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Zur Farbenlehre
Edición BooksWhale en alemán de Johann Wolfgang von Goethe
Goethes großes Werk über Farbe, Wahrnehmung, Naturbeobachtung, Kunst und Wissenschaft.
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Introducción del libro
Zur Farbenlehre
Zur Farbenlehre zeigt Goethe als Naturforscher und Denker der Wahrnehmung. Das Werk verbindet Beobachtung, Licht, Farbe, Auge, Kunst und Wissenschaft und bleibt ein bedeutender deutscher Klassiker für Leser von Naturphilosophie, Kunsttheorie und Wissenschaftsgeschichte.
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Johann Wolfgang von Goethe starb 1832 und Zur Farbenlehre erschien 1810; diese Daten stützen die Gemeinfreiheit dieser deutschen Originalausgabe.
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Zur Farbenlehre
Johann Wolfgang von Goethe
Farbenlehre.
von Goethe.
Er ſter 8
Rebft einem Hefte mit ſechzehn Kupferfgfeln.
4 WAY
NAD ZB
Tuͤ bingen,
in der J. G. Cotta'ſchen Buchhandlung.
Ser
Durchlauchtigſten Herzoginn und Frauen
Luiſen
Regierenden Herzoginn
Sachſen : Weimar und Eiſenach.
Durchlauchtigſte Herzoginn, Gnaͤdigſte Frau.
Woͤre der Inhalt des gegenwaͤrtigen Werkes auch nicht durchaus geeignet Ew. Durchlaucht vorgelegt zu werden, koͤnnte die Behandlung des Gegebenen bey ſchaͤrferer Pruͤfung kaum genug thun; ſo gehoͤren doch dieſe Baͤnde Ew. Durchlaucht ganz eigentlich an, und ſind ſeit ihrer fruͤheren Entſtehung Hoͤchſtde⸗ nenſelben gewidmet geblieben.
Denn haͤtten Ew. Durchlaucht nicht die
Gnade gehabt, uͤber die Farbenlehre ſo wie
über verwandte Naturerſcheinungen einem muͤnd⸗ lichen Vortrag Ihre Aufmerkſamkeit zu ſchen— ken; ſo haͤtte ich mich wohl ſchwerlich im Stande gefunden, mir ſelbſt manches klar zu
machen, manches auseinander liegende zuſam—
menzufaſſen und meine Arbeit, wo nicht zu
vollenden, doch wenigſtens abzuſchließen.
Wenn es bey einem muͤndlichen Vortrage moͤglich wird die Phaͤnomene ſogleich vor Au—
gen zu bringen, manches in verſchiedenen
Nuͤckſichten wiederkehrend darzuſtellen; fo iſt dieſes freylich ein großer Vortheil, welchen
das geſchriebene, das gedruckte Blatt vermißt.
Moͤge jedoch dasjenige, was auf dem Papier
mitgetheilt werden konnte, Hoͤchſtdieſelben zu einigem Wohlgefallen an jene Stunden er— innern, die mir unvergeßlich bleiben, ſo wie mir ununterbrochen alles das mannigfaltige Gute vorſchwebt, das ich ſeit laͤngerer Zeit
und in den bedeutendſten Augenblicken meines
Lebens mit und vor vielen andern Ew. Durch: laucht verdanke.
Mit innigſter Verehrung mich unter— zeichnend
Ew. Durchlaucht
1 unterthaͤnigſter Weimar
den 30. Januar 1808. J. W. v. Goethe.
Vor w &
Ob man nicht, indem von den Farben geſprochen werden ſoll, vor allen Dingen des Lichtes zu er= waͤhnen habe, iſt eine ganz natuͤrliche Frage, auf die wir jedoch nur kurz und aufrichtig erwiedern: es ſcheine bedenklich, da bisher ſchon ſo viel und mancherley von dem Lichte geſagt worden, das Ge— ſagte zu wiederholen oder das oft Wiederholte zu
vermehren.
Denn eigentlich unternehmen wir umſonſt, das Weſen eines Dinges auszudruͤcken. Wirkungen werden wir gewahr, und eine vollſtaͤndige Ge—
ſchichte dieſer Wirkungen umfaßte wohl allenfalls
das Weſen jenes Dinges. Vergebens bemuͤhen
x
wir uns, den Charakter eines Menſchen zu ſchil— dern; man ſtelle dagegen ſeine Handlungen, ſeine Thaten zuſammen, und ein Bild des Charakters
wird uns entgegentreten.
