
German Edition
Literature
Romanzero
German BooksWhale Edition by Heinrich Heine
Heinrich Heines später Gedichtband verbindet historische Geschichten, persönliche Klagen und jüdische Überlieferung mit scharfer Ironie und formaler Vielfalt.
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Book introduction
Romanzero
Romanzero gliedert sich in die drei Bücher Historien, Lamentationen und Hebräische Melodien. Heinrich Heine führt historische und legendäre Gestalten vor, verbindet Krankheit und persönliche Erfahrung mit Zeitkritik und gestaltet jüdische Stoffe in wechselnden lyrischen Formen. Zwischen erzählendem Gedicht, Spott und Klage entsteht ein Band, dessen Nachwort auch die geistigen Voraussetzungen dieser späten Dichtung erläutert.
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Heinrich Heine starb 1856. Diese Ausgabe verwendet den gemeinfreien deutschen Originaltext von Project Gutenberg ohne spätere Anmerkungen und Abbildungen.
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Preview chapterErstes Buch HistorienRead preview
Wenn man an dir Verrat geübt, Sei du um so treuer; Und ist deine Seele zu Tode betrübt, So greife zur Leier.
Die Saiten klingen! Ein Heldenlied, Voll Flammen und Gluten! Da schmilzt der Zorn, und dein Gemüt Wird süß verbluten.
Preview chapterRhampsenitPreview
Als der König Rhampsenit Eintrat in die goldne Halle Seiner Tochter, lachte diese, Lachten ihre Zofen alle.
Auch die Schwarzen, die Eunuchen, Stimmten lachend ein, es lachten Selbst die Mumien, selbst die Sphinxe, Daß sie schier zu bersten dachten.
Die Prinzessin sprach: Ich glaubte Schon den Schatzdieb zu erfassen, Der hat aber einen toten Arm in meiner Hand gelassen.
Jetzt begreif ich, wie der Schatzdieb Dringt in deine Schatzhauskammern Und die Schätze dir entwendet, Trotz den Schlössern, Riegeln, Klammern.
Einen Zauberschlüssel hat er, Der erschließet allerorten Jede Türe, widerstehen Können nicht die stärksten Pforten.
Ich bin keine starke Pforte Und ich hab nicht widerstanden, Schätzehütend diese Nacht Kam ein Schätzlein mir abhanden.
So sprach lachend die Prinzessin Und sie tänzelt im Gemache, Und die Zofen und Eunuchen Hoben wieder ihre Lache.
An demselben Tag ganz Memphis Lachte, selbst die Krokodile Reckten lachend ihre Häupter Aus dem schlammig gelben Nile,
Als sie Trommelschlag vernahmen Und sie hörten an dem Ufer Folgendes Reskript verlesen Von dem Kanzelei-Ausrufer:
Rhampsenit von Gottes Gnaden König zu und in Ägypten, Wir entbieten Gruß und Freundschaft Unsern Vielgetreun und Liebden.
In der Nacht vom dritten zu dem Vierten Junius des Jahres Dreizehnhundertvierundzwanzig Vor Christi Geburt, da war es,
Daß ein Dieb aus unserm Schatzhaus Eine Menge von Juwelen Uns entwendet; es gelang ihm Uns auch später zu bestehlen.
Zur Ermittelung des Täters Ließen schlafen wir die Tochter Bei den Schätzen - doch auch jene Zu bestehlen schlau vermocht er.
Um zu steuern solchem Diebstahl Und zu gleicher Zeit dem Diebe Unsre Sympathie zu zeigen, Unsre Ehrfurcht, unsre Liebe,
Wollen wir ihm zur Gemahlin Unsre einzge Tochter geben Und ihn auch als Thronnachfolger In den Fürstenstand erheben.
Sintemal uns die Adresse Unsres Eidams noch zur Stunde Unbekannt, soll dies Reskript ihm Bringen Unsrer Gnade Kunde.
