German Edition
Literature
Prinz Friedrich von Homburg
German BooksWhale Edition by Heinrich von Kleist
Kleists Drama stellt Traum, Gehorsam, Ruhm und Todesangst in einen preußischen Konflikt von großer Spannung.
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Book introduction
Prinz Friedrich von Homburg
Prinz Friedrich von Homburg zeigt einen jungen Offizier zwischen eigenmächtigem Heldentum, militärischem Gesetz und existenzieller Prüfung. Kleist verwandelt Geschichte in ein Drama über Ehre, Freiheit, Disziplin, Gefühl und die Grenze des Befehls.
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Heinrich von Kleist starb 1811; das Werk erschien um 1821. Diese Daten stützen die gemeinfreie Grundlage dieser deutschen Originalausgabe.
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Prinz Friedrich von Homburg
Heinrich von Kleist
Ein Schauspiel
_Ihrer Königlichen Hoheit_ _der Prinzessin_ _Amalie Marie Anne_ _Gemahlin des Prinzen Wilhelm von Preußen_ _Bruders Sr. Majestät des Königs_ _geborne Prinzessin von Hessen-Homburg._
Gen Himmel schauend greift, im Volksgedränge, Der Barde fromm in seine Saiten ein. Jetzt trösten, jetzt verletzen seine Klänge, Und solcher Antwort kann er sich nicht freun. Doch eine denkt er in dem Kreis der Menge, Der die Gefühle seiner Brust sich weihn: Sie hält den Preis in Händen, der ihm falle, Und krönt ihn die, so krönen sie ihn alle.
Personen:
Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg
Die Kurfürstin
Prinzessin Natalie von Oranien, seine Nichte, Chef eines Dragonerregiments
Feldmarschall Dörfling
Prinz Friedrich Arthur von Homburg, General der Reuterei
Obrist Kottwitz, vom Regiment der Prinzessin von Oranien
Hennings, Oberst der Infanterie
Graf Truchß, Oberst der Infanterie
Graf Hohenzollern, von der Suite des Kurfürsten
Rittmeister von der Golz
Graf Georg von Sparren, Rittmeister
Stranz, Rittmeister
Siegfried von Mörner, Rittmeister
Graf Reuß, Rittmeister
Ein Wachtmeister
Offiziere, Korporale und Reuter. Hofkavaliere. Hofdamen. Pagen. Heiducken. Bedienten. Volk jeden Alters und Geschlechts.
Erster Akt
Szene. Fehrbellin. Ein Garten im altfranzösischen Stil. Im Hintergrunde ein Schloß, von welchem eine Rampe herabführt.--Es ist Nacht.
Erster Auftritt
Der Prinz von Homburg sitzt mit bloßem Haupt und offner Brust, halb wachend halb schlafend, unter einer Eiche und windet sich einen Kranz.--Der Kurfürst, seine Gemahlin, Prinzessin Natalie, der Graf von Hohenzollern, Rittmeister Golz und andere treten heimlich aus dem Schloß, und schauen, vom Geländer der Rampe, auf ihn nieder.--Pagen mit Fackeln.
Der Graf von Hohenzollern. Der Prinz von Homburg, unser tapfrer Vetter, Der an der Reuter Spitze, seit drei Tagen Den flüchtgen Schweden munter nachgesetzt, Und sich erst heute wieder atemlos, Im Hauptquartier zu Fehrbellin gezeigt: Befehl ward ihm von dir, hier länger nicht, Als nur drei Füttrungsstunden zu verweilen, Und gleich dem Wrangel wiederum entgegen, Der sich am Rhyn versucht hat einzuschanzen, Bis an die Hackelberge vorzurücken?
Der Kurfürst. So ists!
Hohenzollern. Die Chefs nun sämtlicher Schwadronen, Zum Aufbruch aus der Stadt, dem Plan gemäß, Glock zehn zu Nacht, gemessen instruiert, Wirft er erschöpft, gleich einem Jagdhund lechzend, Sich auf das Stroh um für die Schlacht, die uns Bevor beim Strahl des Morgens steht, ein wenig Die Glieder, die erschöpften, auszuruhn.
Der Kurfürst. So hört ich!--Nun?
