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Letteratura
Heidi kann brauchen, was es gelernt hat
Edizione BooksWhale in tedesco di Johanna Spyri
Ein deutschsprachiger Klassiker über Heidi-Fortsetzung, Heimat, Freundschaft, Natur, Lernen und kindliche Stärke.
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Heidi kann brauchen, was es gelernt hat
Heidi kann brauchen, was es gelernt hat von Johanna Spyri ist ein gemeinfreies Originalwerk über Heidi-Fortsetzung, Heimat, Freundschaft, Natur, Lernen und kindliche Stärke. Diese deutsche Ausgabe bietet den Text in klarer Lesefassung für Online-Lektüre, EPUB und PDF.
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Johanna Spyri starb 1901, und Heidi kann brauchen, was es gelernt hat erschien 1881. Diese Daten stützen die Gemeinfreiheit dieser deutschen Originalausgabe.
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Heidi kann brauchen, was es gelernt hat
Johanna Spyri
Reisezurüstungen
Ein Gast auf der Alm
Eine Vergeltung
Der Winter im Dörfli
Der Winter dauert fort
Die fernen Freunde regen sich
Wie es auf der Alp weitergeht
Es geschieht, was keiner erwartet hat
Es wird Abschied genommen, aber auf Wiedersehen
Reisezurüstungen
Der freundliche Herr Doktor, der den Entscheid gegeben hatte, daß
das Kind Heidi wieder in seine Heimat zurückgebracht werden sollte,
ging eben durch die breite Straße dem Hause Sesemann zu. Es war ein
sonniger Septembermorgen, so licht und lieblich, daß man hätte denken
können, alle Menschen müßten sich darüber freuen. Aber der Herr Doktor
schaute auf die weißen Steine zu seinen Füßen, so daß er den blauen
Himmel über sich nicht einmal bemerken konnte. Es lag eine Traurigkeit
auf seinem Gesichte, die man vorher nie da gesehen hatte, und seine
Haare waren viel grauer geworden seit dem Frühjahr. Der Doktor hatte
eine einzige Tochter gehabt, mit der er seit dem Tode seiner Frau sehr
nahe zusammen gelebt hatte und die seine ganze Freude gewesen war. Vor
einigen Monaten war ihm das blühende Mädchen durch den Tod entrissen
worden. Seither sah man den Herrn Doktor nie mehr so recht fröhlich,
wie er vorher fast immer gewesen war.
Auf den Zug an der Hausglocke öffnete Sebastian mit großer
Zuvorkommenheit die Eingangstür und machte gleich alle Bewegungen
eines ergebenen Dieners; denn der Herr Doktor war nicht nur der
erste Freund des Hausherrn und dessen Töchterchen, durch seine
Freundlichkeit hatte er sich, wie überall, die sämtlichen Hausbewohner
zu guten Freunden gemacht.
»Alles beim alten, Sebastian?« fragte der Herr Doktor wie gewohnt mit
freundlicher Stimme und ging die Treppe hinauf, gefolgt von Sebastian,
der nicht aufhörte, allerlei Zeichen der Ergebenheit zu machen,
obschon der Herr Doktor sie eigentlich nicht sehen konnte, denn er
kehrte dem Nachfolgenden den Rücken.
»Gut, daß du kommst, Doktor«, rief Herr Sesemann dem Eintretenden
entgegen. »Wir müssen durchaus noch einmal die Schweizerreise
besprechen, ich muß von dir hören, ob du unter allen Umständen bei
deinem Ausspruche bleibst, auch nachdem nun bei Klärchen entschieden
ein besserer Zustand eingetreten ist.«
»Mein lieber Sesemann, wie kommst du mir denn vor?« entgegnete der
Angekommene, indem er sich zu seinem Freunde hinsetzte. »Ich möchte
wirklich wünschen, daß deine Mutter hier wäre; mit der wird alles
gleich klar und einfach und kommt ins rechte Geleise. Mit dir aber ist
ja kein Fertigwerden. Du lässest mich heute zum dritten Male zu dir
kommen, damit ich dir immer noch einmal dasselbe sage. -
»Ja, du hast recht, die Sache muß dich ungeduldig machen, aber du mußt
doch begreifen, lieber Freund« - und Herr Sesemann legte seine Hand
wie bittend auf die Schulter seines Freundes -, »es wird mir gar zu
schwer, dem Kinde zu versagen, was ich ihm so bestimmt versprochen
hatte und worauf es sich nun monatelang Tag und Nacht gefreut hat.
