
German Edition
Literature
Reigen: Zehn Dialoge
German BooksWhale Edition by Arthur Schnitzler
Zehn miteinander verbundene Dialoge zeigen erotische Begegnungen, soziale Rollen und die Widersprüche zwischen Begehren, Nähe und gesellschaftlicher Stellung.
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Book introduction
Reigen: Zehn Dialoge
Arthur Schnitzlers Reigen verbindet zehn Begegnungen zu einer geschlossenen Kette: Eine Figur aus jeder Szene tritt in der folgenden mit einem neuen Gegenüber auf. Soldat, Dienstmädchen, junger Herr, Ehefrau, Dichter und weitere Gestalten überschreiten scheinbar gesellschaftliche Grenzen. Im Wechsel von Annäherung und Ernüchterung werden Macht, Selbsttäuschung und die Sprache des Begehrens sichtbar.
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Arthur Schnitzler starb 1931. Das Werk erschien erstmals 1900. Diese Ausgabe verwendet den historischen deutschen Originaltext von Project Gutenberg ohne moderne redaktionelle Zusätze.
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Preview chapterPERSONENRead preview
DIE DIRNE
DER SOLDAT
DAS STUBENMÄDCHEN
DER JUNGE HERR
DIE JUNGE FRAU
DER EHEGATTE
DAS SÜSSE MÄDEL
DER DICHTER
DIE SCHAUSPIELERIN
DER GRAF
Preview chapterDIE DIRNE UND DER SOLDATPreview
Spät Abends. An der Augartenbrücke.
Soldat (kommt pfeifend, will nach Hause).
Dirne.
Komm, mein schöner Engel.
Soldat (wendet sich um und geht wieder weiter).
Dirne.
Willst du nicht mit mir kommen?
Soldat.
Ah, ich bin der schöne Engel?
Dirne.
Freilich, wer denn? Geh', komm' zu mir. Ich wohn' gleich in der Näh'.
Soldat.
Ich hab' keine Zeit. Ich muß in die Kasern'!
Dirne.
In die Kasern' kommst immer noch zurecht. Bei mir is besser.
Soldat (ihr nahe).
Das ist schon möglich.
Dirne.
Pst. Jeden Moment kann ein Wachmann kommen.
Soldat.
Lächerlich! Wachmann! Ich hab' auch mein Seiteng'wehr!
Dirne.
Geh', komm' mit.
Soldat.
Laß mich in Ruh'. Geld hab' ich eh kein's.
Dirne.
Ich brauch' kein Geld.
Soldat (bleibt stehen. Sie sind bei einer Laterne).
Du brauchst kein Geld? Wer bist denn du nachher?
Dirne.
Zahlen tun mir die Zivilisten. So einer wie du, kann's immer umsonst bei mir haben.
Soldat.
Du bist am End' die, von der mir der Huber erzählt hat. –
Dirne.
Ich kenn' kein' Huber nicht.
Soldat.
Du wirst schon die sein. Weißt – in dem Kaffeehaus in der Schiffgassen – von dort ist er mit dir z' Haus gangen.
Dirne.
Von dem Kaffeehaus bin ich schon mit gar vielen z' Haus gangen ... oh! oh! –
Soldat.
Also geh'n wir, geh'n wir.
Dirne.
Was, jetzt hast's eilig?
Soldat.
Na, worauf soll'n wir noch warten? Und um Zehn muß ich in der Kasern' sein.
Dirne.
Wie lang dienst denn schon?
Soldat.
Was geht denn das dich an? Wohnst weit?
Dirne.
Zehn Minuten zum geh'n.
Soldat.
Das ist mir zu weit. Gib mir ein Pussel.
Dirne (küßt ihn).
Das ist mir eh das liebste, wenn ich einen gern' hab'!
Soldat.
Mir nicht. Nein, ich geh' nicht mit dir, es ist mir zu weit.
Dirne.
Weißt was, komm' morgen am Nachmittag.
Soldat.
Gut is. Gib mir deine Adresse.
Dirne.
Aber du kommst am End' nicht.
Soldat.
Wenn ich dir's sag'!
Dirne.
Du, weißt was – wenn's dir zu weit ist heut' Abend zu mir – da ... da ... (weist auf die Donau).
