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German Edition

Literature

Isabella von Ägypten

German BooksWhale Edition by Achim von Arnim

Eine junge Frau, ein zukünftiger Kaiser und wundersame Helfer geraten in eine romantische Erzählung von Liebe, Macht und Ausgrenzung.

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Book introduction

Isabella von Ägypten

Achim von Arnim verbindet Isabellas Begegnung mit dem jungen Karl mit einer Welt aus Legenden, Wunderwesen und historischen Vorstellungen. Die Erzählung führt persönliche Liebe und politische Zukunft gegeneinander und zeigt eine Gemeinschaft, die von Verfolgung und fremden Zuschreibungen geprägt ist. Ihre phantastischen Verwandlungen machen Identität, gesellschaftliche Ordnung und das Verhältnis zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu beweglichen Größen.

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Achim von Arnim starb 1831. Diese Ausgabe verwendet den gemeinfreien deutschen Originaltext von Project Gutenberg ohne spätere Anmerkungen und Abbildungen.

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Preview chapterTeil 1Read preview

Braka, die alte Zigeunerin im zerlumpten roten Mantel, hatte kaum ihr drittes Vaterunser vor dem Fenster abgeschnurrt, wie sie es zum Zeichen verabredet hatte, als Bella schon den lieben, vollen, dunkelgelockten Kopf mit den glänzenden, schwarzen Augen zum Schieber hinaus in den Schein des vollen Mondes streckte, der glühend wie ein halbgelöschtes Eisen aus dem Duft und den Fluten der Schelde eben hervorkam, um in der Luft immer heller wieder aus seinem Innern heraus zu glühen. "Ach, sieh den Engel", sagte Bella, "wie er mich anlacht!"

"Kind", sprach die Alte und ihr schauderte, "was siehst du?"

"Den Mond", antwortete Bella, "er ist schon wieder da, aber der Vater ist wieder nicht nach Hause gekommen. Alte, diesmal bleibt der Vater gar zu lange aus, doch ich hatte schöne Träume von ihm in der letzten Nacht, ich sah ihn auf einem hohen Throne in Ägypten, und die Vögel flogen unter ihm, das hat mich getröstet."

"Du armes Kind", sagte Braka, "wenn's nur wahr wäre, hast du denn was zu essen und zu trinken bekommen?"

"O ja", antwortete Bella, "der Nachbar hat seine Äpfelbäume geschüttelt, da sind viele Äpfel in den Bach gefallen, die habe ich aufgefischt, wo sie in den Wurzeln am krummen Ufer stecken geblieben, auch hatte der Vater, ehe er ausging, mir ein großes Brot herausgelassen."

"Daran tat er recht", weinte die Alte, "er hat kein Brot mehr nötig, sie haben ihn vom Brot geholfen."

"Liebe Alte, sprich", bat Bella, "mein Vater hat sich doch nicht Schaden getan bei den starken Mannskünsten? Führ mich hin zu ihm, ich will ihn pflegen. Wo ist mein Vater? Wo ist mein Herzog?"

So fragte Bella zitternd, und die Tränen fielen ihr aus den Augen durch den Mondschein auf harte Steine nieder

wär ich ein ziehender Vogel gewesen, ich hätte mich niedergelassen und meinen Schnabel eingetunkt und sie zum Himmel getragen, so traurig und so ergeben in seinen Willen waren diese Tränen.

"Sieh dort", schluchzte die Alte, "auf dem Berge steht ein Dreifuß, dreibeinig, aber nicht dreieinig. Gott weiß nichts von ihm, und doch heißt er das hohe Gericht, wer vor dem Dreifuß vorbeikommt, der kann noch lange leben, das Fleisch, was da die Sonne kocht, das wird in keinen Topf gesteckt, es hängt daran, bis wir es abnehmen. Sei ruhig, du armes Kind, und schrei nur nicht, dein Vater hängt da oben, aber sei nur ruhig, wir holen ihn diese Nacht und werden ihn in den Bach werfen mit allen Ehren, wie ihm zukommt, daß er hinschwimme zu den Seinen nach Ägypten, denn er ist auf frommer Wallfahrt gestorben. Nimm diesen Wein und dieses Töpfchen mit Schmorfleisch, halte ihm ein Totenmahl in deiner Einsamkeit, wie es sich geziemt."

