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Littérature
Der Biberpelz
Édition BooksWhale en allemand par Gerhart Hauptmann
Eine sozialkritische Komödie über Diebstahl, Amtsblindheit, Kleinbürgertum und schlaue Überlebenskunst.
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Der Biberpelz
Der Biberpelz zeigt Mutter Wolffen, einen gestohlenen Pelz und eine Bürokratie, die das Offensichtliche nicht erkennt. Hauptmann verbindet Naturalismus, Komödie, Milieustudie und politische Satire zu einem Klassiker der deutschen Bühne.
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Gerhart Hauptmann starb 1946, und Der Biberpelz wurde 1893 veröffentlicht; diese Daten stützen die Gemeinfreiheit des deutschen Originaltexts in Ländern mit siebzigjähriger Schutzfrist.
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Der Biberpelz
Gerhart Hauptmann
Personen-Verzeichniß.
von Wehrhahn, Amtsvorsteher. Krüger, Rentier.
Dortor Fleischer.
Motes.
Frau Motes.
Trau Wolff, Waschfrau. Julius Molff, ihr Mann. Adelheid, Be
Leontine, Seh Wulkow, Schiffer. Glasenapp, Amtsschreiber. Mitteldorf, Amtsdiener.
Ort des Geschehens irgendwo um Berlin. Zeit: Septennatskampf.
— —
Erster Akt.
(Kleiner, blaugetünchter, flacher Küchenraum mit niedriger Decke; ein Fenster links; eine rohgezimmerte Thür in's Freie führend rechts; eine Thür mit ausgehobenem Flügel mitten in der Hinterwand. — Links in der Ecke der Herd, darüber an der Wand Küchengeräth am Rahmen, rechts in der Ecke Ruder und Schiffereigeräth; gespaltenes Holz, sogenannte Stubben unter dem Fenster in einem Haufen. Eine alte Küchenbank, mehrere Schemel :c. 2c. — Durch den leeren Thürrahmen der Hinterwand blickt man in den zweiten Raum. Darin steht ein hochgemachtes, sauber gedecktes Bett, darüber hängen billige Photographien in noch billigeren Rahmen, Oeldruckköpfe in Visitenkartenformat ze. Ein Stuhl aus weichem Holz ist mit der Lehne gegen das Bett gestellt. — Es ist Winter, der Mond scheint. Auf dem Herd in einem Blechleuchter steht ein brennendes Talglicht. Leontine Wolff ist auf einem Schemel am Herd, Kopf und Arme auf der Herdplatte, eingeschlafen. Sie ist ein siebzehnjähriges, hübsches, blondes Mädchen in der Arbeitstracht eines Dienstmädchens. Ueber die blaue Kattunjacke hat sie ein dickes, wollenes Brusttuch gebunden. — Einige Sekunden bleibt es still, dann hört man, wie Jemand bemüht ist, von außen die Thür aufzuschließen, in der jedoch von innen der Schlüssel steckt. Nun pocht es).
Frau Wolff (unsichtbar, von außen). Adelheid! Adelheid! (Stille; dann wird von der andern Seite an's Fenster gepocht). Wirschte gleich uffmachen!
Leontine (im Schlaf). Nein, nein, ick laß mir nich schinden!
—
„ 8
Frau Wolff. Mach uff, Mädel, sonste komm ich durch's Fenster. (Sie trommelt sehr stark an's Fenfter).
Leontine (aufwachend). Ach, Du bist's, Mama! Ick komme ja schon! (Sie schließt innen auf).
Frau Wolff (ohne einen Sack, welchen fie auf der Schulter trägt, abzulegen). Was willst'n Du hier?
Leontine (verihlafen). 'n Abend, Mama!
Frau Wolff. Wie bist'n Du reingekommen, hä?
Leontine. Na, über'n Ziejenstall lag doch der Schlüssel. (Kleine Pause).
Frau Wolff. Was willste denn nu zu Hause, Mädel?
Leontine (läppisch maulend). Ich soll woll man jar nich mehr bei Euch komm?
Frau Wolff. Na, sei bloß so gutt, un thu Dich a Bissel. Das hab' ich zu gerne. (Sie läßt den Sack von der Schulter fallen). Du weest woll noch gar nich, wie spät daß schonn is? Mach bloß, daßte fortkommst zu Deiner Herrschaft.
