem Wagnis, die Kraft zu solchen Siegen, die Mittel zu solchen Folgewirkungen? Woher erliegt das Königtum der Perser, das so viele Reiche und Lande zu erobern und zwei Jahrhunderte lang zu beherrschen vermocht, das soeben noch zwei Menschenalter hindurch die Hellenen der asiatischen Küste zu Untertanen gehabt, über die der Inseln und des Mutterlandes die Rolle des Schiedsrichters gespielt hat, dem ersten Stoß des Makedonen?
Einen Teil der Erklärung gibt der in aller Richtung völlige Gegensatz zwischen beiden Gestaltungen, der, geographisch vorgebildet, in der geschichtlichen Entwicklung fort und fort gesteigert, zur letzten Entscheidung gereift war, als Alexander gegen Darius auszog.
Den alten Kulturvölkern Asiens gegenüber sind die Hellenen ein junges Volk; erst allmählich haben sich sprachverwandte Stämme in diesem Namen zusammengefunden; das glückliche Schaffen einer nationalen, das vergebliche Suchen einer politischen Einheit ist ihre Geschichte.
Bis zu der Zeit, wo jener Name Geltung gewann, wissen sie von ihrer Vorzeit nur Unsicheres, Sagenhaftes. Sie glauben Autochthonen in der gebirgsreichen, buchtenreichen Halbinsel zu sein, die sich vom Skardos und den Axiosquellen südwärts bis zum Tänaron erstreckt. Sie gedenken eines Königs Pelasgos, der in Argos geherrscht, dessen Reich auch Dodona und Thessalien, auch die Abhänge des Pindos, Päonien, alles Land »bis zum hellen Wasser des Strymon« umfaßt habe; ganz Hellas, sagen sie, hat einst Pelasgia geheißen.
Die Stämme des Nordens blieben in ihren Bergen und Tälern, bei ihrem Bauern- und Hirtenleben, in altertümlicher Frömmigkeit, die die Götter noch ohne besondere Namen nur »Mächte« nannte, »weil sie alles machen«, und die in dem Wechsel von Licht und Dunkel, von Leben und Tod, in den Vorgängen der Natur Zeugnisse und Beispiel von deren strengem Walten erkannte.
Andere Stämme führte die Not daheim oder Wanderlust hinab an das nahe Meer und über das Meer, mit Krieg und Seeraub Gewinn zu suchen oder mit Wagnis und Gewalt sich eine neue Heimat zu gründen. Da war denn der persönlichen Kraft alles anheimgegeben und die volle entschlossene Selbständigkeit die Bedingung erfolgreichen Tuns und sicheren Gewinnes; ihnen verwandelte sich das Bild der Gottheit; für sie waren und galten statt der stillen in der Natur lebenden und wirkenden Götter solche Mächte, wie sie nun ihr Leben bewegten und erfüllten, Mächte des energischen Wollens, des entschlossenen Handelns, der gewaltigen Hand. Wie äußerlich, so innerlich verwandelten sie sich; sie wurden Hellenen. Die einen begnügten sich von den Bergen in die Ebenen Thessaliens, Boiotiens, den Peloponnes hinabzusteigen und da zu bleiben; andere lockte das Ägäische Meer mit seinen schönen Inseln, die Küste in dessen Osten mit ihren weiten Fruchtebenen, hinter denen die Berge zum inneren Hochland Kleinasiens aufsteigen; und die schwellende Bewegung machte immer neue Scharen lose ihnen zu folgen.
Wenn daheim, wo »Könige«, mit ihren »Hetairen«, ihren Kriegsgesellen, in die nächstgelegenen Täler oder Ebenen wandernd, die Alteingesessenen ausgetrieben oder untertänig gemacht hatten, sich ein Herrentum der Hetairen entwickelte, das bald genug auch das Königtum, mit dem sie begonnen, beseitigte oder bis auf den Namen beschränkte, um in strenger Geschlossenheit und Stetigkeit die Adelsherrschaft zu sichern, — so suchten und fanden die Ausgetriebenen und Hinausgezogenen, um sich in der Fremde und unter Fremden fester zu begründen und rühriger auszubreiten, bald um so freiere Formen und um so raschere, dreistere Spannung des Lebens; sie eilten der Heimat weit voraus an Reichtum, Lebenslust und heiterer Kunst.
Preview chapterZweites KapitelPreview
Das makedonische Land, Volk, Königtum — König Philipps II. innere Politik — Der Adel; der Hof — Olympias — Alexanders Jugend — Zerwürfnis im Königshause. Attalos — Philipps II. Ermordung
Aber war Philipp, waren seine Makedonen Griechen, den Kampf gegen die Perser im Sinne des hellenischen Volkes und der hellenischen Geschichte übernehmen zu können?
Die Verteidiger der alten partikularistischen Politik und der hellenischen »Freiheit« haben es oft bestritten, und ihr großer Wortführer Demosthenes geht in seinem patriotischen Eifer so weit, zu versichern, daß Philipp weder ein Hellene, noch mit Hellenen verwandt sei, sondern zu den Barbaren gehöre, die nicht einmal zu Sklaven brauchbar seien.
