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Zur Kritik der politischen Ökonomie
Édition BooksWhale en allemand par Karl Marx
Marx’ Vorarbeit zu Kapital, Wert, Geld, Ware und Kritik der politischen Ökonomie.
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Zur Kritik der politischen Ökonomie
Zur Kritik der politischen Ökonomie entwickelt Marx’ Analyse von Ware, Geld, Wertform und gesellschaftlicher Produktion. Das Buch ist ein wichtiger Zugang zu seiner ökonomischen Methode und zur Entstehung der Kritik, die später im Kapital weiter ausgearbeitet wurde.
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Zur Kritik
politischen Ökonomie
von
Karl Marx.
Erstes Heft.
Berlin.
Verlag von Franz Duncker.
(W. Besser's Verlags handlung.)
1859.
Erstes Buch.
Vom Kapital.
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Vorwort.
Ich betrachte das System der bürgerlichen Oekonomie in dieser
Reihenfolge: Kapital, Grundeigenthum, Lohnarbeit; Staat,
auswärtiger Handel, Weltmarkt. Unter den drei ersten Rubri⸗
ken untersuche ich die ökonomischen Lebensbedingungen der drei
großen Klassen, worin die moderne bürgerliche Gesellschaft zerfällt;
der Zusammenhang der drei andern Rubriken springt in die Augen.
Die erste Abtheilung des ersten Buchs, das vom Kapital handelt,
besteht aus folgenden Kapiteln: 1) die Waare; 2) das Geld oder
die einfache Cirkulation; 3) das Kapital im Allgemeinen. Die zwei
ersten Kapitel bilden den Inhalt des vorliegenden Heftes. Das Ge⸗
sammtmaterial liegt vor mir in Form von Monographien, die in
weit aus einander liegenden Perioden zu eigner Selbstverständigung,
nicht für den Druck niedergeschrieben wurden, und deren zusammen—
hängende Verarbeitung nach dem angegebenen Plan von äußern
Umständen abhängen wird. |
Eine allgemeine Einleitung, die ich hingeworfen hatte, unter-
drücke ich, weil mir bei näherem Nachdenken jede Vorwegnahme erst
zu beweisender Resultate störend scheint, und der Leser, der mir
überhaupt folgen will, sich entschließen muß, von dem Einzelnen
zum Allgemeinen aufzusteigen. Einige Andeutungen über den Gang
meiner eignen politisch⸗ökonomischen Studien mögen dagegen hier am
Platz scheinen.
Mein Fachstudium war das der Jurisprudenz, die ich jedoch
nur als untergeordnete Disciplin neben Philoso phie und Geschichte
— IV —
betrieb. Im Jahr 1842—43, als Redakteur der „Rheinischen Zei⸗
tung“, kam ich zuerst in die Verlegenheit über sogenannte materielle
Interessen mitsprechen zu müssen. Die Verhandlungen des Rhei—
nischen Landtags über Holzdiebstahl und Parzellirung des Grund—
eigenthums, die amtliche Polemik, die Herr von Schaper, damals
Oberpräsident der Rheinprovinz, mit der Rheinischen Zeitung über
die Zustände der Moselbauern eröffnete, Debatten endlich über Frei-
handel und Schutzzoll, gaben die ersten Anlässe zu meiner Beschäf⸗
tigung mit ökonomischen Fragen. Andererseits hatte zu jener Zeit,
wo der gute Wille „weiter zu gehen“ Sachkenntniß vielfach aufwog,
ein schwach philosophisch gefärbtes Echo des französischen Socialis—
mus und Kommunismus sich in der Rheinischen Zeitung hörbar ge—
macht. Ich erklärte mich gegen diese Stümperei, gestand aber zu⸗
gleich in einer Kontroverse mit der Allgemeinen Augsburger Zeitung
rund heraus, daß meine bisherigen Studien mir nicht erlaubten, ir⸗
gend ein Urtheil über den Inhalt der französischen Richtungen selbst
zu wagen. Ich ergriff vielmehr begierig die Illusion der Geranten
der Rheinischen Zeitung, die durch schwächere Haltung des Blattes
das über es gefällte Todesurtheil rückgängig machen zu können glaub⸗
ten, um mich von der öffentlichen Bühne in die Studierstube zurüd-
zuziehn.
