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Lichtenstein

Édition BooksWhale en allemand par Wilhelm Hauff

Ein populärer deutscher historischer Roman voller Abenteuer, Politik, Treue und schwäbischer Geschichte.

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Introduction du livre

Lichtenstein

Lichtenstein ist Wilhelm Hauffs berühmter historischer Roman über Herzog Ulrich, schwäbische Landschaften, politische Kämpfe, Liebe und Loyalität. Diese deutsche Originalausgabe ist ein gut zugänglicher Klassiker für Leser historischer Romane, deutscher Romantik und erzählerischer Abenteuerliteratur.

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Wilhelm Hauff died in 1827, and Lichtenstein was first published in 1826; these dates support the public-domain basis for this original German edition.

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Lichtenstein

Wilhelm Hauff

Die Sage, womit sich die folgenden Blätter beschäftigen, gehört jenem

Teil des südlichen Deutschlands an, welcher sich zwischen den

Gebirgen der Alb und des Schwarzwaldes ausbreitet. Das erstere

dieser Gebirge schließt, von Nordost nach Süden in verschiedener

Breite sich ausdehnend, in einer langen Bergkette dieses Land ein,

der Schwarzwald aber zieht sich von den Quellen der Donau bis hinüber

an den Rhein und bildet mit seinen schwärzlichen Tannenwäldern einen

dunklen Hintergrund für die schöne, fruchtbare, weinreiche Landschaft,

die, vom Neckar durchströmt, an seinem Fuße sich ausbreitet und

Württemberg heißt.

Dieses Land schritt aus geringem, dunklem Anfang unter mancherlei

Kämpfen siegend zu seiner jetzigen Stellung unter den Nachbarstaaten

hervor. Es erregt dies umso größere Bewunderung wenn man die Zeit

bedenkt, in welcher sein Name zuerst aus dem Dunkel tritt; jene Zeit,

wo mächtige Grenznachbarn, wie die Stauffen, die Herzoge von Teck,

die Grafen von Zollern, um seine Wiege gelagert waren; wenn man die

inneren und äußeren Stürme bedenkt, die es durchzogen und oft selbst

seinen Namen aus den Annalen der Geschichte zu vertilgen drohten.

Gab es doch sogar eine Zeit, wo der Stamm seiner Beherrscher auf ewig

aus den Hallen ihrer Väter verdrängt schien, wo sein unglücklicher

Herzog aus seinen Grenzen fliehen und in drückender Verbannung leben

mußte, wo fremde Herren in seinen Burgen hausten, fremde Söldner das

Land bewachten und wenig fehlte, daß Württemberg aufhörte zu sein,

jene blühenden Fluren zerrissen und eine Beute für viele oder eine

Provinz des Hauses Österreich wurden.

Unter den vielen Sagen, die von ihrem Land und der Geschichte ihrer

Väter im Mund der Schwaben leben, ist wohl keine von so hohem

romantischem Interesse wie die, welche sich an die Kämpfe der eben

erwähnten Zeit, an das wunderbare Schicksal jenes unglücklichen

Fürsten Ulrich knüpft.

Das Jahr 1519, in welches unsere Sage fällt, hat über ihn entschieden,

denn es ist der Anfang seines langen Unglückes. Doch darf die

Nachwelt sagen, es war der Anfang seines Glückes. War ja doch jene

lange Verbannung ein läuterndes Feuer, woraus er weise und kräftiger

als je hervorging. Es war der Anfang seines Glückes, denn seine

späteren Regentenjahre wird jeder Württemberger segnen, der die

religiöse Umwälzung, die dieser Fürst in seinem Vaterland

bewerkstelligte, für ein Glück ansieht.

