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Literatura
Grete Minde
Edição BooksWhale em alemão por Theodor Fontane
Eine historische Novelle Fontanes über Außenseitertum, Unrecht, Rache und städtische Enge.
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Introdução do livro
Grete Minde
Grete Minde gestaltet eine alte Tangermünder Sage als psychologisch zugespitzte Novelle. Fontane zeigt, wie Erbschaftsstreit, soziale Ausgrenzung und verletzte Liebe in eine Katastrophe führen, die zugleich privat und öffentlich ist.
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Theodor Fontane starb 1898, und Grete Minde erschien erstmals 1880; diese Daten stützen die Gemeinfreiheit dieser deutschsprachigen Originalausgabe.
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Grete Minde
Theodor Fontane
Capítulo de préviaErstes KapitelPrévia
Das Hänflingsnest
»Weißt du, Grete, wir haben ein Nest in unserm Garten, und ganz niedrig, und zwei Junge drin.«
»Das wäre! Wo denn? Ist es ein Fink oder eine Nachtigall?«
»Ich sag es nicht. Du mußt es raten.«
Diese Worte waren an einem überwachsenen Zaun, der zwei Nachbargärten voneinander trennte, gesprochen worden. Die Sprechenden, ein Mädchen und ein Knabe, ließen sich nur halb erkennen, denn so hoch sie standen, so waren die Himbeerbüsche hüben und drüben doch noch höher und wuchsen ihnen bis über die Brust.
»Bitte, Valtin«, fuhr das Mädchen fort, »sag es mir.«
»Rate.«
»Ich kann nicht. Und ich
will auch nicht.«
»Du
könntest
schon, wenn du wolltest. Sieh nur«, und dabei wies er mit dem Zeigefinger auf einen kleinen Vogel, der eben über ihre Köpfe hinflog und sich auf eine hohe Hanfstaude niedersetzte.
»Sieh«, wiederholte Valtin.
»Ein Hänfling?«
»Geraten.«
Der Vogel wiegte sich eine Weile, zwitscherte und flog dann wieder in den Garten zurück, in dem er sein Nest hatte. Die beiden Kinder folgten ihm neugierig mit ihren Augen.
»Denke dir«, sagte Grete, »ich habe noch kein Vogelnest gesehen; bloß die zwei Schwalbennester auf unsrem Flur. Und ein Schwalbennest ist eigentlich gar kein Nest.«
»Höre, Grete, ich glaube, da hast du recht.«
»Ein richtiges Nest, ich meine von einem Vogel, nicht ein Krähen- oder Storchennest, das muß so weich sein wie der Flachs von Reginens Wocken.«
»Und so ist es auch. Komm nur. Ich zeig es dir.« Und dabei sprang er vom Zaun in den Garten seines elterlichen Hauses zurück.
»Ich darf nicht«, sagte Grete.
»Du darfst nicht?«
»Nein, ich soll nicht. Trud ist dawider.«
»Ach Trud, Trud. Trud ist deine Schwieger, und eine Schwieger ist nicht mehr als eine Schwester. Wenn ich eine Schwester hätte, die könnte den ganzen Tag verbieten, ich tät es doch. Schwester ist Schwester. Spring. Ich fange dich.«
»Hole die Leiter.«
»Nein, spring.«
Und sie sprang, und er fing sie geschickt in seinen Armen auf.
Jetzt erst sah man ihre Gestalt. Es war ein halbwachsenes Mädchen, sehr zart gebaut, und ihre feinen Linien, noch mehr das Oval und die Farbe ihres Gesichts, deuteten auf eine Fremde.
»Wie du springen kannst«, sagte Valtin, der seinerseits einen echt märkischen Breitkopf und vorspringende Backenknochen hatte. »Du fliegst ja nur so. Und nun komm, nun will ich dir das Nest zeigen.«
Er nahm sie bei der Hand, und zwischen Gartenbeeten hin, auf denen Dill und Pastinak in hohen Dolden standen, führte er sie bis in den Mittelgang, der weiter abwärts vor einer Geißblattlaube endigte.
»Ist es hier?«
»Nein, in dem Holunder.«
Und er bog ein paar Zweige zurück und wies ihr das Nest.
Grete sah neugierig hinein und wollte sich damit zu schaffen machen, aber jetzt umkreiste sie der Vogel, und Valtin sagte: »Laß; er ängstigt sich. Es ist wegen der Jungen; unsere Mütter sind nicht so bang um uns.«
»Ich habe keine Mutter«, erwiderte Grete scharf.