Ältere Überlieferungen geben eine andere Auffassung. Äschylos läßt, wie schon angeführt ist, den König Pelasgos von Argos sagen, sein Volk, Pelasger nach ihm geheißen, wohne bis zu des Strymon klaren Wassern und umfasse wie das Bergland Dodona, so das Land am Pindos und die weiten Gaue Päoniens. Also dem alten Marathonkämpfer gelten die Völkerschaften, die das Flußgebiet des Haliakmon und des Axios bewohnen, für gleichen Stammes mit der alten Bevölkerung der Lande vom Olympos bis zum Tänaron, mit der im Westen des Pindos. Der hohe Pindos, der Thessalien vom Bergland Dodona und von Epiros scheidet, bildet in seinen nördlichen Fortsetzungen bis zum Schar-Dagh, dem alten Skardos, die Scheidung zwischen Makedonien und Illyrien; dann wendet sich das Gebirge nach Osten zu den Quellen des Strymon und weiter südostwärts auf dessen linker Seite als Orbelos zur Küste hinab, die natürliche Grenze des makedonisch-paionischen Gebietes auch gegen die thrakischen Völker im Osten und Norden vollendend. In dem so umschlossenen Gebiet durchbrechen der Haliakmon, der Axios mit seinen Nebenflüssen, der Strymon eine zweite, eine dritte Gebirgsreihe, die, dem Pindos-Skardos-Orbelos gleichsam konzentrisch, die innerste Küstenebene, die von Pella und Thessalonike am Thermaischen Busen, umschließt; und der Doppelkranz von Talkesseln, durch welche die drei Ströme hindurchbrechen und, wenigstens der Axios und Haliakmon, in dieser Küstenebene einander nahe das Meer erreichen, macht die Bevölkerung dieser Lande wie von Natur in kantonale Stämme zerfallen, und die Ebene der Küste zu deren gemeinsamer Mitte und Malstatt.
Nach den Erzählungen Herodots ist das Volk, das später den Namen Dorier geführt, aus Thessalien gedrängt, an den Pindos in das Tal des Haliakmon gezogen und hat dort den Namen Makedonen geführt. Andere Sagen lassen Argeas, den Stammvater der Makedonen, von Argos in die Orestis, am Quellgebiet des Haliakmon, ausziehen, und erklären damit den Namen Argeaden, mit dem das Königshaus wohl genannt wird. Nach anderer Überlieferung, die dann die landesübliche wurde, waren drei Brüder, Herakliden aus dem Fürstengeschlecht von Argos, das vom Temenos abstammt, nach Norden zu den Illyriern, dann weiter in das obere Land Makedoniens gekommen, hatten sich dann in Edessa festgesetzt, an den mächtigen Kaskaden, mit denen die Wasser in die weite, fruchtreiche Küstenlandschaft treten. Hier in Edessa, das auch Aigai genannt wird, habe Perdikkas, der jüngste der drei Brüder, das Königtum begründet, das dann in allmählichem Wachstum die nächstgelegenen Landschaften Emathia, Mygdonia, Bottiäa, Pieria, Amphaxitis in dem Namen der Makedonen vereinigte.
Sie gehörten zu denselben pelasgischen Stämmen, die einst alles hellenische Land innegehabt hatten, und von denen auch andere später den Hellenen, hinter deren Entwicklung sie zurückgeblieben, als Barbaren oder Halbbarbaren erschienen. Die Religion, die Sitte der Makedonen bezeugt diese Gemeinschaft; mögen an den Grenzen Vermischungen mit illyrischen, mit thrakischen Stämmen stattgefunden haben, die makedonische Sprache erweist sich als den älteren Dialekten der hellenischen nahestehend.
Bis in die späte Zeit ist in der makedonischen Kriegsverfassung der Name der Hetairen in Übung geblieben. War derselbe, wie wohl nicht zu zweifeln, mit der Gründung des Königtums in das Land gekommen, so hatten die makedonischen Herakliden das gleiche Los mit ihren Vorfahren in dem Peloponnes, in ein fremdes Land eingewandert, ihre Macht und ihr Recht auf die Unterwerfung der dort Altheimischen gründen zu müssen; nur daß hier mehr als in anderen dorischen Landen das Alte mit dem Neuen sich mischte und zu einem Ganzen verschmolz, welches die Frische, aber auch die rohe Derbheit der Väter, man möchte sagen die Heroenzeit in ihrer unpoetischen Gestalt, bewahrte. Es gab da Sitten höchst altfränkischer Art; wer noch keinen Feind getötet, mußte den Halfter umgegürtet tragen; wer noch keinen Eber im freien Anlauf erlegt hatte, durfte beim Gastmahl nicht liegen, mußte sitzen; bei der Leichenfeier hatte des Verstorbenen Tochter den Scheiterhaufen, auf dem der Leichnam verbrannt war, auszulöschen; es wird berichtet, daß die Trophäen des ersten Sieges, den Perdikkas über die einheimischen Stämme davontrug, durch den Willen der Götter über Nacht von einem Löwen umgerissen wurden, zum Zeichen, daß man nicht Feinde besiegt, sondern Freunde gewonnen habe, und seitdem sei es makedonische Sitte geblieben, über besiegte Feinde, ob Hellenen oder Barbaren, keine Trophäen zu errichten; weder Philipp nach dem Tage von Chaironeia, noch Alexander nach den Siegen über die Perser, die Inder, habe es getan.
Table of contents
Inside this edition
- 01Erstes Buch
- 02Erstes Kapitel
- 03Zweites Kapitel
- 04Drittes Kapitel
- 05Zweites Buch
- 06Erstes Kapitel
- 07Zweites Kapitel
- 08Drittes Kapitel
- 09Viertes Kapitel
- 10Drittes Buch
- 11Erstes Kapitel
- 12Zweites Kapitel
- 13Drittes Kapitel
- 14Viertes Kapitel
- 15Viertes Buch
- 16Erstes Kapitel
- 17Zweites Kapitel
- 18Drittes Kapitel
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