Auch diese letzte schlimme Zeit hat das Kind so geduldig ertragen,
immer in der Hoffnung, daß die Schweizerreise nahe sei und daß es
seine Freundin Heidi auf der Alp besuchen könne; und nun soll ich
dem guten Kinde, das ja sonst schon so vieles entbehren muß, die
langgenährte Hoffnung mit einemmal wieder durchstreichen - das ist mir
fast nicht möglich.«
»Sesemann, das muß sein«, sagte sehr bestimmt der Herr Doktor, und als
sein Freund stillschweigend und niedergeschlagen dasaß, fuhr er nach
einer Weile fort: »Bedenke doch, wie die Sache steht. Klara hat seit
Jahren keinen so schlimmen Sommer gehabt, wie dieser letzte war.
Von einer so großen Reise kann keine Rede sein, ohne daß wir die
schlimmsten Folgen zu befürchten hätten. Dazu sind wir nun in den
September eingetreten, da kann es ja noch schön sein oben auf der Alp,
es kann aber auch schon sehr kühl werden. Die Tage sind nicht mehr
Capitolo in anteprimaPart 2Anteprima
jedem neuen Windstoß und lauten Wipfelbrausen jauchzte es auf vor
Wonne und sprang noch ein wenig höher.
Unterdessen war der Großvater zum Stalle hingegangen und hatte dem
Schwänli und Bärli die Milch abgenommen; dann hatte er beide schön
geputzt und gewaschen zur Bergreise und brachte sie nun auf den Platz
heraus. Als das Heidi seine Freunde erblickte, kam es herangesprungen
und faßte sie beide um den Hals, begrüßte sie zärtlich, und sie
meckerten fröhlich und zutraulich, und jede von den Geißen wollte dem
Heidi mehr Zuneigung beweisen und drückte ihren Kopf noch immer näher
an seine Schultern heran, so daß es zwischen den zweien fast zerdrückt
wurde. Aber das Heidi hatte keine Furcht, und wenn das lebhafte Bärli
gar zu arg bohrte und drängte mit seinem Kopfe, dann sagte das Heidi:
»Nein, Bärli, du stößt ja wie der große Türk«, und augenblicklich zog
Bärli seinen Kopf zurück und stellte sich ganz anständig hin, und das
Schwänli hatte auch schon seinen Kopf in die Höhe gereckt und machte
eine vornehme Gebärde, so daß man deutlich sehen konnte, es dachte bei
sich: Das soll mir denn keiner nachsagen, daß ich mich benehme wie der
Türk. Denn das schneeweiße Schwänli war noch ein wenig vornehmer als
das braune Bärli.
Jetzt hörte man von unten herauf die Pfiffe des Peter ertönen, und
bald kamen sie heraufgesprungen, die lustigen Geißen alle, voran der
flinke Distelfink in hohen Sprüngen. Gleich war das Heidi wieder
mitten in dem Rudel drin, und vor lauter stürmischen Begrüßungen wurde
es hin- und hergeschoben, und dann schob es wieder ein wenig, denn
es wollte zu dem schüchternen Schneehöppli vordringen, das ja von
den größeren immer wieder weggedrängt wurde, wenn es dem Heidi
entgegenstrebte.
Nun kam der Peter heran und tat einen letzten, fürchterlichen Pfiff,
der sollte die Geißen aufscheuchen und der Weide zujagen, denn er
wollte Platz bekommen, um dem Heidi etwas zu sagen. Die Geißen
sprangen ein wenig auseinander auf den Pfiff hin; so konnte der Peter
vorrücken und sich nun vor das Heidi hinstellen.
»Du kannst einmal wieder mitkommen heut«, war seine etwas störrige Anrede.
»Nein, das kann ich nicht, Peter«, entgegnete das Heidi. »Jeden
Augenblick können sie jetzt von Frankfurt kommen, und dann muß ich
daheim sein.«
»Das hast du schon manchmal gesagt«, brummte der Peter.
»Es gilt aber immer noch, und es gilt, bis sie kommen«, gab das Heidi
zurück. »Oder meinst du etwa, ich müsse nicht daheim sein, wenn sie
von Frankfurt zu mir kommen? Meinst du etwa so etwas, Peter?«
»Sie können zum Öhi kommen«, versetzte der Peter knurrend.
Jetzt ertönte von der Hütte her die kräftige Stimme des Großvaters:
»Warum geht's nicht vorwärts mit der Armee? Fehlt's am Feldmarschall
oder an den Truppen?«
Augenblicklich machte der Peter kehrum, schwang seine Rute in der
Luft, daß sie sauste und alle Geißen, die den Ton wohl kannten, auf
und davon rannten, der Peter hinter ihnen drein, alle miteinander in
vollem Trabe den Berg hinan.