Die erste Arbeit, unternommen zur Lösung der Zweifel, die
mich bestürmten, war eine kritische Revision der Hegel'schen Rechts⸗
philosophie, eine Arbeit, wovon die Einleitung in den 1844 in Paris
herausgegebenen Deutsch⸗Französischen Jahrbüchern erschien. Meine
Untersuchung mündete in dem Ergebniß, daß Rechtsverhältnisse wie
Staatsformen weder aus sich selbst zu begreifen sind, noch aus der
sogenannten allgemeinen Entwicklung des menschlichen Geistes, son—
dern vielmehr in den materiellen Lebensverhältnissen wurzeln, deren
Gesammtheit Hegel, nach dem Vorgang der Engländer und Franzosen
des 18. Jahrhunderts, unter dem Namen „bürgerliche Gesellschaft“
zusammenfaßt, daß aber die Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft
in der politischen Oekonomie zu suchen sei. Die Erforschung der
letztern, die ich in Paris begann, setzte ich fort zu Brüssel, wohin
BER.
ich in Folge eines Ausweisungsbefehls des Herrn Guizot über-
gewandert war. Das allgemeine Resultat, das sich mir ergab, und
einmal gewonnen, meinen Studien zum Leitfaden diente, kann kurz
so formulirt werden: In der gesellschaftlichen Produktion ihres
Lebens gehen die Menschen bestimmte, nothwendige, von ihrem
Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die
einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte
Chapitre d'aperçuPart 2Aperçu
Arbeitszeit ist das lebendige Dasein der Arbeit, gleichgültig gegen
ihre Form, ihren Inhalt, ihre Individualität; es ist ihr lebendiges
Dasein als quantitatives, zugleich mit seinem immanenten Maße.
Die in den Gebrauchswerthen der Waaren vergegenständlichte Ar—
beitszeit ist ebensowohl die Substanz, die sie zu Tauschwerthen macht
und daher zu Waaren, wie sie ihre bestimmte Werthgröße mißt.
Die korrelativen Quantitäten verschiedener Gebrauchswerthe, in wel—
chen dieselbe Arbeitszeit sich vergegenständlicht, sind Aequivalente, oder
alle Gebrauchswerthe find Aequivalente in den Proportionen, worin
sie dieselbe Arbeitszeit aufgearbeitet, vergegenständlicht enthalten.
Als Tauschwerth sind alle Waaren nur bestimmte Maße festge⸗
ronnener Arbeitszeit.
Zum Verständniß der Bestimmung des Tauschwerths durch Ar—
beitszeit sind folgende Hauptgesichtspunkte festzuhalten: Die Reduk⸗
tion der Arbeit auf einfache, so zu sagen qualitätslose Arbeit; die
specifische Art und Weise, worin die Tauschwerth setzende, also Waa⸗
ren producirende Arbeit, gesellschaftliche Arbeit ist; endlich der
Unterschied zwischen der Arbeit, sofern sie in Gebrauchswerthen, und
der Arbeit, sofern sie in Tauschwerthen resultirt.
Pre,
Um die Tauschwerthe der Waaren an der in ihnen enthaltenen
Arbeitszeit zu messen, müssen die verschiedenen Arbeiten selbst redu⸗
cirt sein auf unterschiedslose, gleichförmige, einfache Arbeit, kurz auf
Arbeit, die qualitativ dieselbe ist und sich daher nur quantitativ unter⸗
scheidet.