Bella konnte vor Schrecken kaum fassen, was sie ihr reichte. Die Alte fuhr fort: "Halt doch fest, daß es nicht fällt, wein dir nicht die Augen aus, denk daran, daß du jetzt unsre einzige Hoffnung bist, daß du die Unsern, wenn unser Gelübde vollbracht, zurückführen sollst; denk auch, daß dir jetzt alles gehört, was dein Vater besessen, sieh nur in seiner Kammer zu, da hast du den Schlüssel, da wirst du viel finden. Ja, bald hätte ich es vergessen, als er mir den Schlüssel gab, sagte er, du möchtest dich vor seinem schwarzen Simson nicht fürchten, der Hund würde es schon wissen, daß er dir gehorchen müsse und dich nicht mehr beißen dürfe; dann sagte er noch, du solltest nicht traurig sein, er sei lange am Heimweh krank gewesen und nun werde er gesund, da er heimkomme. Das sagte er—und da hast du einen Hutkopf voll Milch, die habe ich einer Kuh auf der Weide ausgemolken, die gehört zum Totenmahle. Gute Nacht, Kind!"

Die Alte ging, und Bella sah ihr nach wie einem bösen Briefe, der ihr vor Schrecken aus der Hand gefallen, und den sie doch gern ganz wissen möchte; sie wäre lieber mitgegangen, aber sie zauderte in ihrer Traurigkeit und scheute das rauhe Volk, was sie da antreffen würde, so sehr sie es liebte.