Hohenzollern. Da nun die Stunde schlägt, Und aufgesessen schon die ganze Reuterei Den Acker vor dem Tor zerstampft, Fehlt--wer? der Prinz von Homburg noch, ihr Führer. Mit Fackeln wird und Lichtern und Laternen Der Held gesucht--und aufgefunden, wo?
(Er nimmt einem Pagen die Fackel aus der Hand.)
Als ein Nachtwandler, schau, auf jener Bank, Wohin, im Schlaf, wie du nie glauben wolltest, Der Mondschein ihn gelockt, beschäftiget, Sich träumend, seiner eignen Nachwelt gleich, Den prächtgen Kranz des Ruhmes einzuwinden.
Der Kurfürst. Was!
Hohenzollern. In der Tat! Schau hier herab: da sitzt er!
(Er leuchtet von der Rampe auf ihn nieder.)
Der Kurfürst. Im Schlaf versenkt? Unmöglich!
Hohenzollern. Fest im Schlafe! Ruf ihn bei Namen auf, so fällt er nieder.
(Pause.)
Die Kurfürstin. Der junge Mann ist krank, so wahr ich lebe.
Prinzessin Natalie. Er braucht des Arztes--!
Die Kurfürstin. Man sollt ihm helfen, dünkt mich, Nicht den Moment verbringen, sein zu spotten!
Hohenzollern (indem er die Fackel wieder weggibt). Er ist gesund, ihr mitleidsvollen Frauen, Bei Gott, ich bins nicht mehr! Der Schwede morgen Wenn wir im Feld ihn treffen, wirds empfinden! Es ist nichts weiter, glaubt mir auf mein Wort, Als eine bloße Unart seines Geistes.
Der Kurfürst. Fürwahr! Ein Märchen glaubt ichs!--Folgt mir Freunde, Und laßt uns näher ihn einmal betrachten.
(Sie steigen von der Rampe herab.)
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Oberst Hennings. Hier! (Er schreibt.)
Feldmarschall. Der nach des Herren Willen heut Des Heeres rechten Flügel kommandiert, Soll, durch den Grund der Hackelbüsche, still Des Feindes linken zu umgehen suchen, Sich mutig zwischen ihn und die drei Brücken werfen, Und mit dem Grafen Truchß vereint-- Graf Truchß!
Graf Truchß. Hier! (Er schreibt.)
Feldmarschall. Und mit dem Grafen Truchß vereint (Er hält inne.) Der auf den Höhn indes, dem Wrangel gegenüber, Mit den Kanonen Posten hat gefaßt--
Graf Truchß (schreibt). Kanonen Posten hat gefaßt--
Feldmarschall. Habt Ihr? (Er fährt fort.) Die Schweden in den Sumpf zu jagen suchen, Der hinter ihrem rechten Flügel liegt.
Ein Heiduck (tritt auf). Der Wagen, gnädge Frau, ist vorgefahren.
(Die Damen stehen auf.)
Feldmarschall. Der Prinz von Homburg--
Der Kurfürst (erhebt sich gleichfalls). --Ist Ramin bereit?
Der Heiduck. Er harrt zu Pferd schon unten am Portal.
(Die Herrschaften nehmen Abschied von einander.)
Graf Truchß (schreibt). Der hinter ihrem rechten Flügel liegt.
Feldmarschall. Der Prinz von Homburg-- Wo ist der Prinz von Homburg?
Graf von Hohenzollern (heimlich). Arthur!
Der Prinz von Homburg (fährt zusammen). Hier!
Hohenzollern. Bist du bei Sinnen?
Der Prinz von Homburg. Was befiehlt mein Marschall?
(Er errötet, stellt sich mit Stift und Pergament und schreibt.)
Feldmarschall. Dem die Durchlaucht des Fürsten wiederum Die Führung ruhmvoll, wie bei Rathenow, Der ganzen märkschen Reuterei vertraut--(Er hält inne.) Dem Obrist Kottwitz gleichwohl unbeschadet, Der ihm mit seinem Rat zur Hand wird gehn-- (Halblaut zum Rittmeister Golz.) Ist Kottwitz hier?
Rittmeister von der Golz. Nein, mein General, du siehst, Mich hat er abgeschickt, an seiner Statt, Aus deinem Mund den Kriegsbefehl zu hören.
(Der Prinz sieht wieder nach den Damen herüber.)