Diese Reduktion erscheint als eine Abstraktion, aber es ist eine
Abstraltion, die in dem gesellschaftlichen Produktionsproceß täglich
vollzogen wird. Die Auflösung aller Waaren in Arbeitszeit ist keine
größere Abstraktion, aber zugleich keine minder reelle, als die aller
organischen Körper in Luft. Die Arbeit, die fo gemessen ist durch
die Zeit, erscheint in der That nicht als Arbeit verschiedener Sub—
jekte, sondern die verschiedenen arbeitenden Individuen erscheinen viel-
mehr als bloße Organe der Arbeit. Oder die Arbeit, wie sie sich
in Tauschwerthen darstellt, könnte ausgedrückt werden als allge—
mein menschliche Arbeit. Diese Abstraktion der allgemein mensch⸗
lichen Arbeit existirt in der Durchschnittsarbeit, die jedes Durch⸗
schnitts⸗Individuum einer gegebenen Gesellschaft verrichten kann, eine
bestimmte produktive Verausgabung von menschlichem Muskel, Nerv,
Gehirn u. s. w. Es ist einfache Arbeit“), wozu jedes Durch—
schnitts⸗-Individuum abgerichtet werden kann und die es in der einen
oder andern Form verrichten muß. Der Charakter dieser Durch—
schnittsarbeit ist selbst verschieden in verschiedenen Ländern und ver—
schiedenen Kulturepochen, erscheint aber als gegeben in einer vorhan⸗
denen Gesellschaft. Die einfache Arbeit bildet die bei weitem größte
Masse aller Arbeit der bürgerlichen Gesellschaft, wie man sich aus
jeder Statistik überzeugen kann. Ob A während 6 Stunden Eisen
und während 6 Stunden Leinwand producirt und B ebenfalls wäh—
rend 6 Stunden Eisen und während 6 Stunden Leinwand produeirt,
oder ob A während 12 Stunden Eisen und B während 12 Stunden
Leinwand producirt, erscheint augenfällig als blos verschiedene An⸗
wendung derselben Arbeitszeit. Aber wie mit der komplicirten
Arbeit, die sich über das Durchschnitts-Niveau erhebt als Arbeit
von höherer Lebendigkeit, größerem specifischen Gewicht? Diese Art
Arbeit löst sich auf in zusammengesetzte einfache Arbeit, einfache Ar⸗
beit auf höherer Potenz, so daß z. B. ein komplicirter Arbeitstag
1) „Unskilled labour“ nennen es die englischen Oekonomen.
Bel,
gleich drei einfachen Arbeitstagen. Die Gesetze, die diese Reduktion
regeln, gehören noch nicht hierher. Daß die Reduktion aber statt⸗
findet, ist klar: denn als Tauschwerth ist das Produkt der kompli⸗
cirtesten Arbeit in bestimmter Proportion Aequivalent für das Pro—
dukt der einfachen Durchschnittsarbeit, also gleichgesetzt einem be⸗
stimmten Quantum dieser einfachen Arbeit.
Die Bestimmung des Tauschwerths durch die Arbeitszeit unter⸗
stellt ferner, daß in einer bestimmten Waare, einer Tonne Eisen
z. B., gleichviel Arbeit vergegenständlicht ist, gleichgültig ob sie
Arbeit von A oder B, oder daß verschiedene Individuen gleichgroße
Arbeitszeit zur Produktion desselben, qualitativ und quantitativ be⸗
stimmten Gebrauchswerths verwenden. In andern Worten, es ist
unterstellt, daß die in einer Waare enthaltene Arbeitszeit die zu
ihrer Produktion nothwendige Arbeitszeit ist, d. h. die Arbeits—
Chapitre d'aperçuPart 3Aperçu
rende Klugheit, wie schon Malthus richtig bemerkte, überall von der specifischen
Formbestimmtheit der ökonomischen Verhältnisse abstrahirt.
de
nach dem relativ feltenern und häufigeren Vorkommen dieser Metalle
in der Erdrinde. Dieselbe Arbeit mag sich mit Gunst der Jah⸗
reszeit in 2 Bushel Weizen, mit Ungunst derselben vielleicht nur in
1 Bushel Weizen vergegenständlichen. Seltenheit oder Ueberfluß
als Naturverhältnisse scheinen hier den Tauschwerth der Waaren
zu bestimmen, weil sie die an Naturverhältnisse gebundene Produk⸗
tivkraft besonderer realen Arbeit bestimmen.
Verschiedene Gebrauchswerthe enthalten in ungleichen Volumen
dieselbe Arbeitszeit, oder denselben Tauschwerth. In je kleinerem
Volumen ihres Gebrauchswerths, verglichen mit den andern Ge⸗
brauchswerthen, eine Waare ein bestimmtes Quantum Arbeitszeit
enthält, um so größer ist ihr specifischer Tauschwerth. Finden
wir, daß in verschiedenen, weit auseinander liegenden Kulturepochen
gewisse Gebrauchswerthe unter sich eine Reihe von specifischen Tausch⸗
werthen bilden, die wenn nicht exakt dasselbe Zahlenverhältniß, doch
das allgemeine Verhältniß der Ueber- und Unterordnung gegen ein⸗
ander bewahren, wie z. B. Gold, Silber, Kupfer, Eisen, oder Wei⸗
zen, Roggen, Gerste, Hafer, so folgt daraus nur, daß die fort—
schreitende Entwickelung der gesellschaftlichen Produktivkräfte gleich⸗
mäßig oder annähernd gleichmäßig auf die Arbeitszeit einwirkt, die
zur Produktion jener verschiedenen Waaren erfordert ist.
