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German Edition

Literature

Phantasus

German BooksWhale Edition by Ludwig Tieck

Ein Schlüsselwerk der Romantik mit Märchen, Gesprächen, Theaterstücken und poetischer Selbstreflexion.

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Book introduction

Phantasus

Phantasus versammelt romantische Erzählformen, Märchen, Dialoge und dramatische Texte in einer vielstimmigen Rahmenkomposition. Diese deutsche Ausgabe eignet sich für Leser der Romantik, der Kunstmärchen und der poetischen Theorie.

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Ludwig Tieck starb 1853; Phantasus erschien ab 1812. Diese Daten stützen die Gemeinfreiheit dieser deutschen Originalausgabe.

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Phantasus

Ludwig Tieck

Erster Teil

Einleitung.

Preview chapterI. [ I ]Preview

Dieſes romantiſche Gebirge, ſagte Ernſt, erin-

nert mich lebhaft an einen der ſchoͤnſten Tage

meines Lebens. In der heiterſten Sommerszeit

hatte ich die Fahrt uͤber den Lago maggiore ge-

macht und die Borromaͤiſchen Inſeln beſucht;

von einem kleinen Flecken am See ritt ich dann

mit dem fruͤhſten Morgen nach Belinzona, das

mit ſeinen Zinnen und Thuͤrmen auf Huͤgeln

und im engen Thal ganz alterthuͤmlich ſich dar-

ſtellt, und uns alte Sagen und Geſchichten wun-

derlich vergegenwaͤrtigt, und von dort reiſete ich

am Nachmittage ab, um am folgenden Tage den

Weg uͤber den Sankt Gotthard anzutreten. Am

Fuße dieſes Berges liegt aͤußerſt anmuthig Giar-

nito, und einige Stunden vorher fuͤhrt dich

der Weg durch das reizendſte Thal, in welchem

Weingebirge und Wald auf das mannigfaltigſte

wechſelt, und von allen Bergen große und kleine

Waſſerfaͤlle klingend und wie muſizirend nieder-

tanzen; immer enger ruͤcken die Felſen zuſam-

men, je mehr du dich dem Orte naͤherſt, und

endlich ziehn ſich Weinlauben uͤber dir hinweg

von Berg zu Berg, und verdecken von Zeit zu Einleitung.

Zeit den Anblick des Himmels. Es wurde Abend,

eh ich die Herberge erreichte, beim Sternenglanz,

den mir die gruͤnen Lauben oft verhuͤllten, rauſch-

ten naͤher und vertraulicher die Waſſerfaͤlle, die

ſich in mannigfachen Kruͤmmungen Wege durch

das friſche Thal ſuchten; die Lichter des Ortes

waren bald nahe, bald fern, bald wieder ver-

ſchwunden, und das Echo, das unſere Reden

und den Hufſchlag der Pferde wiederholte, das

Fluͤſtern der Lauben, das Rauſchen der Baͤume,

das Brauſen und Toͤnen der Waſſer, die wie in

Freundſchaft und Zorn abwechſelnd naͤher und

ferner ſchwazten und zankten, vom Bellen wach-

ſamer Hunde aus verſchiedenen Richtungen un-

terbrochen, machten dieſen Abend, indem noch

die gruͤnenden Borromaͤiſchen Inſeln in meiner

Phantaſie ſchwammen, zu einem der wundervoll-

ſten meines Lebens, deſſen Muſik ſich oft wa-

chend und traͤumend in mir wiederholt. Und —

wie ich ſagte — dieſes romantiſche Gebirge hier

erinnert mich lebhaft an den Genuß jener ſchoͤ-

nen Tage.

Warum, ſagte ſein Freund Theodor, haſt du

nie etwas von deinen Reiſen deinen nahen und

fernen Freunden oͤffentlich mittheilen wollen?

Nenn' es, antwortete jener, Traͤgheit, Zag-

haftigkeit, oder wie du willſt: vielleicht auch ruͤhrt

es von einem einſeitigen, zu weit getriebenen Ab-

ſcheu gegen die meiſten Reiſebeſchreibungen aͤhn-

licher Art her, die mir bekannt geworden ſind.

Einleitung.

Wenigſtens ſchwebt mir ein ganz andres Bild

einer ſolchen Beſchreibung vor; den aͤltern, un-

aͤſthetiſchen laſſe ich ihren Werth: doch jene, in

denen Natur und Kunſt und Voͤlker aller Art,

nebſt Sitten und Trachten und Staatsverfaſ-

ſungen der witzig-philoſophiſchen Eitelkeit des

Schriftſtellers, wie Affen zum Tanze, aufgefuͤhrt

werden, der ſich in jedem Augenblick nicht ge-

nug daruͤber verwundern kann, daß er es iſt,

der alle die Gaukeleien mit ſo ſtolzer Demuth

beſchreibt, und der ſo weltbuͤrgerlich ſich mit

allen dieſen Thorheiten einlaͤßt; o, ſie ſind mir

von je ſo widerlich geweſen, daß die Furcht, in

ihre Reihe geſtellt, oder gar unvermerkt bei aͤhn-

licher Beſchaͤftigung ihnen verwandt zu werden,

mich von jedem Verſuche einer oͤffentlichen Mit-

theilung abgeſchreckt hat.