So geschehn den dritten Jenner Dreizehnhundert zwanzig sechs Vor Christi Geburt. - Signieret Von Uns: Rhampsenitus Rex.
Rhampsenit hat Wort gehalten, Nahm den Dieb zum Schwiegersohne, Und nach seinem Tode erbte Auch der Dieb Ägyptens Krone.
Er regierte wie die Andern, Schützte Handel und Talente; Wenig, heißt es, ward gestohlen Unter seinem Regimente.
Preview chapterDer weiße ElefantPreview
Der König von Siam, Mahawasant, Beherrscht das halbe Indienland, Zwölf Könge, der große Mogul sogar, Sind seinem Szepter tributar.
Alljährlich mit Trommeln,"Posauneo und Falnen Ziehen nach Siam die Zinskarawanen; Viel tausend Kamele, hochberuckte, Schleppen die kostbarsten Landesprodukte.
Sieht er die schwerbepackten Kamele, So schmunzelt heimlich des Königs Seele; Öffentlich freilich pflegt er zu jammern, Es fehle an Raum in seinen Schatzkammern.
Doch diese Schatzkammern sind so weit, So groß und voller Herrlichkeit; Hier überflügelt der Wirklichkeit Pracht Die Märchen von Tausend und Eine Nacht.
»Die Burg des Indra« heißt die Halle, Wo aufgestellt die Götter alle, Bildsäulen von Gold, fein ziselieret, Mit Edelsteinen inkrustieret.
Sind an der Zahl wohl dreißig Tausend, Figuren abenteuerlich grausend, Mischlinge von Menschen- und Tiergeschöpfen, Mit vielen Händen und vielen Köpfen.
Im »Purpursaale« sieht man verwundert Korallenbäume dreizehnhundert, Wie Palmen groß, seltsamer Gestalt, Geschnörkelt die Äste, ein roter Wald.
Das Estrich ist vom reinsten Kristalle Und widerspiegelt die Bäume alle. Fasanen vom buntesten Glanzgefieder Gehn gravitätisch dort auf und nieder.
Der Lieblingsaffe des Mahawasant Trägt an dem Hals ein seidenes Band, Dran hängt der Schlüssel, welcher erschleußt Die Halle, die man den Schlafsaal heißt.
Die Edelsteine vom höchsten Wert Die liegen wie Erbsen hier auf der Erd Hochaufgeschüttet; man findet dabei Diamanten so groß wie ein Hühnerei.
Auf grauen, mit Perlen gefüllten Säcken Pflegt hier der König sich hinzustrecken; Der Affe legt sich zum Monarchen, Und beide schlafen ein und schnarchen.
Das Kostbarste aber von allen Schätzen Des Königs, sein Glück, sein Seelenergötzen, Die Lust und der Stolz von Mahawasant, Das ist sein weißer Elefant.
Als Wohnung für diesen erhabenen Gast Ließ bauen der König den schönsten Palast; Es wird das Dach, mit Goldblech beschlagen, Von lotosknäufigen Säulen getragen.
Am Tore stehen dreihundert Trabanten Als Ehrenwache des Elefanten, Und knieend, mit gekrümmtem Rucken, Bedienen ihn hundert schwarze Eunucken.
Man bringt auf einer güldnen Schüssel Die leckersten Bissen für seinen Rüssel; Er schlürft aus silbernen Eimern den Wein, Gewürzt mit den süßesten Spezerein.
Man salbt ihn mit Ambra und Rosenessenzen, Man schmückt sein Haupt mit Blumenkränzen; Als Fußdecke dienen dem edlen Tier Die kostbarsten Schals aus Kaschimir.
Das glücklichste Leben ist ihm beschieden, Doch Niemand auf Erden ist zufrieden. Das edle Tier, man weiß nicht wie, Versinkt in tiefe Melancholie.
Der weiße Melancholikus Steht traurig mitten im Überfluß. Man will ihn ermuntern, man will ihn erheitern, Jedoch die klügsten Versuche scheitern.