Preview chapterTeil 2Preview

Endlich kam der zweite Freitag, es war schon kalt geworden, die ruhigen Gewässer waren dünn befroren, und die Alte hatte sich bei ihr entschuldigt, daß sie in den nächsten Tagen nicht herauskommen könne: ihr Husten sei aber so stark, sie müsse sich heimhalten. Alles schien erwünscht, die Nachbarn waren alle nach der Stadt gezogen, die Nacht war dunkel, und der Wind führte die ersten Schneeflocken über die trockene Erde. Bella durchlief noch einmal das Zauberbuch, ihr Herz schlug heftig, als es langsam eilf schlug, der schwarze Hund schleppte ihre Puppe, in der sie ihren Prinzen sah und verehrte, herbei, zerrte und biß darin: das brachte sie zum Entschluß; diesen Schimpf, den er ihrem Liebling angetan, mußte er büßen; schnell nahm sie die Stricke, die sie aus ihren Haaren geflochten und die sie bisher, um der Alten keinen Argwohn zu geben, auf ihrem Kopf getragen, und schlug auf ihn. Er wollte zur Türe hinaus, sie öffnete die Türe, und beide waren in die zauberhafte Winterwelt hinausversetzt und gingen dem Winde nach ihren Weg, ohne ihn zu kennen, bloß nach der Richtung, um den Berg zu erreichen, auf welchem das Hochgericht gehalten wurde. Diese Straße war leer von Menschen, aber mehrere Hunde kamen mit großem Lärmen unter den Gartentüren hervorgesprungen, liefen auf den schwarzen Simson los, aber im Augenblicke, wo sich diese Philister ihm naheten, sah er sie an, zeigte seine Zähne, und die größten wie die kleinsten Hunde flüchteten mit einer Angst, den Schwanz zwischen den Beinen, in die Gärten zurück, daß sie sich selbst unter den Türen einklemmten und erbärmlich schrien. Gleiche Angst zeigten ein paar Stachelschweine, die ihre Stacheln voll Äpfel und Birnen, die sie sich in den Gärten angewälzt und angestachelt hatten, quer über den Weg zogen, sich aber bei dem Anblicke des Hundes zusammenkugelten, daß dieser ihnen ihre Beute sehr behaglich abnahm und verzehrte. Bella hatte sich dabei ausgeruht, nun war es ihr aber sonderbar, daß, wie sie jetzt aufstand und sich dem Berge näherte, ein anderer immer in ihre Fußtapfen zu schreiten schien, und zwar mit solcher Sorgfalt, daß er mit der Spitze seines Fußes jedesmal die Ferse des ihren anrührte, sie wagte nicht umzusehen und lief immer hastiger zu, bis ein Schlag vor den Kopf sie niederstreckte. Der Schlag war indessen nur wenig betäubend, sie faßte Mut, als alles umher still war; sie faßte um sich, als niemand sie anfaßte, und fühlte, daß sie gegen einen herabgelassenen Schlagbaum angerannt war; was aber in ihre Schritte so eilfertig getreten, war ein Dornstrauch, der sich an ihr Kleid gehängt hatte. Sie mußte sich über ihre Furcht verwundern und nahm sich vor, jetzt aufmerksamer und besonnener zu sein, und vergaß es doch bald wieder, als eine Zahl von Pferden, die in einer Koppel lagen, bei ihrer Annäherung aufsprangen und über Busch und Hecken fortjagten. Jetzt war sie oben, und sie sah über die reiche Stadt hin, wo noch manches Licht brannte ein Haus war aber hell erleuchtet, und da, meinte sie, müsse der Prinz wohnen: so hatte ihr die Alte sein Haus beschrieben, und sie wußte, daß sein Geburtstag gefeiert wurde. Sie hätte alles bei dem Anblicke vergessen, selbst die trocknen Gehenkten über sich, die einander fragend anzustoßen schienen, hätte nicht der schwarze Hund aus eigener Lust unter dem Dreifuße gegraben. Sie fühlte, was er gefunden, und hatte eine kleine, menschliche Gestalt in Händen, die aber mit beiden Beinen noch in der Erde wurzelte; sie war's, sie war's, die geheimnisvolle Mandragora, das Galgenmännlein, sie hatte es gefunden ohne Mühe, und in einem Halsumdrehen war der Strick ihrer Haare umgelegt und um den Hals des schwarzen Hundes angeschirrt; dann lief sie in Angst wegen des Geschreis der Wurzel fort. Sie hatte vergessen, ihre Ohren zu verstopfen, lief nun, so schnell sie vermochte, und der Hund ihr nach; er riß die Wurzel aus dem Boden, und ein erschrecklicher Donnerschlag stürzte ihn und Bella nieder; doch hatte ihr sichrer, schnellfüßiger Lauf sie schon funfzig Schritte entfernt.

Preview chapterTeil 3Preview

Mit einem Schauder sah Bella bei diesen Worten die Hirse auf dem Kopfe des Alrauns, der sehr wohlzufrieden sie durch den Finger gehen ließ, seiner Schönheit gegen den unsaubern Landsknecht gewiß.