Soldat.
Was ist das?
Dirne.
Da ist auch schön ruhig ... jetzt kommt kein Mensch.
Soldat.
Ah, das ist nicht das rechte.
Dirne.
Bei mir is immer das rechte. Geh', bleib' jetzt bei mir. Wer weiß, ob wir morgen noch 's Leben haben.
Soldat.
So komm' – aber g'schwind!
Dirne.
Gib obacht, da ist so dunkel. Wennst ausrutsch'st, liegst in der Donau.
Soldat.
Wär' eh das Beste.
Dirne.
Pst, so wart' nur ein bissel. Gleich kommen wir zu einer Bank.
Soldat.
Kennst dich da gut aus.
Dirne.
So einen wie dich möcht' ich zum Geliebten.
Soldat.
Ich tät' dir zu viel eifern.
Dirne.
Das möcht' ich dir schon abgewöhnen.
Soldat.
Ha –
Dirne.
Nicht so laut. Manchmal is doch, daß sich ein Wachter her verirrt. Sollt man glauben, daß wir da mitten in der Wienerstadt sind?
Soldat.
Daher komm', daher.
Dirne.
Aber was fällt dir denn ein, wenn wir da ausrutschen, liegen wir im Wasser unten.
Soldat (hat sie gepackt).
Ah, du –
Dirne.
Halt dich nur fest an.
Soldat.
Hab kein' Angst ....
Dirne.
Auf der Bank wär's schon besser gewesen.
Soldat.
Da oder da .... Na, krall' aufi.
Dirne.
Was laufst denn so –
Soldat.
Ich muß in die Kasern', ich komm' eh schon zu spät.
Dirne.
Geh', du, wie heißt denn?
Soldat.
Was interessiert dich denn das, wie ich heiß?
Dirne.
Ich heiß Leocadia.
Soldat.
Ha! – So an' Namen hab' ich auch noch nie gehört.
Dirne.
Du!
Soldat.
Na, was willst denn?
Dirne.
Geh, ein Sechserl für'n Hausmeister gib mir wenigstens! –
Soldat.
Ha!... Glaubst, ich bin deine Wurzen ... Servus! Leocadia ...
Dirne.
Strizzi! Fallott! –
(Er ist verschwunden.)
Preview chapterDER SOLDAT UND DAS STUBENMÄDCHENPreview
Prater. Sonntag Abend.
Ein Weg, der vom Wurstelprater aus in die dunkeln Alleen führt. Hier hört man noch die wirre Musik aus dem Wurstelprater; auch die Klänge vom Fünfkreuzertanz, eine ordinäre Polka, von Bläsern gespielt. Der Soldat. Das Stubenmädchen.
Stubenmädchen.
Jetzt sagen S' mir aber, warum S' durchaus schon haben fortgehen müssen.
Soldat (lacht verlegen, dumm).
Stubenmädchen.
Es ist doch so schön gewesen. Ich tanz' so gern'.
Soldat (faßt sie um die Taille).
Stubenmädchen (läßt's geschehen).
Jetzt tanzen wir ja nimmer. Warum halten S' mich so fest?
Soldat.
Wie heißen S'? Kathi?
Stubenmädchen.
Ihnen ist immer eine Kathi im Kopf.
Soldat.
Ich weiß, ich weiß schon .... Marie.
Stubenmädchen.
Sie, da ist aber dunkel. Ich krieg' so eine Angst.
Soldat.
Wenn ich bei Ihnen bin, brauchen S' Ihnen nicht zu fürchten. Gott sei Dank, mir sein mir!
Stubenmädchen.
Aber wohin kommen wir denn da? Da ist ja kein Mensch mehr. Kommen S', gehn wir zurück! – Und so dunkel!
Soldat (zieht an seiner Virginierzigarre, daß das rote Ende leuchtet).
's wird schon lichter! Haha! O, du Schatzerl!
Stubenmädchen.
Ah, was machen S' denn? Wenn ich das gewußt hätt'!
Soldat.
Also der Teufel soll mich holen, wenn eine heut' beim Swoboda mollerter gewesen ist als Sie, Fräul'n Marie.
Stubenmädchen.
