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Die Elfen

Edição BooksWhale em alemão por Ludwig Tieck

Ein Klassiker von Ludwig Tieck über Gesellschaft, Schicksal und menschliche Entscheidungen.

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Introdução do livro

Die Elfen

Die Elfen verbindet Handlung, Atmosphäre und moralische Spannung; die Figuren zeigen, wie Ehre, Erinnerung und gesellschaftliche Erwartungen das Leben bestimmen.

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Capítulo de préviaPart 1Ler prévia

Wo ist denn die Marie, unser Kind? fragte der Vater.

Sie spielt draußen auf dem grünen Platze, antwortete die Mutter, mit dem

Sohne unsers Nachbars.

Daß sie sich nicht verlaufen, sagte der Vater besorgt; sie sind

unbesonnen.

Die Mutter sah nach den Kleinen und brachte ihnen ihr Vesperbrod. Es ist

heiß! sagte der Bursche, und das kleine Mädchen langte begierig nach den

rothen Kirschen. Seid nur vorsichtig, Kinder, sprach die Mutter, lauft

nicht zu weit vom Hause, oder in den Wald hinein, ich und der Vater gehn

aufs Feld hinaus. Der junge Andres antwortete: o sei ohne Sorge, denn

vor dem Walde fürchten wir uns, wir bleiben hier beim Hause sitzen, wo

Menschen in der Nähe sind.

Die Mutter ging und kam bald mit dem Vater wieder heraus. Sie

verschlossen ihre Wohnung und wandten sich nach dem Felde, um nach den

Knechten und zugleich auf der Wiese nach der Heuernte zu sehn. Ihr Haus

lag auf einer kleinen grünen Anhöhe, von einem zierlichen Stakete

umgeben, welches auch ihren Frucht- und Blumengarten umschloß; das Dorf

zog sich etwas tiefer hinunter, und jenseit erhob sich das gräfliche

Schloß. Martin hatte von der Herrschaft das große Gut gepachtet, und

lebte mit seiner Frau und seinem einzigen Kinde vergnügt, denn er legte

jährlich zurück, und hatte die Aussicht, durch Thätigkeit ein

vermögender Mann zu werden, da der Boden ergiebig war und der Graf ihn

nicht drückte.

Indem er mit seiner Frau nach seinen Feldern ging, schaute er fröhlich

um sich, und sagte: wie ist doch die Gegend hier so ganz anders,

Brigitte, als diejenige, in der wir sonst wohnten. Hier ist es so grün,

das ganze Dorf prangt von dichtgedrängten Obstbäumen, der Boden ist voll

schöner Kräuter und Blumen, alle Häuser sind munter und reinlich, die

Einwohner wohlhabend, ja mir dünkt, die Wälder hier sind schöner und der

Himmel blauer, und so weit nur das Auge reicht, sieht man seine Lust und

Freude an der freigebigen Natur.

So wie man nur, sagte Brigitte, dort jenseit des Flusses ist, so

befindet man sich wie auf einer andern Erde, alles so traurig und dürr;

jeder Reisende behauptet aber auch, daß unser Dorf weit und breit in der

Runde das schönste sei.

Bis auf jenen Tannengrund, erwiederte der Mann; schau einmal dorthin

zurück, wie schwarz und traurig der abgelegene Fleck in der ganzen

heitern Umgebung liegt; hinter den dunkeln Tannenbäumen die rauchige

Hütte, die verfallenen Ställe, der schwermüthig vorüberfließende Bach.

Es ist wahr, sagte die Frau, indem beide still standen, so oft man sich

jenem Platze nur nähert, wird man traurig und beängstigt, man weiß

selbst nicht warum. Wer nur die Menschen eigentlich sein mögen, die dort

wohnen, und warum sie sich doch nur so von allen in der Gemeinde

entfernt halten, als wenn sie kein gutes Gewissen hätten.

Armes Gesindel, erwiederte der junge Pachter, dem Anschein nach

Zigeunervolk, die in der Ferne rauben und betrügen, und hier vielleicht

ihren Schlupfwinkel haben. Mich wundert nur, daß die gnädige Herrschaft

sie duldet.

Es können auch wohl, sagte die Frau weichmüthig, arme Leute sein, die

sich ihrer Armuth schämen, denn man kann ihnen doch eben nichts Böses

nachsagen; nur ist es bedenklich, daß sie sich nicht zur Kirche halten,

und man auch eigentlich nicht weiß, wovon sie leben, denn der kleine

Garten, der noch dazu ganz wüst zu liegen scheint, kann sie unmöglich

ernähren, und Felder haben sie nicht.