"Als nun sechseinhalb Jahr um waren", fuhr Braka fort, "trat der Geist zu ihm, freute sich über sein Ansehen, sagte ihm, er brauche ihn nicht mehr, er wolle ihn wieder unter Menschen bringen, doch mit der Bedingung, daß er sich noch ein halbes Jahr in dieser seiner Verwilderung unter ihnen sehen lasse, zugleich wolle er aber mit ihm abrechnen und ihm den verdienten Geldschatz überantworten, er möchte sich damit lustig machen, so gut er könnte. Dem Landsknecht war es doch lieb, wieder unter Menschen zu kommen, weil er das Sprechen fast verlernt hatte, er ließ sich vom Geist recht vergnügt übers Meer nach Deutschland führen, nach Graubünden, weil es dort in damaliger Zeit am schmutzigsten auf dem ganzen Erdboden war. Dennoch wollte ihn da kein Wirt aufnehmen, bis er eine Handvoll Dublonen und eine Handvoll Piaster einem ins Gesichte warf; der räumte ihm seine besten Zimmer ein, daß er die gewöhnlichen Gäste von dem Hause nicht zurückschrecken möchte. Als aber der Papst, der mit gemalten Bildern die ganze Christenheit regiert, durch Graubünden kam, von dem Konzilio nach Rom zurückzureisen, da trat der Geist zu dem Bärnhäuter und malte sein Zimmer mit allen merkwürdigen Menschen der Welt, sowohl denen, die gelebt, als die künftig noch leben werden, wie den Antichristen und das jüngste Gericht, worüber der Wirt sich nicht wenig verwunderte, aber dennoch den Bärnhäuter zwang, die Nacht, wo der Papst bei ihm einkehrte, seine Zimmer einzuräumen und im Schweinestall zu schlafen, den Papst aber legte er in das vom Bärnhäuter schön gemalte Zimmer. Als der Papst am andern Morgen aufwachte, war das erste, daß er sich nach dem wunderbaren Maler erkundigte, der das Zimmer so künstlich verziert habe. Der Wirt erzählte ihm, was er von ihm wußte, und mußte ihn dann aus dem Schweinestall heraufkommen lassen. Der Papst aber grüßte ihn freundlich, fragte ihn, wer er wäre, und der Landsknecht nannte sich Bärnhäuter; darauf fragte ihn der Papst, ob er diese herrlichen Bilder gemalt? "Wer sonst?" sprach der Bärnhäuter. Da rühmte ihn der Papst als den ersten Maler der Welt und sagte ihm, er habe drei natürliche Töchter, die er sehr liebe, die älteste heiße Vergangenheit, die andre Gegenwart, die dritte Zukunft, wenn er ihm die so malen könnte, daß er wüßte, wie jede nach einer Reihe von Jahren aussähe, so wolle er ihm die zur Frau geben, welche ihm am besten gefalle. Der Bärnhäuter versprach alles in Hoffnung auf seinen Geist. Der Papst redete darauf weiter: "Du könntest mir aber leicht einbilden, daß sie sich also verwandeln möchten, und wenn es nicht zuträfe, hättest du doch inzwischen meiner Tochter Liebe genossen, darum stelle ich dich auf eine Probe. Ich zeige dir nur meine jüngste Tochter Zukunft, und du mußt aus ihrem Anblicke die beiden älteren, Gegenwart und Vergangenheit, malen; bestehst du diese, so ist das Mädchen dein, bestehst du sie nicht, so verfällt mir dein großes Vermögen, wovon mir der Wirt erzählt hat." Bärnhäuter ging alles ein, lief neben dem Wagen des Papstes her und hielt ihn, wenn er umfallen wollte, und so kamen beide ohne Schaden nach Rom. Gleich am Abend stellte ihm der Papst seine Tochter Zukunft vor, die sehr schön war, aber zweierlei Farbe von Haaren auf ihrem Kopfe trug; Bärnhäuter verliebte sich gleich, sie aber entsetzte sich über seinen Anblick. Als sie fort war, rief er seinen Geist, der mit einem Farbentopfe und einem Pinsel geflogen kam und die Bilder der beiden ältern Schwestern sogleich anfertigte. Als Bärnhäuter das Bild der Gegenwart gemalt sah, vergaß er darüber der geliebten Zukunft und weinte, daß er diese nicht bekommen könnte. Der Geist tröstete ihn und sprach: In einem halben Jahre würde seine Braut dieser ähnlich und gleich sein, und so hätte er in diesem Bilde auch das vom Papste verlangte Bild, wie die Tochter in einer gewissen Zeit aussehen werde; in dem Bilde der Vergangenheit werde er aber gleich sehen, wie die Gegenwart künftig aussehen müsse.

Table of contents

Inside this edition

  1. 01Teil 1
  2. 02Teil 2
  3. 03Teil 3
  4. 04Teil 4
  5. 05Teil 5
  6. 06Teil 6
  7. 07Teil 7
  8. 08Teil 8

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