Die Farben ſind Thaten des Lichts, Thaten und Leiden. In dieſem Sinne koͤnnen wir von denſelben Aufſchluͤſſe über das Licht erwarten. Far⸗
ben und Licht ſtehen zwar unter einander in dem ge—
nauſten Verhaͤltniß, aber wir muͤſſen uns beyde-
als der ganzen Natur angehoͤrig denken: denn ſie iſt es ganz, die ſich dadurch dem Sinne des Auges
beſonders offenbaren will.
Eben ſo entdeckt ſich die ganze Natur einem anderen Sinne. Man ſchließe das Auge, man oͤffne, man ſchaͤrfe das Ohr, und vom leiſeſten Hauch
bis zum wildeſten Geraͤuſch, vom einfachſten Klang
bis zur hoͤchſten Zuſammenſtimmung, von dem hef— tigſten leidenſchaftlichen Schrey bis zum ſanfteſten Worte der Vernunft iſt es nur die Natur, die
XI
ſpricht, ihr Daſeyn, ihre Kraft, ihr Leben und ihre Verhaͤltniſſe offenbart, ſo daß ein Blinder, dem das unendlich Sichtbare verſagt iſt, im Hoͤr—
baren ein unendlich Lebendiges faſſen kann.
So ſpricht die Natur hinabwaͤrts zu andern Sinnen, zu bekannten, verkannten, unbekannten
Sinnen; ſo ſpricht ſie mit ſich ſelbſt und zu uns
durch tauſend Erſcheinungen. Dem Aufmerkſa—
Capítulo de vista previaPart 2Vista previa
nicht; doch haben wir ſie ſo einzurichten geſucht,
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daß man fie zum didaktiſchen und polemiſchen Ge— brauch getroſt zur Hand nehmen, ja gewiſſe der- ſelben als einen Theil des noͤthigen Apparats an-
ſehen kann.
Und ſo bleibt uns denn nichts weiter uͤbrig, als auf die Arbeit ſelbſt hin zu weiſen, und nur vorher noch eine Bitte zu wiederholen, die ſchon ſo mancher Autor vergebens gethan hat, und die beſonders der deutſche Leſer neuerer Zeit ſo ſelten gewaͤhrt:
Si quid novisti rectius istis
Candidus imperti; si non, his utere mecum.
—— nem mungen im
entwarf
einer
ei Diet eh ee
Si vera nostra sunt aut falsa, erunt talia, licet nostra per vitam defendimus. Post fata nostra pueri qui nunc ludunt
nostri judices erunt,
Erſten Bandes
Erſter, didaktiſcher Theil,
XI.
XXIX.
In halt:
Erſte Abtheilung.
Phyfiologifge Farben.
Licht und Finſterniß zum Auge . 5 Schwarze und weiße Bilder zum Auge Graue Flächen und Bilder . .
Blendendes farbloſes Bild R Farbige Bilder . 9 5 5 N Farbige Schatten . ; N 4
Schwachwirkende Lichter 9 Subjective Hoͤſe . A 0 Pathologiſche Farben. Anhang 5
Zweyte Abtheilung.
Phy ſiſche Farben.
Dioptriſche Farben . h
Dioptriſche Farben der erſten Claſſe .
m. 89
Dioptriſche Farben der zweyten Claſſe, Re⸗
fraction
7 20H
XVI.
XVII.
XVIII.
XIX.
XX.
XXI.
XXII.
XXIII.
XXIV.
XXV.
XXVI.
XXVII.
XXVIII.
XXIX.
XXX.
XXXI.
XXXII.
XXXIII.
XXX
Subjective Verſuche.
Refraction ohne Farbenerſcheinung Bedingungen der Farbenerſcheinung
Bedingungen unter welchen die Far— benerſcheinung zunimmt .
Ableitung der angezeigten Phänomene Abnahme der farbigen Erfcheinung Graue Bilder durch Brechung verruͤckt Farbige Bilder durch Brechung verruͤckt Achromaſie und Hyperchromaſie Vorzuͤge der ſubjectiven Verſuche. Ue—
bergang zu den objectiven .
Objective Verſuche
Refraction ohne Farbenerſcheinung
Bedingungen der Farbenerſcheinung Bedingungen des Zunehmens der Er⸗
ſcheinung . $
Ableitung der angezeigten Phänomene Abnahme der farbigen Erſcheinung
Graue Bilder N Farbige Bilder .
