tedesco Edizione
Letteratura
Agnes Bernauer
Edizione BooksWhale in tedesco di Friedrich Hebbel
Ein historisches Drama über Liebe, Stand, Staatsräson und den tödlichen Konflikt zwischen Gefühl und Macht.
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Introduzione al libro
Agnes Bernauer
Agnes Bernauer gestaltet den Konflikt zwischen persönlicher Liebe und dynastischer Ordnung. Hebbel macht aus dem historischen Stoff ein Drama über Standesgrenzen, politische Gewalt, Rechtfertigung von Macht und das Opfer einer einzelnen Frau.
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Friedrich Hebbel starb 1863, und Agnes Bernauer wurde 1852 veröffentlicht; diese Daten stützen die Gemeinfreiheit des deutschen Originaltexts.
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Capitolo in anteprimaPart 1Leggi anteprima
Agnes Bernauer
Friedrich Hebbel
Ein deutsches Trauerspiel in fünf Aufzügen
Personen:
Ernst, regierender Herzog zu München-Bayern
Albrecht, sein Sohn
Hans von Preising, sein Kanzler
Marschall von Pappenheim, Ignaz von Seyboltstorf, Wolfram von Pienzenau und Otto von Bern, Ritter auf der Seite des Herzogs Ernst
Graf Törring, Nothhafft von Wernberg und Rolf von Frauenhoven, Ritter auf der Seite des Herzogs Albrecht
Hans von Läubelfing, ein Ritter von Ingolstadt
Emeran Nusperger zu Kalmperg, Richter zu Straubing
Caspar Bernauer, Bader und Chirurgus zu Augsburg
Agnes, seine Tochter
Theobald, sein Geselle
Knippeldollinger, sein Gevatter
Hermann Nördlinger, Bürgermeister zu Augsburg
Barbara und Martha, Bürgermädchen
Stachus, ein Diener
Der Kastellan auf Vohburg und Straubing
Ein Herold des Reichs
Ein Legat der Kirche
Volk, Ritter und Reisige in großen Massen
Die Handlung ereignet sich zwischen 1420 und 1430.
Erster Akt Zweiter Akt Dritter Akt Vierter Akt Fünfter Akt
Erster Akt
Augsburg.
Erste Szene
Baderstube.
Theobald (allein, einen Blumenstrauß in der Hand). Ich weiß nicht, was ich tun soll. (Er hält den Blumenstrauß empor.) Zertret ich dich? Um die schönen Rosen wär's schade, die sind unschuldig! Oder überreich ich dich? Nein, gewiß nicht, und das hätt' ich ihm gleich gesagt, dem Herrn Ungetreu, der zu glauben scheint, daß ich keine Augen habe, und kein Herz, und kein Blut, wenn--ja, das war's ja! Ich wollte sie prüfen! Da kommt sie! Mit dem Morgensüppchen des Vaters! Oh, wie das schmecken muß! Wenn die für mich einmal kochte, ich--(Verbirgt den Strauß.)
Zweite Szene
Agnes (tritt ein mit einer Suppe). Guten Morgen, Theobald!
Theobald. Danke schön, Jungfer, danke schön! Wohl geschlafen?
Agnes. So sollt' ich Euch fragen! Ihr werdet oft herausgeklopft, wenn sie gerauft haben, und ein Pflaster brauchen.
Theobald. Das bemerkt Ihr? (Für sich.) Ich geb ihr den Strauß und bestelle alles! Wenn sie dann ein Gesicht macht und pfui sagt und mich anfährt: dazu gibst du dich herAgnes. Was verbergt Ihr denn hinter dem Rücken?
Theobald (zeigt den Strauß). Ja so, das hätt' ich bald vergessen!
Agnes. Ah, der ist schön! Gebt ihn mal her! (Sie riecht.) Wenn wir doch auch einen Garten hätten! Wessen Namensfest ist denn heute? (Sie will ihn zurückgeben.)
Theobald. Behüte, er gehört Euch!