Doch giebt es vielleicht, ſagte Theodor, eine

ſo ſchlichte und unſchuldige Manier, eine ſo

einfache Anſicht der Dinge, daß ich mir wohl

nach Art eines Gedichtes die Beſchreibung eines

Landes, oder einer Reiſe, denken kann.

Gewiß, ſagte Ernſt, manche der aͤltern Rei-

Preview chapterI. [ 2 ]Preview

Einleitung.

muthet wieder fanden, eilten mit frohem Ausruf

auf einander zu, umarmten ſich, thaten tauſend

Fragen und erwarteten keine Antwort, druͤckten

ſich wieder an die Bruſt und genoſſen im Tau-

mel ihrer freudigen Verwunderung immer wieder

die Luſt der Ueberraſchung. O der Freude, dich

wieder zu haben, rief Theodor aus, du lieber,

lieber Freund! Wie faͤllſt du ſo unvermuthet (doch

brauchts ja keine Motive) aus dieſen allerlieb-

ſten Epiſoden hier in unſre Haupthandlung und

Wandlung hinein!

Aber du ſiehſt matt und krank aus, ſagte

Ernſt, indem er ihn mit Wehmuth betrachtete.

So iſt es auch, erwiederte Anton, ich habe

mich erſt vor einigen Wochen vom Krankenlager

erhoben, fuͤhlte heut zum erſtenmal die Schoͤn-

heit der Natur wieder, und ließ mir nicht traͤu-

men, daß ihr wie aus dem Himmel noch heut

in meinen Himmel fallen wuͤrdet. Aber ſeid mir

tauſend und tauſendmal willkommen!

Man ging, man ſtand dann wieder ſtill,

um ſich zu betrachten, ſich zu befragen, und

jeder erkundigte ſich nun nach den Geſchaͤften,

nach den Abſichten des andern. Meine Reiſe,

ſagte Ernſt, hat keinen andern Entzweck, als

mich in der Naͤhe, nur einige Meilen von hier,

uͤber einige alte, ſogenannte gothiſche Gebaͤude

zu unterrichten, und dann in der Stadt ein alt-

deutſches Gedicht aufzuſuchen.

Und ich, ſagte Theodor, bin meiner Gewohn- Einleitung.

heit nach nur ſo mitgenommen worden, weil ich

eben weder etwas zu thun, noch zu verſaͤumen

hatte.

Ich beſuche unſern Manfred, ſagte Anton,

der mich auf ſein ſchoͤnes Landgut, ſieben Mei-

len von hier, eingeladen hat, da er von meiner

Krankheit und Geneſung Nachricht bekommen.

Wohnt der jetzt in dieſem Gebirge? fragte

Ernſt.

Ihr wißt alſo nicht, fuhr Anton fort, daß

er ſchon ſeit mehr als zwei Jahren verheirathet

iſt und hier wohnt?

Manfred verheirathet? rief Theodor aus; er,

der ſo viel gegen alle Ehe deklamirt, ſo uͤber

alle geprieſene Haͤuslichkeit geſpottet hat, der es

zu ſeiner Aufgabe zu machen ſchien, das Phan-

taſtiſche mit dem wirklichen Leben aufs innigſte

zu verbinden, der vor nichts ſolchen Abſcheu aͤu-

ßerte, als vor jener geſetzten, kaltbluͤtig morali-

ſchen Philiſterei? Wie iſt es moͤglich? Ei! der

mag ſich denn nun auch ſchoͤn veraͤndert haben!

Gewiß hat ihn das Dreherchen der Zeit ſo um-

gedreht, daß er nicht wieder zu erkennen iſt.

Vielleicht, ſagte Ernſt, konnte es ihm gera-

de am erſten gelingen, die Jugend beizubehal-

ten, in welcher er ſich ſcheinbar ſo wild beweg-

te, denn ſein Charakter neigte immer zum Ernſt,

und eben darum war ſein Widerwille gegen den

geheuchelten, laͤppiſchen Ernſt unſerer Tage oft

ſo grotesk und bizarr: bei manchen Menſchen Einleitung.

dient eine wunderliche Außenſeite nur zum noth-

wendigen Gegengewicht eines gehaltvollen, oft

faſt melankoliſchen Innern, und zu dieſen ſcheint

mir unſer Freund zu gehoͤren.

