
German Edition
Literature
Gyges und sein Ring
German BooksWhale Edition by Friedrich Hebbel
Ein verhängnisvoller Blick durch einen unsichtbar machenden Ring zerstört Vertrauen und führt Kandaules, Rhodope und Gyges in einen tragischen Konflikt.
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Book introduction
Gyges und sein Ring
König Kandaules überschreitet eine Grenze, als er Gyges mithilfe eines unsichtbar machenden Rings an der Schönheit seiner Frau teilhaben lässt. Rhodope fordert eine Antwort auf die Verletzung ihrer Würde. Hebbels Tragödie in fünf Akten verbindet Freundschaft, Macht und Begehren mit Fragen nach Scham, kultureller Ordnung und der Verantwortung für Handlungen, deren Folgen sich nicht zurücknehmen lassen.
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Friedrich Hebbel starb 1863. Diese Ausgabe verwendet den gemeinfreien deutschen Originaltext aus dem 19. Jahrhundert; spätere redaktionelle Anmerkungen, Bildmaterial und Verlagswerbung sind ausgeschlossen.
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Preview chapterFull textRead preview
Gyges und sein Ring
Preview chapterPersonen:Preview
Kandaules, König von Lydien
Rhodope, seine Gemahlin
Gyges, ein Grieche
Lesbia und Hero, Sklavinnen
Thoas und Karna, Sklaven
Volk
Die Handlung ist vorgeschichtlich und mythisch; sie ereignet sich innerhalb eines Zeitraums von zweimal vierundzwanzig Stunden.
Preview chapterErster AktPreview
Halle.
Kandaules und Gyges treten auf. Kandaules schnallt sich das Schwert um, Thoas folgt mit dem Diadem.
Kandaules. Heut sollst du sehn, was Lydien vermag!— Ich weiß, ihr Griechen, wenn auch unterwürfig, Weil ihr nicht anders könnt, tragt knirschend nur Das alte Joch und spottet eurer Herrn. Auch wird nicht leicht was auf der Welt erfunden, Das ihr nicht gleich verbessert: wär's auch nur Der Kranz, den ihr hinzufügt, einerlei, Ihr drückt ihn drauf und habt das Ding gemacht!
Thoas (reicht ihm das Diadem).
Kandaules. Das neue Diadem! Was soll mir dies? Hast du dich auch vielleicht im Schwert vergriffen? Ja, beim Herakles, dessen Fest wir feiern! Ei, Thoas, wirst du kindisch vor der Zeit?
Thoas. Ich dachte—
Kandaules. Was?
Thoas. Seit fünf Jahrhunderten Erschien kein König anders bei den Spielen, Die dein gewalt'ger Ahn gestiftet hat, Und als du es das letzte Mal versuchtest, Die alten Heiligtümer zu verdrängen, Da stand das Volk entsetzt und staunend da Und murrte, wie noch nie!
Kandaules. Nun meinst du denn, Ich hätt's mir merken und mich bessern sollen, Nicht wahr?
Thoas. O Herr, nicht ohne einen Schauder Berühre ich dies Diadem, und nie Hab ich dies Schwert am Griff noch angefaßt, Das alle Herakliden einmal schwangen. Doch deinen neuen Schmuck betracht ich ganz, Wie jedes andre Ding, das glänzt und schimmert, Und das man hat, wenn man's bezahlen kann. Nicht an Hephästos brauche ich dabei Zu denken, der dem göttlichen Achill Die Waffen schmiedete, und in dem Feuer, Worin er Zeus die Donnerkeile stählt, Auch nicht an Thetis, die durch ihre Töchter Ihm Perlen und Korallen fischen ließ, Damit es an der Zierde nicht gebreche: Ich kenn den Mann ja, der das Schwert geliefert, Und jenen, der das Diadem gefügt!
Kandaules. Nun, Gyges?
Thoas. Herr, die Treue spricht aus mir, Bin ich zu kühn, so bin ich's deinetwegen! Und glaube mir: die vielen Tausende, Die hier zusammenströmen, wenn sie auch In feinrer Wolle gehn und leckrer essen, Sind ganz so töricht oder fromm, wie ich. Dein Haupt und dieser Reif, das sind für sie, Trau deinem Knecht, zwei Hälften eines Ganzen, Und ebenso dein Arm und dieses Schwert.
Kandaules. Das denken alle?
Thoas. Ja, bei meinem Kopf!
Kandaules So darf's nicht länger bleiben! Nimm denn hin Und tu, was ich gebot.
Thoas (mit dem alten Schmuck ab).
Gyges. Du tatst ihm weh.
Kandaules. Ich weiß, doch sprich: wie hätt' ich's ändern können? Wahr ist, was er gesagt! Hier gilt der König Nur seiner Krone wegen und die Krone Des Rostes wegen. Weh dem, der sie scheuert, Je blanker, um so leichter an Gewicht. Allein, was hilft's, wenn man sich nun einmal So weit vergaß, weil man's nicht mehr ertrug, Bloß durch den angestammten Schmuck zu glänzen, Zu gelten, wie geprägte Münzen gelten, Die keiner wägt, und mit den Statuen, Die in geweihten Tempelnischen stehn, Die schnöde Unverletzlichkeit zu teilen: Man kann doch nicht zurück?
Thoas (kömmt mit dem neuen Schmuck).
Kandaules. So ist es recht!
(Er setzt das Diadem auf.)
Das sitzt! Und alles, was mein Königreich Im Schacht der Berge und im Grund des Meeres An Perlen und Kleinodien nur liefert, Nicht mehr, noch weniger, ist hier vereint: Der Edelstein, den man bei uns nicht findet, Und wär' er noch so schön, ist streng verbannt, Doch freilich ließ ich auch für den noch Platz, Den man in hundert Jahren erst entdeckt.— Begreifst du nun?
(Zu Gyges.)
Das andre eignet sich Für einen Riesenkopf, wie eure Bildner Ihn meinem Ahnherrn wohl zu geben pflegen, Wenn er im Löwenfell mit plumper Keule Von eines Brunnens moos'gem Rand herab Die Kinder euch erschrecken helfen soll.
(Er gürtet sich das Schwert um.)
Dies Schwert ist etwas leichter, wie das alte, Doch dafür kann man's schwingen, wenn man muß, Und nicht bloß draußen, unterm freien Himmel, Wo die Giganten sich mit Felsen werfen,
Table of contents
Inside this edition
- 01Full text
- 02Personen:
- 03Erster Akt
- 04Zweiter Akt
- 05Dritter Akt
- 06Vierter Akt
- 07Fünfter Akt
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