Agnes. Mir? Oh, da dank ich! Aber da geht's mit Eurem alten Ohm wohl bald zu Ende?
Theobald. Mit meinem Ohm?
Agnes. Nun ja, weil er seine Blumen zu verschenken anfängt, das pflegt ein Gärtner nicht zu tun, und gekauft habt Ihr sie doch gewiß nicht?
Theobald. Er ist nicht von mir!
Agnes. Nicht von Euch? Von wem denn?
Theobald. Ratet!
Agnes. Von--Nein, Barbara kann's nicht sein, die sieht mich nicht mehr an, ich weiß zwar nicht, warum.
Theobald. Es ist keine Sie!
Agnes. Keine Sie? Und Ihr seid's auch nicht? (Sie legt den Strauß auf den Tisch.)
Theobald. Gottlob, ihr fällt sonst niemand ein!
Agnes. Aber, da muß ich Euch doch fragenTheobald. Scheltet nur! Ich wollt's bloß wissen!
Agnes. Was?
Theobald. Ob Ihr vielleicht in der Kirche nach ihm geblinzelt, oder ihm wohl gar bei einem Tanze die Hand gedrückt hättet!
Agnes. Wem denn?
Theobald. Es ist schon gut, wenn Ihr nicht von selbst auf ihn kommt! (Er nimmt den Strauß.) Ha, unserer alten Gertrud will ich ihn jetzt verehren, die soll ihn an die platte Brust stecken, wenn sie auf den Markt humpelt, und sich mit einem Knicks bedanken, wenn sie sich an dem Hause vorbeischiebt! (Er springt.) Ich könnte jetzt--(Er singt.)
Wenn zwei sich die Hände gebenJungfer, es ist ein schönes Lied! (Singt wieder.)
Und wer ein guter Geselle ist, Der wird wohl auch ein Meister!
Oder ist das nicht wahr?
Agnes. Ihr seid zu früh lustig! Spät am Abend ist besser, als früh am Morgen.
Capitolo in anteprimaPart 2Anteprima
Albrecht. Ich wollte, die ganze Stadt wäre da!
Bürgermeister. Empfehle mich zu Gnaden! (Ab.)
Vierzehnte Szene
Albrecht (zu Frauenhoven). Und nun, du lieber, lieber Herzensfreund, schnell, schnell! Oder besser: ihr alle! Du die eine Straße hinunter, du die andere, du die dritte!
Frauenhoven. Ihr gabt mir heut morgen den Auftrag, dem Werdenberg nachzureiten! Er hat Euch Eure Braut, die Gräfin von Württemberg, entführt, wißt Ihr's noch?
Albrecht. Nenne sie nicht mehr!
Nothhafft von Wernberg. Ja, und ich sollte dem Württemberger die Schlüssel von Göppingen abfordern, weil die Heirat durch die Flucht seiner Tochter unmöglich geworden sei, und also das Reugeld herausgezahlt werden müsse!
Törring. Und ich sollte nach München zu Hof und Eurem Vater beides melden!
Albrecht. Das ist vorbei, das ist, als ob's nie gewesen wäre! Ich jauchze, daß Elisabeth eine Kette zerbrochen hat, die ich sonst selbst zerbrochen haben würde. Ich will nicht einen Dachziegel von Göppingen oder einen Pfenning zur Auslösung, denn ich könnte mir das Leben, das Atemholen, ebensogut bezahlen lassen, wie meine neue Freiheit, und was meinen Vater betrifft, so steht mir seit lange eine Bitte an ihn zu, und das soll die sein: daß er es ganz so verhalten möge, wie ich!
Törring. Dieser Wechsel ist rasch!
Nothhafft von Wernberg. Und kostet Bayern fünfundzwanzigtausend Gulden!
Albrecht. Ich kenn euch nicht mehr! Knapp', schäl mich ab, ich will selbst fort, und in diesem Aufzug schlepp ich einen Schweif von Hunderten hinter mir her.
Ein Knappe (entkleidet den Herzog des Panzerhemdes usw.).
