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Geschichte der Kunst des Alterthums

German BooksWhale Edition by Johann Joachim Winckelmann

Winckelmanns Hauptwerk zur antiken Kunst, griechischen Idealform und Kunstgeschichtsschreibung.

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Geschichte der Kunst des Alterthums

Geschichte der Kunst des Alterthums ordnet ägyptische, griechische und römische Kunst zu einer historischen Entwicklung und prägt das Ideal edler Einfalt und stiller Größe. Das Werk ist zentral für Archäologie, Klassizismus, Kunstgeschichte und Ästhetik.

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Geschichte der Kunst des Alterthums

Syrakus, Dekadrachmon (Rückseite)

(5. Jahrhundert v. u. Z.)

Geschichte der Kunst des Altertums

Weimar 1964

Hermann Böhlaus Nachfolger

Die Geschichte der Kunst des Altertums, welche ich zu schreiben unternommen habe, ist keine bloße Erzählung der Zeitfolge und der Veränderung in derselben, sondern ich nehme das Wort

Geschichte

in der weiteren Bedeutung, welche dasselbe in der griechischen Sprache hat, und meine Absicht ist, einen Versuch eines Lehrgebäudes zu liefern. Dieses habe ich in dem Ersten Teile, in der Abhandlung von der Kunst der alten Völker, von jedem insbesondere, vornehmlich aber in Absicht der griechischen Kunst, auszuführen gesucht. Der Zweite Teil enthält die Geschichte der Kunst im engeren Verstande, das ist, in Absicht der äußeren Umstände, und zwar allein unter den Griechen und Römern. Das Wesen der Kunst aber ist in diesem sowohl als in jenem Teile der vornehmste Endzweck, in welches die Geschichte der Künstler wenig Einfluß hat, und diese, welche von anderen zusammengetragen worden, hat man also hier nicht zu suchen: es sind hingegen auch in dem zweiten Teile diejenigen Denkmale der Kunst, welche irgend zur Erläuterung dienen können, sorgfältig angezeigt.

Die Geschichte der Kunst soll den Ursprung, das Wachstum, die Veränderung und den Fall derselben, nebst dem verschiedenen Stile der Völker, Zeiten und Künstler lehren, und dieses aus den übriggebliebenen Werken des Altertums, so viel möglich ist, beweisen.

Es sind einige Schriften unter dem Namen einer Geschichte der Kunst an das Licht getreten; aber die Kunst hat einen geringen Anteil an denselben: denn ihre Verfasser haben sich mit derselben nicht genug bekannt gemacht und konnten also nichts geben, als was sie aus Büchern oder vom Sagenhören hatten. In das Wesen und zu dem Innern der Kunst führt fast kein Skribent, und diejenigen, welche von Altertümern handeln, berühren entweder nur dasjenige, wo Gelehrsamkeit anzubringen war, oder wenn sie von der Kunst reden, geschieht es teils mit

allgemeinen Lobsprüchen, oder ihr Urteil ist auf fremde und falsche Gründe gebaut. Von dieser Art ist des

Monier

Geschichte der Kunst, und des

Durand

Übersetzung und Erklärung der letzten Bücher des

Plinius

, unter dem Titel:

Geschichte der alten Malerei:

auch

Turnbull

in seiner Abhandlung von der alten Malerei gehört in diese Klasse. Aratus, welcher die Astronomie nicht verstand, wie Cicero sagt, konnte ein berühmtes Gedicht über dieselbe schreiben; ich weiß aber nicht, ob auch ein Grieche ohne Kenntnis der Kunst etwas Würdiges von derselben hätte sagen können.