Haben S' denn bei allen so probiert?
Soldat.
Was man so merkt, beim Tanzen. Da merkt man gar viel! Ha!
Stubenmädchen.
Aber mit der blonden mit dem schiefen Gesicht haben S' doch mehr 'tanzt als mit mir.
Soldat.
Das ist eine alte Bekannte von einem meinigen Freund.
Stubenmädchen.
Von dem Korporal mit dem auf'drehten Schnurrbart?
Soldat.
Ah nein, das ist der Zivilist gewesen, wissen S', der im Anfang am Tisch mit mir g'sessen ist, der so heis'rig red't.
Stubenmädchen.
Ah, ich weiß schon. Das ist ein kecker Mensch.
Soldat.
Hat er Ihnen was 'tan? Dem möcht' ich's zeigen! Was hat er Ihnen 'tan?
Stubenmädchen.
Oh nichts – ich hab nur geseh'n, wie er mit die andern ist.
Soldat.
Sagen S', Fräulein Marie ....
Stubenmädchen.
Sie werden mich verbrennen mit Ihrer Zigarrn.
Soldat.
Pahdon! – Fräul'n Marie. Sagen wir uns Du.
Stubenmädchen.
Wir sein noch nicht so gute Bekannte. –
Soldat.
Es können sich gar viele nicht leiden und sagen doch Du zueinander.
Stubenmädchen.
's nächstemal, wenn wir ... Aber, Herr Franz –
Soldat.
Sie haben sich meinen Namen g'merkt?
Stubenmädchen.
Aber, Herr Franz ....
Soldat.
Sagen S' Franz, Fräulein Marie.
Stubenmädchen.
So sein S' nicht so keck – aber pst, wenn wer kommen tät!
Soldat.
Und wenn schon einer kommen tät, man sieht ja nicht zwei Schritt weit.
Stubenmädchen.
Aber um Gotteswillen, wohin kommen wir denn da?
Soldat.
Sehn S', da sind zwei g'rad wie mir.
Stubenmädchen.
Wo denn? Ich seh' gar nichts.
Soldat.
Da ... vor uns.
Stubenmädchen.
Warum sagen S' denn: zwei wie mir? –
Soldat.
Na, ich mein' halt, die haben sich auch gern'.
Stubenmädchen.
Aber geben S' doch acht, was ist denn da, jetzt wär' ich beinah' g'fallen.
Soldat.
Ah, das ist das Gatter von der Wiesen.
Stubenmädchen.
Stoßen S' doch nicht so, ich fall' ja um.
Soldat.
Pst, nicht so laut.
Stubenmädchen.
Sie, jetzt schrei ich aber wirklich. – Aber was machen S' denn ... aber –
Soldat.
Da ist jetzt weit und breit keine Seel'.
Stubenmädchen.
So gehn wir zurück, wo Leut sein.
Soldat.
Wir brauchen keine Leut, was, Marie, wir brauchen .... dazu .... haha.
Stubenmädchen.
Aber, Herr Franz, bitt' Sie, um Gotteswillen, schaun S', wenn ich das .... gewußt .... oh .... oh .... komm!....
Soldat (selig).
Herrgott noch einmal .... ah ....
Stubenmädchen.
.... Ich kann dein G'sicht gar nicht sehn.
Soldat.
A was – G'sicht .....
Soldat.
Ja, Sie, Fräul'n Marie, da im Gras können S' nicht liegen bleiben.
Stubenmädchen.
Table of contents
Inside this edition
- 01PERSONEN
- 02DIE DIRNE UND DER SOLDAT
- 03DER SOLDAT UND DAS STUBENMÄDCHEN
- 04DAS STUBENMÄDCHEN UND DER JUNGE HERR
- 05DER JUNGE HERR UND DIE JUNGE FRAU
- 06DIE JUNGE FRAU UND DER EHEMANN
- 07DER GATTE UND DAS SÜSSE MÄDEL
- 08DAS SÜSSE MÄDEL UND DER DICHTER
- 09DER DICHTER UND DIE SCHAUSPIELERIN
- 10DIE SCHAUSPIELERIN UND DER GRAF
- 11DER GRAF UND DIE DIRNE
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