Achromaſie und Hyperchromaſie Verbindung objectiver und ſubjectiver Verſuche . 2 Uebergang R Katoptriſche Farben Paroptiſche Farben Epoptiſche Farben.
XXXI
Dritte Abtheilung.
Chemiſche Farben. F. 480
XXXIV. Chemiſcher Gegenſatz . R . — 491
XXXV. Ableitung des Weißen 5 — 494 XXXVI. Ableitung des Schwarzen — 468 XXXVII. Erregung der Farbe . \ 308 XXXVIII. Steigerung 8 ; 8 N XXXIX. Culmination 0 N. n XL. Balangiren . 0 . — 331 N. Durchwandern des Kreiſes 2 58 XI.II. Umkehrung. 0 5 0 — .
XLIII. Fixation. R A 5 er BAR XLIV. Miſchung, Reale ; g — 551
XIV; Miſchung, Scheinbare. . „„ XLVI. Mittheilung, Wirkliche . ; — XLVII. Mittheilung, Scheinbare . a RA EEE XLVIII. Entziehung. a . a XLIX. Nomenclatur N . x 605 L. ſeineralien . 1 0 8 — 613 LI. Pflanzen 5 x e LII. Wuͤrmer, Inſecten, Fische 0 — 636 LIII. Vögel BED ENT en,, e are (OB LIV. Saͤugethiere und Menſchen a — 662 LV. Phyſiſche und chemiſche Wirkungen
farbiger Beleuchtung ; . — 673 LVI. Chemiſche Wirkung bey der dioptri—
ſchen Achromaſie . . — 682
XXXIL
Vierte Abtheilung.
Allgemeine Anſichten nach innen. §.
Wie leicht die Farbe entſteht . 5 j u Wie energiſch die Farbe fey 85 x 7 — Wie entſchieden die Farbe ſey 8 j .
Miſchung der beiden Seiten A 3 0 — Steigerung ins Rothe. x 2 b — Verbindung der geſteigerten Enden A . — Vollſtaͤndigkeit der mannigfaltigen Erſcheinung. — Uebereinſtimmung der vollſtaͤndigen Erſcheinung — Wie leicht die Farbe verſchwindet . . — Wie feſt die Farbe bleibt . ; - : —
Fuͤnfte Abtheilung.
Nachbarliche Verhaäͤltniſſe.
Verhaͤltniß zur Philoſophie . 5 } .
Verhaͤltniß zur Mathematik . F ö - Verhaͤltniß zur Technik des Faͤrbers 8 . — Verhaͤltniß zur Phyſiologie und Pathologie . — Verhaͤltniß zur Naturgeſchichte Ä R . — Verhaͤltniß zur allgemeinen Phyſik 8 5 —
Verhaͤltniß zur Tonlehre > 6 1 Schlußbetrachtung uͤber Sprache und 11 logie . j ‘ l ; ..—_—
Capítulo de vista previaPart 3Vista previa
Der Chemiker, welcher auf die Farben als Kri- terien achtet, um die geheimern Eigenſchaften koͤr— perlicher Weſen zu entdecken, hat bisher bey Be— nennung und Bezeichnung der Farben manches Hin-
derniß gefunden; ja man iſt nach einer naͤheren und feineren Betrachtung bewogen worden, die Farbe
XLVI
als ein unſicheres und truͤgliches Kennzeichen bey chemiſchen Operationen anzuſehen. Doch hoffen wir fie durch unſere Darſtellung und durch die vorge» ſchlagene RNomenclatur wieder zu Ehren zu bringen, und die Ueberzeugung zu erwecken, daß ein Werden» des, Wachſendes, ein Bewegliches, der Umwen— dung Faͤhiges nicht betruͤglich ſey, vielmehr geſchickt, die zarteſten Wirkungen der Natur zu offenbaren.
Blicken wir jedoch weiter umher, ſo wandelt uns eine Furcht an, dem Mathematiker zu miß— fallen. Durch eine ſonderbare Verknuͤpfung von Umſtaͤnden iſt die Farbenlehre in das Reich, vor den Gerichtsſtuhl des Mathematikers gezogen wor— den, wohin fie nicht gehoͤrt. Dieß geſchah we⸗ gen ihrer Verwandtſchaft mit den übrigen Geſetzen des Sehens, welche der Mathematiker zu behan— deln eigentlich berufen war. Es geſchah ferner dadurch, daß ein großer Mathematiker die Far— benlehre bearbeitete, und da er ſich als Phyſiker geirrt hatte, die ganze Kraft feines Talents auf— bot, um dieſem Irrthum Conſiſtenz zu verſchaffen.
