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German Edition

Literature

Wilhelm Meisters Wanderjahre

German BooksWhale Edition by Johann Wolfgang von Goethe

Ein gemeinfreier Klassiker über Bildung, Wanderschaft, Entsagung, Arbeit, Gesellschaft und späte Goethezeit.

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Book introduction

Wilhelm Meisters Wanderjahre

Wilhelm Meisters Wanderjahre von Johann Wolfgang von Goethe gehört zu den wichtigen deutschsprachigen Werken für Leserinnen und Leser mit Interesse an Bildung, Wanderschaft, Entsagung, Arbeit, Gesellschaft und späte Goethezeit. Diese deutsche Ausgabe bietet den gemeinfreien Originaltext in einer klaren BooksWhale-Fassung für Online-Lektüre, EPUB und PDF.

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Wilhelm Meisters Wanderjahre erschien erstmals 1821. Diese Ausgabe verwendet den gemeinfreien deutschen Originaltext; Veröffentlichungsjahr und Schutzfrist sprechen für die Gemeinfreiheit.

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Wilhelm Meisters Wanderjahre

Johann Wolfgang von Goethe

Preview chapterTeil 1Preview

Erstes Buch Erstes Kapitel Erstes Kapitel Die Flucht nach Ägypten Im Schatten eines mächtigen Felsen saß Wilhelm an grauser , bedeutender Stelle , wo sich der steile Gebirgsweg um eine Ecke herum schnell nach der Tiefe wendete .

Die Sonne stand noch hoch und erleuchtete die Gipfel der Fichten in den Felsengründen zu seinen Füßen .

Er bemerkte eben etwas in seine Schreibtafel , als Felix , der umhergeklettert war , mit einem Stein in der Hand zu ihm kam .

" Wie nennt man diesen Stein , Vater ? " sagte der Knabe .

" Ich weiß nicht " , versetzte Wilhelm .

" Ist das wohl Gold , was darin so glänzt ? " sagte jener .

" Es ist keins ! " versetzte dieser , " und ich erinnere mich , daß es die Leute Katzengold nennen . "

" Katzengold ! " sagte der Knabe lächelnd , " und warum ? "

" Wahrscheinlich weil es falsch ist und man die Katzen auch für falsch hält . "

" Das will ich mir merken " , sagte der Sohn und steckte den Stein in die lederne Reisetasche , brachte jedoch sogleich etwas anders hervor und fragte :

" Was ist das ? "

- " Eine Frucht " , versetzte der Vater , " und nach den Schuppen zu urteilen , sollte sie mit den Tannenzapfen verwandt sein . "

- " Das sieht nicht aus wie ein Zapfen , es ist ja rund . "

- " Wir wollen den Jäger fragen ; die kennen den ganzen Wald und alle Früchte , wissen zu säen , zu pflanzen und zu warten , dann lassen sie die Stämme wachsen und groß werden , wie sie können . "

- " Die Jäger wissen alles ; gestern zeigte mir der Bote , wie ein Hirsch über den Weg gegangen sei , er rief mich zurück und ließ mich die Fährte bemerken , wie er es nannte ; ich war darüber weggesprungen , nun aber sah ich deutlich ein paar Klauen eingedrückt ; es mag ein großer Hirsch gewesen sein . "

- " Ich hörte wohl , wie du den Boten ausfragtest . "

- " Der wußte viel und ist doch kein Jäger .

Ich aber will ein Jäger werden .

Es ist gar zu schön , den ganzen Tag im Walde zu sein und die Vögel zu hören , zu wissen , wie sie heißen , wo ihre Nester sind , wie man die Eier aushebt oder die Jungen , wie man sie füttert und wenn man die Alten fängt : das ist gar zu lustig . "

Kaum war dieses gesprochen , so zeigte sich den schroffen Weg herab eine sonderbare Erscheinung .

Zwei Knaben , schön wie der Tag , in farbigen Jäckchen , die man eher für aufgebundene Hemdchen gehalten hätte , sprangen einer nach dem anderen herunter , und Wilhelm fand Gelegenheit , sie näher zu betrachten , als sie vor ihm stutzten und einen Augen Blick stillhielten .

Um des ältesten Haupt bewegten sich reiche blonde Locken , auf welche man zuerst blicken mußte , wenn man ihn sah , und dann zogen seine klarblauen Augen den Blick an sich , der sich mit Gefallen über seine schöne Gestalt verlor .

Der zweite , mehr einen Freund als einen Bruder vorstellend , war mit braunen und schlichten Haaren geziert , die ihm über die Schultern herabhingen und wovon der Widerschein sich in seinen Augen zu spiegeln schien .

Wilhelm hatte nicht Zeit , diese beiden sonderbaren und in der Wildnis ganz unerwarteten Wesen näher zu betrachten , indem er eine männliche Stimme vernahm , welche um die Felsecke herum ernst , aber freundlich herabrief :

" Warum steht ihr stille ? versperrt uns den Weg nicht ! "

Wilhelm sah aufwärts , und hatten ihn die Kinder in Verwunderung gesetzt , so erfüllte ihn das , was ihm jetzt zu Augen kam , mit Erstaunen .

Ein derber , tüchtiger , nicht allzu großer junger Mann , leicht geschürzt , von brauner Haut und schwarzen Haaren , trat kräftig und sorgfältig den Felsweg herab , indem er hinter sich einen Esel führte , der erst sein wohlgenährtes und wohlgeputztes Haupt zeigte , dann aber die schöne Last , die er trug , sehen ließ .