Ich habe ihn ſchon im vorigen Jahre geſehn,

ſagte Anton, und ihn gar nicht veraͤndert gefun-

den, er iſt eher juͤnger geworden; ſeine Haus-

haltung mit ſeiner Frau und ihrer juͤngern

Schweſter Clara, mit ſeiner eignen Schweſter

und Schwiegermutter iſt die liebenswuͤrdigſte,

die ich noch geſehn habe, ſo wie ſein Landgut

die ſchoͤnſte Lage im ganzen Gebirge hat: ihr

thaͤtet klug, mich dahin zu begleiten, was ſich

auch ſehr gut mit deinen gelehrten antiquariſchen

Unterſuchungen vereinigen laͤßt.

Er muß! rief Theodor, oder ich laß ihn

im Stich der gothiſchen, oder, wie er will, alt-

deutſchen Spitzgewoͤlbe.

Daruͤber laͤßt ſich noch ſprechen, ſagte Ernſt

Table of contents

Inside this edition

  1. 01Full text
  2. 02I. [ I ]
  3. 03I. [ 2 ]
  4. 04I. [ 3 ]
  5. 05I. [ 4 ]
  6. 06I. [ 5 ]
  7. 07I. [ 6 ]
  8. 08I. [ 7 ]
  9. 09I. [ 8 ]
  10. 10I. [ 8 ]
  11. 11I. [ I0 ]
  12. 12I. [ II ]
  13. 13I. [ 12 ]
  14. 14I. [ 13 ]
  15. 15I. [ 14 ]
  16. 16I.
  17. 17I.
  18. 18I. [ 17 ]
  19. 19I. [ 18 ]
  20. 20I.
  21. 21I. [ 20 ]
  22. 22I.
  23. 23I
  24. 24I. [ 22 ]
  25. 25I. [ 23 ]
  26. 26I. [ 24 ]
  27. 27I. [ 25 ]
  28. 28I. [ 26 ]
  29. 29I. [ 27 ]
  30. 30I. [ 28 ]
  31. 31I. [ 29 ]
  32. 32I. [ 30 ]
  33. 33I
  34. 34I. [ 31 ]
  35. 35I. [ 32 ]
  36. 36I. [ 33 ]
  37. 37III.
  38. 38III.
  39. 39III.
  40. 40III.
  41. 41III.
  42. 42L.
  43. 43L.
  44. 44L.
  45. 45L.
  46. 46III.
  47. 47L.
  48. 48L.
  49. 49L.
  50. 50L.
  51. 51L.
  52. 52III.
  53. 53L.
  54. 54L.
  55. 55L.
  56. 56L.
  57. 57L.
  58. 58L.
  59. 59L.
  60. 60L.
  61. 61L.
  62. 62L.
  63. 63L.
  64. 64L.
  65. 65L.
  66. 66III.
  67. 67III.
  68. 68III.
  69. 69III.
  70. 70III.
  71. 71III.
  72. 72III.
  73. 73III.
  74. 74III.
  75. 75III.
  76. 76c
  77. 77III.
  78. 78H.
  79. 79H.
  80. 80H.
  81. 81H.
  82. 82H.
  83. 83H.
  84. 84H.
  85. 85III.
  86. 86H.
  87. 87H.
  88. 88L.
  89. 89III.
  90. 90III.
  91. 91III.
  92. 92III.
  93. 93III.
  94. 94L.
  95. 95L.
  96. 96L.
  97. 97L.
  98. 98L.
  99. 99L.
  100. 100L.
  101. 101L.
  102. 102III.
  103. 103III.
  104. 104L.
  105. 105, L.
  106. 106, L.
  107. 107III.
  108. 108L.
  109. 109L.
  110. 110III.
  111. 111L.
  112. 112L.
  113. 113III.
  114. 114III.
  115. 115III.
  116. 116III.
  117. 117III.
  118. 118II.
  119. 119II.
  120. 120II.
  121. 121II
  122. 122II.
  123. 123II.
  124. 124II.
  125. 125II.
  126. 126II.
  127. 127II.
  128. 128ELE.
  129. 129II.
  130. 130II.
  131. 131l
  132. 132II.
  133. 133II
  134. 134II.
  135. 135O
  136. 136II.
  137. 137II.
  138. 138II.
  139. 139II.
  140. 140II.
  141. 141II.
  142. 142II.
  143. 143II.
  144. 144I.
  145. 145II.
  146. 146III.
  147. 147II.
  148. 148II
  149. 149II.
  150. 150II.
  151. 151II.
  152. 152II
  153. 153II
  154. 154II.
  155. 155II.
  156. 156II.
  157. 157II.
  158. 158II.

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