Albrecht. Da liegt der Herzog!--Habt ihr Augen? (Schnallt sein Schwert ab.) Und da der Ritter! Blumen her, daß ich sie vor ihr ausstreuen kann, wo ich sie finde! (Setzt ein Barett auf.) Wird mich nun noch jemand erkennen?
Törring. Ohne Schwert? Jeder wird sich zu täuschen glauben!
Albrecht (indem er abgeht). Freunde, habt Geduld mit mir! (Ab.)
Törring. Begreift ihr das?
Nothhafft von Wernberg. Herzog Ernst wird Augen machen! Der besinnt sich etwas länger, wenn sich's um den Verlust von fünfundzwanzigtausend Gulden handelt.
Frauenhoven. Brüder, richten wir nicht, daß wir nicht gerichtet werden! Das haben wir alle entweder hinter uns oder vor uns. Wenn ihr's noch nicht wißt, so seht ihr's jetzt, warum unsre Altvordern für das Weib den Namen Mannrausch erfanden! Doch diesen Rausch vertreibt man durchs Trinken, wie den andern durch Enthaltsamkeit; je tiefer der Zug, je rascher die Nüchternheit! Darum müssen wir ihm beistehen!
Nothhafft von Wernberg. Aber die absonderlichen Reden wollen wir uns merken, wir können sie einmal wieder ausspielen, sei's auch nur, um uns selbst unsrer Haut gegen ihn zu wehren. "Habt ihr Augen?--Blumen her!--Ich kenn euch nicht mehr!" Damit belad ich meinen Esel. Sammelt ihr auf, was heut abend abfällt, denn ohne Zweifel trifft der neue Adam seine Eva beim Tanz. Vielleicht ist's der Engel von Augsburg!
Törring. Der Engel von Augsburg?
Nothhafft von Wernberg. So nennt man hier eine Baderstochter, Agnes Bernauer, deren Schönheit die halbe Stadt verrückt machen soll. Wollen wir die Bude ihres Vaters einmal aufsuchen? Wir können uns die Bärte stutzen lassen, und wer weiß, ob wir das Wunder bei dieser Gelegenheit nicht zu sehen bekommen.
Frauenhoven. Topp!
(Alle ab.)
Großer Saal im Tanzhause der Stadt. Festlich geschmückt mit den Panieren der Zünfte und den Wappen der Geschlechter. Abend. Die Gäste versammeln sich rasch, die Zunftmeister empfangen.
Fünfzehnte Szene
Bürgermeister Hermann Nördlinger kommt mit Nothhafft von Wernberg.
Bürgermeister. Ja, Herr Ritter, so läuft nun alles seit jenem unseligen Katharinen-Abend, wo wir den Pöbel mit in den Rat aufnehmen mußten, bei uns durcheinander! Perlen und Erbsen in einem Sack, der Herzog wird das Ausklauben mühsam finden, mich wundert, daß er kommt!
Capitolo in anteprimaPart 3Anteprima
Nothhafft von Wernberg. Agnes!
Albrecht. Oh, ich bin ihm Dank schuldig, unendlichen Dank, mehr Dank, wie irgendein anderer Sohn dem seinigen!
Nothhafft von Wernberg. Fühlt Ihr's?
Albrecht. Erst seit gestern ganz! Dies Auge, das ich jetzt freiwillig schließen möchte, wie den Mund, wenn er seine Kirsche hat--gebrochen und mit Sand verschüttet würde es ohne ihn ja längst daliegen, ein Spiegel, der zerschlagen ward, bevor er das Bild noch auffangen konnte, das er festhalten sollte, und dies Herz--die Stunde wird kommen, wo ihr mich verstehen könnt, dann mehr! Seht, wenn euch auch einmal wird, als ob sich Millionen Lippen in euch auftäten, und alle saugen wollten--wenn ihr nicht mehr wißt, ob's Lust oder Schmerz ist, was euch die Seele im Wirbel herumjagt--wenn euch die Brust zerspringen will und ihr, von Frost und Hitze zugleich geschüttelt, zweifelnd ausruft: doch wohl Lust, ja, wohl Lust, Wollust! und dies dunkle Wort, wie ich, nun auf einmal begreift, indem ihr's, schwindelnd zwischen Leben und Tod, mit eurem letzten Atemzug nachschafft--dann--dann! Eher nicht!