»Ich weiß«, sagte Valtin, »aber ich vergeß es immer wieder. Sieht sie doch aus, als ob sie deine Mutter wäre, versteht sich, deine Stiefmutter. Höre, Grete, sieh dich vor. Hübsch ist sie, aber hübsch und bös. Und du kennst doch das Märchen vom Machandelboom?«
»Gewiß kenn ich das. Das ist ja mein Lieblingsmärchen. Und Regine muß es mir immer wieder erzählen. Aber nun will ich zurück in unsern Garten.«
»Nein, du mußt noch bleiben. Ich freue mich immer, wenn ich dich habe. Du bist so hübsch. Und ich bin dir so gut.«
»Ach, Narretei. Was soll ich noch bei dir?«
»Ich will dich noch ansehen. Mir ist immer so wohl und so weh, wenn ich dich ansehe. Und weißt du, Grete. wenn du groß bist, da mußt du meine Braut werden.«
Capítulo de préviaErstes KapitelPrévia
Das Hänflingsnest
»Das wäre! Wo denn? Ist es ein Fink oder eine Nachtigall?«
»Ich sag es nicht. Du mußt es raten.«
»Bitte, Valtin«, fuhr das Mädchen fort, »sag es mir.«
»Rate.«
»Ich kann nicht. Und ich
will auch nicht.«
»Du
könntest
»Sieh«, wiederholte Valtin.
»Ein Hänfling?«
»Geraten.«
»Höre, Grete, ich glaube, da hast du recht.«
»Ich darf nicht«, sagte Grete.
»Du darfst nicht?«
»Nein, ich soll nicht. Trud ist dawider.«
»Hole die Leiter.«
»Nein, spring.«
Und sie sprang, und er fing sie geschickt in seinen Armen auf.
»Ist es hier?«
»Nein, in dem Holunder.«
Und er bog ein paar Zweige zurück und wies ihr das Nest.
»Ich habe keine Mutter«, erwiderte Grete scharf.
»Ach, Narretei. Was soll ich noch bei dir?«
»Deine Braut?«
»Ja, meine Braut. Und dann heirat ich dich.«
»Und was machst du dann mit mir?«
»Und?«
»Und dann küß ich dich.«
Sie sah ihn schelmisch an und sagte: »Wenn das wer hörte! Emrentz oder Trud...«
»Ach Trud und immer Trud. Ich kann sie nicht leiden. Und nun komm und setz dich.«
»Lies«, sagte er. »Kannst du's?«
»Nein.«
»Ja und nein.«
»Er sieht einen so durch und durch. Und seine roten Augen, die keine Wimpern haben...«
»Ja, sieh, das ist es ja eben...«
»Gewiß war sie's.«
»Und wie kam sie denn ins Land und in euer Haus?«
»Das war, als mein Vater in Brügge war, da sind viele Spansche. Kennst du Brügge?«
»Freilich kenn ich's. Das ist ja die Stadt, wo sie die beiden Grafen enthauptet haben.«
»Wenn?«
»Schuldig?«
»Ja. Von Silvester.«
»Ach, das ist lange her. Da war ich noch ein Kind.«
»Lang oder kurz. Schuld ist Schuld.«
»Und bedenke, daß ich morgen zu Gigas komme...«
»Das ist erst morgen.«
»Nun pflücke«, rief er und hielt ihr den Zweig entgegen. »Nein, nein, nicht so. Mit dem Mund...«
Nach einer altmärkischen Chronik
Sumário
Nesta edição
- 01Full text
- 02Erstes Kapitel
- 03Erstes Kapitel
- 04Erstes Kapitel
- 05Erstes Kapitel
- 06Erstes Kapitel
- 07Erstes Kapitel
- 08Erstes Kapitel
- 09Erstes Kapitel
- 10Erstes Kapitel
- 11Erstes Kapitel
- 12Erstes Kapitel
- 13Erstes Kapitel
- 14Erstes Kapitel
- 15Erstes Kapitel
- 16Erstes Kapitel
- 17Erstes Kapitel
- 18Erstes Kapitel
- 19Erstes Kapitel
- 20Erstes Kapitel
- 21Erstes Kapitel
- 22Erstes Kapitel
- 23Erstes Kapitel
- 24Erstes Kapitel
- 25Erstes Kapitel
- 26Erstes Kapitel
- 27Erstes Kapitel
- 28Erstes Kapitel
- 29Erstes Kapitel
- 30Erstes Kapitel
- 31Erstes Kapitel
- 32Erstes Kapitel
- 33Erstes Kapitel
- 34Erstes Kapitel
- 35Erstes Kapitel
- 36Erstes Kapitel
- 37Erstes Kapitel
- 38Erstes Kapitel
- 39Erstes Kapitel
- 40Erstes Kapitel
- 41Erstes Kapitel
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