Feldmarschall (fährt fort). Stellt auf der Ebne sich, beim Dorfe Hackelwitz, Des Feindes rechtem Flügel gegenüber, Fern außer dem Kanonenschusse auf.
Rittmeister von der Golz (schreibt). Fern außer dem Kanonenschusse auf.
(Die Kurfürstin bindet der Prinzessin ein Tuch um den Hals. Die Prinzessin, indem sie sich die Handschuh anziehen will, sieht sich um, als ob sie etwas suchte.)
Der Kurfürst (tritt zu ihr). Mein Töchterchen, was fehlt dir--?
Die Kurfürstin. Suchst du etwas?
Prinzessin Natalie. Ich weiß nicht, liebe Tante, meinen Handschuh--
(Sie sehen sich alle um.)
Der Kurfürst (zu den Hofdamen). Ihr Schönen! Wollt ihr gütig euch bemühn?
Die Kurfürstin (zur Prinzessin). Du hältst ihn, Kind.
Natalie. Den rechten; doch den linken?
Der Kurfürst. Vielleicht daß er im Schlafgemach geblieben?
Natalie. O liebe Bork!
Der Kurfürst (zu diesem Fräulein). Rasch, rasch!
Natalie. Auf dem Kamin!
(Die Hofdame ab.)
Der Prinz von Homburg (für sich). Herr meines Lebens! hab ich recht gehört? (Er nimmt den Handschuh aus dem Kollett.)
Feldmarschall (sieht in ein Papier, das er in der Hand hält). Fern außer dem Kanonenschusse auf.--
(Er fährt fort.)
Des Prinzen Durchlaucht wird--
Der Prinz von Homburg. Den Handschuh sucht sie
(Er sieht bald den Handschuh, bald die Prinzessin an.)
Feldmarschall. Nach unsers Herrn ausdrücklichem Befehl--
Rittmeister von der Golz (schreibt). Nach unsers Herrn ausdrücklichem Befehl--
Feldmarschall. Wie immer auch die Schlacht sich wenden mag, Vom Platz nicht, der ihm angewiesen, weichen--
Der Prinz von Homburg. --Rasch, daß ich jetzt erprüfe, ob ers ist!
(Er läßt, zugleich mit seinem Schnupftuch, den Handschuh fallen; das Schnupftuch hebt er wieder auf, den Handschuh läßt er so, daß ihn jedermann sehen kann, liegen.)
Feldmarschall (befremdet). Was macht des Prinzen Durchlaucht?
Graf von Hohenzollern (heimlich). Arthur!
Der Prinz von Homburg. Hier!
Hohenzollern. Ich glaub, Du bist des Teufels?!
Der Prinz von Homburg. Was befiehlt mein Marschall?
(Er nimmt wieder Stift und Tafel zur Hand. Der Feldmarschall sieht ihn einen Augenblick fragend an.--Pause.)
Rittmeister von der Golz (nachdem er geschrieben). Vom Platz nicht, der ihm angewiesen, weichen--
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Vierter Auftritt
Die Kurfürstin, bleich und verstört. Prinzessin Natalie und mehrere Hofdamen folgen.--Die Vorigen.
Kurfürstin (unter der Tür). Bork! Winterfeld! Kommt: gebt mir euren Arm!
Natalie (zu ihr eilend). O meine Mutter!
Die Hofdamen. Gott! Sie bleicht! Sie fällt!
(Sie unterstützen sie.)
Kurfürstin.
Führt mich auf einen Stuhl, ich will mich setzen. --Tot, sagt er; tot?
Natalie. O meine teure Mutter!
Kurfürstin. Ich will den Unglücksboten selber sprechen.
Fünfter Auftritt
Rittmeister von Mörner tritt verwundet auf, von zwei Reutern geführt.--Die Vorigen.
Kurfürstin. Was bringst du, Herold des Entsetzens, mir?
Mörner. Was diese Augen, leider, teure Frau, Zu meinem ewgen Jammer, selbst gesehn.
Kurfürstin. Wohlan! Erzähl!
Mörner. Der Kurfürst ist nicht mehr!
Natalie. O Himmel! Soll ein so ungeheurer Schlag uns treffen?
(Sie bedeckt sich das Gesicht.)