Weiß der liebe Gott, fuhr Martin fort, indem sie weiter gingen, was sie

treiben mögen; kommt doch auch kein Mensch zu ihnen, denn der Ort, wo

sie wohnen, ist ja wie verbannt und verhext, so daß sich auch die

vorwitzigsten Bursche nicht hingetrauen.

Capítulo de préviaPart 2Prévia

unter der Erde hin, davon wachsen nun die Blumen, die Früchte und der

Wein; die rothen Ströme gehn neben den Wasserbächen, und so sind die

flammigen Wesen immer thätig und freudig. Aber dir ist es hier zu heiß,

wir wollen wieder hinaus in den Garten gehn.

Hier hatte sich die Scene verwandelt. Der Mondschein lag auf allen

Blumen, die Vögel waren still und die Kinder schliefen in

mannichfaltigen Gruppen in den grünen Lauben. Marie und ihre Freundin

fühlten aber keine Müdigkeit, sondern lustwandelten in der warmen

Sommernacht unter vielerlei Gesprächen bis zum Morgen.

Als der Tag anbrach, erquickten sie sich an Früchten und Milch, und

Marie sagte: laß uns doch zur Abwechselung einmal nach den Tannen hinaus

gehn, wie es dort aussehen mag. Gern, sagte Zerina, so kannst du auch

zugleich dorten unsre Schildwachen besuchen, die dir gewiß gefallen

werden, sie stehn oben auf dem Walle zwischen den Bäumen. Sie gingen

durch die Blumengärten, durch anmuthige Haine voller Nachtigallen, dann

stiegen sie über Rebenhügel, und kamen endlich, nachdem sie lange den

Windungen eines klaren Baches nachgefolgt waren, zu den Tannen und der

Erhöhung, welche das Gebiet begränzte. Wie kommt es nur, fragte Marie,

daß wir hier innerhalb so weit zu gehn haben, da doch draußen der

Umkreis nur so klein ist? Ich weiß nicht, antwortete die Freundin, wie

es zugeht, aber es ist so. Sie stiegen zu den finstern Tannen hinauf,

und ein kalter Wind wehte ihnen von draußen entgegen; ein Nebel schien

weit umher auf der Landschaft zu liegen. Oben standen wunderliche

Gestalten, mit mehligen bestäubten Angesichtern, den widerlichen

Häuptern der weißen Eulen nicht unähnlich; sie waren in faltigen Mänteln

von zottiger Wolle gekleidet, und hielten Regenschirme von seltsamen

Häuten ausgespannt über sich; mit Fledermausflügeln, die abentheuerlich

neben dem Rockelor hervor starrten, wehten und fächelten sie unablässig.

Ich möchte lachen und mir graut, sagte Marie. Diese sind unsre guten

fleißigen Wächter, sagte die kleine Gespielin, sie stehen hier und

wehen, damit jeden kalte Angst und wundersames Fürchten befällt, der

sich uns nähern will; sie sind aber so bedeckt, weil es jezt draußen

regnet und friert, was sie nicht vertragen können. Hier unten kommt

niemals Schnee und Wind, noch kalte Luft her, hier ist ein ewiger Sommer

und Frühling, doch wenn die da oben nicht oft abgelöst würden, so

vergingen sie gar.

Aber wer seid ihr denn, fragte Marie, indem sie wieder in die

Blumendüfte hinunter stiegen, oder habt ihr keinen Namen, woran man euch

erkennt?

Wir heißen Elfen, sagte das freundliche Kind, man spricht auch wohl in

der Welt von uns, wie ich gehört habe.

Sie hörten auf der Wiese ein großes Getümmel. Der schöne Vogel ist

angekommen! riefen ihnen die Kinder entgegen; alles eilte in den Saal.

Sie sahen indem schon, wie Jung und Alt sich über die Schwelle drängte,

alle jauchzten und von innen scholl eine jubilirende Musik heraus. Als

sie hinein getreten waren, sahen sie die große Rundung von den

mannichfaltigsten Gestalten angefüllt, und alle schauten nach einem

großen Vogel hinauf, der in der Kuppel mit glänzendem Gefieder langsam

fliegend vielfache Kreise beschrieb. Die Musik klang fröhlicher als

sonst, die Farben und Lichter wechselten schneller. Endlich schwieg die

Musik, und der Vogel schwang sich rauschend auf eine glänzende Krone,

die unter dem hohen Fenster schwebte, welches von oben die Wölbung

erleuchtete. Sein Gefieder war purpurn und grün, durch welches sich die

glänzendsten goldenen Streifen zogen, auf seinem Haupte bewegte sich ein

Diadem von so hellleuchtenden kleinen Federn, daß sie wie Edelgesteine

blitzten. Der Schnabel war roth und die Beine glänzend blau. Wie er sich

regte, schimmerten alle Farben durcheinander, und das Auge war entzückt.