Untersuchungen und Kenntnisse der Kunst wird man vergebens suchen in den großen und kostbaren Werken von Beschreibung alter Statuen, die bis jetzt bekannt gemacht worden sind. Die Beschreibung einer Statue soll die Ursache der Schönheit derselben beweisen und das Besondere in dem Stile der Kunst angeben: es müssen also die Teile der Kunst berührt werden, ehe man zu einem Urteile von Werken derselben gelangen kann. Wo aber wird gelehrt, worinnen die Schönheit einer Statue besteht? Welcher Skribent hat dieselbe mit Augen eines weisen Künstlers angesehen? Was zu unseren Zeiten in dieser Art geschrieben worden, ist nicht besser als die »Statuen« des

Callistratus;

dieser magere Sophist hätte noch zehnmal soviel Statuen beschreiben können, ohne jemals eine einzige gesehen zu haben: unsere Begriffe schrunden bei den meisten solcher Beschreibungen zusammen, und was groß gewesen, wird wie in einen Zoll gebracht.

Eine griechische und eine sogenannte römische Arbeit wird insgemein nach der Kleidung oder nach deren Güte angegeben: ein auf der linken Schulter einer Figur zusammengehefteter Mantel soll beweisen, daß sie von Griechen, ja in Griechenland gearbeitet worden. Man ist sogar darauf gefallen, das Vaterland des Künstlers der Statue des Marcus Aurelius in dem Schopfe Haare auf dem Kopf des Pferdes zu suchen; man hat einige Ähnlichkeit mit einer Eule an demselben gefunden, und dadurch soll der Künstler Athen haben anzeigen wollen. Sobald eine gute Figur nur nicht als ein Senator gekleidet ist, heißt sie griechisch, da wir doch gleichwohl senatorische Statuen von namhaften griechischen Meistern haben. Ein Gruppo in der Villa Borghese führt den Namen Marcus Coriolanus mit seiner Mutter: dieses wird vorausgesetzt, und daraus

Preview chapterIOVI EXSVPERANTISSIMOPreview

, welche aber, wie ein jeder urteilen kann, nicht von den ältesten ist. Eben diese Beschaffenheit kann es mit dem Kopfe der Pallas, von der Hand des Aspasius, haben, an welchem der Stil einer Zeit ähnlich ist, die älter scheint als diejenige, welche die Form der Buchstaben in dem Namen des Künstlers andeutet. Es mutmaßt daher auch Gori, daß der griechische Meister desselben etwa eine etrurische Figur vor Augen müsse gehabt haben. Die

Hoffnung

findet sich sehr oft in dem ältesten Stile vorgestellt, wie auf einer Münze [des] Kaisers Philippus des Älteren, so wie auch eine

Hoffnung

von Marmor in der Villa Ludovisi ist; und auf drei geschnittenen Steinen des Stoschischen Musei ist dieselbe jenen ähnlich. Man kann hier z. B. die auf van Dyckische Art gekleideten Porträts anführen, welche Tracht noch jetzt von Engländern beliebt wird und auch dem Künstler sowohl als der gemalten Person weit vorteilhafter ist als die heutige gezwungene Kleidung.

Ebenso verhält es sich mit den sogenannten Köpfen des Platon, welche nichts anders als Köpfe von Hermen sind, denen man mehrenteils eine Gestalt gegeben, wie man sich etwa die Steine, auf welche die ersten Köpfe gesetzt wurden, vorstellte: es hängen auf beiden Seiten insgemein

Haarstrippen herunter wie an den etrurischen Figuren. Der schönste von solchen Köpfen in Marmor ging etwa vor fünf Jahren aus Rom nach Sizilien. Vollkommen ähnlich und gleich ist demselben der Kopf einer männlichen bekleideten Statue von neun Palmen Höhe, welche im Frühling des 1761. Jahres nebst vier weiblichen angeführten Karyatiden bei

Monte Porzio

(wo, besage einiger vorher entdeckten Inschriften, eine Villa des Hauses

Portia

war) gefunden wurde. Die Statue hat ein Unterkleid von leichtem Zeuge, welches die gehäuften kleinen Falten anzeigen, in welche es bis auf die Füße herunterhängt, und über dasselbe einen Mantel von Tuch, unter dem rechten Arme über die linke Schulter geschlagen, so daß der linke Arm, welcher auf die Hüfte gestützt ist, bedeckt bleibt. Auf dem Rande des über die Schulter geworfenen Teils des Mantels steht der Name CΑΡΔΑΝΑΠΑΛΛΟC, geschrieben mit zwei