Ein sanftes , liebenswürdiges Weib saß auf einem großen , wohlbeschlagenen Sattel ; in einem blauen Mantel , der sie umgab , hielt sie ein Wochenkind , das sie an ihre Brust drückte und mit unbeschreiblicher Lieblichkeit betrachtete .

Preview chapterTeil 2Preview

Noch weiß ich mir den kleinsten Umstand zurückzurufen , womit ich Euch jedoch , wie billig , verschone .

Wochen gingen vorüber ; Maria hatte sich erholt , ich konnte sie öfter sehen , mein Umgang mit ihr war eine Folge von Diensten und Aufmerksamkeiten .

Ihre Familienverhältnisse erlaubten ihr einen Wohnort nach Belieben .

Erst verweilte sie bei Frau Elisabeth ; dann besuchte sie uns , meiner Mutter und mir für so vielen und freundlichen Beistand zu danken .

Sie gefiel sich bei uns , und ich schmeichelte mir , es geschehe zum Teil um meinetwillen .

Was ich jedoch so gern gesagt hätte und nicht zu sagen wagte , kam auf eine sonderbare und liebliche Weise zur Sprache , als ich sie in die Kapelle führte , die ich schon damals zu einem wohnbaren Saal umgeschaffen hatte .

Ich zeigte und erklärte ihr die Bilder , eins nach dem anderen , und entwickelte dabei die Pflichten eines Pflegevaters auf eine so lebendige und herzliche Weise , daß ihr die Tränen in die Augen traten und ich mit meiner Bilderdeutung nicht zu Ende kommen konnte .

Ich glaubte ihrer Neigung gewiß zu sein , ob ich gleich nicht stolz genug war , das Andenken ihres Mannes so schnell auslöschen zu wollen .

Das Gesetz verpflichtet die Witwen zu einem Trauerjahre , und gewiß ist eine solche Epoche , die den Wechsel aller irdischen Dinge in sich begreift , einem fühlenden Herzen nötig , um die schmerzlichen Eindrücke eines großen Verlustes zu milderen .

Man sieht die Blumen welken und die Blätter fallen , aber man sieht auch Früchte reifen und neue Knospen keimen .

Das Leben gehört den Lebendigen an , und wer lebt , muß auf Wechsel gefaßt sein .

Ich sprach nun mit meiner Mutter über die Angelegenheit , die mir so sehr am Herzen lag .

Sie entdeckte mir darauf , wie schmerzlich Marie der Tod ihres Mannes gewesen und wie sie sich ganz allein durch den Gedanken , daß sie für das Kind leben müsse , wieder aufgerichtet habe .

Meine Neigung war den Frauen nicht unbekannt geblieben , und schon hatte sich Marie an die Vorstellung gewöhnt , mit uns zu leben .

Sie verweilte noch eine Zeitlang in der Nachbarschaft ; dann zog sie zu uns herauf , und wir lebten noch eine Weile in dem frommsten und glücklichsten Brautstande .

Endlich verbanden wir uns .

Jenes erste Gefühl , das uns zusammengeführt hatte , verlor sich nicht .

Die Pflichten und Freuden des Pflegevaters und Vaters vereinigten sich ; und so überschritt zwar unsere kleine Familie , indem sie sich vermehrte , ihr Vorbild an Zahl der Personen , aber die Tugenden jenes Musterbildes an Treue und Reinheit der Gesinnungen wurden von uns heilig bewahrt und geübt .

Und so erhalten wir auch mit freundlicher Gewohnheit den äußeren Schein , zu dem wir zufällig gelangt und der so gut zu unserem Inneren paßt :

denn ob wir gleich alle gute Fußgänger und rüstige Träger sind , so bleibt das lastbare Tier doch immer in unserer Gesellschaft , um eine oder die andere Bürde fortzubringen , wenn uns ein Geschäft oder Besuch durch diese Berge und Täler nötigt .

Wie Ihr uns gestern angetroffen habt , so kennt uns die ganze Gegend , und wir sind stolz darauf , daß unser Wandel von der Art ist , um jenen heiligen Namen und Gestalten , zu deren Nachahmung wir uns bekennen , keine Schande zu machen . "

Drittes Kapitel Drittes Kapitel Wilhelm an Natalie Soeben schließe ich eine angenehme , halb wunderbare Geschichte , die ich für dich aus dem Munde eines gar wackeren Mannes aufgeschrieben habe .

Wenn es nicht ganz seine Worte sind , wenn ich hie und da meine Gesinnungen bei Gelegenheit der seinigen ausgedrückt habe , so war es bei der Verwandtschaft , die ich hier mit ihm fühlte , ganz natürlich .

Jene Verehrung seines Weibes , gleicht sie nicht derjenigen , die ich für dich empfinde ? und hat nicht selbst das Zusammentreffen dieser beiden Liebenden etwas Ähnliches mit dem unsrigen ?

Daß er aber glücklich genug ist , neben dem Tiere herzugehen , das die doppelt schöne Bürde trägt , daß er mit seinem Familienzug abends in das alte Klostertor eindringen kann , daß er unzertrennlich von seiner Geliebten , von den Seinigen ist , darüber darf ich ihn wohl im stillen beneiden .

Table of contents

Inside this edition

  1. 01Full text
  2. 02Teil 1
  3. 03Teil 2
  4. 04Teil 3
  5. 05Teil 4
  6. 06Teil 5
  7. 07Teil 6
  8. 08Teil 7
  9. 09Teil 8
  10. 10Teil 9
  11. 11Teil 10
  12. 12Teil 11
  13. 13Teil 12
  14. 14Teil 13
  15. 15Teil 14
  16. 16Teil 15
  17. 17Teil 16
  18. 18Teil 17
  19. 19Teil 18
  20. 20Teil 19
  21. 21Teil 20

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