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Literatura
Nussknacker und Mausekönig
Edição BooksWhale em alemão por E. T. A. Hoffmann
Hoffmanns berühmtes Kunstmärchen von Marie, dem Nussknacker, dem Mausekönig und einer magischen Weihnachtsnacht.
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Introdução do livro
Nussknacker und Mausekönig
Nussknacker und Mausekönig verbindet Kinderzimmer, Spielzeug, Traumlogik, unheimliche Fantasie und romantisches Märchen. Hoffmanns Erzählung ist die literarische Grundlage der später weltberühmten Nussknacker-Tradition.
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E. T. A. Hoffmann starb 1822, und Nussknacker und Mausekönig erschien 1816; diese Daten stützen die Gemeinfreiheit des deutschen Originaltexts.
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Nussknacker und Mausekönig
E. T. A. Hoffmann
Der Weihnachtsabend.
Am vierundzwanzigsten Dezember durften die Kinder des Medizinal— rats Stahlbaum den ganzen Tag über durchaus nicht in die Mittelstube hinein, viel weniger in das daranstoßende Prunkzimmer. In einem Winkel des Hinterjtübchens zusammengekauert jaßen Fritz und Marie. Fritz ent— deckte ganz insgeheim wispernd der jüngeren Schwester, wie er schon seit früh morgens es habe in den verschlossenen Stuben rauschen und rasseln und leise pochen hören. Auch sei ein kleiner, dunkler Mann mit einem großen Kasten unter dem Arm über den Flur geschlichen; er wisse aber wohl, daß es niemand anders gewesen als Pate Droßelmeier. Da schlug Marie die kleinen Händchen vor Freude zusammen und rief: „lich, was wird nur Pate Droßelmeier für uns Schönes gemacht haben!“
Der Obergerichtsrat Droßelmeier war gar kein hübscher Mann, nur klein und mager, hatte viele Runzeln im Gesicht, statt des rechten Auges ein großes schwarzes Pflaster und auch gar keine Haare, weshalb er eine sehr schöne weiße Perücke trug. Auch war der Pate selbst ein sehr kunstfertiger Mann, der sich sogar auf Uhren verstand und selbst welche machen konnte.
Wenn daher eine von den Schönen Uhren in Stahlbaums Haufe krank war und nicht fingen konnte, dann kam Pate Droßelmeier, nahm die Perücke ab, zog sein gelbes Röckchen aus, band eine blaue Schürze um und stach mit spitzigen Instrumenten in die Uhr hinein, so daß es die kleine Marie ordent— lich schmerzte; aber es tat der Uhr gar keinen Schaden, sondern sie wurde vielmehr wieder lebendig und fing gleich an, recht lustig zu schnurren, zu schlagen und zu singen, worüber alle große Freude hatten. Immer trug er, wenn er kam, was hübsches für die Kinder in der Tasche, bald ein Männlein, das die Augen verdrehte und Komplimente machte, bald eine Dose, aus der ein Dögelchen heraushüpfte, bald was anderes. Aber zu Weihnachten, da hatte er immer ein schönes, künstliches Werk verfertigt, das ihm viel Mühe gekostet, weshalb es auch, nachdem es beschert worden, sehr sorglich von den Eltern aufbewahrt wurde.