Lambda

(λ), wider die gewöhnliche Schreibart. Dieser Buchstabe aber findet sich auch anderwärts überflüssig und doppelt, wie auf einer seltenen Münze der Stadt Magnesia in Erz mit der Inschrift ΜΑΓΝΗΤ ΠΟΛΛΙΣ anstatt ΠΟΛΙΣ. Es ist hier kein anderer als der bekannte König in Assyrien zu verstehen, welchen aber diese Statue nicht vorstellen kann, und dieses aus mehr als aus einem Grunde: es wird hier genug sein, zu sagen, daß derselbe nach dem Herodotus ohne Bart und beständig geschoren war, da die Statue einen langen Bart hat. Es zeugt dieselbe von guten Zeiten der Kunst, und allem Ansehen nach ist sie nicht unter römischen Kaisern gemacht. Die vier Karyatiden, welche von mehrern übriggeblieben, haben vermutlich ein Gesims eines Zimmers getragen: denn auf ihren Köpfen ist eine erhöhte Rundung, in welchem Rande ein Kapitäl oder Korb wird gestanden haben.

Fortgang der Dekadenz

Daß der Stil der Kunst in den letzten Zeiten von dem alten sehr verschieden gewesen, deutet unter andern Pausanias an, wenn er sagt, daß eine Priesterin der

Leukippiden

, das ist der

Phöbe

und der

Hilaira

, von einer von beiden Statuen, weil sie gemeint, dieselbe schöner zu machen, den alten Kopf abnehmen und ihr einen neuen Kopf an dessen Stelle machen lassen, welcher, wie er sagt,

»

nach der heutigen Kunst gearbeitet war

.« Man könnte diesen Stil den kleinlichen oder platten nennen: denn was an den alten Figuren mächtig und erhaben war, wurde jetzt stumpf und niedrig gehalten. Es ist aber über diesen Stil nicht aus Statuen zu urteilen, die durch den Kopf ihre Benennung bekommen haben.

Da sich endlich die Kunst immer mehr zu ihrem Fall neigte, und da auch wegen der Menge alter Statuen weniger in Vergleichung der vorigen Zeit gemacht wurden, so war der Künstler vornehmstes Werk, Köpfe und Brustbilder oder was man Porträts nennt, zu machen, und die letzte Zeit bis auf den Untergang der Kunst hat sich vornehmlich hierin gezeigt. Daher muß es nicht so außerordentlich, wie es vielen vorkommt, scheinen, erträgliche, ja zum Teil schöne Köpfe des Macrinus, des Septimius Severus und des Caracalla, wie der farnesische ist, zu sehen: denn der Wert desselben besteht allein im Fleiße. Vielleicht hätte Lysippus den Kopf des Caracalla nicht viel besser machen können; aber der Meister desselben konnte keine Figur wie Lysippus machen; dieses war der Unterschied.

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D. M.

Table of contents

Inside this edition

  1. 01Full text
  2. 02IOVI EXSVPERANTISSIMO
  3. 03D. M.
  4. 04FECIT. MINDIA. HELPIS. IVLIO. THALLO.
  5. 05MARITO. SVO. BENE. MERENTI. QVI. FECIT.
  6. 06OFFICINAS. PLVMBARIAS. TRASTIBERINA.
  7. 07ET. TRICARI. SVPERPOSITO. AVRI. MONETAE.
  8. 08NVMVLARIORVM. QVI. VIXIT. ANN. XXXII. M. VI.
  9. 09ET. C. IVLIO. THALLO. FILIO. DVLCISSIMO. QVI. VIXIT.
  10. 10MESES. IIII. DIES. XI. ET. SIBI. POSTERISQVE. SVIS.
  11. 11DIVAE • AVGVSTAE • L • MAMMIVS • MAXIMVS • P • S •
  12. 12C. LOLLIVS • ALCAMENES •
  13. 13DEC • ET • DVVMVIR •
  14. 14DINDIA • MACOLNIA • FILEA • DEDIT
  15. 15NOVIOS • PLAVTIOS • MED • ROMAI • FECID •
  16. 16Vorrede

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