
German Edition
Philosophy
Versuch einer Kritik aller Offenbarung
German BooksWhale Edition by Johann Gottlieb Fichte
Fichte untersucht Offenbarung, Vernunftglauben und moralische Religion anhand systematisch entwickelter Kriterien für einen göttlichen Offenbarungsanspruch.
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Book introduction
Versuch einer Kritik aller Offenbarung
Johann Gottlieb Fichte fragt, unter welchen Bedingungen eine Offenbarung mit der praktischen Vernunft vereinbar sein könnte. Die Untersuchung entwickelt eine Theorie des Willens, unterscheidet natürliche und geoffenbarte Religion und prüft Inhalt und Darstellung eines Offenbarungsanspruchs. Diese deutsche Ausgabe folgt dem erweiterten Text mit den Vorreden und der abschließenden Erörterung des Vernunftglaubens.
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Johann Gottlieb Fichte starb 1814. Diese Ausgabe verwendet den gemeinfreien deutschen Originaltext aus Project Gutenberg; spätere Herausgebertexte und gesonderte Anmerkungen sind nicht enthalten.
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Dem
Herrn Ober-Hof-Prediger
D. Franz Volkmar Reinhard
als ein reines Opfer
der freisten Verehrung
vom Verfasser.
Verehrungswürdigster Mann,
Nicht meine eigne Meinung von dieser Schrift, sondern das vortheilhafte Urtheil würdiger Männer über sie, machte mich so kühn, ihr in dieser zweiten Auflage jene für sie so ehrenvolle Bestimmung zu geben.
So wenig mir es zukommt, vor dem Publikum Ihre Verdienste zu rühmen, so wenig würde Ihnen es möglich seyn, selbst von einem würdigern, das anzuhören: das größte Verdienst war immer das bescheidenste.
Doch erlaubt selbst die Gottheit ihren vernünftigen Geschöpfen, die Empfindungen ihrer Verehrung und Liebe gegen sie in Worte ausströmen zu lassen, um das Bedürfniß ihres vollen Herzens zu befriedigen, und der gute Mensch versagt es gewiß nicht dem Menschen.
Gewiß nehmen Sie also die aus der gleichen Quelle fließende Versicherung ähnlicher Empfindungen gütig auf von
Eurer Hochwürdigen Magnificenz
innigstem Verehrer Johann Gottlieb Fichte.
Preview chapterVORREDE ZUR ERSTEN AUFLAGE.Preview
Dieser Aufsatz heißt ein Versuch, nicht als ob man überhaupt bei Untersuchungen der Art blind herumtappen und nach Grund fühlen müsse, und nie ein sicheres Resultat finden könne; sondern darum, weil ich mir noch nicht die Reife zutrauen darf, die dazu gehören würde, dies sichere Resultat hinzustellen. Wenigstens war diese Schrift ihrer ersten Bestimmung nach nicht für die Presse; verehrungswürdige Männer beurtheilten sie gütig, und sie waren es, die mir den ersten Gedanken, sie dem Publikum vorzulegen, gaben.
Hier ist sie. Stil und Einkleidung sind meine Sache; der Tadel oder die Verachtung, die diese trift, trift nur mich, und das ist wenig. Das Resultat ist Angelegenheit der Wahrheit, und das ist mehr. Dieses muß einer strengen, aber sorgfältigen, und unpartheiischen Prüfung unterworfen werden. Ich wenigstens verfuhr unparteiisch.
Ich kann geirrt haben, und es wäre ein Wunder, wenn ich es nicht hätte. Welchen Ton der Zurechtweisung ich verdiene, entscheide das Publikum.
Jede Berichtigung, in welchem Tone sie auch abgefaßt sey, werde ich dankbar anerkennen; jedem Einwurfe, der mir der Sache der Wahrheit zuwider scheint, begegnen, so gut ich kann. Ihr, der Wahrheit, weihe ich mich feierlich, bei meinem ersten Eintritte in's Publikum. Ohne Rücksicht auf Parthei, oder auf eigne Ehre, werde ich immer dafür anerkennen, was ich dafür halte, es komme, woher es wolle, und nie dafür anerkennen, was ich nicht dafür halte. — Das Publikum verzeihe es mir, dieses erste und einzige mal vor ihm von mir gesprochen zu haben. Ihm kann diese Versicherung sehr unwichtig seyn; aber mir war es wichtig für mich selbst, dasselbe zum Zeugen meines feierlichen Gelübdes zu nehmen.
Königsberg, im December 1791.