Capítulo de préviaPart 3Prévia

aufgequollenen Knospen! der Baum thut so groß und breit, und jedermann,

der drunter weg geht, meint auch, es müsse recht was Besonderes werden;

dann kommt die Sonne, die Blüte geht so leutselig auf, und da steckt

schon der böse Kern drunter, der nachher den bunten Putz verdrängt und

hinunter wirft; nun kann er sich geängstigt und aufwachsend nicht mehr

helfen, er muß im Herbst zur Frucht werden. Wohl ist ein Apfel auch lieb

und erfreulich, aber doch nichts gegen die Frühlingsblüte: so geht es

mit uns Menschen auch; ich kann mich nicht darauf freuen, ein großes

Mädchen zu werden. Ach, könnt' ich euch doch nur einmal besuchen!

Seit der König bei uns wohnt, sagte Zerina, ist es ganz unmöglich, aber

ich komme ja so oft zu dir, Liebchen, und keiner sieht mich, keiner weiß

es, weder hier noch dort; ungesehn geh ich durch die Luft, oder fliege

als Vogel herüber; o wir wollen noch recht viel beisammen sein, so lange

du klein bist. Was kann ich dir nur zu Gefallen thun?

Recht lieb sollst du mich haben, sagte Elfriede, so lieb, wie ich dich

in meinem Herzen trage; doch laß uns auch einmal wieder eine Rose

machen.

Zerina nahm das bekannte Schächtelchen aus dem Busen, warf zwei Körner

hin, und plötzlich stand ein grünender Busch mit zweien hochrothen Rosen

vor ihnen, welche sich zu einander neigten, und sich zu küssen schienen.

Die Kinder brachen die Rosen lächelnd ab, und das Gebüsch war wieder

verschwunden. O müßte es nur nicht wieder so schnell sterben, sagte

Elfriede, das rothe Kind, das Wunder der Erde. Gieb! sagte die kleine

Elfe, hauchte dreimal die aufknospende Rose an, und küßte sie dreimal;

nun, sprach sie, indem sie die Blume zurück gab, bleibt sie frisch und

blühend bis zum Winter. Ich will sie wie ein Bild von dir aufheben,

sagte Elfriede, sie in meinem Kämmerchen wohl bewahren, und sie Morgens

und Abends küssen, als wenn du es wärst. Die Sonne geht schon unter,

sagte jene, ich muß jezt nach Hause. Sie umarmten sich noch einmal, dann

war Zerina verschwunden.

Am Abend nahm Marie ihr Kind mit einem Gefühl von Beängstigung und

Ehrfurcht in die Arme; sie ließ dem holden Mädchen nun noch mehr

Freiheit als sonst, und beruhigte oft ihren Gatten, wenn er, um das Kind

aufzusuchen, kam, was er seit einiger Zeit wohl that, weil ihm ihre

Zurückgezogenheit nicht gefiel, und er fürchtete, sie könne darüber

einfältig, oder gar unklug werden. Die Mutter schlich öfter nach der

Spalte der Mauer, und fast immer fand sie die kleine glänzende Elfe

neben ihrem Kinde sitzen, mit Spielen beschäftigt, oder in ernsthaften

Gesprächen. Möchtest du fliegen können? fragte Zerina einmal ihre

Freundin. Wie gerne! rief Elfriede aus. Sogleich umfaßte die Fee die

Sterbliche, und schwebte mit ihr vom Boden empor, so daß sie zur Höhe

der Laube stiegen. Die besorgte Mutter vergaß ihre Vorsicht, und lehnte

sich erschreckend mit dem Kopfe hinaus, um ihnen nachzusehn; da erhob

aus der Luft Zerina den Finger und drohte lächelnd, ließ sich mit dem

Kinde wieder nieder, herzte sie, und war verschwunden. Es geschah

nachher noch öfter, daß Marie von dem wunderbaren Kinde gesehen wurde,

welches jedesmal mit dem Kopfe schüttelte oder drohte, aber mit

freundlicher Geberde.

Oftmals schon hatte bei vorgefallenem Streite Marie im Eifer zu ihrem

Manne gesagt: du thust den armen Leuten in der Hütte Unrecht! Wenn

Andres dann in sie drang, ihm zu erklären, warum sie der Meinung aller

Leute im Dorfe, ja der Herrschaft selber entgegen sei und es besser

wissen wolle, brach sie ab, und schwieg verlegen. Heftiger als je ward

Andres eines Tages nach Tische und behauptete, das Gesindel müsse als

Sumário

Nesta edição

  1. 01Part 1
  2. 02Part 2
  3. 03Part 3
  4. 04Part 4
  5. 05Part 5
  6. 06Part 6
  7. 07Part 7

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