Der Tauschwerth einer Waare kommt nicht in ihrem eignen Ges
brauchswerth zur Erscheinung. Als Vergegenständlichung der allgemei—
nen gesellschaftlichen Arbeitszeit jedoch ist der Gebrauchswerth einer
Waare in Verhältnisse gesetzt zu den Gebrauchswerthen anderer
Waaren. Der Tauschwerth der einen Waare manifestirt sich so in
den Gebrauchswerthen der anderen Waaren. Aequivalent ist in der
That der Tauschwerth einer Waare ausgedrückt im Gebrauchswerth
einer andern Waare. Sage ich z. B. eine Elle Leinwand ist werth
2 Pfund Kaffee, fo ift der Tauschwerth der Leinwand in dem Ge-
brauchswerth Kaffee und zwar in einem bestimmten Quantum dieses
Gebrauchswerths ausgedrückt. Diese Proportion gegeben, kann ich
den Werth jedes Quantums Leinwand in Kaffee ausdrücken. Es
ist klar, daß der Tauschwerth einer Waare, z. B. der Leinwand,
nicht erschöpft ist in der Proportion, worin eine andere besondre Waare,
z. B. Kaffee, ihr Aequivaleut bildet. Das Quantum allgemeiner
Arbeitszeit, dessen Darstellung die Elle Leinwand ist, ist gleichzeitig
= 6 2
in unendlich verschiedenen Volumen von Gebrauchswerthen aller an:
dern Waaren realisirt. In der Proportion, worin der Gebrauchs-
werth jeder andern Waare gleichgroße Arbeitszeit darstellt, bildet er
ein Aequivalent für die Elle Leinwand. Der Tauschwerth dieser
einzelnen Waare drückt sich daher nur erschöpfend aus in den
unendlich vielen Gleichungen, worin die Gebrauchswerthe aller an⸗
dern Waaren ihr Aequivalent bilden. Nur in der Summe dieser
Gleichungen oder in der Gesammtheit der verschiedenen Proportionen
worin eine Waare mit jeder andern Waare austauschbar ist, ist sie
erschöpfend ausgedrückt als allgemeines Aequivalent. Z. B. die
Reihe der Gleichungen
1 Elle Leinwand = Ya Pfund Thee,
1 Elle Leinwand 2 Kaffee,
1 Elle Leinwand 8 Brod,
1 Elle Leinwand = 6 Ellen Kattun,
kann dargestellt werden als
1 Elle Leinwand = % Pf. Thee + Ya Pf. Kaffee + 2 Pf. Brod
+ 11⁄2 Ellen Kattun.
Wenn wir daher die ganze Summe von Gleichungen vor uns hätten,
worin sich der Werth einer Elle Leinwand erschöpfend ausdrückt,
könnten wir ihren Tauschwerth darstellen in der Form einer Reihe.
In der That ist diese Reihe unendlich, da der Umkreis der Waa⸗
ren nie definitiv abgeschlossen ist, sondern sich stets ausdehnt. In⸗
dem aber jo die eine Waare ihren Tauschwerth mißt in den Ge⸗
brauchswerthen aller andern Waaren, messen sich umgekehrt die
Tauschwerthe aller andern Waaren in dem Gebrauchswerth dieser
einen sich in ihnen messenden Waare ). Wenn der Tauschwerth
1 Elle Leinwand sich ausdrückt in Ya Pfd. Thee oder 2 Pfd. Kaffee
oder 6 Ellen Kattun oder 8 Pfd. Brod u. s. w., fo folgt, daß
Kaffee, Thee, Kattun, Brod u. s. w. in dem Verhältniß, worin sie
einem dritten, der Leinwand, gleich sind, unter einander gleich sind,
also Leinwand als gemeinschaftliches Maaß ihrer Tauschwerthe dient.
Table des matières
Dans cette édition
- 01Part 1
- 02Part 2
- 03Part 3
- 04Part 4
- 05Part 5
- 06Part 6
- 07Part 7
- 08Part 8
- 09Part 9
- 10Part 10
- 11Part 11
- 12Part 12
- 13Part 13
- 14Part 14
- 15Part 15
- 16Part 16
- 17Part 17
- 18Part 18
- 19Part 19
- 20Part 20
- 21Part 21
- 22Part 22
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