Seit das Heidi wieder daheim beim Großvater war, kam ihm hier und da
etwas in den Sinn, woran es vorher nicht gedacht hatte. So machte es
jetzt alle Morgen mit großer Anstrengung sein Bett zurecht und strich
so lange daran herum, bis es ganz glatt aussah. Dann lief es in der
Hütte hin und her, stellte jeden Stuhl an seinen Ort, und was etwa
da und dort herumlag oder -hing, das kramte es alles in den Schrank
hinein. Dann holte es einen Lappen herbei, kletterte auf einen Stuhl
hinauf und rieb so lange mit seinem Lappen auf dem Tische herum, bis
dieser ganz blank war. Wenn dann der Großvater wieder hereinkam,
Capitolo in anteprimaPart 3Anteprima
Aber das Heidi sagte ganz ohne Zweifel:
»Das ist zum Essen gemeint und gar nicht anders.«
Jetzt kam der Peter hereingestolpert: »Der Almöhi kommt hinter mir
drein, das Heidi soll...«; er konnte nicht mehr weiter. Seine Blicke
waren auf den Tisch gefallen, wo die Wurst lag, und der Anblick hatte
ihn so überwältigt, daß er kein Wort mehr fand. Aber das Heidi hatte
schon gemerkt, was kommen sollte, und gab schnell der Großmutter die
Hand. Der Almöhi ging zwar jetzt nie mehr an der Hütte vorbei, ohne
schnell hereinzutreten und die Großmutter zu grüßen, und sie freute
sich auch immer, wenn sie seinen Schritt hörte, denn er hatte jedesmal
ein ermunterndes Wort für sie; aber heute war es spät geworden für das
Heidi, das alle Morgen mit der Sonne draußen war. Der Großvater aber
sagte: »Das Kind muß seinen Schlaf haben«, und dabei blieb er. So rief
er durch die offene Tür der Großmutter nur eine gute Nacht zu und nahm
das heranspringende Heidi bei der Hand, und unter dem flimmernden
Sternenhimmel hin wanderten die beiden ihrer friedlichen Hütte zu.
Eine Vergeltung
Am anderen Morgen in der Frühe stieg der Herr Doktor vom Dörfli den
Berg hinan in der Gesellschaft des Peter und seiner Geißen. Der
freundliche Herr versuchte ein paarmal mit dem Geißbuben ein Gespräch
anzuknüpfen, aber es gelang ihm nicht, kaum daß er als Antwort auf
einleitende Fragen unbestimmte, einsilbige Worte zu hören bekam. Der
Peter ließ sich nicht so leicht in ein Gespräch ein. So wanderte die
ganze schweigende Gesellschaft bis hinauf zur Almhütte, wo schon
erwartend das Heidi stand mit seinen beiden Geißen, alle drei munter
und fröhlich wie der frühe Sonnenschein auf allen Höhen.
»Kommst mit?« fragte der Peter, denn als Frage oder als Aufforderung sprach er jeden Morgen diesen Gedanken aus.
»Freilich, natürlich, wenn der Herr Doktor mitkommt«, gab das Heidi zurück.
Der Peter sah den Herrn ein wenig von der Seite an.
Jetzt trat der Großvater hinzu, das Mittagsbrotsäckchen in der Hand.
Erst grüßte er den Herrn mit aller Ehrerbietung, dann trat er zum
Peter hin und hing ihm das Säckchen um.
Es war schwerer als sonst, denn der Öhi hatte ein schönes Stück von
dem rötlichen Fleische hineingelegt. Er hatte gedacht, vielleicht
gefalle es dem Herrn droben auf der Weide und er nehme dann gern sein
Mittagsmahl gleich dort mit den Kindern ein. Der Peter lächelte fast
von einem Ohr bis zum andern, denn er ahnte, daß da drinnen etwas
Ungewöhnliches versteckt sei.
Nun wurde die Bergfahrt angetreten. Das Heidi wurde ganz von seinen
Geißen umringt, jede wollte zunächst bei ihm sein, und eine schob die
andere immer ein wenig seitwärts. So wurde es eine Zeitlang mitten
in dem Rudel mit fortgeschoben. Aber jetzt stand es still und sagte
ermahnend: »Nun müßt ihr artig vorauslaufen, aber dann nicht immer
wiederkommen und mich drängen und stoßen. Ich muß jetzt ein wenig mit
dem Herrn Doktor gehen.« Dann klopfte es dem Schneehöppli, das sich
immer am nächsten zu ihm hielt, zärtlich auf den Rücken und ermahnte
es noch besonders, nun recht folgsam zu sein. Dann arbeitete es sich
aus dem Rudel heraus und ging nun neben dem Herrn Doktor her, der es
gleich bei der Hand faßte und festhielt. Er mußte jetzt nicht mit Mühe
nach einem Gespräch suchen wie vorher, denn das Heidi fing gleich
an und hatte ihm so viel zu erzählen von den Geißen und ihren
merkwürdigen Einfällen und von den Blumen oben und den Felsen und
Vögeln, daß die Zeit unvermerkt dahinging und sie ganz unerwartet
oben auf der Weide anlangten. Der Peter hatte im Hinaufgehen öfters
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