Vergebens kommen mit Springen und Singen Die Bajaderen; vergebens erklingen Die Zinken und Pauken der Musikanten, Doch nichts erlustigt den Elefanten.
Da täglich sich der Zustand verschlimmert, Wird Mahawasantes Herz bekümmert; Er läßt vor seines Thrones Stufen Den klügsten Astrologen rufen.
»Sterngucker, ich laß dir das Haupt abschlagen«, Herrscht er ihn an, »kannst du mir nicht sagen, Was meinem Elefanten fehle, Warum so verdüstert seine Seele?«
Doch jener wirft sich dreimal zur Erde, Und endlich spricht er mit ernster Gebärde: »O König, ich will dir die Wahrheit verkünden, Du kannst dann handeln nach Gutbefinden.
»Es lebt im Norden ein schönes Weib Von hohem Wuchs und weißem Leib, Dein Elefant ist herrlich, unleugbar, Doch ist er nicht mit ihr vergleichbar.
»Mit ihr verglichen, erscheint er nur Ein weißes Mäuschen. Es mahnt die Statur An Bimha, die Riesin, im Ramajana, Und an der Epheser große Diana.
»Wie sich die Gliedermassen wölben Zum schönsten Bau! Es tragen dieselben Anmutig und stolz zwei hohe Pilaster Von blendend weißem Alabaster.
»Das ist Gott Amors kolossale Domkirche, der Liebe Kathedrale; Als Lampe brennt im Tabernakel Ein Herz, das ohne Falsch und Makel.
Table of contents
Inside this edition
- 01Erstes Buch Historien
- 02Rhampsenit
- 03Der weiße Elefant
- 04Schelm von Bergen
- 05Valkyren
- 06Schlachtfeld bei Hastings
- 07Maria Antoinette
- 08Pomare
- 09I
- 10II
- 11III
- 12IV
- 13Der Apollogott
- 14I
- 15II
- 16III
- 17Kleines Volk
- 18Zwei Ritter
- 19Das goldne Kalb
- 20König David
- 21König Richard
- 22Der Asra
- 23Himmelsbräute
- 24Pfalzgräfin Jutta
- 25Der Mohrenkönig
- 26Geoffroy Rudèl und Melisande von Tripoli
- 27Der Dichter Firdusi
- 28I
- 29II
- 30III
- 31Nächtliche Fahrt
- 32Vitzliputzli
- 33Präludium
- 34I
- 35II
- 36III
- 37Zweites Buch Lamentationen
- 38Waldeinsamkeit
- 39Spanische Atriden
- 40Der Ex-Lebendige
- 41Der Ex-Nachtwächter
- 42Plateniden
- 43Mythologie
- 44In Mathildens Stammbuch
- 45An die Jungen
- 46Der Ungläubige
- 47K.-Jammer
- 48Zum Hausfrieden
- 49Altes Lied
- 50Solidität
- 51Alte Rose
- 52Auto-da-fé
- 53Lazarus
- 54I. Weltlauf
- 55II. Rückschau
- 56III. Auferstehung
- 57IV. Sterbende
- 58V. Lumpentum
- 59VI. Erinnerung
- 60VII. Unvollkommenheit
- 61VIII. Fromme Warnung
- 62IX. Der Abgekühlte
- 63X. Salomo
- 64XI. Verlorene Wünsche
- 65XII. Gedächtnisfeier
- 66XIII. Wiedersehen
- 67XIV. Frau Sorge
- 68XV. An die Engel
- 69XVI. Im Oktober 1849
- 70XVII. Böses Geträume
- 71XVIII. Sie erlischt
- 72XIX. Vermächtnis
- 73XX. Enfant perdu
- 74Drittes Buch Hebräische Melodien
- 75Prinzessin Sabbath
- 76Jehuda ben Halevy
- 77I
- 78II
- 79III
- 80IV
- 81Disputation
- 82Nachwort zum »Romanzero«
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