In jenem Jahr war alles auf die Spitze gestellt. Der Aufruhr des

Armen Konrad war sechs Jahre früher mit Mühe gestillt worden. Doch

war das Landvolk hie und da noch schwierig, weil der Herzog dasselbe

nicht für sich zu gewinnen wußte, seine Amtleute auf ihre eigene

Faust arg hausten und Steuern auf Steuern erhoben wurden. Den

schwäbischen Bund, eine mächtige Vereinigung von Fürsten, Grafen,

Rittern und freien Städten des Schwaben- und Frankenlandes, hatte er

wiederholt beleidigt,hauptsächlich auch dadurch, daß er sich weigerte,

ihm beizutreten So sahen also alle seine Grenznachbarn mit

feindlichen Blicken auf sein Tun, als wollten sie nur die Gelegenheit

abwarten, ihn fühlen zu lassen, welch mächtiges Bündnis er verweigert

habe. Der Kaiser Maximilian, der damals noch regierte, war ihm auch

nicht ganz hold, besonders seit er im Verdacht stand, den Ritter Götz

von Berlichingen unterstützt zu haben, um sich an dem Kurfürsten von

Mainz zu rächen.

Der Herzog von Bayern, ein mächtiger Nachbar, dazu sein Schwager, war

ihm abgeneigt, weil Ulrich mit der Herzogin Sabina nicht zum besten

lebte. Zu allem diesem kam, um sein Verderben zu beschleunigen, die

Ermordung eines fränkischen Ritters, der an seinem Hof lebte.

Glaubwürdige Chronisten sagen, das Verhältnis des Johann von Hutten

zu Sabina sei nicht so gewesen, wie es der Herzog gerne sah. Daher

Chapitre d'aperçuKapitel 1Aperçu

Nach den ersten trüben Tagen des März 1519 war endlich am zwölften

ein recht freundlicher Morgen über der Reichsstadt Ulm aufgegangen.

Die engen, kalten Straßen mit ihren hohen, dunklen Giebelhäusern

hatte der schöne Morgen heller als sonst beleuchtet und ihnen einen

Glanz, eine Freundlichkeit gegeben, die zu dem heutigen festlichen

Ansehen der Stadt gar trefflich paßte. Die große Herdbruckergasse--

sie führt vom Donautor an das Rathaus--stand an diesem Morgen

gedrängt voll Menschen, die sich Kopf an Kopf wie eine Mauer an den

beiden Seiten der Häuser hinzogen, nur einen engen Raum in der Mitte

der Gasse übriglassend. Ein dumpfes Gemurmel gespannter Erwartung

lief durch die Reihen und brach nur in ein kurzes Gelächter aus, wenn

etwa die alten, strengen Stadtwächter eine hübsche Dirne, die sich zu

vorlaut in den freigelassenen Raum gedrängt hatte, etwas unsanft mit

dem Ende ihrer langen Hellebarde zurückdrängten, oder wenn ein Schalk

sich den Spaß machte: "Sie kommen! Sie kommen!" rief, alles lange

Hälse machte und schaute, bis es sich zeigte, daß man sich wieder

getäuscht habe.

Noch dichter aber war das Gedränge da, wo die Herdbruckergasse auf

den Platz vor dem Rathaus einbiegt. Dort hatten sich die Zünfte

aufgestellt. Die Schiffergilde mit ihren Altmeistern an der Spitze,

die Weber, die Zimmerer, die Brauer mit ihren Fahnen und

Gewerbezeichen, sie alle waren im Sonntagswams und wohlbewaffnet

zahlreich dort versammelt.

Bot aber schon die Menge hier unten einen fröhlichen, festlichen

Anblick dar, so war dies noch mehr der Fall mit den hohen Häusern der

Straße selbst. Bis an die Giebeldächer waren alle Fenster voll

geputzter Frauen und Mädchen, um welche sich die grünen Tannen- und

Taxuszweige, die bunten Teppiche und Tücher, mit welchen die Seiten

geschmückt waren, wie Rahmen um liebliche Gemälde zogen.

Das anmutigste Bild gewährte wohl ein Erkerfenster am Hause des Herrn

Hans von Besserer. Dort standen zwei Mädchen, so verschieden an

Gesicht, Gestalt und Kleidung, und doch beide von so ausgezeichneter

Schönheit, daß, wer sie von der Straße betrachtete, eine Weile

zweifelhaft war, welcher er wohl den Vorzug geben möchte.

