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German Edition

Literature

Oberon

German BooksWhale Edition by Christoph Martin Wieland

Wielands berühmtes Versepos verbindet Ritterabenteuer, Feenwelt, Humor und aufklärerische Erzählkunst.

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Book introduction

Oberon

Oberon gehört zu den prägenden Werken der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts. Das Versepos führt durch Liebe, Prüfung, Zauber und Abenteuer und zeigt Wielands spielerische Verbindung von Aufklärung, Märchenstoff und klassischer Form.

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Christoph Martin Wieland starb 1813; Oberon erschien 1780. Diese Daten stützen die Gemeinfreiheit dieser deutschen Originalausgabe.

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Oberon

Christoph Martin Wieland

Erster Gesang.

Noch einmahl sattelt mir den Hippogryfen, ihr Musen, Zum Ritt ins alte romantische Land!

Wie lieblich um meinen entfesselten Busen Der holde Wahnsinn spielt! Wer schlang das magische Band Um meine Stirne? Wer treibt von meinen Augen den Nebel Der auf der Vorwelt Wundern liegt?

Ich seh', in buntem Gewühl, bald siegend, bald besiegt, Des Ritters gutes Schwert, der Heiden blinkende Säbel.

Vergebens knirscht des alten Sultans Zorn, Vergebens dräut ein Wald von starren Lanzen: Es tönt in lieblichem Ton das elfenbeinerne Horn, Und, wie ein Wirbel, ergreift sie alle die Wuth zu tanzen; Sie drehen im Kreise sich um bis Sinn und Athem entgeht.

Triumf, Herr Ritter, Triumf! Gewonnen ist die Schöne.

Was säumt ihr? Fort! der Wimpel weht; Nach Rom, daß euern Bund der heil'ge Vater kröne!

Nur daß der süßen verbotenen Frucht Euch ja nicht vor der Zeit gelüste!

Geduld! der freundlichste Wind begünstigt eure Flucht, Zwey Tage noch, so winkt Hesperiens goldne Küste.

O rette, rette sie, getreuer Scherasmin, Wenn's möglich ist!--Umsonst! die trunknen Seelen hören Sogar den Donner nicht. Unglückliche, wohin Bringt euch ein Augenblick! Kann Liebe so bethören?

In welches Meer von Jammer stürzt sie euch!

Wer wird den Zorn des kleinen Halbgotts schmelzen?

Ach! wie sie Arm in Arm sich auf den Wogen wälzen!

Noch glücklich durch den Trost, zum wenigsten zugleich Eins an des andern Brust zu sinken ins Verderben.

Ach! hofft es nicht! Zu sehr auf euch erbost Versagt euch Oberon sogar den letzten Trost, Den armen letzten Trost des Leidenden, zu sterben!

Zu strengern Qualen aufgespart Seh' ich sie hülflos, nackt, am öden Ufer irren: Ihr Lager eine Kluft, mit einer Hand voll dürren Halb faulem Schilf bestreut; und Beeren wilder Art, Die kärglich hier und dort an kahlen Hecken schmoren, All' ihre Kost! In dieser dringenden Noth Kein Hüttenrauch von fern, kein hülfewinkend Boot, Glück, Zufall und Natur zu ihrem Fall verschworen!

Und noch ist nicht des Rächers Zorn erweicht, Noch hat ihr Elend nicht die höchste Stuf' erreicht; Es nährt nur ihre strafbar'n Flammen, Sie leiden zwar, doch leiden sie beisammen.

Getrennt zu seyn, so wie in Donner und Blitz Der wilde Sturm zwey Bruderschiffe trennet, Und ausgelöscht, wenn im geheimsten Sitz Der Hoffnung noch ein schwaches Flämmchen brennet:

Dieß fehlte noch!--O du, ihr Genius einst, ihr Freund!

Verdient, was Liebe gefehlt, die Rache sonder Grenzen?