Leontine. Wenn ick da man boch wer' mal 'n Bisken zu spät komm!
Frau Wolff. Nu nimm Dich in Obacht, hast De verstanden! Und sieh, daßte fortkommst, sonst haste verspielt.
Leontine (weinerlih, trotzig). Ick jeh nich mehr bei die Leute, Mama!
Frau Wolff lerstaunt). Du gehst nich. .. (Ironisch). Ach wo! Das ist ja was ganz Neues.
Leontine. Na brauch ick mir immer lassen schinden?
Eger
Frau Wolff (war bemüht ein Stück Rehwild aus dem Sack hervorzuziehen). I, schinden thun se Dich also bei Kriegers? Nee, so a armes Kind aber ooch! — Mit sowas komm mer ock uffgezogen! A Frauenzimmer wie a Dragoner . . . . Nanu faß an, dort unten a Sack! Du kannst Dich woll gar nich tälscher an— stellen? Bei mir haste damit kee Glide nich. 's Faullenzen lernste bei mir erscht recht nich! (Beide hängen den Rehbock am Thürpfosten auf). Nu sag ich der'sch aber zum letzten Male...
Leontine. Ick jeh nich mehr bei die Leute hin. Denn jeh' ick lieber in't Wasser, Mama!
Frau Wolff. Na, daßte ock bloß keen'n Schnuppen krigst.
Leontine. Ich spring in't Wasser!
Frau Wolff. Da ruff mich ock, herschte! Ich wer' Der an Schupps geben, daß De boch ja — und fliegst nich daneben.
Leontine (cchreit heftig). Na, brauch ick mir das woll jefallen zu lassen, det ick Aben's muß Holz rinräumen zwee Meter?
Chapitre d'aperçuBED NE:Aperçu
Frau Wolff. Sein immer noch sibzig. Ma kommt halt uff die Art gar nich recht weiter. So fufzig — sechzig Thaler uff eemal, wenn ma die uff eemal so hinlegn kennte. Da wär doch dr Grund und Boden bezahlt. Da könnt ma so hundert bis zwee wieder uffnehmen und vielleicht a paar hibsche Stub'n uffbaun. An Sommergast kenn' mer doch so nich uffnehmen: und Sommergäste die bringens hauptsächlich.
Julius. Na, immer zu — all —
Frau Wolff (resolut). Du bist a zu langsamer Mensch, Julian. Hättst Du woll das Grundstick ge⸗ kooft, hä? Nu? Un wenn mersch jetzt wieder wollten verkofen, da könnt mer schonn's Doppelte kriegen. Ich hab 'ne ganz andere Temperatur. Wenn Du bloß meine Temperatur hätt'st. ...
Julius. Ick arbeete doch — Wat nützt denn det Alles! :
Frau Wolff. Mit dem Bissel arbeiten wirschte weit komm.
Julius. Ick kann doch nich stehlen. Ick soll woll — all rinfallen.
Frau Wolff. De bist eben tumm und mußt boch tumm bleiben. Hier hat kee Mensch von Stehln geredt. Wer halt nich wagt, der gewinnt boch nich. Und wenn De erscht reich bist, Julian, und kannst in der Eklipage sitzen, da fragt Dich kee Mensch nich, wo De's herhast. Ja, wenn ma's von armen Leiten nähme! Aber wenn mer nu wirklich — und gingen.
——
——ů—
ne
zu Kriegern un lad'ten de zwee Meter Holz uff a Schlitten und stellten se drum'n bei uns in a Schuppen, da sein die Leite noch lange nich ärmer.
Julius. Holz? Wat soll det nu widder sin — mit det Holz?
Frau Wolff. Du bekimmerscht Dich eben reene um gar nischt. Deine Tochter, die kann ma zu Tode schinden. Holz hat se solln reinräumen, Abens um zehne un deswegen is je davongeloofen. A jo was läßt Du dr ruhig gefalln. Womeglich gibbste dem Kinde Kallasche und jagst se noch zu da Leiten zuricke.
Julius. Jewiß doch! — Thu ick! — Det sollt' mir infalln ...