Beide schienen nicht über achtzehn Jahre alt zu sein. Die eine,

größere, war zart gebaut, reiches, braunes Haar zog sich um eine

freie Stirn, die gewölbten Bogen ihrer dunklen Brauen, das ruhige,

blaue Auge, der feingeschnittene Mund, die zarten Farben der Wangen--

sie gaben ein Bild, das unter unseren heutigen Damen für sehr

anziehend gelten würde, das aber in jenen Zeiten, wo noch höheren

Farben, volleren Formen der Apfel zuerkannt wurde, nur durch seine

gebietende Würde neben der anderen Schönen sich geltend machen konnte.

Diese, kleiner und in reichlicherer Fülle als ihre Nachbarin, war

eines jener unbesorgten, immer heiteren Wesen, welche wohl wissen,

daß sie gefallen. Ihr hellblondes Haar war nach damaliger Sitte der

Ulmer Damen in viele Löckchen und Zöpfchen geschlungen und zum Teil

unter ein weißes Häubchen voll kleiner, künstlicher Fältchen gesteckt.

Das runde frische Gesichtchen war in immerwährender Bewegung, noch

rastloser glitten die lebhaften Augen über die Menge hin, und der

lächelnde Mund, der alle Augenblicke die schönen Zähne sehen ließ,

zeigte deutlich, daß es unter den vielerlei abenteuerlichen Gruppen

und Gestalten nicht an Gegenständen fehle, die ihrer fröhlichen Laune

zur Zielscheibe dienen mußten.

Hinter den beiden Mädchen stand ein großer, bejahrter Mann; seine

tiefen, strengen Züge, seine buschigen Augenbrauen, sein langer

dünner, schon ins Graue spielender Bart, selbst sein ganz schwarzer

Anzug, der wunderlich gegen die reichen, bunten Farben um ihn her

abstach, gaben ihm ein ernstes, beinahe trauriges Aussehen, das kaum

ein wenig milder wurde, wenn ein Schimmer von Freundlichkeit,

hervorgelockt durch die glücklichen Einfälle der Blondine, wie ein

Chapitre d'aperçuKapitel 2Aperçu

Der festliche Aufzug, den wir auf den letzten Blättern beschrieben

haben, galt den Häuptern und Obersten des schwäbischen Bundes, der an

diesem Tag, auf seinem Marsch von Augsburg, wo er sich versammelt

hatte, in Ulm einzog. Der Leser kennt aus der Einleitung die Lage

der Dinge. Herzog Ulrich von Württemberg hatte durch die

Unbeugsamkeit, mit welcher er trotzte, durch die allzu heftigen

Ausbrüche seines Zornes und seiner Rache, durch die Kühnheit, mit

welcher er, der einzelne, so vielen verbündeten Fürsten und Herren

die Stirne bot, zuletzt noch durch die plötzliche Einnahme der

Reichsstadt Reutlingen den bittersten Haß des Bundes auf sich gezogen.

Der Krieg war unvermeidlich; denn es stand nicht zu erwarten, daß

man, so weit gegangen, friedliche Vorschläge tun werde.

Hinzu kamen noch die besonderen Rücksichten, die jeden leiteten. Der

Herzog von Bayern, um seiner Schwester Sabina Genugtuung zu

verschaffen, die Schar der Huttischen, um ihren Stammesvetter zu

rächen, unglücklichen Dietrich von Spät und seine Gesellen, um ihre

Schmach in Württembergs Unglück abzuwaschen die Städte und Städtchen,

um Reutlingen wieder gut bündisch zu machen, sie alle hatten ihre

Banner entrollt und sich mit blutigen Gedanken und lüstern nach

gewisser Beute eingestellt.