Weh euch! Noch seh' ich Thränen in seinen Augen glänzen; Erwartet das ärgste wenn Oberon weint!-- Doch, Muse, wohin reißt dich die Adlersschwinge Der hohen trunknen Schwärmerey?

Dein Hörer steht bestürzt, er fragt sich was dir sey, Und deine Gesichte sind ihm geheimnisvolle Dinge.

Komm, laß dich nieder zu uns auf diesen Kanapee, Und--statt zu rufen, ich seh', ich seh, Was niemand sieht als Du--erzähl' uns fein gelassen Wie alles sich begab. Sieh, wie mit lauschendem Mund Und weit geöffnetem Auge die Hörer alle passen, Geneigt zum gegenseitigem Bund, Wenn du sie täuschen kannst sich willig täuschen zu lassen.

Wohlan! so höret denn die Sache aus dem Grund!

Der Paladin, mit dessen Abenteuern Wir euch zu ergetzen (wofern ihr noch ergetzbar seyd)

Entschlossen sind, war seit geraumer Zeit Gebunden durch sein Wort nach Babylon zu steuern.

Was er zu Babylon verrichten sollte, war Halsbrechend Werk, sogar in Karls des Großen Tagen: In unsern würd' es, auf gleiche Gefahr, Um allen Ruhm der Welt kein junger Ritter wagen.

Sohn, sprach sein Oheim zu ihm, der heil'ge Vater in Rom, Zu dessen Füßen, mit einem reichlichen Strom Bußfert'ger Zähren angefeuchtet, Er, als ein frommer Christ, erst seine Schuld gebeichtet; Sohn, sprach er, als er ihm den Ablaß segnend gab, Zeuch hin in Frieden! Es wird dir wohl gelingen Was du beginnst. Allein vor allen Dingen, Wenn du nach Joppen kommst, besuch das heil'ge Grab!

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Nun trug der Abt den ganzen Verlauf der Sache Dem Kaiser vor. Die Überredung saß Auf seinen Lippen. Allein, was half mir das?

Die Leiche des Sohns liegt da und schreyt um Rache.

Hier, ruft der Vater, sieh, und sprich Dem Mörder meines Sohns das Urtheil! Sprich's für mich!

Ja, rachedürstender Geist, dein Gaumen soll sich laben An seinem Blut! Er sterb' und mäste die Raben!

Itzt schwoll mein Herz empor. Ich bin kein Mörder, schrie Ich überlaut. Der Richter richtet nicht billig In eigner Sache. Der Kläger Amory Ist ein Verräther, Herr! Hier steh' ich, frey und willig, Will in sein falsches Herz, mit meines Lebens Fahr, Beweisen, daß er ein Schalk und Lügner ist, und war Und bleiben wird, so lange sein Hauch die Luft vergiftet.

Sein Werk ist alles dieß, Er hat es angestiftet!

Ich bin, wie er, von fürstlichem Geschlecht, Ein Pär des Reichs, und fordre hier mein Recht; Der Kaiser kann mir's nicht versagen!

Da liegt mein Handschuh, laßt ihn's wagen Ihn aufzunehmen, und Gott in seinem Gericht Entscheide, welchen von uns die Stimme dieses Blutes Zur Hölle donnern soll! Die Quelle meines Muthes Ist meine Unschuld, Herr! Mich schreckt sein Donner nicht.

Die Fürsten des Kaiserreichs, so viel von ihnen zugegen, Ein jeder sieht sich selbst in meiner Verdammung gekränkt.

Sie murmeln, dem Meere gleich, wenn sich von fern zu regen Der Sturm beginnt: sie bitten, dringen, legen Das Recht ihm vor. Umsonst! den starren Blick gesenkt Auf Scharlots blutiges Haupt, kann nichts den Vater bewegen: Wiewohl auch Hohenblat, der's für ein leichtes hält Mir obzusiegen, selbst sich unter die Bittenden stellt.

Herr, spricht er, laßt mich gehn, den Frevler abzustrafen, Ich wage nichts wo Pflicht und Recht mich schützt.