N Wolff. Bei sowas muß immer ne Zr fein. Wer mich haut, sprech ich, den hau ich wieder —
810015 Na, hebb'n se all det Mächen jehau' 15
Frau Wolff. Na wennse is fortgeloofen, Julian?!
Nee, nee, mit Dir is nischt anzufang'n. Nu liegt das
Holz uff dr Gasse draußen. Na, wenn ich nu sagte, mer wolln gehn, schind'st Du meine Kinder, da nehm ich Dei Holz — Du wärscht mer a scheenes Gesichte schneiden.
Julius. Det will ick man ja nich . . . Wat ick
mir vor koofe! Ick kann boch all mehr, wie Brot
essen. I, ick will mir — det ausjebeten hebbn, det sowat . . . det Schlagen nich mehr vorkommt.
Frau Wolff. Nu rede nich erscht und hol Deine Strippe. Zeig lieber a Leiten, daß De N haft.
Der Biberpelz.
In eener Stunde is alles gemacht. Dann gehn mer schlafen und damit gutt. Und morgen brauchste nich in a Wald, da habn mer Holz, mehr wie mer brauchen. Julius. Na, wenn et rauskommt, mir is et eenjal. Frau Woff. Warum nich gar. Weck blos nich de Mädel. z Mitteldorf (von außen). Frau Wolfen, Frau Wolffen, sind Se noch wach?
Frau Wolff. Na freilich, Mitteldorf, komm Se ock rein! (Sie öffnet die Thür).
Mitteldorf (tritt ein im abgetragenen Dienstanzug und Ueberzieher. Sein Gesicht hat etwas Mephistophelisches. Seine Nase zeigt alkoholische Röthung. Er ist in seinem Auftreten sanft, fast schüchtern. Er spricht langsam und schleppend und ohne eine Miene zu verziehen). Ju'n Abend, Frau Wolffn.
Frau Wolff. Gu'n Nacht, woll'n Se woll sagen.
Mitteldorf. Ick bin schon vorhin mal hier jewesen. Erst war es mir so: ick sähe Licht, denn war et mit eenmal jänzlich dunkel. it hat mir boch Keener weiter jeantwort't. Nu hab ick et aber janz deitlich jesehn, dat diesmal Licht wa, un da komm ick noch ma.
Frau Wolff. Was bringen Se mir denn nu, Mitteldorf?
Mitteldorf (gat sich gesetzt, sinnt eine Weile und spricht dann). Deswegen bin ick ja herjekomm. Ick habe was von de Frau Amtsvorsteher.
Chapitre d'aperçuBESTEAperçu
Julius lerscheint in der Thür). Ich kann den Schlitten alleene nich rauskriejen. Et liejt ja drunter und drüber allens. Un ohne Licht jeht et nu schon ja nich.
Frau Wolff. Du weest Dr nu eemal schonn keen Rath. (Sie schlingt sich hastig Brust⸗ und Kopftuch um). Na wart ock, ick wer' Der helfen komm. Dort die Laterne, Mitteldorf. (Mitteldorf nimmt mühsam eine Laterne herunter und giebt sie Frau Wolff). So, dank scheen! (Sie steckt das Licht in die Laterne). Das steck mer hier rein und nu kenn' mer gehn. Jetzt wer' ich Der helfen, a Schlitten rausziehn. (Sie geht mit der Laterne voran. Mitteldorf folgt. In der Thür wendet fie sich und übergiebt Mitteldorf die Laterne). Sie kenn uns a Bissel leichten drzu!
Mitteldorf (teuchtend und vor sich hinsingend ab). Morgenro—oth, Morgenro—oth....
Zweiter Akt.