Nothhafft von Wernberg. Gnädiger Herr--eine Bitte!
Albrecht. Was ist's?
Nothhafft von Wernberg. Stellt Euch Euren Vater einmal vor!
Albrecht. Nun?
Nothhafft von Wernberg. Aber recht deutlich, mit dem Gesicht, das er hat, wenn er einem einen Wunsch nicht bloß abschlagen, sondern in den Hals zurückjagen will, so daß man ihn, wenn man um Honigbirnen gekommen ist, um Stockprügel anspricht!
Albrecht. Gut!
Nothhafft von Wernberg. Seht Ihr ihn? So fragt Euch, ob Ihr das vom Spiegel und vom Wirbel und von Lust und Schmerz, und von Leben und Tod vor ihm wiederholen möchtet!
Albrecht. Vor ihm? Ja! Ich habe eine Mutter gehabt! Vor euch? Nicht um die Welt!
Nothhafft von Wernberg. Eure Mutter war eine Prinzessin von Mailand!
Albrecht. Und sollte sie meine Mutter nicht auch geworden sein, wenn sie keine Prinzessin von Mailand gewesen wäre? Sie war das Muster eines Weibes--hätte das nicht genügt?
Nothhafft von Wernberg. Ich zweifle! Wenn aber--so würde Euch jetzt nichts mehr hindern, Euch mit dem Engel von Augsburg zu verbinden, denn Ihr würdet Bayerns Thron nie besteigen!
Albrecht. Nicht, Herr Ritter? Wer weiß! Wer weiß, was geschähe, wenn ich mein Volk zum Spruch aufriefe, wenn ich sagte: Seht, ich soll nicht würdig sein, euch zu beherrschen, weil mein Vater eine eurer Töchter zu sich erhoben hat, eine, die ihm am besten ins Ohr sagen konnte, was euch fehlt! Ich soll nicht würdig sein, euch zu beherrschen, weil die Teilnahme für euch mir von der Mutter her angeboren ist, weil ich euch verstehe, ehe ihr noch den Mund auftut, weil mir's im Blut liegt, euch beizuspringen! Ich soll nicht würdig sein, euch zu beherrschen, weil ich euer Bruder bin! Wer weiß, was sie tun werden, die alten treuen Bavaren, wenn mein Sohn sie dereinst nach Urväter-Weise in einem Eichenhain zusammenruft und so zu ihnen spricht; wer weiß, ob sich dann nicht der letzte Bauer in einen Ritter verwandelt und ob die Sense nicht gegen das Schwert schlägt, daß das ganze deutsche Reich zu wackeln anfängt, und der große Karl zu Aachen in seinem Sarg erschrocken nach der Krone greift!
Nothhafft von Wernberg. Gnädiger Herr, verkennt mich nicht! Nothhafft von Wernberg kann Euch nicht raten, in den Abgrund zu springen, aber er springt nach, wenn Ihr's tut!
Albrecht. Das ist ein Wort! So kommt!
(Alle ab.)
Baderstube.
Dritte Szene
Agnes. Hier, mein Vater?
Caspar Bernauer. Hier, meine Tochter, hier erwarten wir ihn, nirgends sonst. Wie ist dir denn zumute? Etwas anders, wie gewöhnlich, wenn du die Augen aufmachst, nicht wahr? Nun ja, das ist natürlich. Die Mädchen zögern gern aus Angst oder Neckerei noch eine Weile vor der Tür, wenn sie auch wirklich schon hinein wollen und wissen, daß der Bräutigam ihnen längst die Arme entgegenstreckt. Du armes Ding hast nun nicht einmal Kranzwindens-Zeit.
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- 04Part 4
- 05Part 5
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- 08Part 8
- 09Part 9
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