Ha! rief ich laut, von Scham und Grimm erhitzt, Du spottest noch? Erzittre! immer schlafen Des Rächers Blitze nicht.--Mein Schwert, ruft Hohenblat, Soll, Mörder, sie auf deine Scheitel häufen!

Doch Karl, den meine Gluth nur mehr erbittert hat, Befiehlt der Wache, mich zu greifen.

Dieß rasche Wort empört den ganzen Sahl Von neuem; alle Schwerter blitzen, Das Ritterrecht, das Karl in mir verletzt, zu schützen.

Ergreift ihn, ruft der Kaiser abermahl; Allein er sieht, mit vorgehaltnen Klingen, In dichtem Kreis die Ritter mich umringen.

Vergebens droht, schier im Gedräng erstickt, Der geistliche Herr mit Bann und Interdikt.

Des Reiches Schicksal schien an einem Haar zu schweben.

Die grauen Räthe flehn dem Kaiser auf den Knien, Dem Recht der Ritter nachzugeben: Je mehr sie flehn, je minder rührt es ihn; Bis endlich Herzog Nayms (der oft in seinem Leben, Wenn Karl den Kopf verlor, den seinen ihm geliehn)

Den Mund zum Ohr ihm hält, dann gegen uns sich kehret, Und zum begehrten Kampf des Kaisers Urlaub schwöret.

Herr Hüon fuhr dann zu erzählen fort: Wie stracks auf dieses einz'ge Wort Der Aufruhr sich gelegt, die Ritter alle zurücke Gewichen, und Karl, wiewohl im Herzen ergrimmt, Mit stiller Wuth im halb entwölkten Blicke, Den achten Tag zum Urtheilskampf bestimmt; Wie beide Theile sich mit großer Pracht gerüstet, Und, des Triumfs gewiß, sich Amory gebrüstet.

Der stolze Mann, wiewohl in seiner Brust Ein Kläger pocht der seinen Muth erschüttert, War eines Arms von Eisen sich bewußt, Der manchen Wald von Lanzen schon zersplittert.

Er hatte nie vor einem Feind gezittert, Und Kampf auf Tod und Leben war ihm Lust.

Doch all sein Trotz und seine Riesenstärke Betrogen ihn bey diesem blut'gen Werke.--

Gekommen war nunmehr der richterliche Tag, Versammelt alles Volk. Mit meinem silberblanken Turnierschild vor der Brust, und, wie ich sagen mag, Von allen mit Liebe begrüßt, erschien ich in den Schranken.

Schon stand der Kläger da. In einem Erker lag Der alte Karl, umringt von seinen Fürsten, Und schien, in offenem Vertrag Mit Amory, nach meinem Blut zu dürsten.

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Zuletzt kann länger sich der Alte nicht entbrechen.

Herr, spricht er, stör' ich euch in einem Grillenplan, So haltet mir's zu gut; 's ist eine meiner Schwächen, Ich läugn' es nicht; allein, im Dunkeln muß ich sprechen, Das war so meine Art von meiner Kindheit an.

Es ist so stille hier als sey der große Pan Gestorben. Tönte nicht der Hufschlag unsrer Pferde, Ich glaube daß man gar den Maulwurf scharren hörte.

Ihr denkt ich fürchte mich; doch ohne Prahlerey, (Denn, was der Mensch auch hat, so sind's am Ende Gaben, Auch leben manche noch, die es gesehen haben)

Wo Schwerter klirren, im Feld und im Turney, Mann gegen Mann, auf Stechen oder Hauen, Wär's auch im Nothfall zwey und drey An fünf bis sechs, ich bin dabey!

Da kann man doch auf seine Knochen trauen.

Kurz, hat ein Feind nur Fleisch und Blut, Ich bin sein Mann! Allein, das muß ich frey gestehen, Um Mitternacht an einem Kirchhof gehen Das lupft ein wenig mir den Hut.