(Amtszimmer beim Amtsvorsteher von Wehrhahn: großer, weißge— tünchter, kahler Raum mit drei Fenstern in der Hinterwand. In der linken Wand die Eingangsthür. An der Wand rechts der lange Amtstisch mit Büchern, Akten ꝛc. belegt; hinter ihm der Stuhl für den Amtsvorsteher. Am Mittelfenster Tisch und Stuhl für den Schreiber. Ein Schrank aus weichem Holz vorn rechts, dem Amts—
vorsteher, wenn er au dem Stuhle sitzt, zur Hand, enthält die
Bücher. Aktenregale verkleiden die Linkswand. Sechs Stühle stehen ganz vorn, von der Linkswand an in einer Reihe. Man sieht die eventuell Daraufsitzenden von rückwärts. — Es ist ein heller Wintervormittag. Der Schreiber Glasenapp sitzt kritzelnd auf seinem Platz. Er ist eine dürftige, bebrillte Persönlichkeit. Amtsvorsteher von Wehrhahn, ein Aktenfascikel unterm Arm, tritt schnell ein. Wehr⸗ hahn ist gegen vierzig Jahre alt und trägt ein Monoele. Er macht den Eindruck eines Landjunkers. Seine Amtstracht besteht aus einem schwarzen, zugeknöpften Gehrock und hohen, über die Beinkleider ge— zogenen Schaftstiefeln. Er spricht nahezu im Fistelton und befleißigt sich militärischer Kürze im Ausdruck). Wehrhahn (nebenhin, wie ein Ueberbürdeter). Mojen! Glasenapp (steht auf). Jehorsamer Diener, Herr Amtsvorsteher. Wehrhahn. Was vorjefall'n, Glasenapp? Glasenapp (stehend in Papieren blätternd). Habe zu melden, Herr Amtsvorsteher — Da war zuerst .. . ja!
tn a
Der Jastwirth Fiebig. Er bittet um die Erlaubniß, Herr Vorsteher, am nächsten Sonntag Tanzmusik ab⸗ halten zu dürfen.
Wehrhahn. Sit das nicht . .. jagen Sie doch mal, „Fiebig“? hat Einer doch neulich den Saal herjejeben .. .? i
Glasenapp. Für die Freisinnigen. Zu Befehl, Herr Baron!
Wehrhahn. Derselbe Fiebig?
Glasenapp. Jawohl, Herr Baron!
Wehrhahn. Dem wolln wir 'mal Bischen Kandare anlegen! (Amtsdiener Mitteldorf tritt ein).
Mitteldorf. Jehorsamer Diener, Herr Baron!
Wehrhahn. Hören Sie 'mal: Ein für alle Mal — im Dienste bin ich der Amtsvorsteher.
Mitteldorf. Jawohl. Zu Befehl, Herr Bar — Herr Amtsvorsteher wollt' ich sagen.
Wehrhahn. Nun merken Sie sich das endlich mal, daß ich Baron bin, ist Nebensache. Kommt hier wenigstens gar nicht in Betracht. (Zu Glasenapp). Nun bitte, ich möchte weiter hören. War denn der Schriftsteller Motes nicht da?
Glasenapp. Jawohl, Herr Amtsvorsteher.
Wehrhahn. So. War also da? Da bin ich doch außerordentlich neugierig. Er wollte doch hoffent— lich wieder kommen?
Glasenapp. So gegen halb zwölwe will er wieder hier sein.
Wehrhahn. Hat er Ihnen vielleicht was ge⸗ sagt, Glasenapp?
Glasenapp. Er kam in Sachen des Doktor Fleischer.
Wehrhahn. Nun sagen Sie doch mal, Glase— napp, ist Ihnen der Doktor Fleischer bekannt?
Glasenapp. Ich weiß nur: er wohnt in der Villa Krüger.
Wehrhahn. Wie lange ist der Mann schon am Ort?
Glasenapp. Zu Michaeli bin ich gekommen.
Wehrhahn. Na ja, Sie kamen mit mir zu⸗ gleich, ich bin jetzt circa vier Monate hier.
Glasenapp (mit einem Blick auf Mitteldorf). Ich denke, der Mann muß zwei Jahre hier sein.
Wehrhahn (zu Mitteldorf). Sie können ja wohl keine Auskunft geben?
Mitteldorf. Zu dienen — Michaeli vorm Jahr.
Wehrhahn. Wie? Ist der Mann da hierher gezogen?
Mitteldorf. Zu dienen, — von Berlin, Herr... Herr Amtsvorsteher.
Table des matières
Dans cette édition
- 01Full text
- 02BED NE:
- 03BESTE
- 04I.
- 05ER. OR.
- 06ER BON
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