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Literatura
Siddhartha
Edición BooksWhale en alemán de Hermann Hesse
Hesses spirituelle Erzählung über Suche, Entsagung, Erfahrung, Liebe und innere Erkenntnis.
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Introducción del libro
Siddhartha
Siddhartha begleitet einen jungen Suchenden auf seinem Weg durch Askese, Weltleben, Liebe, Verlust und stille Einsicht. Hermann Hesse verbindet indische Motive mit moderner Seelenkunde und schafft eine der meistgelesenen spirituellen Erzählungen des 20. Jahrhunderts.
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Siddhartha wurde erstmals 1922 veröffentlicht. Die Veröffentlichung vor 1931 stützt die Gemeinfreiheit des deutschen Originaltexts in den Vereinigten Staaten.
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Siddhartha
Hermann Hesse
Capítulo de vista previaDER SOHN DES BRAHMANENVista previa
Im Schatten des Hauses, in der Sonne des Flußufers bei den Booten, im Schatten
des Salwaldes, im Schatten des Feigenbaumes wuchs Siddhartha auf, der
schöne Sohn des Brahmanen, der junge Falke, zusammen mit Govinda, seinem Freunde, dem
Brahmanensohn. Sonne bräunte seine lichten Schultern am Flußufer,
beim Bade, bei den heiligen Waschungen, bei den heiligen Opfern.
Schatten floß in seine schwarzen Augen im Mangohain, bei den
Knabenspielen, beim Gesang der Mutter, bei den heiligen Opfern, bei
den Lehren seines Vaters, des Gelehrten, beim Gespräch der Weisen.
Lange schon nahm Siddhartha am Gespräch der Weisen teil, übte sich mit
Govinda im Redekampf, übte sich mit Govinda in der Kunst der
Betrachtung, im Dienst der Versenkung. Schon verstand er, lautlos das
Om zu sprechen, das Wort der Worte, es lautlos in sich hinein zu
sprechen mit dem Einhauch, es lautlos aus sich heraus zu sprechen mit
dem Aushauch, mit gesammelter Seele, die Stirn umgeben vom Glanz des
klardenkenden Geistes. Schon verstand er, im Innern seines Wesens
Atman zu wissen, unzerstörbar, eins mit dem Weltall.
Freude sprang in seines Vaters Herzen über den Sohn, den Gelehrigen,
den Wissensdurstigen, einen großen Weisen und Priester sah er in ihm
heranwachsen, einen Fürsten unter den Brahmanen.
Wonne sprang in seiner Mutter Brust, wenn sie ihn sah, wenn sie ihn
schreiten, wenn sie ihn niedersitzen und aufstehen sah, Siddhartha,
den Starken, den Schönen, den auf schlanken Beinen Schreitenden, den
mit vollkommenem Anstand sie Begrüßenden.
Liebe rührte sich in den Herzen der jungen Brahmanentöchter, wenn
Siddhartha durch die Gassen der Stadt ging, mit der leuchtenden Stirn,
mit dem Königsauge, mit den schmalen Hüften.
Mehr als sie alle aber liebte ihn Govinda, sein Freund, der
Brahmanensohn. Er liebte Siddharthas Auge und holde Stimme, er liebte
seinen Gang und den vollkommenen Anstand seiner Bewegungen, er liebte
alles, was Siddhartha tat und sagte, und am meisten liebte er seinen
Geist, seine hohen, feurigen Gedanken, seinen glühenden Willen, seine
hohe Berufung. Govinda wußte: dieser wird kein gemeiner Brahmane
werden, kein fauler Opferbeamter, kein habgieriger Händler mit
Zaubersprüchen, kein eitler, leerer Redner, kein böser, hinterlistiger
Priester, und auch kein gutes, dummes Schaf in der Herde der Vielen.
Nein, und auch er, Govinda, wollte kein solcher werden, kein Brahmane,
wie es zehntausend gibt. Er wollte Siddhartha folgen, dem Geliebten,
dem Herrlichen. Und wenn Siddhartha einstmals ein Gott würde, wenn er
einstmals eingehen würde zu den Strahlenden, dann wollte Govinda ihm
folgen, als sein Freund, als sein Begleiter, als sein Diener, als sein
Speerträger, sein Schatten.
So liebten den Siddhartha alle. Allen schuf er Freude, allen war er
zur Lust.
Er aber, Siddhartha, schuf sich nicht Freude, er war sich nicht zur
Lust. Wandelnd auf den rosigen Wegen des Feigengartens, sitzend im
bläulichen Schatten des Hains der Betrachtung, waschend seine Glieder
im täglichen Sühnebad, opfernd im tiefschattigen Mangowald, von
vollkommenem Anstand der Gebärden, von allen geliebt, aller Freude,
trug er doch keine Freude im Herzen. Träume kamen ihm und rastlose
Gedanken aus dem Wasser des Flusses geflossen, aus den Sternen der
Nacht gefunkelt, aus den Strahlen der Sonne geschmolzen, Träume kamen
ihm und Ruhelosigkeit der Seele, aus den Opfern geraucht, aus den
Versen der Rig-Veda gehaucht, aus den Lehren der alten Brahmanen
geträufelt.
Siddhartha hatte begonnen, Unzufriedenheit in sich zu nähren. Er hatte
begonnen zu fühlen, daß die Liebe seines Vaters, und die Liebe seiner
Mutter, und auch die Liebe seines Freundes, Govindas, nicht immer und
für alle Zeit ihn beglücken, ihn stillen, ihn sättigen, ihm genügen
werde. Er hatte begonnen zu ahnen, daß sein ehrwürdiger Vater und
seine anderen Lehrer, daß die weisen Brahmanen ihm von ihrer Weisheit
das meiste und beste schon mitgeteilt, daß sie ihre Fülle schon in
sein wartendes Gefäß gegossen hätten, und das Gefäß war nicht voll,
Capítulo de vista previaBEI DEN SAMANASVista previa
Am Abend dieses Tages holten sie die Asketen ein, die dürren Samanas,
und boten ihnen Begleitschaft und Gehorsam an. Sie wurden angenommen.