Gesetzt, so einem Geist, der querfeld mir begegnet, Steht meine Fysionomie Nicht an: was hilft mir Arm und Degen, ventregris!

Wenn's unsichtbare Schläg' auf meinen Rücken regnet?

Gesetzt, wie man Exempel hat, Ich hau' ihm auch den Schädel glatt vom Rumpfe; Noch weil er rollt, stehn schon an dessen Statt Zwey neue Köpfe auf dem Stumpfe.

Oft rennt sogar der Rumpf in vollem Lauf Dem Kopfe nach, und setzt ihn wieder auf Als wär' es nur ein Hut, den ihm der Wind genommen: Nun, bitt' ich euch, wie ist so einem beyzukommen?

Zwar, wie ihr wißt, so bald der Hahn gekräht, So ist's mit all dem Spuk, der zwischen eilf und zwölfen Im Dunkeln schleicht, Gespenstern oder Elfen, Als hätte sie der Wind davon geweht.

Allein, der Geist der hier sein Wesen treibet, Ist euch von ganz besonderm Schlag, Hält offnen Hof, ißt, trinkt, und lebt und leibet Wie unser eins, und geht bey hellem Tag.

Um meine Neugier aufzuschrauben, Hast du dein bestes gethan, erwiedert Siegwins Sohn: Man spricht von Geistern so viel, und lügt so viel davon, Daß Laien unsrer Art nicht wissen was sie glauben.

Einst kam an unsern Hof ein tief studierter Mann, Der schwor uns hoch, es wäre gar nichts dran, Und schimpfte weidlich los auf alle Geisterseher; Auch hieß ihn der Kaplan nur einen Manichäer.

Sie disputierten oft bey einer Flasche Wein; Doch, wenn das letzte Glas zu Kopf zu gehn begonnte, So mischten sie so viel Latein darein Daß unser einer kaum ein Wort verstehen konnte.

Da dacht' ich oft: Schwatzt noch so hoch gelehrt, Man weiß doch nichts als was man selbst erfährt; Ich wollt' ein Geist erwiese mir die Ehre Und sagte mir was an der Sache wäre.

Indem sah unser wandernd Paar Sich unvermerkt in einem Park befangen, Durch den sich hin und her so viele Wege schlangen, Daß irre drin zu gehn fast unvermeidlich war.

Der Mond war eben itzt vollwangig aufgegangen, Um durch ein trüglich Dunkelklar Die Augen, die nach einem Ausweg irren, Mit falschen Lichtern zu verwirren.

Herr, sagte Scherasmin, hier ist's drauf angesehn Uns in ein Labyrinth zu winden.

Der einz'ge Weg sich noch heraus zu finden, Ist--auf gut Glück der Nase nachzugehn.

Der Rath (der weiser ist als mancher Klügling meinet)

Führt unsre frommen Wandrer bald Zum Mittelpunkt, wo sich der ganze Wald In einen großen Stern vereinet.

Und in der Fern' erblicken sie in Büschen Ein Schloß, das, wie aus Abendroth gewebt, Sich schimmernd in die Luft erhebt.

Mit Augen, worin sich Lust und Grauen mischen, Und zwischen Traum und Wachen zweifelhaft Schwebt Hüon sprachlos da und gafft; Als plötzlich auf die goldnen Thüren flogen Und rollt' ein Wagen daher, den Leoparden zogen.

Table of contents

Inside this edition

  1. 01Part 1
  2. 02Part 2
  3. 03Part 3
  4. 04Part 4
  5. 05Part 5
  6. 06Part 6
  7. 07Part 7
  8. 08Part 8
  9. 09Part 9
  10. 10Part 10
  11. 11Part 11
  12. 12Part 12
  13. 13Part 13
  14. 14Part 14
  15. 15Part 15
  16. 16Part 16
  17. 17Part 17
  18. 18Part 18
  19. 19Part 19
  20. 20Part 20
  21. 21Part 21
  22. 22Part 22

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