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Auch nach dieser zweiten Ausgabe bleibt gegenwärtige Schrift noch immer ein Versuch; so unangenehm es mir auch war, mich der gütigen Meinung, die ein verehrungswürdiger Theil des Publikums etwa von ihrem Verfasser gefaßt haben könnte, nur aus einer großen Entfernung anzunähern. So fest auch meines Erachtens noch die Kritik der Offenbarung auf dem Boden der praktischen Philosophie als ein einzelnes Nebengebäude stehet; so kommt sie doch erst durch eine kritische Untersuchung der ganzen Familie, wozu jener Begriff gehört, und welche ich die der Reflexions-Ideen nennen möchte, mit dem ganzen Gebäude in Verbindung, und wird erst dadurch unzertrennlich mit ihm vereiniget.
Diese Kritik der Reflexions-Ideen war es, welche ich lieber, als eine zweite Ausgabe der gegenwärtigen Schrift hätte geben mögen, wenn meine Muße hingereicht hätte, mehr zu leisten, als ich wirklich geleistet habe. Jedoch werde ich, ohne Anstand, zur Bearbeitung der dafür gesammelten Materialien schreiten, und dann wird diese Schrift eine weitere Auseinandersetzung eines dort nur kurz zu behandelnden Theils jener Kritik seyn.
Was ich in dieser zweiten Ausgabe hinzugefügt, oder geändert habe, und warum — wird hoffentlich jeder Kenner selbst bemerken. Einige Erinnerungen, worunter ich deren in den Göttingischen gelehrten Anzeigen mit Achtung erwähne, kamen mir zu spät zu Gesicht, als daß ich ausdrücklich auf sie hätte Rücksicht nehmen können. Da sie jedoch nicht mein Verfahren im Ganzen treffen, sondern durch eine weitläuftigere Erläuterung einzelner Resultate zu heben sind, so hoffe ich in der künftigen Kritik der Reflexions-Ideen den würdigen Recensenten völlig zu befriedigen.
Noch bin ich eine nähere Bestimmung des in der ersten Vorrede gegebnen Versprechens, mich auf jeden mir ungegründet scheinenden Einwurf gegen diese Kritik einzulassen, dem Publikum schuldig. — Ich konnte dieses Versprechen nur in dem Sinne geben, insofern es mir scheinen würde, daß die Wahrheit selbst, oder ihre Darstellung durch Erörterung der Einwürfe gewinnen könnte; und dieser Zweck scheint mir auf keine würdigere Art erreicht werden zu können, als wenn ich in meinen künftigen Arbeiten auf Einwürfe gegen das, was ich wirklich behaupte, oder zu behaupten scheine — nicht aber etwa gegen das, was ich ausdrücklich läugne — da, wo ich den Urheber derselben nicht mit der größten Hochachtung nennen könnte, nur stillschweigend Rücksicht nehme.
Zur Jubilate-Messe 1793.
Table of contents
Inside this edition
- 01Widmung
- 02VORREDE ZUR ERSTEN AUFLAGE.
- 03VORREDE ZUR ZWEITEN AUFLAGE.
- 04§. 1. EINLEITUNG.
- 05§. 2. Theorie des Willens, als Vorbereitung einer Deduction der Religion überhaupt.
- 06I.
- 07II.
- 08III.
- 09§. 3. Deduction der Religion überhaupt.
- 10§. 4. Eintheilung der Religion überhaupt, in die natürliche und geoffenbarte.
- 11§. 5. Formale Erörterung des Offenbarungsbegriffs, als Vorbereitung einer materialen Erörterung desselben.
- 12§. 6. Materiale Erörterung des Offenbarungsbegriffs, als Vorbereitung einer Deduktion desselben.
- 13§. 7. Deduktion des Begriffs der Offenbarung von Principien der reinen Vernunft a priori.
- 14§. 8. Von der Möglichkeit des im Begriffe der Offenbarung vorausgesetzten empirischen Datum.
- 15§. 9. Von der physischen Möglichkeit einer Offenbarung.
- 16§. 10. Kriterien der Göttlichkeit einer Offenbarung ihrer Form nach.
- 17§. 11. Kriterien der Göttlichkeit einer Offenbarung in Absicht ihres möglichen Inhalts (materiae revelationis).
- 18§. 12. Kriterien der Göttlichkeit einer Offenbarung in Absicht der möglichen Darstellung dieses Inhalts.
- 19§. 13. Systematische Ordnung dieser Kriterien.
- 20§. 14. Von der Möglichkeit, eine gegebne Erscheinung für göttliche Offenbarung aufzunehmen.
- 21§. 15. Allgemeine Übersicht dieser Kritik.
- 22SCHLUSSANMERKUNG.
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