Siddhartha schenkte sein Gewand einem armen Brahmanen auf der Straße.
Er trug nur noch die Schambinde und den erdfarbenen ungenähten
Überwurf. Er aß nur einmal am Tage, und niemals Gekochtes. Er
fastete fünfzehn Tage. Er fastete acht und zwanzig Tage. Das Fleisch
schwand ihm von Schenkeln und Wangen. Heiße Träume flackerten aus
seinen vergrößerten Augen, an seinen dorrenden Fingern wuchsen lang
die Nägel und am Kinn der trockne, struppige Bart. Eisig wurde sein
Blick, wenn er Weibern begegnete; sein Mund zuckte Verachtung, wenn er
durch eine Stadt mit schön gekleideten Menschen ging. Er sah Händler
handeln, Fürsten zur Jagd gehen, Leidtragende ihre Toten beweinen,
Huren sich anbieten, Ärzte sich um Kranke mühen, Priester den Tag für
die Aussaat bestimmen, Liebende lieben, Mütter ihre Kinder
stillen--und alles war nicht den Blick seines Auges wert, alles log,
alles stank, alles stank nach Lüge, alles täuschte Sinn und Glück und
Schönheit vor, und alles war uneingestandene Verwesung. Bitter
schmeckte die Welt. Qual war das Leben.
Ein Ziel stand vor Siddhartha, ein einziges: leer werden, leer von
Durst, leer von Wunsch, leer von Traum, leer von Freude und Leid. Von
sich selbst wegsterben, nicht mehr Ich sein, entleerten Herzens Ruhe
zu finden, im entselbsteten Denken dem Wunder offen zu stehen, das war
sein Ziel. Wenn alles Ich überwunden und gestorben war, wenn jede
Sucht und jeder Trieb im Herzen schwieg, dann mußte das Letzte
erwachen, das Innerste im Wesen, das nicht mehr Ich ist, das große
Geheimnis.
Schweigend stand Siddhartha im senkrechten Sonnenbrand, glühend vor
Schmerz, glühend vor Durst, und stand, bis er nicht Schmerz noch Durst
mehr fühlte. Schweigend stand er in der Regenzeit, aus seinem Haare
troff das Wasser über frierende Schultern, über frierende Hüften und
Beine, und der Büßer stand, bis Schultern und Beine nicht mehr froren,
bis sie schwiegen, bis sie still waren. Schweigend kauerte er im
Dorngerank, aus der brennenden Haut tropfte das Blut, aus Schwären der
Eiter, und Siddhartha verweilte starr, verweilte regungslos, bis kein
Blut mehr floß, bis nichts mehr stach, bis nichts mehr brannte.
Siddhartha saß aufrecht und lernte den Atem sparen, lernte mit wenig
Atem auskommen, lernte den Atem abzustellen. Er lernte, mit dem Atem
beginnend, seinen Herzschlag beruhigen, lernte die Schläge seines
Herzens vermindern, bis es wenige und fast keine mehr waren.
Vom Ältesten der Samanas belehrt, übte Siddhartha Entselbstung, übte
Versenkung, nach neuen Samanaregeln. Ein Reiher flog überm
Bambuswald--und Siddhartha nahm den Reiher in seine Seele auf, flog
über Wald und Gebirg, war Reiher, fraß Fische, hungerte Reiherhunger,
sprach Reihergekrächz, starb Reihertod. Ein toter Schakal lag am
Sandufer, und Siddharthas Seele schlüpfte in den Leichnam hinein, war
toter Schakal, lag am Strande, blähte sich, stank, verweste, ward von
Hyänen zerstückt, ward von Geiern enthäutet, ward Gerippe, ward Staub,
wehte ins Gefild. Und Siddharthas Seele kehrte zurück, war gestorben,
war verwest, war zerstäubt, hatte den trüben Rausch des Kreislaufs
geschmeckt, harrte in neuem Durst wie ein Jäger auf die Lücke, wo dem
Kreislauf zu entrinnen wäre, wo das Ende der Ursachen, wo leidlose
Ewigkeit begänne. Er tötete seine Sinne, er tötete seine Erinnerung,
er schlüpfte aus seinem Ich in tausend fremde Gestaltungen, war Tier,
war Aas, war Stein, war Holz, war Wasser, und fand sich jedesmal
erwachend wieder, Sonne schien oder Mond, war wieder Ich, schwang im
Kreislauf, fühlte Durst, überwand den Durst, fühlte neuen Durst.
Vieles lernte Siddhartha bei den Samanas, viele Wege vom Ich hinweg
lernte er gehen. Er ging den Weg der Entselbstung durch den Schmerz,
durch das freiwillige Erleiden und Überwinden des Schmerzes, des
Índice
Dentro de esta edición
- 01Full text
- 02DER SOHN DES BRAHMANEN
- 03BEI DEN SAMANAS
- 04GOTAMA
- 05ERWACHEN
- 06Buch der Welt und das Buch meines eigenen Wesens lesen wollte, ich
- 07KAMALA
- 08BEI DEN KINDERMENSCHEN
- 09SANSARA
- 10AM FLUSSE
- 11DER FÄHRMANN
- 12DER SOHN
- 13Teil seines Schicksals damit abnehmen können."
- 14GOVINDA
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