Wird beydes eingeſehen, ſo muß jedes Mißver— ſtaͤndniß bald gehoben ſeyn, und der Mathemati— ker wird gern, beſonders die phyſiſche Abtheilung der Farbenlehre, mit bearbeiten helfen.
XLVII
Dem Techniker, dem Faͤrber hingegen, muß unſre Arbeit durchaus willkommen ſeyn. Denn gerade diejenigen, welche uͤber die Phaͤnomene der Faͤrberey nachdachten, waren am wenigſten durch die bisherige Theorie befriedigt. Sie waren die erſten, welche die Unzulaͤnglichkeit der Newtoniſchen Lehre gewahr wurden. Denn es iſt ein großer Un— terſchied, von welcher Seite man ſich einem Wiſſen, einer Wiſſenſchaft naͤhert, durch welche Pforte man herein kommt. Der echte Praktiker, der Fabrikant, dem ſich die Phaͤnomene taͤglich mit Gewalt auf— dringen, welcher Nutzen oder Schaden von der Ausuͤbung ſeiner Ueberzeugungen empfindet, dem Geld- und Zeitverluſt nicht gleichgültig iſt, der vorwaͤrts will, von anderen Geleiſtetes erreichen, uͤbertreffen ſoll; er empfindet viel geſchwinder das Hohle, das Falſche einer Theorie, als der Gelehrte. dem zuletzt die hergebrachten Worte für baare Muͤn⸗ ze gelten, als der Mathematiker, deſſen Formel immer noch richtig bleibt, wenn auch die Unter— lage nicht zu ihr paßt, auf die ſie angewendet worden. Und ſo werden auch wir, da wir von der Seite der Malerey, von der Seite aͤſthetiſcher Faͤrbung der Oberflaͤchen, in die Farbenlehre her— eingekommen, fuͤr den Maler das Dankenswer— theſte geleiſtet haben, wenn wir in der ſechſten
XLVIII
Abtheilung die ſinnlichen und ſittlichen Wirkungen der Farbe zu beſtimmen geſucht, und ſie dadurch dem Kunſtgebrauch annaͤhern wollen. Iſt auch hierbey, wie durchaus, manches nur Skitze ge— blieben, ſo ſoll ja alles Theoretiſche eigentlich nur die Grundzuͤge andeuten, auf welchen ſich hernach die That lebendig ergehen und zu geſetzlichem 20 vorbringen gelangen mag.
Erſte Abtheilung.
Phyſiologiſche Farben.
Dieſe Farben, welche wir billig oben an ſetzen, weil ſie dem Subject, weil ſie dem Auge, theils voͤllig, theils groͤßtens zugehoͤren, dieſe Farben, welche das Funda— ment der ganzen Lehre machen und uns die chromatiſche Harmonie, woruͤber ſo viel geſtritten wird, offenbaren, wurden bisher als außerweſentlich, zufaͤllig, als Taͤu— ſchung und Gebrechen betrachtet. Die Erſcheinungen der; ſelben ſind von fruͤhern Zeiten her bekannt, aber weil man ihre Fluͤchtigkeit nicht haſchen konnte, ſo verbannte man ſie in das Reich der ſchaͤdlichen Geſpenſter und be— zeichnete ſie in dieſem Sinne gar verſchiedentlich.
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- 02Part 2
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- 04Part 4
- 05Part 5
- 06Part 6
- 07Part 7
- 08Part 8
- 09Part 9
- 10Part 10
- 11Part 11
- 12Part 12
- 13Part 13
- 14Part 14
- 15Part 15
- 16Part 16
- 17Part 17
- 18Part 18
- 19Part 19
- 20Part 20
- 21Part 21
- 22Part 22
- 23Part 23
- 24Part 24
- 25Part 25
- 26Part 26
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- 31Part 31
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- 34Part 34
- 35Part 35
- 36Part 36
- 37Part 37
- 38Part 38
- 39Part 39
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- 41Part 41
- 42Part 42
- 43Part 43
- 44Part 44
- 45Part 45
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