„Ach, was wird! nur Pate Droßelmeier für uns Schönes gemacht haben“, rief deshalb Marie; Fritz meinte aber, es könne wohl diesmal nichts anderes sein als eine Festung, in der allerlei hübsche Soldaten auf- und abmar⸗ schierten. Und dann müßten andere Soldaten kommen, die in die Festung hineinwollten; aber nun schössen die Soldaten von innen heraus mit Kano— nen, daß es tüchtig brauste und knallte. „Nein, nein“, unterbrach Marie den Fritz, „Pate Droßelmeier hat mir von einem schönen Garten erzählt, darin ist ein großer See, auf dem schwimmen herrliche schwäne mit goldenen hals— bändern herum und singen die hüb— schesten Lieder. Dann kommt ein kleines Mädchen aus dem Garten an
den See und lockt die Schwäne heran und füttert fie mit süßem Marzi— pan.“ „Schwäne fressen keinen Marzipan“, fiel Fritz etwas rauh ein, „und einen ganzen Garten kann Pate Droßelmeier auch nicht machen. Eigentlich haben wir wenig von seinen Spielsachen; es wird uns ja alles gleich wieder weggenommen. Da ist mir doch das viel lieber, was uns Papa und Mama bescheren; wir behalten es fein und können damit machen, was wir wollen.“
Nun rieten die Kinder hin und her, was es wohl diesmal wieder geben könne. Marie meinte, daß Mamsell Trudchen, ihre große Puppe, sich sehr verändere, denn ungeschickter als jemals, fiele sie jeden Augenblid auf den Fußboden, was ohne garstige Seichen im Gesicht nicht abginge, und dann sei an Reinlichkeit in der Kleidung gar nicht mehr zu denken. Klles tüchtige flusschelten helfe nichts. Auch habe Mama gelächelt, als fie sich über Gretchens kleinen Sonnenschirm so gefreut. Fritz versicherte dagegen, ein tüch— tiger Fuchs fehle seinem Marstall 2 durchaus, jo wie seinen Truppen gänzlich an Kavallerie, das sei dem Papa recht gut bekannt. Die kleine Marie wurde ganz nachdenklich, aber Fritz murmelte vor sich hin: „Einen Fuchs und Husaren hätt' ich gern.“
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PN sein und hat kein ordentliches Gebiß — f mag wohl auch sein handwerk gar nicht verstehen. — Gib ihn nur her, Marie! Er soll mir Nüsse zerbeißen, verliert er auch noch die übrigen Sähne, ja das ganze Kinn obendrein, was ist an dem Taugenichts gelegen!“ „Nein, nein,“ rief Marie weinend, „du bekommst ihn nicht, meinen lieben Nußknacker; sieh nur her, wie er mich so wehmütig an⸗ schaut und mir sein wundes Mündchen zeigt! — Aber du bist ein hartherziger Mensch — du schlägst deine Pferde und
läßt wohl gar einen Soldaten totschießen.“ — „Das muß jo fein, das verstehst du nicht,“ rief Fritz; „aber der Nußknacker gehört ebensogut mir wie dir, gib ihn nur her!“ — Marie fing an, heftig zu weinen, und wickelte den kranken Nußknacker schnell in ihr kleines Taschentuch ein.
Die Eltern kamen mit dem Paten Droßelmeier herbei. Der Vater sagte: „Ich habe den Nußknacker ausdrücklich unter Mariens Schutz gestellt, und da, wie ich sehe, er dessen eben jetzt bedarf, so hat sie volle Macht über ihn, ohne daß jemand dreinzureden hat. Es wundert mich sehr von Fritz, daß er von einem im Dienst Erkrankten noch fernere Dienste verlangt. Er sollte doch wissen, daß man Verwundete niemals in Reih nnd Glied stellt?“ — Fritz war sehr beschämt und schlich, ohne sich weiter um Nüsse und Nuß— knacker zu bekümmern, fort an die andere Seite des Tisches, wo seine Husaren, nachdem sie gehörige Vorposten ausgestellt hatten, ins Nacht— quartier gezogen waren.
Marie suchte Nußknackers verlorene Sähnchen zusammen, um das kranke Kinn hatte sie ein hübsches weißes Band, das sie von ihrem Kleidchen abgelöst, gebunden und dann den armen Kleinen, der sehr blaß und erschrocken aussah, noch sorgfältiger als vorher in ihr Tuch eingewickelt. So hielt fie ihn wiegend in den Armen wie ein kleines Kind und besah die schönen Bilder des neuen Bilderbuches, das heute unter den anderen vielen Gaben lag.
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Wunderdinge.