Kurfürstin. Erstatte mir Bericht, wie er gesunken! --Und wie der Blitzstrahl, der den Wandrer trifft, Die Welt noch einmal purpurn ihm erleuchtet, So laß dein Wort sein; Nacht, wenn du gesprochen, Mög über meinem Haupt zusammenschlagen.
Mörner (tritt, geführt von den beiden Reutern, vor ihr). Der Prinz von Homburg war, sobald der Feind, Gedrängt von Truchß, in seiner Stellung wankte, Auf Wrangel in die Ebne vorgerückt; Zwei Linien hatt er, mit der Reuterei, Durchbrochen schon, und auf der Flucht vernichtet, Als er auf eine Feldredoute stieß. Hier schlug so mörderischer Eisenregen Entgegen ihm, daß seine Reuterschar, Wie eine Saat, sich knickend niederlegte: Halt mußt er machen zwischen Busch und Hügeln, Um sein zerstreutes Reuterkorps zu sammeln.
Natalie (zur Kurfürstin). Geliebte! Fasse dich!
Kurfürstin. Laß, laß mich, Liebe!
Mörner. In diesem Augenblick, dem Staub entrückt, Bemerken wir den Herrn, der, bei den Fahnen Des Truchßschen Korps, dem Feind entgegenreitet; Auf einem Schimmel herrlich saß er da, Im Sonnenstrahl, die Bahn des Siegs erleuchtend. Wir alle sammeln uns, bei diesem Anblick, Auf eines Hügels Abhang, schwer besorgt, Inmitten ihn des Feuers zu erblicken: Als plötzlich jetzt der Kurfürst, Roß und Reuter, In Staub vor unsern Augen niedersinkt; Zwei Fahnenträger fielen über ihn, Und deckten ihn mit ihren Fahnen zu.
Natalie. O meine Mutter!
Erste Hofdame. Himmel!
Kurfürstin. Weiter! Weiter!
Mörner. Drauf faßt, bei diesem schreckenvollen Anblick, Schmerz, unermeßlicher, des Prinzen Herz; Dem Bären gleich, von Wut gespornt und Rache, Bricht er mit uns auf die Verschanzung los: Der Graben wird, der Erdwall, der sie deckt, Im Anlauf überflogen, die Besatzung Geworfen, auf das Feld zerstreut, vernichtet, Kanonen, Fahnen, Pauken und Standarten, Der Schweden ganzes Kriegsgepäck, erbeutet: Und hätte nicht der Brückenkopf am Rhyn Im Würgen uns gehemmt, so wäre keiner, Der an dem Herd der Väter, sagen könnte: Bei Fehrbellin sah ich den Helden fallen!
Kurfürstin. Ein Sieg, zu teu'r erkauft! Ich mag ihn nicht. Gebt mir den Preis, den er gekostet, wieder.
(Sie sinkt in Ohnmacht.)
Erste Hofdame. Hilf, Gott im Himmel! Ihre Sinne schwinden.
(Natalie weint.)
Sechster Auftritt
Der Prinz von Homburg tritt auf.--Die Vorigen.
Der Prinz von Homburg. O meine teuerste Natalie!
(Er legt ihre Hand gerührt an sein Herz.)
Natalie. So ist es wahr?
Der Prinz von Homburg. O! könnt ich sagen: nein! Könnt ich mit Blut, aus diesem treuen Herzen, Das seinige zurück ins Dasein rufen!
Natalie (trocknet sich die Tränen). Hat man denn schon die Leiche aufgefunden?
Der Prinz von Homburg. Ach, mein Geschäft, bis diesen Augenblick, War Rache nur an Wrangel; wie vermocht ich, Solch einer Sorge mich bis jetzt zu weihn? Doch eine Schar von Männern sandt ich aus, Ihn, im Gefild des Todes, aufzusuchen: Vor Nacht noch zweifelsohne trifft er ein.
Natalie. Wer wird, in diesem schauderhaften Kampf, Jetzt diese Schweden niederhalten? Wer Vor dieser Welt von Feinden uns beschirmen, Die uns sein Glück, die uns sein Ruhm erworben?
Table of contents
Inside this edition
- 01Part 1
- 02Part 2
- 03Part 3
- 04Part 4
- 05Part 5
- 06Part 6
- 07Part 7
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