Bei weitem friedlicher und fröhlicher waren bei diesem Einzug die

Gesinnungen Georgs von Sturmfeder, jenes "artigen Reiters", der

Bertas Neugierde in so hohem Grad erweckt, dessen unerwartete

Erscheinung Mariens Wangen mit so tiefem Rot gefärbt hatte. Wußte er

doch kaum selbst, wie er zu diesem Feldzug kam, da er, obgleich den

Waffen nicht fremd, doch nicht zunächst für das Waffenwerk bestimmt

war. Aus einem armen, aber angesehenen Stamm Frankens entsprossen,

war er, früh verwaist, von einem Bruder seines Vaters erzogen worden.

Schon damals hatte man angefangen, gelehrte Bildung als einen

Schmuck des Adels zu schätzen. Daher wählte sein Oheim für ihn diese

Laufbahn. Die Sage erzählt nicht, ob er auf der hohen Schule in

Tübingen die damals in ihrem ersten Erblühen war, in den

Wissenschaften viel getan. Es kam nur die Nachricht bis auf uns, daß

er einem Fräulein von Lichtenstein, die bei einer Muhme in jener

Musenstadt lebte, wärmere Teilnahme schenkte als den Lehrstühlen der

berühmtesten Doktoren. Man erzählt sich auch, daß das Fräulein mit

ernstem, beinahe männlichem Geist alle Künste, womit andere ihr Herz

bestürmten, gering geachtet habe. Zwar kannte man schon damals alle

jene Kriegslisten, ein hartes Herz zu erobern und die Jünger der

alten Tubinga hatten ihren Ovid vielleicht besser studiert als die

heutigen. Es sollen aber weder nächtliche Liebesklagen noch

fürchterliche Schlachten und Kämpfe um ihren Besitz die Jungfrau

erweicht haben. Nur einem gelang es, dieses Herz für sich zu

gewinnen, und dieser eine war Georg. Sie haben zwar, wie es stille

Liebe zu tun pflegt, niemand gesagt, wann und wo ihnen der erste

Strahl des Verständnisses aufging, und wir sind weit entfernt, uns in

dieses süße Geheimnis der ersten Liebe eindrängen zu wollen, oder gar

Dinge zu erzählen, die wir geschichtlich nicht belegen können. Doch

können wir mit Grund annehmen, daß sie schon bis zu jenem Grad der

Liebe gediehen waren, wo man, gedrängt von äußeren Verhältnissen,

gleichsam als Trost für das Scheiden, ewige Treue schwört. Denn als

die Muhme in Tübingen das Zeitliche gesegnet und Herr von

Lichtenstein sein Töchterlein zu sich holen ließ, um sie nach Ulm, wo

ihm eine Schwester verheiratet war, zu weiterer Ausbildung zu

schicken, da merkte Rose, Mariens alte Zofe, daß so heiße Tränen und

die Sehnsucht, mit welcher Marie noch einmal und immer wieder aus der

Sänfte zurücksah, nicht den bergigen Straßen denen sie Valet sagen

mußte, allein gelte.

Bald darauf langte auch ein Sendschreiben an Georg an, worin ihm sein

Table des matières

Dans cette édition

  1. 01Full text
  2. 02Kapitel 1
  3. 03Kapitel 2
  4. 04Kapitel 3
  5. 05Kapitel 4
  6. 06Kapitel 5
  7. 07Kapitel 6
  8. 08Kapitel 7
  9. 09Kapitel 8
  10. 10Kapitel 9
  11. 11Kapitel 10
  12. 12Kapitel 11
  13. 13Kapitel 12
  14. 14Kapitel 13
  15. 15Kapitel 14
  16. 16Kapitel 15
  17. 17Kapitel 16
  18. 18Kapitel 17
  19. 19Kapitel 18
  20. 20Kapitel 19
  21. 21Kapitel 20
  22. 22Kapitel 21
  23. 23Kapitel 22
  24. 24Kapitel 23
  25. 25Kapitel 24
  26. 26Kapitel 25
  27. 27Kapitel 26
  28. 28Kapitel 27
  29. 29Kapitel 28
  30. 30Kapitel 29
  31. 31Kapitel 30
  32. 32Kapitel 31
  33. 33Kapitel 32
  34. 34Kapitel 33
  35. 35Kapitel 34
  36. 36Kapitel 35
  37. 37Kapitel 36

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