Bei Medizinalrats in der Wohnstube, wenn man zur Tür hineintritt, gleich links an der breiten Wand, steht ein hoher Glasschrank, in dem die Kinder all die schönen Sachen, die ihnen jedes Jahr beschert worden, auf— bewahren. Der Vater ließ den Schrank von einem sehr geschickten Tischler machen, der so himmelhelle Scheiben einsetzte und überhaupt das Ganze so geschickt einzurichten wußte, daß alles drinnen sich beinahe blanker und hübscher ausnahm, als wenn man es in händen hatte. Im obersten Fache, für Marie und Fritz unerreichbar, standen des Paten Droßelmeier Kunst— werke, gleich darunter war das Fach für die Bilderbücher. Die beiden untersten Fächer durften Marie und Fritz anfüllen, wie sie wollten; doch geschah es immer, daß Marie das unterste Fach ihren Puppen zur Wohnung einräumte, Fritz dagegen in dem Fache darüber feine Truppen Quartiere beziehen ließ. So war es auch heute gekommen, denn, indem Fritz seine Husaren oben aufgestellt, hatte Marie unten Mamsell Trudchen beiseite gelegt, die neue, schön geputzte Puppe in das sehr gut möblierte Simmer hineingesetzt und sich auf Suckerwerk bei ihr eingeladen. Sehr gut möbliert war das Simmer; wer weiß, ob noch andere Kinder ein kleines schön— geblümtes Sofa, mehrere allerliebste Stühlchen, einen niedlichen Teetisch, vor allen Dingen aber ein so nettes, blankes Bettchen besitzen, worin die schönsten Puppen ausruhen? Alles dieses stand in der Ecke des Schrankes, dessen Wände sogar mit bunten Bilderchen tapeziert waren, und in diesem Zimmer konnte die neue Puppe, die Mamsell Klärchen hieß, sich sehr wohl befinden.
Es war Mitternacht im Anzuge und Pate Droßelmeier längst fortgegangen, als die Kinder noch gar nicht wegkommen konnten von dem Glasschranke, so sehr auch die Mutter mahnte, daß sie doch endlich zu Bette gehen möchten. „Es ist wahr,“ rief endlich Fritz, „die armen Husaren wollen auch nun Ruhe haben; solange ich da bin, wagt keiner, ein bißchen zu nicken, das weiß ich schon!“ Damit ging er ab; Marie aber bat gar sehr:
„Nur noch ein Weilchen, ein kleines Weilchen laß mich hier, liebe Mutter, hab' ich doch noch manches zu besorgen, und ist das geschehn, so will ich ja gleich zu Bette gehen!“
Marie war ein gar frommes, vernünftiges Kind und so konnte die gute Mutter wohl ohne Sorgen sie noch bei den Spielsachen allein lassen. Damit aber Marie nicht etwa gar zu sehr verlockt werde von der neuen Puppe und darüber die Lichter vergäße, die rings um den Wandschrank brannten, löschte die Mutter sie sämtlich aus, so daß nur die Campe, die in der Mitte des Simmers von der Decke herabhing, ein sanftes, anmutiges Licht verbreitete. „Komm bald hinein, liebe Marie, sonst kannst du morgen nicht zu rechter Seit auf> stehen,“ rief die Mutter noch, indem sie das Schlafzimmen betrat.
Sobald sich Marie allein befand, schritt sie schnell dazu, was ihr zu tun recht auf dem herzen lag und was sie doch nicht der Mutter zu ent— decken vermochte. Noch immer hatte sie den
kranken Nußknacker, eingewickelt in ihr Taschentuch, auf dem Arme getragen. Jetzt legte sie ihn behutsam auf den Tisch, wickelte leise, leise das Tuch ab und sah nach den Wunden. Nuß⸗ knacker war sehr bleich,
aber dabei lächelte er jo wehmütig, daß es Marien recht durch das Herz ging. „Ach, Nußknackerchen“, sprach sie leise, „sei nur nicht böse, daß Bruder Fritz dir so wehe getan hat, er hat es auch nicht so schlimm gemeint, er ist nur ein bißchen hartherzig geworden durch das wilde Soldatenwesen, aber sonst ein recht guter Junge, das kann ich dich versichern. Nun will ich dich aber auch recht sorglich pflegen, bis du wieder ganz gesund und fröhlich geworden; deine Zähnchen recht fest einsetzen, dir die Schultern einrenken, das soll Pate Droßelmeier, der sich auf solche Dinge versteht.“
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